AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 43/2008

SPIEGEL-Gespräch: "Ich bin das Gesicht"

Der SAP-Mitbegründer und Fußballmäzen Dietmar Hopp, 68, über seine Pläne mit dem Erstliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim, den Neid der Konkurrenz auf seinen Reichtum und die Wut der Fans über die Kommerzialisierung des Spiels

SPIEGEL: Herr Hopp, Sie haben seit 1998 weit über 100 Millionen Euro in den ehemaligen Kreisligaverein 1899 Hoffenheim gesteckt. Nun steht die Mannschaft nach acht Spieltagen auf den vorderen Tabellenplätzen der Bundesliga. Das klingt, als gäbe es einen Masterplan, an dessen Ende Sie den FC Bayern München ablösen.

Hopp: Den gibt es nicht. Wir werden nie ernsthaft mit den Bayern in Konkurrenz treten können. Sie bekommen das Doppelte an Fernsehgeld, das Zehnfache vom Trikotsponsor. Die Bayern haben 140.000 Mitglieder, Hoffenheim gerade mal 2000. Wenn die großen Clubs kommen, können wir unsere Spieler wahrscheinlich nicht halten. Es ist keine Tiefstapelei, wenn ich sage: Wir sind froh, wenn wir diese Saison ohne Stress die Klasse halten.

SPIEGEL: Am Klassenerhalt zweifelt derzeit kaum jemand. Und falls es doch knapp wird, könnten Sie ja noch mal investieren.

Hopp: Die Leute denken immer, ich hätte einen Kübel Geld, den ich über die Mannschaft ausschütte. Natürlich will ich den Erfolg, aber ich will auch Stabilität. Ich bin 68 Jahre alt, und mein ganz großes Ziel ist es, diesen Verein möglichst schnell auf eigene Füße zu stellen. Viele werden es nicht glauben, aber wir können wahrscheinlich schon im ersten Bundesligajahr schwarze Zahlen schreiben, allerdings ohne die Abschreibungen auf die Spieler. Und wenn wir einen oder zwei Spieler bei uns zu Stars machen können und damit große Transfererlöse erzielen, trägt es sich. Das könnte dann die Formel sein, mit der wir auf die internationale Bühne kommen.

SPIEGEL: Sie wollen also nicht noch einmal wie in der vergangenen Saison fast 20 Millionen Euro in das Team investieren?

Hopp: Nein. Im Abstiegsstrudel würden kurzfristig eingekaufte neue Spieler nur für Verunsicherung sorgen. Der Leverkusener Trainer Bruno Labbadia sagte neulich, bezogen auf Hoffenheim: Geld zu haben ist die eine Sache, Geld richtig zu investieren die andere. Wir haben zum Beispiel den Spieler Luiz Gustavo sehr günstig bekommen - es waren etwa 100.000 Euro. Für wenig Geld kamen Spieler wie Andreas Ibertsberger, Tobias Weis oder Marvin Compper. Und auch wenn wir nicht um den Klassenerhalt kämpfen: Jetzt in die Mannschaft zu investieren, das wäre meiner Ansicht nach strategisch falsch.

SPIEGEL: Warum?

Hopp: Die Mannschaft, die den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat, ist so jung, sie kann und lässt sich noch entwickeln. Ihr muss man die Chance geben zu zeigen: Was steckt wirklich in ihr? Was wir im letzten Jahr investiert haben, war ein Vorgriff auf die nächsten Jahre.

SPIEGEL: Ihr Trainer Ralf Rangnick sagt, er sehe überhaupt nicht, wie sich der Club irgendwann ohne Ihr Geld tragen könne.

Hopp: Auch für Rangnick ist es interessant, den Verein in eine Situation zu bringen, in der er sich selbst trägt. Ich sehe ihn und Manager Jan Schindelmeiser als Unternehmer. Noch einmal: Den Kübel gibt es nicht. Das Fünffache dessen, was ich in die Mannschaft investiert habe, ging in die Infrastruktur. Sportplätze, Jugendförderzentren, das neue Stadion in Sinsheim, das neue Trainingszentrum - da kommen Sie in die Nähe von 150 Millionen Euro, die in den vergangenen zehn Jahren zum Teil von mir gezahlt wurden, zum Teil von meiner Stiftung, wenn es um Jugendförderung ging.

SPIEGEL: Muss der Club die Anschubfinanzierung fürs Team zurückzahlen?

Hopp: Ich habe in der Spielbetriebs-GmbH eine stille Beteiligung. Ich halte 49 Prozent, der Club 51 - mehr erlaubt mir die Regel der Deutschen Fußball Liga nicht. Die stillen Einlagen sind eigentlich rückzahlungspflichtig. Doch wenn diese Regel 50 plus 1 irgendwann fallen sollte, werden die Einlagen in Eigenkapital umgewandelt, und dann werde ich entsprechend mehr Anteile erwerben. Für Stadion und Trainingszentrum muss der Verein an mich Miete zahlen, eine angemessene Miete.

SPIEGEL: Inwieweit nehmen Sie Einfluss auf sportliche Entscheidungen?

Hopp: Ich nehme null Einfluss. Es war Glück, dass unsere Scouting-Leute zuletzt so ein gutes Auge hatten. Die sind nach Belgien gefahren und haben dort den Demba Ba gefunden. Chinedu Obasi kam aus Oslo. Haben Sie den mal spielen sehen? Wenn der loslegt! Aber es werden auch Zeiten kommen, in denen wir mal eine Fehlinvestition haben.

SPIEGEL: Aber Ihnen werden doch sicher von Rangnick und Manager Schindelmeiser die Transfervorhaben vorgelegt?

Hopp: Ja, das schon. Wir haben auch Fälle diskutiert, da waren mir die Summen zu hoch.

SPIEGEL: Wie hoch? Mehr als zehn Millionen Euro Ablöse?

Hopp: Wie weit über zehn Millionen, weiß ich nicht genau, weil es nie zu einem Angebot kam. Da habe ich gesagt: Das kann und will ich finanziell nicht stemmen. Gemeinsam kamen wir zu dem Schluss, dass das nicht zu unserer Philosophie passt. Bei Andreas Beck, der jetzt vom VfB Stuttgart kam, waren wir zuerst auch der Meinung, dass drei Millionen Euro zu viel seien. Aber der Junge gefiel uns. Er ist blitzgescheit und wollte unter allen Umständen nach Hoffenheim kommen, weil er hier die besseren Perspektiven für sich gesehen hat.

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