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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 10/2009

Automobile: Fiebern nach Strom

Von

Auf dem Genfer Autosalon präsentiert die darbende Branche das Fahren mit Strom als Zukunftshoffnung. Doch zur Lösung wirtschaftlicher Probleme taugt das Elektroauto noch lange nicht. Toyota, führend auf diesem Gebiet, setzt auf eine Strategie der kleinen Schritte.

Das Auto ist nicht wirklich hübsch und auch sein Name nicht gerade ein Wohlklang. "i MiEV" nennt der japanische Autohersteller Mitsubishi Motors einen eiförmigen Kleinwagen, der in diesem Sommer eine neue Epoche des Automobilbaus einläuten soll.

Das Kürzel steht für "Mitsubishi innovative Electric Vehicle". Das Besondere: Der Wagen soll mit Strom fahren - und zwar flott.

Die technischen Eckdaten, die Mitsubishi nennt, tragen dem Wagen einige Beachtung ein: Er soll 130 Stundenkilometer erreichen, mit einer Batterieladung 160 Kilometer weit kommen und in nur 30 Minuten am Starkstromstecker wieder aufladbar sein.

Sieht so die neue Hoffnung der Autoindustrie aus, der Ausweg aus dem Jammertal des Weltwirtschaftsinfarkts?

Wohl nicht. Wenn die Branche sich in dieser Woche zum Genfer Autosalon einfindet, werden neben i MiEV noch allerhand andere strombetriebene Autostudien die Stände schmücken - jedoch eher als Leuchtraketen einer in Not geratenen Industrie denn als Lösung aktueller Probleme.

Kein Zweifel, einen guten Elektroantrieb zu entwickeln ist langfristig lohnend. Doch das wird noch sehr viel Geld kosten. Jetzt schon so zu tun, als wäre er serienreif, ist nicht nur irreführend. Es hat auch eine kontraproduktive Wirkung: Die öffentliche Euphorie um das Elektroauto sei "schädlich für den Markt", erklärt etwa Bernd Bohr, Chef der Kfz-Sparte von Bosch. Manch ein Konsument zögere da, sich ein neues Auto mit Benzinmotor zu kaufen, weil er kein Geld für vermeintlich veraltete Technik ausgeben wolle.

Wie weit aktuelle E-Mobile noch von ernstzunehmender Marktreife entfernt sind, zeigt selbst der durchaus spektakuläre Mitsubishi. Als eines der ersten Fahrzeuge seiner Art speichert er den Strom in Lithium-Ionen-Akkus, den derzeit leistungsfähigsten Batterien, die der Markt bietet. Sie liegen unter den Sitzen im Wagenboden, wiegen knapp 200 Kilogramm und bunkern 16 Kilowattstunden Energie - entsprechend etwa dem Brennwert von zwei Litern Benzin.

Von diesem Vorrat sind allerdings bestenfalls zwei Drittel nutzbar, denn bei regelmäßigen Vollentleerungen würden sie niemals ein Autoleben lang halten. Bei zügiger Gangart kommt ein solches Auto höchstens 80 Kilometer weit. Dass Mitsubishi die doppelte Reichweite angibt, liegt daran, dass eine Kriechfahrt im japanischen Normzyklus angenommen wurde.

Das größte Manko aber ist der Preis. Er entspricht dem eines konventionellen Mittelklassewagens. Etwa 4 Millionen Yen, umgerechnet gut 32 000 Euro, müsste Mitsubishi für einen i MiEV verlangen, um die Kosten zu decken, gesteht Projektmanager Takayuki Yatabe. Um die geplante Produktion von 2000 Autos im ersten Jahr in Japan abzusetzen, hofft der Konzern auf staatliche Subventionen von etwa einer Million Yen pro Fahrzeug.

Ein Auto, das so teuer ist wie ein Mercedes, aber kaum zu einem Wochenendausflug taugt, ist nicht mal reif für einen Nischenmarkt. General Motors (GM) entschied sich deshalb für die Variante des E-Mobils mit Hilfsmotor, auch serieller Hybrid genannt. Er soll im kommenden Jahr als Chevrolet Volt in den USA und 2011 als Modell Ampera der GM-Tochter Opel in Deutschland in den Handel kommen.

