AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 30/2008

Medizin: Rauchen ohne Rauch

Von

2. Teil: Goldgräberstimmung in der E-Zigaretten-Branche

Es herrscht Goldgräberstimmung in der E-Zigaretten-Branche; seine Umsätze hätten sich seit Inkrafttreten des deutschlandweiten Rauchverbots verfünfundzwanzigfacht, behauptet ein Importeur.

Seit über 20 Jahren forschen Tabakkonzerne fieberhaft an rauchfreien Alternativen. Die Firma Reynolds zum Beispiel testete 1996 die neuartige Marke "Hi Q", einen Glimmstengel, der Tabak nicht verbrennt, sondern lediglich erhitzt, um Nikotin und Geschmacksstoffe freizusetzen, beworben als "rücksichtsvolle Zigarette". Die virtuellen Fluppen floppten.

Doch dann geschah etwas, was fast wie Science-Fiction klingt: eine digitale Revolution des Rauchens. Seit 1999 hatte die chinesische Firma Ruyan an einem neuen Nikotinspender gearbeitet. Der Name Ruyan bedeutet so viel wie "Wie eine Zigarette". Fünf Jahre später kam die erste Elektro-Zigarette auf den Markt der Volksrepublik, mit angeblich rund 500.000 verkauften Einheiten zum Basispreis von weniger als einem Euro. Die Erfindung wurde als Ausstiegstherapie für Raucher bejubelt, der Staat verlieh der Firma einen Ehrenpreis.

Eine neue Ära begann: Statt eines Feuerchens glüht Elektronik im Innern der Zigarette, statt unkontrolliert kokelnder Pflanzenreste werden wenige Wirkstoffe evaporisiert. Damit tritt das Rauchwerk ein ins Zeitalter seiner digitalen Dosierbarkeit.

Der Rest ist Geschichte. Seit den Rauchverboten überschwemmen die chinesischen Beinahe-Zigaretten nun auch den deutschen Markt, meist mit vielen hundert Prozent Preisaufschlag.

Innerhalb Chinas machen sich mittlerweile diverse Hersteller gegenseitig Konkurrenz mit Nachahmerprodukten. Bevor diese nach Europa gelangen, werden sie meist noch vom jeweiligen Importeur umetikettiert, so dass kaum jemand nachvollziehen kann, welches Gerät sich hinter welchem Namen verbirgt und welches Nikotindepot auf welchen Akku und welches Mundstück passt.

Und genau darum sitzen sie hier im Biergarten, die E-Dampfer von Berlin, dieses digitale Tabakskollegium, um Rat und Trost zu spenden - und neue Rezepte auszutauschen: Viele Depots lassen sich von Hand auffüllen, die Mischung kann man selbst abstimmen, mit unterschiedlichen Nikotindosierungen und diversen Geschmacksvarianten. Die eine nimmt für die Frühstückszigarette Kaffee-Aroma, zum Rotwein Traubendampf. Ein anderer bevorzugt Ananas für seine E-Zigarre. Apfel, Mandel, Kirsch, raunen sie sich zu, mit leuchtenden Augen wie Erstklässler in einer Eisdiele: Vanille, Rose, Erdbeer.

Aber mal ehrlich: Was hat das noch mit Rauchen zu tun? Mit jener coolen Geste, mit der man ein Feuerzeug aufschnappen lässt? Mit jener "trockenen Trunkenheit" des "Tabaksaufens", dem wohligen Schwindelgefühl nach dem ersten Zug? Nikotin-Inhalatoren erzeugten keinen richtigen "Kick", kritisieren eingefleischte Raucher.

"Von wegen kein Kick", widerspricht Ulrike Flemming und greift nach ein paar Aromafläschchen, "das ist alles eine Frage der Mischung." Sie nimmt ein Fläschchen mit "Super Puff", sozusagen der Rothändle unter den Liquids, träufelt Kaffee-Aroma dazu, schiebt das Depot in einen Verdampfer und schließt vorn ein Kabel mit einem USB-Stick an eine Batterie an, als würde sie ein Handy aufladen. Diesen Laboraufbau reicht sie dem teilnehmenden Beobachter, einem Nichtraucher, der aber ein paarmal im Jahr bei einer Party eine Zigarette schnorrt: "Es ist angerichtet."

