AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 1/2009

Ökonomie "Die Welt hat viel zu sehr auf Pump gelebt"

Hasso Plattner ist Multimilliardär. Im Jahr 2008 hat auch er sehr viel Geld verloren. Dennoch verteidigt der SAP-Mitbegründer das System - den Kapitalismus, den Aktienmarkt und sogar die hohen Manager-Boni.


Die zwei Gesichter des Hasso Plattner zeigen sich nirgends so anschaulich wie in Potsdam. Am einen Ende des Universitätscampus steht das nach ihm benannte und von ihm finanzierte Hightech-Institut. Am anderen Ende liegt seine Risikokapitalfirma, mit der Plattner sich an neuen, Zukunft und Gewinn versprechenden Firmen beteiligt.

Dort der Wohltäter Plattner, hier der Kapitalist. Mal Spender, mal Investor. In beiden Fällen muss er Abenteurer sein. Einer wie Plattner hat für beide Seiten Geld, viel Geld. Der gebürtige Berliner gehört zu den fünf Gründern des Software-Giganten SAP und ist damit einer der wenigen Deutschen, die es innerhalb nur einer Generation zu Milliardenvermögen, aber auch zu weltweiter Reputation gebracht haben. Seit seinem Rücktritt als SAP-Chef verbringt Plattner, 64, einen Großteil des Jahres in den USA oder in Südafrika, wo er ein Golf-Hotel betreibt.

Der frühere IBM-Manager ist ein Freund schneller Autos, lässt sich schon mal von Microsoft-Gründer Bill Gates für seine Kunstsammlung loben, liefert sich mit seinem Intimfeind, Oracle-Boss Larry Ellison, wilde Segelduelle - und kehrt doch immer wieder nach Potsdam zurück.

Es ist ein schmutzig-nasser Mittag. Unten auf dem Parkplatz schimmert Plattners silbergrauer Ferrari, dessen Scheiben morgens immer furchtbar beschlagen seien, erzählt er in Hemd und dickem Pullover. Zurzeit sucht er eine Wohnung in der Nähe. Er will nicht immer im Hotel sitzen, wenn er im Großraum Berlin zu tun hat. Ein paar Tage später fliegt er wieder auf die Bermudas. Dort ist wenigstens das Wetter besser. Die Wirtschaftskrise holt ihn ohnehin überall ein.


SPIEGEL: Herr Plattner, wir wollen mit Ihnen über Geld reden.

Plattner: Hm.

SPIEGEL: Ein für die Weltwirtschaft dramatisches Jahr geht zu Ende. Wissen Sie, wie viel Sie persönlich 2008 verloren haben?

Plattner: Was allein meine SAP-Aktien heute weniger wert sind, habe ich - ehrlich gesagt - bisher nicht ausgerechnet. Ist aber nicht schwer. Und es ist sicher viel.

SPIEGEL: Deutlich mehr als eine Milliarde Euro.

Plattner: Zum Glück sind das ja erst mal nur Papierwerte. Die meisten Sorgen mache ich mir in solchen Momenten um meine Stiftung ...

SPIEGEL: ... die hier in Potsdam ein komplettes Universitätsinstitut trägt mit mehreren hundert Millionen Euro. Weil sie mit SAP-Aktien unterfüttert ist?

Plattner: Ja, und natürlich verliert die Stiftung einfach Kapital, wenn die Kurse einbrechen. Auf diese Weise verschwinden eben doch ganz reale Werte.

SPIEGEL: Jemand, der so viel Geld hat wie Sie, wird es zumindest nicht selbst anlegen.

Plattner: Ich habe einen Vermögensberater, der nur für mich arbeitet. Und ich habe ihn in den vergangenen Monaten auch mal gefragt, ob wir zum Beispiel Derivate besitzen. Wir hatten sie nicht. Ich verstehe die nämlich nicht. Das ganze Geschäftsmodell. Das habe ich sogar mal im Konzern gesagt, als das Thema dort aufkam. Da haben manche noch gelächelt.

SPIEGEL: Sie wollen noch wissen, wie ein Geschäft funktioniert?

Plattner: Vor vielen Jahren habe ich mal Geld in Immobilien angelegt, die ich gar nicht kannte. Das ging ziemlich schief. Und wissen Sie was: Ich war selbst schuld. Ich hätte mich ja vorher besser informieren können. Der Unterschied zwischen Reklamefotos im Prospekt und der Realität kann verdammt groß sein. Aber meinem Vater erging es da noch schlimmer.

SPIEGEL: Erzählen Sie!

Plattner: Er hat mal ein Grundstück in Florida gekauft. Gesehen hatte er es nur bei Ebbe. Bei Flut stand es unter Wasser, und ab und zu schwamm ein Krokodil vorbei.

SPIEGEL: Haben Sie selbst sich schon mal richtig verzockt - wie etwa der Ratiopharm-Besitzer Adolf Merckle, der erst mit vielen Millionen Euro gegen die VW-Aktie gewettet hat und am Ende sogar dreist Staatsbürgschaften forderte?

Plattner: Das ist schon eine besondere Art des Spekulierens. Und ich kann für Herrn Merckles Verlust kein Bedauern aufbringen ...

