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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2009

Wahlkampf: "Die SPD bleibt die Partei der Griller"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, 46, über das Risiko des Grillens für Bürger und für Politiker

SPIEGEL: Herr Lauterbach, mitten im Wahljahr haben Sie öffentlich vor den Gefahren des Grillens gewarnt. Ihre Parteikollegen sind entsetzt, sie fürchten um Wählerstimmen.

Grillfleisch: "Die SPD bleibt die Partei der Griller"
DPA

Grillfleisch: "Die SPD bleibt die Partei der Griller"

Lauterbach: In der Politik hört man manchmal die Wahrheit nicht so gern. Mit Märchen wie "die Renten steigen stetig" kommt man natürlich weiter.

SPIEGEL: Verachten Sie grillende Menschen?

Lauterbach: Nein, im Gegenteil, ich habe große Achtung vor dem deutschen Kampfgriller, er ist mir sympathisch. Ich will nur, dass er länger lebt.

SPIEGEL: Grillen führe zu Darmkrebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, sagen Sie. Ist es wirklich so gefährlich?

Lauterbach: Wenn man es falsch macht, ja. Grillen nach Urinstinkt, mit dem Grill von der Tanke, ist eine extrem ungesunde Art, ungesundes Fleisch zuzubereiten. Man muss richtig grillen. Ich könnte Überlebenshilfe anbieten.

SPIEGEL: Wie grillt man richtig?

Lauterbach: Die Gifte stecken im Dampf der Grillkohle, davor muss das Fleisch geschützt werden, etwa mit einer guten Marinade aus Öl, Essig und Zitrone. Außerdem hilft ein Kugelgrill. Eine zweite Gefahr schlummert im Fleisch selbst: die krebserregenden heterozyklischen Amine, die Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs verursachen und die Gefäße schädigen. Sie bewirken auch, dass Kampfgriller schneller altern.

SPIEGEL: Wenn man Ihnen zuhört, verliert man jede Lust am Grillen.

Lauterbach: Man sollte das Fleisch vorkochen oder vorher in die Mikrowelle stecken, das reduziert die Grillzeit. Gut ist auch Gemüse zum Grillen. Zwiebel, Paprika oder Broccoli neutralisieren die Giftstoffe. So lässt sich der Schaden begrenzen.

SPIEGEL: Jetzt geht's um die Wurst.

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach
DDP

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach

Lauterbach: Nein, lassen wir die Wurst lieber weg. Nicht noch so ein heikles Thema im Wahljahr!

SPIEGEL: Wie schlimm ist die Wurst?

Lauterbach: Beim Würstchen ist nicht die Zubereitungsform Grillen das Problem, sondern das Würstchen selbst, der hohe Fettgehalt. In einem Stück Fleisch sind 8 oder 9 Prozent Fett, in der Wurst aber 30 Prozent. Daher muss ich leider auch vor Grillwürsten warnen.

SPIEGEL: Nirgendwo wird leidenschaftlicher gegrillt als in den Ortsvereinen der SPD. Kann es sein, dass Sie in der falschen Partei sind?

Lauterbach: Ich bin goldrichtig. Die SPD ist und bleibt die Partei der Griller! Ich will meinen Beitrag leisten, um die sozialdemokratische Grillkunst zu optimieren.

SPIEGEL: Haben Sie die Befürchtung, dass die Grill-Debatte Ihrer Partei im Herbst den Wahlsieg kosten könnte?

Lauterbach: Nein, das wird uns Stimmen bringen. Ich hoffe wirklich, dass manch unentschlossener Wähler sich über meine Tipps freut und zum Dank SPD wählt. Denn die Lebenserwartung der Griller steigt, und insgesamt kann mehr und länger gegrillt werden.

SPIEGEL: Grillen Sie selbst?

Lauterbach: Sehr gern, allerdings nur Fisch, weil ich kein Fleisch esse.

Das Interview führte Markus Feldenkirchen

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