Inhalieren. Das Lämpchen glüht auf. Erst beim dritten Ziehen kommt lauwarmer Dampf. Er schmeckt nach Zigarre und Pfeffer. Ein Tröpfchen bittere, klare Flüssigkeit rinnt aus dem Mundstück. Die Zunge brennt. Ein leichter Schwindel setzt ein. Aber kein Kick, keine trockene Trunkenheit. Nach ein paar Minuten dämmert dumpfe Benebelung herauf, dann grummelt der Magen, als kündigte sich ein Durchfall an. Nach einer Viertelstunde bleibt nur eine leichte Unruhe zurück. Einstiegsdrogen fühlen sich anders an. Neueinsteiger dürfte man mit derlei Symptomen kaum ködern. Das Magengrummeln ist typisch für eine leichte Nikotinvergiftung, die bei Nichtrauchern schnell eintritt.

Nikotin ist eines der stärksten Nervengifte, ein Insektizid, mit dem sich die Tabakpflanze vor Schädlingen schützt. Beim Menschen erhöht es Konzentration, Puls und Blutdruck, Atmung, wirkt auf den Verdauungstrakt und macht ähnlich schnell süchtig wie Crack. Während der Schwangerschaft schädigt es den Fetus und führt zu erhöhter Säuglingssterblichkeit. Außerdem ist es an Herz- und Hirninfarkten beteiligt. Es ist giftiger als Arsen oder Zyankali; ab einer Dosis von einem Milligramm pro Kilo Körpergewicht kann es tödlich sein.

Ohne Frage, das Nikotindampfen ist gefährlich - aber so gefährlich wie Rauchen? Die Gesundheitsbehörden jedenfalls machen derzeit Stimmung gegen E-Zigaretten. In Österreich etwa wurde das Dampfen gerade dem Arzneimittelgesetz unterstellt, damit ist der Verkauf von E-Zigaretten erst einmal verboten. Anfang Juli gab das französische Gesundheitsministerium die dringende Warnung heraus, Elektro-Zigaretten mit größter Vorsicht zu behandeln, weil die freigesetzten Terpene Epilepsie auslösen könnten. Das deutsche Bundesamt für Risikobewertung warnte im Januar vor schädlichem Formaldehyd, das bei der Erhitzung der Tabakflüssigkeit freigesetzt werden könne.

Doch wie gefährlich sind die Nikotin-Inhalatoren wirklich? "Von pauschalen Warnungen halte ich gar nichts, dann müsste man auch vor dem Anzünden einer Duftkerze warnen", kritisiert etwa Bernd Mayer, Pharmakologie-Professor im österreichischen Graz. "E-Zigaretten sind nicht 'gesund', wie es in der Werbung heißt. Aber sie sind allemal weniger schädlich als normale. Jeder Raucher sollte sofort umsteigen auf Dampf." Leider sei die Diskussion aufgeheizt und ideologisiert, sagt Mayer: "Was meinen Sie, was ich für meine Haltung schon beschimpft worden bin von Tabakgegnern."

Ähnlich ergeht es auch Murray Laugesen, einem der profiliertesten Kämpfer für das Rauchverbot in Neuseeland. In seinem Labor hat er die wohl detailliertesten chemischen Analysen von Elektro-Zigaretten erstellt. Sein Fazit: "Lieber Nikotin inhalieren als Tabak rauchen." Er empfiehlt seiner Regierung sogar, die E-Zigaretten zu fördern und für sie zu werben, als Nikotin-Ersatz-Therapie.

Die E-Dampfer an der Spree zumindest scheinen derlei Einschätzungen recht zu geben. Hinter dem lustigen Herumexperimentieren mit Apfel-, Schoko- und Rosenaroma verbirgt sich bei einigen ein erheblicher Leidensdruck. Keiner von ihnen ist Nikotin-Neueinsteiger, alle sind über dreißig und bereits langjährige Raucher, die teilweise täglich zwei oder mehr Packungen Pyros gequarzt haben.

"Ich habe vorher alles versucht", sagt Maja Reinke, "aber von Nikotinpflastern habe ich eine Hautallergie bekommen, und von Nikotinkaugummis ist mir schlecht geworden." Erst seit sie dampfe, könne sie auf ihre analogen Marlboros verzichten.

