Leipziger Buchmesse: Seele sucht Heimat

Von Silja Ukena

Jenny Erpenbeck entdeckt in einem Landhaus deutsche Geschichte.

Wenn das Haus fertig ist, kommt der Tod. So heißt es. In das Haus, das irgendwann im Verlaufe seiner Geschichte auch einmal den Großeltern der Schriftstellerin Jenny Erpenbeck gehörte, kam der Tod sehr oft - in wechselnder Gestalt. Manchmal nahm er den ganzen Menschen mit sich, manchmal nur eine Seele. Nie jedoch hat einer freiwillig diesen Ort verlassen. Alle hatten sie bleiben wollen an jenem waldigen Seeufer, wo die Tochter des Dorfschulzen einst ins Wasser ging.

Auch Jenny Erpenbeck, der das Haus zuletzt gehörte, musste wieder fortziehen - zugunsten der Erben der Alteigentümer. Erpenbeck, 40, gerühmt für ihre "Geschichte vom alten Kind" (1999), hat den Roman "Heimsuchung" als persönlichen Abschied von jenem besonderen Ort geschrieben, und es ist auch ein Friedenmachen mit der Erinnerung. Sie erzählt von zwölf Menschen, die dort ein Zuhause suchten. Zwölf Lebensläufe, vom Kaiserreich bis in die Gegenwart, deren Kreuzungspunkt ein Stück Land am Wasser ist. Erpenbeck ist unter den Autoren ihrer Generation die leise Poetin. Die Wucht ihrer Sprache liegt nicht in den einzelnen Worten, sondern zwischen den Sätzen. "Heimsuchung" ist ein Meisterwerk. Wie der Architekt, eine ihrer Figuren, einst den Schornstein seines Hauses mit eigenen Händen aufmauerte, so setzt sie Satz auf Satz bis zum literarischen Schlussstein.


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