AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 13/2004

Literatur Der Vatikan in Panik

War Jesus Christus gar kein Single? Der Thrillerautor Dan Brown unterstellt ihm in seinem "Sakrileg" Nachkommenschaft.


Für einen Thriller ist die katholische Kirche immer gut. Im Pariser Louvre liegt der Direktor eines Nachts übel zugerichtet zwischen den Meisterwerken der Kunstgeschichte, haucht qualvoll sein Leben aus und kann zuvor gerade noch ein paar geheimnisvolle Informationen hinterlassen. Robert Langdon, renommierter und beherzter Symbolologe an der Universität Harvard, ist auf wundersame Weise in der Nähe und nimmt sich des Falls an.

Er findet heraus: Eine uralte Geheimbruderschaft ist im Besitz gefährlichen Wissens. Der Heiland ist demnach nicht als kinderloser Single, sondern als Vater gestorben. Und das Thema der Nachkommenschaft Jesu Christi - auf der Hypothese basiert der Roman "Sakrileg" des US-Autors Dan Brown, 39 - ist im Vatikan unbeliebter als Uta Ranke-Heinemann und Hans Küng zusammen. Die Kirche will verhindern, dass das frevlerische Wissen den Glauben ihrer Anhänger erschüttert. Sie schickt ihre Schergen los: Eine wilde Verfolgungsjagd um die halbe Welt hebt an. Zu Beginn funktioniert das spannende Konstrukt des Autors problemlos: eine forsche Mischung aus Historienspiel, Spionage-Spektakel und bewährten Thriller-Utensilien. Zum Ende hin begeht Brown allerdings ein Sakrileg am Genre: Er übertreibt.

JOACHIM KRONSBEIN


Dan Brown: Sakrileg. Aus dem Amerikanischen von Piet van Poll. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach; 608 Seiten; 19,90 Euro.



© DER SPIEGEL 13/2004
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