"Ich könnte ganz gut damit leben, meine E-Zigaretten in der Apotheke zu kaufen", sagt auch Flemming, "dann gäbe es wenigstens Qualitätskontrollen." Sie nuckelt an ihrem Inhalator und genießt den lauwarmen Entzug, Geschmacksvariante "Heavy Tobacco". Ist ihr Plastikdings nun eigentlich eine Pfeife? Das liegt vielleicht im Auge des Betrachters.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
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1. Hahahaha
Kurt Kurzweg 19.07.2008
Zitat von sysopNikotingenuss in Restaurants, sogar im Flugzeug und ganz ohne Belästigung der Mitmenschen - all das verspricht eine neue Erfindung aus China: die elektronische Zigarette. Doch wie ungefährlich ist das Dampfen von Nikotin wirklich? Gesundheitsexperten sind ratlos. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,566834,00.html
Das musste ja nun wirklich kommen: nach dem elektronischen Baby Tamagochi und dem elektronischen Hund aus Japan nun endlich das elektronische Rauchen. Wurde im Raumfahrtzeitalter auch Zeit: "Pille, mach mal meine Mischung, ich gehe auf die Raucherstation..." Wenn der - gelungen humorvolle - Bericht eines zeigt: es scheint doch recht umständlich zu sein. Da ist nun schon kein Zigarettenraucher (mal eine danach, zwischendurch...) zu ködern. Menschen, für die Rauchen nicht nur Sucht, sondern auch oder hauptsächlich "Ritual" ist, rauchen eh Zigarre oder Pfeife. Die betrachten den Chinadampfer als Sakrileg!?! Bin gespannt, was in unserer Marketinggesellschaft noch auf uns zu kommt: vielleicht das Handy mit Dampf (natürlich nur, wenn ein Raucher/"Dampfer" anruft...)
2. E-Zigarette
ex-raucher 21.07.2008
Ich hatte mit 21 Kollegen am 1. Februar "Nichtmehrraucherjahrestag", Wir haben es mit der E-Zigarette geschafft - vollkommen weg von der echten Zigarette - und 14 von uns (auch ich) sind seit Monaten auch NIKOTINLOS, wir dampfen nur mehr nikotinfreie Depots, einfach weil es so gut schmeckt. (und auch die Kostenersparnis (bei mir rund 8,- 10.- Euro pro Tag sind ja nicht schlecht!) All das haben wir mithilfe des Forums www.xundrauchen.at geschaft. Danke dem Xundrauchen -Team mit über 1000 Ex-Rauchern- und heutigen E-Dampfer-Mitgliedern, die alle E-Dampfgeräte testen und ihre Erfahrungen dannach unparteiisch, objektiv und ohne finanzielles Interesse, unzensiert ins Forum stellen!!! Diese Erfolgsrate kann kein "Entwöhnungsmittel" aus der Apotheke vorzeigen, weg von der Sucht, ohne Streß, und ohne Gewichtszunahme, und vor allem, das Zeug schmeckt wunderbar, gibt es doch die Depots für die E-Zigarette in 4 Stärken - von stark, mittel, schwach und OHNE Nikotin in mehr als 30 verschiedenen Geschmackssorten, da ist für jeden was dabei. liebe Grüße ein mehr als glücklicher EX-Raucher
3. ?
inci 21.07.2008
Zitat von ex-raucherIch hatte mit 21 Kollegen am 1. Februar "Nichtmehrraucherjahrestag", Wir haben es mit der E-Zigarette geschafft - vollkommen weg von der echten Zigarette - und 14 von uns (auch ich) sind seit Monaten auch NIKOTINLOS, wir dampfen nur mehr nikotinfreie Depots, einfach weil es so gut schmeckt. (und auch die Kostenersparnis (bei mir rund 8,- 10.- Euro pro Tag sind ja nicht schlecht!) All das haben wir mithilfe des Forums www.xundrauchen.at geschaft. Danke dem Xundrauchen -Team mit über 1000 Ex-Rauchern- und heutigen E-Dampfer-Mitgliedern, die alle E-Dampfgeräte testen und ihre Erfahrungen dannach unparteiisch, objektiv und ohne finanzielles Interesse, unzensiert ins Forum stellen!!! Diese Erfolgsrate kann kein "Entwöhnungsmittel" aus der Apotheke vorzeigen, weg von der Sucht, ohne Streß, und ohne Gewichtszunahme, und vor allem, das Zeug schmeckt wunderbar, gibt es doch die Depots für die E-Zigarette in 4 Stärken - von stark, mittel, schwach und OHNE Nikotin in mehr als 30 verschiedenen Geschmackssorten, da ist für jeden was dabei. liebe Grüße ein mehr als glücklicher EX-Raucher
