AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 49/1999

Raumfahrt Augen aus Gold


Der größte wissenschaftliche Satellit, der bislang in Europa gebaut wurde, das Röntgen-Weltraumteleskop XMM, soll am Freitag dieser Woche vom Startplatz Kourou (Französisch-Guayana) in seine Umlaufbahn geschossen werden. Es ist zugleich der erste kommerzielle Einsatz für Europas stärkste Trägerrakete, die Ariane 5. Sie soll das "außergewöhnliche Teleskop, das die Erforschung der kosmischen Röntgenstrahlung revolutionieren wird" (wie die Europäische Raumfahrtagentur Esa verspricht), auf seine hoch exzentrische 48-Stunden-Bahn bringen, die XMM bis zu 114 000 Kilometer von der Erde wegführt, um sich ihr dann wieder bis auf 7000 Kilometer zu nähern. Das 3,8 Tonnen schwere Himmelsobservatorium besitzt drei fassförmige Spiegelmodule, in denen jeweils 58 hauchdünne, glatt polierte, leicht gekrümmte Rundspiegel mit vergoldeter Oberfläche nach Art russischer Puppen ineinander geschachtelt sind. Mit ihrer Gesamtspiegelfläche von der Größe eines halben Tennisplatzes haben die goldenen Augen ein Vielfaches des Sammelvermögens früherer Röntgensatelliten. XMM, so kündigt die Esa an, "wird die verborgenen Tiefen des Universums ­ sozusagen seine ,Krisenherde'­ erforschen, wo Sterne und Galaxien entstehen und ganze Welten verschwinden".



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