AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 40/2008

Prominente: Pamelas Prinz

Das Busenwunder Pamela Anderson möchte sich neu erfinden. Es nimmt an einer Autorallye teil, die für Tierschutz wirbt und von einem Pforzheimer Bordellmillionär organisiert wird - auch der ist auf der Suche nach einem neuen Sinn. Kann das gutgehen?

Von Alexander Osang

In Cannes, von wo aus Prinz Marcus zu seinem königlichen Rennen aufbricht, ist Pamela Anderson immer noch nicht viel mehr als ein Wunsch. Sie hat ihm eine E-Mail geschrieben, in der sie ihn um elektrische Lockenwickler bittet. An diesen Auftrag klammert sich der Prinz. Weshalb sollte sie elektrische Lockenwickler bestellen, wenn sie dann gar nicht kommt? Allerdings hat sich seine Freundin Gia auch gerade ein Rührei bestellt, das sie nun nicht isst.

"Schmeckt's nicht?", fragt Prinz Marcus.

"Sieht zu gelb aus", sagt Gia und steckt sich eine Zigarette an. Sie ist spindeldürr bis auf die Brüste, die wie zwei Bordwaffen an ihrem Oberkörper stecken.

Das Paar sitzt auf der Terrasse des Hotels Martinez, das normalerweise bis unters Dach mit Hollywood-Stars gefüllt sei, sagt der Prinz. Seine goldene Rolex glänzt in der südfranzösischen Sonne, in der Einfahrt drängeln sich die Ferrari, McLaren, Porsche und Rolls-Royce, die am "Royal Race" teilnehmen werden, das der Prinz organisiert hat: ein Rennen quer durch Europa, Cannes-Barcelona-Monaco-Gardasee-München. Sie übernachten in den besten Hotels, feiern in den besten Clubs, fünf Nächte, fünf Länder, heißt es auf der Einladung, Spaß, Rausch und so weiter.



Außerdem geht es um einen guten Zweck, sie fahren für den Tierschutz.

Es gibt zwölf Bodyguards, sie bewegen sich in schwarzweißen Hummer, die mit Police-Schildern beklebt sind, es gibt einen Porsche-Cayenne-Krankenwagen, es gibt ein Dutzend Hostessen, die in einem speziellen Royal-Race-Schönheitswettbewerb gecastet wurden und nun in knappen Phantasieuniformen herumspringen, die ihnen der Prinz persönlich ausgesucht hat.

Vor allem aber soll Pamela Anderson mitfahren, auf dem Beifahrersitz des Prinzen, in dessen 670 PS starkem Mercedes SLR. Gut 600.000 Euro hat der Wagen gekostet, die Türen klappen nach oben auf wie zwei Flügel.

"Schöne Frau, schönes Auto. Pascht zusamme", sagt der Prinz.

Gia drückt ihre Zigarette ins Rührei. Sie muss ihren Freund verlassen, wenn Pamela kommt. So ist das in der grausamen Märchenwelt des Prinzen, der eigentlich Marcus Eberhardt heißt und seine Karriere als Zuhälter in Pforzheim begann. Inzwischen ist er 41 Jahre alt, von denen er vier im Gefängnis verbrachte, und der wahrscheinlich größte Bordellbetreiber Deutschlands.

Er besitzt 19 Häuser, in denen über tausend Prostituierte arbeiten. Eros-Center, Tabledance-Bars, FKK-Clubs, vor allem in Südwestdeutschland. Er sei Millionär "im dreistelligen Bereich", sagt er. Er besitzt Häuser und Wohnungen auf der ganzen Welt. 1000 Quadratmeter Wohnfläche in Los Angeles, 1000 in Pforzheim, 300 in Fort Lauderdale und 180 in Dubai, am Yachthafen, aber da war er schon seit Jahren nicht mehr.

"Ich hab mir das wegen der Freihandelszone gekauft, Steuerparadies, aber es ist mir alles zu künstlich. Frankreich ist alt, da gibt's Napoleon und so weiter, aber das da unten ist ja schlimmer als Las Vegas", sagt der Prinz. "Außerdem kann ich die Araber nicht ab."

Im Dezember kauft er sich noch 140 Quadratmeter in Monaco dazu, sagt er. Er hat auch ein Flugzeug, elf Motorräder, Speedboote, und vor zwei Monaten hat er auf der Rennstrecke in Le Castellet einen 750.000 Euro teuren Porsche zerlegt, 280.000 Euro Schaden, allein die Ersatzeile haben 190.000 gekostet. Er kann auch den Hockenheimring mieten, mit Sicherheitspersonal und Catering, und in einer Kutsche mit 22 weißen Pferden zu seinem eigenen Geburtstag vorfahren, aber in letzter Zeit befriedigt ihn das nicht mehr so richtig.

Deswegen hat er sich den Adelstitel gekauft. Er hat jetzt eine neue Mutter, die Zsa Zsa Gabor, und einen Vater, den Frederic von Anhalt. Sie wohnen im selben Haus in Bel Air, die beiden unten auf 1100 Quadratmetern, er obendrüber auf 900, er nennt sie "die Mama" und "den Papa", nun braucht er noch eine Frau.

Die Gia geht nicht mehr, das ist klar.

Marcus Eberhardt ahnt, dass er, trotz Titel, in diesem Moment immer noch eher ein Frosch als ein Prinz ist. Er hat die Boote, die Häuser, die Uhren, sein Chefbodyguard Sandy Oschinger war vier Jahre bei den Feldjägern, er hat über 25 Hausangestellte auf drei verschiedenen Kontinenten, er hat seit zwölf Jahren nicht mehr selbst sein Bett gemacht, sagt er, aber er ist noch nicht erlöst. Er braucht den Kuss der richtigen Frau, um endlich kein Lude aus Pforzheim mehr zu sein. Und wenn jemand wie Prinz Marcus an die richtige Frau denkt, fällt ihm natürlich gleich Pamela Anderson ein.

"Sie ist das bekannteste Sexsymbol in der Welt. Bekannter geht nicht. Ich bin ein Typ, der fängt oben an zu fräge. Sonsch bringt's ja nix", sagt der Prinz.

Es traf sich gut, dass auch Pamela Anderson im Moment dabei ist, sich neu zu erfinden. Sie ist mit 41 Jahren genauso alt wie der Prinz, hat wie er ein bewegtes Leben hinter sich und festgestellt, dass es so nicht weitergeht. Sie war zwölfmal auf dem Titel des "Playboy", so viel wie keine andere Frau der Welt, sie war dreimal verheiratet, im Internet kursiert ein Video, das sie und ihren damaligen Mann Tommy Lee beim Sex zeigt, nun möchte sie sich mehr auf ihre Rolle als Mutter und Tierschützerin konzentrieren.

Und weil sie Pamela Anderson ist, gibt es eine achtteilige Fernsehserie, die diese Wandlung dokumentiert. Sie heißt "Pam: Girl On The Loose" und wird seit vergangener Woche auch in Europa gezeigt. In Deutschland läuft sie sonntagabends im Kabelfernsehen. Es gab ein paar begleitende Interviews in der Presse, in denen sie erklärte, dass sie ihren Ex-Mann immer noch liebt, aber keinen Sex mehr mit ihm hat. Außerdem entstand parallel zur Serie das Gerücht, sie habe eine Affäre mit Michael Jackson.

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