seit wann darf man denn hier werbung machen...........??
4. Smok-E - Unabhängiges Portal
Smok-E 22.07.2008
Ein vorzüglicher Bericht: Endlich wird einmal sachlich, fundiert und gut recherchiert über dieses Thema berichtet. Herzlichen Dank an den Redakteur. Weitere Informationen über das elektronische Rauchen und elektrische Zigaretten findet man unter http://www.smok-e.de.
5. "unabhängige Händlerforen"
e-rauchen 22.07.2008
Jetzt muss man allerdings den Bericht noch etwas ergänzen, bzw. vervollständigen. Die Preise für Depots und Gerät sind bei manchen Firmen unverhältnismäßig hoch. Bei unzähligen im Internet zu findenden Unternehmen, welche sich auch mit dem Verkauf dieses ausschließlich in China produzierten Produktes beschäftigen, kosten die gleichen Geräte, um bis zu 50 % weniger als bei in Europa ansässigen händlern. Genauso verhält es sich bei den Depots. Depots mit der gleichen Kapazität erhält man z. B. bei Smoky24.nl in Holland bereits ab 70 Cent. Ebenso gibt es erhebliche Unterschiede bei der Garantie. Während manche Firmen nur 6 Monate Garantie anbietet, gibt es z. B. bei der Firma Sedansa.de eine Garantie von 5 Jahren auf das komplette Teil. Sogar auf die Akkus. Es ist also für die interessierten Leser dringendst erforderlich sich vorab über die Angebotenen Waren zu informieren. Es gibt nicht nur eine Vielzahl von Shops die dieses Produkt anbieten, es gibt auch ein Vielzahl von ähnlichen Produkten. Am einfachsten sucht man sich ein möglichst unabhängiges Forum das sich mit dem elektrischen rauchen beschäftigt und holt sich dort seine Erstinformationen über die verschiedenen Geräte, das Zubehör wie z. B. die Depots und die Preise der verschiedenen Händler ein. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. Viele Foren werden in Wirklichkeit von Händlern betrieben oder mitfinanziert, bzw. fungieren viele Forenbetreiber im versteckten als Wiederverkäufer der, von ihnen in den Foren besprochenen, Produkten. Ihre Glaubwürdigkeit ist daher mit Vorsicht zu genießen. Apropos Depots. Es ist nicht nur Propylenglykol was aus der elektrischen Zigarette dampft und inhaliert werden kann. Eine Vielzahl von Chemikalien sind in den Depots gespeichert und werden durch erhitzen zum verdampfen gebracht. Nach dem letzten Wissenstand gibt es bisher keinerlei Unbedenklichkeitserklärungen irgend einer öffentlichen Stelle zu dieser Mischung von Chemikalien, die der Konsument ja bei der Nutzung einer elektrischen Zigarette inhaliert. Die Bestrebungen diese Produkte aus China bei uns zu verbieten greifen immer weiter um sich. In einigen Ländern Europas ist der freie Verkauf bereits seit langem verboten. In der Türkei muss man, wenn man beim paffen eines solchen Gerätes erwischt wird, sogar 500 Euro Strafe bezahlen. Immer wieder werden in diesem Zusammenhang die ungeklärten Auswirkungen auf die Gesundheit der Konsumenten ins Spiel gebracht. Trotz alledem halte ich diese Methode des „rauchens“ für eine der besten alternativen zum wirklichen rauchen. Sie ist auf Sicht gesehen finanziell erheblich günstiger als das „echte“ rauchen und wenn es wahr ist, dann ist es auch weniger ungesund. Ich persönlich gehöre ebenfalls bereits zu denen, für die elektrisches rauchen zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Lg E-raucher
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