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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 7/2009

Verteidigung: Krieg der Zukunft

Von John Goetz, und Alexander Szandar

Weltweit rüsten Staaten auf, um sich auf Cyber-Konflikte vorzubereiten. Auch die Bundeswehr trainiert Hacker in Uniform.

So also sieht ein amtlich bestellter Hacker aus: ein Herr mit grauen Haaren, Schnauzbart, Besoldungsgruppe B 6 und blauer Luftwaffenuniform. Friedrich Wilhelm Kriesel heißt der Mann, er ist 60, Brigadegeneral und Leiter des Kommandos Strategische Aufklärung.

Kriesel ist an einem Frontabschnitt eingesetzt, der erst in jüngster Zeit ins Visier der Bundeswehr geraten ist. Der General soll den Krieg der Zukunft vorbereiten, und der könnte in Teilen im weltweiten Netz stattfinden. Kriesel scheint der richtige Mann für diese Aufgabe zu sein. Knapp 6000 Soldaten unterstehen seinem Kommando, sein Verband funktioniert schon jetzt wie ein Geheimdienst.

Streng abgeschottet von der Öffentlichkeit tüfteln mittlerweile 76 seiner Leute in der Tomburg-Kaserne im beschaulichen Fachwerkstädtchen Rheinbach bei Bonn an den neuesten Methoden, um in fremde Netzwerke einzudringen, sie auszukundschaften, zu manipulieren - oder zu zerstören. Was im internen Behördengebrauch unter der harmlosen Bezeichnung "Abteilung Informations- und Computernetzwerkoperationen" firmiert, ist eine Einheit, die sich für den elektronischen Ernstfall vorbereitet, digitale Angriffe auf fremde Server und Netze inklusive.

Die uniformierten Hacker aus Rheinbach sind Deutschlands Antwort auf eine Bedrohung, die mittlerweile Regierungen, Geheimdienste und Militärs in aller Welt alarmiert. Seit Computer praktisch alle Lebensbereiche durchdringen, ist die Anfälligkeit für Angriffe aus dem Netz massiv gestiegen. In den USA warnen Experten schon seit Jahren vor einem "elektronischen Pearl Harbor", einem "digitalen 11. September" oder einem "Cybergeddon".

Estland war der erste Nato-Staat, der Opfer einer solchen Digital-Attacke wurde. Im Frühjahr 2007 gerieten Banken, Behörden und Parteien für drei Wochen unter massives elektronisches Sperrfeuer. Die Baltenrepublik war zeitweise so gut wie offline und galt damit als Austragungsort des ersten "Cyber-Kriegs", denn sie vermutete den Nachbarn Russland hinter dem Angriff, mit dem es damals gerade gravierende diplomatische Querelen gab.

Der Begriff "Krieg" war dabei zu Recht von Anfang an umstritten - immerhin gab es keine Toten oder Verletzten. Doch dass Angriffe aus der virtuellen auch in der realen Welt desaströse Folgen haben können, ist spätestens seit der Estland-Attacke klar. Das Internet hat sich zu einem virtuellen Schlachtfeld entwickelt, auf dem sich die Konflikte der realen Welt widerspiegeln.

Trojaner, Botnetze, Gesetze - wie die Staatshacker für den Cyberkrieg aufrüsten:

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Forum - Cyberkrieger - brauchen wir militärische Profi-Hacker?
insgesamt 11 Beiträge
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1.
Rübezahl 12.02.2009
Zitat von sysopMuss das deutsche Militär schleunigst technische Kompetenzen aufholen? Oder ist der Kampf gegen Cyberattacken einer gegen Windmühlen?
Es ist ein Kampf der Zukunft und hochbrisant, zumal es noch keine rechtliche Handhabe gibt und jeder Computerkämpfer bis zu 10 Jahren Haft zu vergewärtigen hat. Aber gelöst werden muss das Problem schnellstens!
2. Computerkrieg
Rübezahl 12.02.2009
Ach ja, und wenn dann noch jeder Besucher des Einsatzführungskomandos, so wie ich, auf den dortigen Bildschirmen das Symbol eines Diamanten mit dem dazu gehörigen Passwort "Rubin" einsehen kann ,ist der Erfolg eines solchen Kampfes eher zweifelhaft.
3. konsequent ...
Fackus 12.02.2009
... Herr Schäuble ! als erstes wird man in der neuen Abteilung am Bundestrojaner 2.0 basteln und den dann am eigenen Volk ausprobieren. Schon interessant, wie sie alle (Staat, Firmen, Bundeswehr, auch jeder Einzelne) - kopflos wie die Lemminge - ins digitale Netz hineingerannt sind und sich nun wundern, daß da auch Gefahren, gar 'Kriegsschauplätze' lauern können. In der Financial Times steht just heute dazu ein interessanter Kommentar: http://www.ftd.de/meinung/leitartikel/:Kolumne-Thomas-Klau-Mit-Hightech-in-die-Krise/473182.html Man hätte nicht superschlau sein müssen, um diese Folgen rechtzeitig abzuschätzen. Aber 'Zukunftsforscher' ähneln den Wirtschafts'wissenschaftler'n: Alles super in der Zukunft - hinein in die herrlichen Visionen! Realität? Nur was für Leute, die mit Visionen nicht zurechtkommen! Ich vermute mal, auch die Bundeswehr hat sich konsequent über die letzten 2 Jahrzehnte hinweg ins Internet gestürzt und vermutlich die altgedienten Kommunikationstechniken verschrottet. Und nun befinden sie sich mitten in einem Kriegsschauplatz, der in dieser Form vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre.
4. Noch ein bißchen handgestrickt
Gurkha 12.02.2009
Zitat von RübezahlAch ja, und wenn dann noch jeder Besucher des Einsatzführungskomandos, so wie ich, auf den dortigen Bildschirmen das Symbol eines Diamanten mit dem dazu gehörigen Passwort "Rubin" einsehen kann ,ist der Erfolg eines solchen Kampfes eher zweifelhaft.
Lieber Ergebirgler, wie ich zufällig weiß, weil ich an jenem Tag dabei war... Es war die Eitelkeit der politischen Führung, die uns dieses Photo beschert hat. Das wird für die Effektivität der "Cyber-Krieger" denselben Erfolg haben.
5. Gesetze einhalten!
mordur, 12.02.2009
http://www.heise.de/newsticker/Verschaerfte-Hackerparagraphen-treten-in-Kraft--/meldung/94190/ ---Zitat--- Die damit kriminalisierten "Hacker-Tools" dienen jedoch auch Systemadministratoren, Programmierern und Beratern dazu, Netzwerke und Endgeräte auf Sicherheitslücken zu prüfen ---Zitatende--- Wenn also die Jungs in Uniform sich Software beschaffen, besitzen, entwickeln oder benutzen, mit der sie in der Lage wären eine Computerstraftat zu begehen, oder auch Lücken im Netzwerk der Bundeswehr zu entdecken, gehören sie alle eingesperrt und bestraft, nach Herrn Schäuble am besten gleich hingerichtet! So wendet sich die Gesetzgebung gegen die eigenen Leute. Bravo ausgedacht, die Herren und Damen des juristischen Sachverstandes im Bundestag! Ein Gesetz für das Klo!
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