Wie der i MiEV verfügt er über 16 Kilowattstunden aus der Batterie. 8 davon werden genutzt, erklärt Projektleiter Frank Weber und nennt eine Reichweite von etwa 60 Kilometern. Ist die erschöpft, springt ein Benzinmotor an und produziert über einen Generator Fahrstrom. Das Auto ist damit voll alltagstauglich - in der Herstellung aber noch teurer als der i MiEV. GM nannte schon Preisvorstellungen um 30 000 Dollar. Kostendeckend wäre das nicht einmal annähernd.

Es hat eine bizarre Komik, dass sich nun ausgerechnet die Moribunden der Branche als stromfiebernde Innovationstreiber gebärden. GM und Mitsubishi haben kaum noch die Mittel, ihre Existenz zu sichern. Zu Lotsen in Richtung Elektromobilität taugen sie kaum.

Besser für diesen Kurs gerüstet ist jener Konzern, der einst das Auto erfunden hat. Daimler-Chef Dieter Zetsche gab bereits die Losung aus, auch in der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte nicht am Forschungsetat zu rütteln. Und einer der Schwerpunkte ist die Batterietechnik.

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Forum - Gehört die Zukunft dem Elektroauto?
insgesamt 4471 Beiträge
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1.
Parzival v. d. Dräuen 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Soweit ich das beurteilen kann, schon. Hauptkritik am Individualverkehr war ja immer, dass da eine riesige Blechdose, tonnenschwer, durch die Stadt bewegt wird, damit mehrheitlich nur eine Person von A nach B gelangt. Und der relativ günstige Spritpreis hat es eben möglich gemacht. Jetzt, wo die Preise vielen ein gehöriges Loch in den Beutel reißen, beginnen die Leute nach Alternativen zu suchen. Schon heute wäre es möglich, in Leichtbauweise und breiter ästhetischer Palette Fahrzeuge herzustellen, die mit Elektromotor einen Aktionsradius von um die 120 KM haben. Ein Verbundsystem von Aufladestationen, ein Akku-Management, z. Bsp. auf Pfandbasis, würden auch die stete Verfügbarkeit von Energie gewährleisten. Durch neue Materialien sind die Elektromotoren leistungsfähiger und bei gleicher Leistung um die Hälfte kleiner geworden. Die Akku-Technik, sowie die marktdeckende Produktion wären in kurzer Zeit zu realisieren. Bei den E-Motoren selbst ist natürlich auch der Drehmoment unschlagbar. Daneben noch Hybrid-Systeme, die Energie speichern. Zusätzlich werden die Elektro-Autos schon in der Produktion weniger kapital-, energie- und fertigungsintensiv. Ein Viersitzer dürfte im Wesentlichen aus Kunststoffen gefertigt werden und um die 500-600 Kilogramm wiegen. Und auch bei der eingebaute passiven Sicherheit, die in den letzten Jahrzehnten eher einem Aufrüsten glich, kann reduziert werden. In den Städten entstehen durch viele kleinere Autos wahrscheinlich Parkraumüberschüsse, die Lärmbelästigung verringerte sich immens und die Luftqualität auch.
2.
Andreko, 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Schwierig zu sagen. Ich denke das der hohe Ölpreis dazu führt, dass das Angebot an Öl ausgeweitet wird z.B. durch Kohleverflüssigung oder gänzlich neue Technologien wie diese http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,561833,00.html Dann könnte uns der Verbrennungsmotor noch eine ganze Weile erhalten bleiben. Sehr langfristig gesehen (30 Jahre oder mehr) könnte das E-Auto wirklich eine Alternative werden, aus heutiger Sicht sind die Elektroautos aber noch weitgehend praxisuntauglich und deshalb werden sie sich so schnell nicht durchsetzen.
3. Verkehrskonzepte