SPIEGEL: ... weil jemand, der auf fallende Kurse setzt, ein Unternehmen schlicht schlechtredet?

Plattner: Nicht unbedingt. Andere sagen, mit Methoden wie diesem sogenannten Shortselling würde man Unternehmen ja auch kontrollieren, denn nur die anfälligen reagieren auch darauf. Letztlich ist aber jede Spekulation eine Wette. Akzeptiert man die Spekulation, muss es auch egal sein, ob auf fallende oder steigende Kurse gesetzt wird. Nur: Wenn ich dabei Geld verzocke, kann ich nicht nach dem Staat rufen wie Herr Merckle.

SPIEGEL: Aktuell ist der SAP-Kurs ziemlich hart abgestürzt. Die übliche ungerechte Flattrigkeit des Marktes?

Plattner: Keine Ahnung. Vielleicht war die SAP ja in früheren Jahren überbewertet.



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Boone 02.01.2009
1. Alt und doch nicht weise
Da musste Herr Plattner erst alt und grau werden, um einen Fehler im System zu erkennen? Nicht unbedingt etwas mit dem ich mich an seiner Stelle öffentlich profilieren würde, außer natürlich, ich wäre immer noch von meinem Ego beherrscht und hätte nun nur etwas neues gefunden, mit dem ich mit profilieren könnte, nämlich mit der neuen Version von mir selbst als eine Art Erleuchteter. Solche Leute sind keine guten Ratgeber noch Vorbilder, denn sie haben immer noch nichts verstanden.
Libertin 02.01.2009
2. Mehr Venture Capital fuer Deutschland
In der Einleitung zum Artikel wird von den "zwei Gesichtern Hasso Plattners" gesprochen und der High-Tech Campus und die Venturekapitalfirmas Plattners als gegensaetzliche Beispiele angegeben. Es zeigt sich wie wenig der Autor von der modernen Oekonomie versteht. Der Campus und die Risikokapitalfirma sind beide Teil einer Wertschoepfungskette, in deren Anfang die Ideen generiert, und in dessen Ende sie verwertet werden. Das diese als Gegensatz gesehen werden und nicht als komplementaere Bestandteile zeigt eine Wirtschaftsausffassung die man nur als naiv und hinderlich fuer Deutschland bezeichnen kann. Kapital ist der Treibstoff der Ideen. Die amerikanische Forschung ist vor allem wegen ihrer Anbindung zum Kapitalmarkt so stark. Diese Anbindung fehlt ist Deutschland. Als junger Start-Up Unternehmer ist es deswegen so gut wie unmoeglich in Deutschland an Kapital zu kommen. Die dumme und falsche Sichtweise die in dieser Einleitung prasentiert wird, muss ueberwunden werden. Mit steuerlichen Anreizen sollte der Venture Capital Markt in Deutschland gefoerdet werden um sicherzustellen dass ausreichend Kapital dort zur Verfuegung gestellt wird, wo es wirklich das Land voran bringt.
Hennes 02.01.2009
3. Plattner gibt Lafontaine recht
"Dort sagen mir sogar unsere eigenen Topleute: Du hast SAP vielleicht gegründet, aber wir entwickeln es nun fort und liefern dir den Gewinn. Also wollen wir auch ein Stück vom Kuchen haben. Und wissen Sie was? Ich finde, dass die recht haben." Wie war das noch mit der zweiten Werkshalle, die anteilig den Beschäftigten zustünde? ;-)
ralphofffm 02.01.2009
4. BlaBla
...blablabla... "die Welt hat zu sehr auf Pump gelebt......blablabla... Erzähl das mal den hunderten von Millionen Menschen die von weniger als 1 $ am Tag leben müssen... Das Übliche selbstmitleidige " hätten wir das gewusst " und " Kapitalismus ist gar nicht so schlimm" Geblubber das nach jeder Krise kommt. Dann noch bissel die Moral und Angstkeule schwingen. "super Erhard, böse DDR und schlimmes Kuba" und schon ist der geneigte Leser wieder staatstragend und systemerhaltend eingenordet. Ich hoffe dies Klientel macht so weiter dann haben sie sich bald selbst ad absurdum geführt.
Ignorant00 02.01.2009
5. Platte Weltsicht?
Interessant mit welchen profanen und belanglosen Aussagen dann doch immer wieder der Kapitalismus in seiner jetzigen Form beschwichtigt wird. Denn es liegt nicht daran, dass ein unregulierter Kapitalismus hochgradig unsozial ist,- nein - die deutschen sind wirre Sozialromantiker und die Amerikaner Verprasser. Komisch nur, dass wenn andere Wirtschaftsysteme vor die Wand fahren die Begründungen nicht so hanebüchen ausfallen. Wäre doch interessant zu hören, wie Lafontaine zum Scheitern der Planwirtschaft ausführt, dass Russen zur Unterdrückung neigen und Ostdeutsche es leider mit dem Planen nicht so draufhatten. Ich bin gerne wirrer Sozialromantiker, wenn ich mir zwischen Kapitalismus und Planwirtschaft ein anderers Wirtschaftsmodell vorstellen kann.
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