AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 9/2003

Evolution Kleinvieh durch Wärme


Darstellung der Evolution
NASA

Darstellung der Evolution

Eine Klimaerwärmung vor rund 55 Millionen Jahren hatte unerwartete Auswirkungen auf die Entwicklung von Säugetieren, die um diese Zeit auf dem nordamerikanischen Festland lebten: Sie verzwergten. Auf den Kleinwuchs stieß der US-Forscher Philip Gingerich von der University of Michigan bei der Untersuchung von Fossilien.

"Pferde aus dieser Periode", so der Wissenschaftler, "die zuvor so groß waren wie Hunde, schrumpften auf die Maße von Siamkatzen." Die Ursache für die Miniaturisierung glaubt der Forscher im abnormalen Pflanzenwuchs während der rund 80.000 Jahre dauernden Wärmephase erkannt zu haben. Die Flora entwickelte in dieser Zeit Turboqualitäten.

Doch offenbar waren die Pflanzen dadurch nicht mehr so nahrhaft wie zuvor; denn beim übermäßigen Größenwachstum veränderte sich zugleich ihr Stoffwechsel: Sie bildeten weniger Proteine, dafür aber umso mehr Abwehrstoffe gegen natürliche Feinde. Die Folge: Pflanzenfresser entwickelten sich langsamer und blieben insgesamt kleiner.

Ob es sich bei der Verzwergung um eine echte evolutionäre Anpassung handelte oder nur kleinere Arten die größeren verdrängten, lässt sich nach Ansicht des Forschers noch nicht beantworten. Sicher ist: Der Prozess war am Ende der Wärmeperiode umkehrbar. Als die Temperaturen wieder fielen, entwickelte sich auch die Tierwelt zur ursprünglichen Größe zurück.



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