AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 21/2008

Jugendschutz Bann gegen Buch


Das Innenministerium hat die Bundeszentrale für politische Bildung angewiesen, den Versand eines Sammelbands mit dem Titel "Computerspiele(r) verstehen" bis auf weiteres zu stoppen. Das in einer Auflage von 12.000 Exemplaren gedruckte Buch der Bonner Behörde - Herausgeber ist der Medienpädagoge Jürgen Fritz von der Fachhochschule Köln - befasst sich mit der Nutzung von Computerspielen.

Anlass für den vorläufigen Bann ist ein Plagiatsvorwurf gegen einen der Aufsätze aus der Feder des Medienwissenschaftlers Winfred Kaminski, der ebenfalls als Professor an der Fachhochschule Köln lehrt. Kaminski hat den Vorwurf gegenüber der Bundeszentrale grundsätzlich bestritten. Im Gespräch mit dem SPIEGEL räumte er allerdings ein, er habe verschiedene Texte aus Internet-Artikeln übernommen und nicht sorgfältig genug darauf geachtet, dass dies dem Leser immer deutlich werde.

Hintergrund des Plagiatvorwurfs ist ein Grundsatzstreit zum Inhalt des Buches. In einer Analyse kommt das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen unter Führung des früheren niedersächsischen Justizministers Christian Pfeiffer zu dem Schluss, dass in dem Werk Risiken für Spieler verharmlost oder ganz ausgeblendet würden; manche Aufsätze läsen sich wie Werbung für bestimmte Spiele.

Pfeiffer unterstellt dem Kölner Institut eine gefährliche Nähe zur Industrie, weil die Fachhochschule 2007 von dem Spielehersteller Electronic Arts (EA) und dem Konsolenproduzenten Nintendo 200.000 Euro für seine medienpädagogische Arbeit erhielt. Weitere knapp 50.000 Euro steuerte EA für eine vom Institut veranstaltete Fachtagung bei. Herausgeber Fritz weist Pfeiffers Vorwurf zurück. Das Geld fließe nicht in die Forschungsarbeit ein; das Institut sei in seiner Arbeit vollkommen unabhängig.

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