Norbert Rost 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Sicherlich wird Elektro künftig eine größere Rolle spielen als Öl, Peak Oil ( http://www.peak-oil.com/ ) wird dafür sorgen. Zweifel sind aber angebracht: Wie schnell geht die Entwicklung neuer Motoren, Versorgungsnetze und vor allem Speichern? Wahrscheinlicher ist doch, daß wir unsere Art Verkehr zu betreiben grundlegend überdenken. Es ist hochgradig ineffizient, wenn fast jeder Bürger ein Auto besitzt, da es überwiegend rumsteht und Platz wegnimmt. Das Teilen von Ressourcen könnte künftig ebenso wichtig werden wie eine Einstellungsänderung zu Mobilität und vor allem Reise-Geschwindkeit. Da gabs in der Zeit mal ein sehr schönes Interview mit Prof. Knoflacher (Wien): http://www.zeit.de/2007/38/Interv_-Knoflacher?page=all Dem öffentlichen Verkehr dürfte eine Renaissance bevorstehen. Und das Nachdenken über neue Versorgungsstrukturen wird hoffentlich ebenfalls bald beginnen. -- Zukunftsfähig Wirtschaften? http://www.regionales-wirtschaften.de
4. Eine GROSSE Chance allemal – wegen :
alpas 26.07.2008
Zitat von sysopBei steigenden Ölpreisen und schwindenden Ressourcen erscheinen Elektroautos als vernünftige Alternative. Werden sie in Zukunft benzingetriebene Autos ersetzen?
Grundenergieform-Unabhängig : Die Energiezwischenform Elektrizität wird (bereits) durch alle möglich (und unmöglichen) Grundenergieformen (CO2-behafete, und –unbehaftete) generiert und verteilt – auch wenn der Verteilungswirkungsgrad noch zu wünschen lässt, was jedoch durch vermehrte Supraleitertechnologie noch erhebliches Verbesserungspotential hat (ev. damit sogar noch Speicher-/ Batterietechnologie verbessert wird). Verzögerungskraft gleich wieder zurück in die Batterie (nicht in Umwelterwärmung verpufft) . Die ganze Antriebstechnologie noch mit seinem (kleinen) Bruder Elektronik hervorragend zu optimisieren und automatisieren. Stecker rein – und los geht’s, in einem ungefährlichen Vehikel ! Oder, was denkt der Fachmann….. ?
5. Der Wert eines Liters Flüssigkraftstoff......
Benjowi 26.07.2008
Im Grunde erfährt man jetzt hautnah, wie wertvoll ein Liter Flüssigkraftstoff eigentlich ist, denn die Alternativen wie Elektroantrieb mit Akku oder auch mit Brennstoffzelle sind auch bei den hohen Preisen bei weitem noch nicht konkurrenzfähig. Und das, obwohl der eigentliche Elektroantrieb einem Verbrenner haushoch überlegen ist. Letztlich scheitert es -wie schon von Anfang an- an der Energiespeicherung: Selbst die zur Zeit besten und hochgelobten Li-Ionen Akkus haben noch um den Faktor 50 schlechtere Energieinhalte und auch die höheren Wirkungsgrade des E-Antriebs lassen diesen Nachteil noch bei etwa 1:10 bestehen. Darüberhinaus sind diese Akkus extrem teuer, es ist nicht bewiesen, wie lange sie wirklich standfest sind und darüber hinaus fehlt es auf der Erde schlicht an genügend Lithium, um nennenswerte Stückzahlen von Kfz damit auszustatten. Der Einsatz der Brennstoffzelle scheitert nach wie vor an -wenn auch kleiner werdenden- technischen Problemen, vor allem aber an den Kosten und der fehlenden Infrastruktur für Wasserstoff. Letztere ist extrem teuer und kaum kurzfristig erstellbar. Außerdem gibt es keine klimafreundliche und einsatzfähige Erzeugungsmöglichkeit für Wasserstoff. Somit wird es vermutlich zu Lösungen kommen, bei denen ein kleiner Verbrenner die mittlere benötigte Leistung erzeugt und über einen relativ kleinen Zwischenspeicher einem E-Antrieb zur Verfügung stellt. Dadurch kann man erhebliche Verbrauchsreduzierungen erzielen, die eigentliche Energiespeicherung erfolgt aber im Flüssigtreibstoff. Letzterer würde möglicherweise auch durch Kohleverflüssigung bereitgestellt werden. Aber auch diese Lösung steht und fällt mit einem kostengünstigen und standfesten Zwischenspeicher! Ansonsten aber wird der grösste Teil der Menschheit weiter uneingeschränkt mit Verbrennern fahren und Staaten wie Indien oder China werden sich durch die deutschen Verrenkungen zur Klimarettung garantiert nicht sonderlich beeinflussen lassen - es sei denn das Wasser steht ihnen buchstäblich bis zum Halse!
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