AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 31/2003

Filmwirtschaft "Arnie lohnt jeden Cent"

Der deutsche Filmfinanzier Moritz Bormann, 48, über das von ihm produzierte Werk "Terminator 3 ­ Rebellion der Maschinen", den Fortsetzungswahn und die Gagen-Explosion in Hollywood.


SPIEGEL:

Herr Bormann, die amerikanische Filmindustrie beklagt erstmals seit Jahren einen Zuschauerrückgang. Ist es das Publikum leid, Fortsetzungen wie "Terminator 3" zu sehen?

Schwarzenegger in "Terminator 3"
REUTERS

Schwarzenegger in "Terminator 3"

Bormann: Wir sind mit den Einspielergebnissen zufrieden. Vor allem außerhalb der USA läuft der Film viel besser, als wir gedacht hatten. Ich glaube allerdings, dass die Ballung von Fortsetzungen in diesem Sommer bei den Zuschauern zu einem Ermüdungseffekt geführt hat. Hinzu kommt, dass sich das Publikum an computeranimierten Bildern satt zu sehen beginnt. Deswegen haben wir bei "Terminator 3" auch auf klassische Spezialeffekte gesetzt. Die Autos, die durch die Luft fliegen, waren echt.

SPIEGEL: Dennoch hat Ihr Film in den USA vom ersten auf das zweite Wochenende über 50 Prozent verloren.

Bormann: Die Marketingmaschinen sind mittlerweile ganz auf das erste Wochenende ausgerichtet, um das jugendliche Publikum, das die Filme so früh wie möglich sehen will, zu mobilisieren. Das muss man auch, denn am nächsten Wochenende starten zwei weitere Blockbuster, die einem die Zuschauer wegnehmen. Ich glaube, die Dichte der Filme, die in diesem Sommer in die Kinos kommen, ist für den Markt einfach zu groß.

SPIEGEL: Etliche Sommerfilme sind Fortsetzungen und Remakes. Hat Hollywood Angst vor neuen Stoffen?

Bormann: Bestimmt, denn mit denen ist immer ein weit höheres Risiko verbunden als mit einem bewährten Stoff, den man nur fortschreiben muss. Mut zum Experiment ist sicher nicht die herausragendste Eigenschaft amerikanischer Studiobosse.

SPIEGEL: Sie haben Arnold Schwarzenegger angeblich 30 Millionen Dollar gezahlt, damit er noch einmal den Terminator spielt. Ist er das Geld wirklich wert?

Bormann: Jeden Cent davon. Stellen Sie sich "Terminator 3" ohne ihn vor: Was bliebe dann noch? Arnold hat die Marke geschaffen. Dafür soll er auch das Geld bekommen, das ihm zusteht. Schließlich gehen die Zuschauer seinetwegen ins Kino.



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