AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 49/2009

Unternehmer Ein-Mann-Krieg an zwei Fronten

Der Medienzar Rupert Murdoch verweigert sich nicht der Realität, er bekämpft sie. US-Präsident Obama ist ihm zu links, Google zu mächtig. Gegen beide lässt er seine Blätter und Sender antreten.

REUTERS

Von Gabor Steingart


Rupert Murdoch, 78, ist ein Mann der alten Schule. Er will seinem Gegner ins Auge schauen.

Also lud er im Frühsommer 2008 Barack Obama, damals 46, ins New Yorker Hotel Waldorf-Astoria ein. Die Atmosphäre war steif. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten interessierte sich für Murdochs Aufstieg vom Einwanderer zum amerikanischen Medienzar. Höflich erkundigte er sich auch nach dessen Verhältnis zum Vater, der in Australien als Verlegerlegende gilt.

Murdoch aber, dessen Zeitungen traditionell zur Wahl der Republikaner aufrufen, schlug einen anderen, einen aggressiveren Ton an, wie er später selbst verbreitete. Falls Obama Präsident werden würde, habe er nach der Amtseinführung sechs Monate Zeit, etwas Großes zu leisten. Danach würden Partei und Presse unruhig werden. Man konnte das auch als Drohung verstehen.

Die Google-Gründer bat er ebenfalls zu sich. Als Sergey Brin und Larry Page in seinem kalifornischen Ferienhaus auftauchten, erlebten sie einen herrischen alten Herrn, wie seine Frau Wendi sich erinnert. Er stellte viele Fragen, vor allem Fragen wie diese: "Warum lest ihr keine Zeitung?"

Rupert Murdoch lebt in einer anderen Welt und legt Wert darauf, dass das auch so bleibt. Die Moderne erlebt er als eine Ansammlung von Zumutungen. Er findet, Regierungen sollten schwach und Unternehmer stark sein. Er ist gegen den Sozialstaat, gegen Obama und gegen das Internet, zumindest wenn es kostenlos ist und seine Gewinne schmälert.

Der Unternehmer verweigert sich nicht der Realität, er bekämpft sie. Wenn einer im Mediengeschäft arbeite und in Sorge sei um die Welt, dann müsse er seinen Einfluss auch geltend machen dürfen, verteidigte er 2007 beim Weltwirtschaftsforum in Davos seinen Eifer.

Aber auch er stoße an Grenzen, bekannte er: "Man kann ja nicht die ganze Welt ändern, zum Beispiel keine Wahlen." Das Bedauern über diesen Sachverhalt war nicht zu überhören.

Mit der Rolle des Zuschauers oder auch des Kommentators hat sich Murdoch nie begnügt. Sein Biograf Michael Wolff schreibt: Murdoch führe sein Leben als Ein-Mann-Krieg, das Dagegensein sei sein Naturell.

So wurden Obama und Google seine natürlichen Gegner. Die eine Welt reibt sich an der anderen, weil jede die Bedeutung der anderen schrumpfen will. Die Obama-Welt will, dass das Reaktionäre verschwindet, und Murdoch will, dass Obama verschwindet.

Google würde er zumindest gern zurückdrängen, weil die Internetwelt seiner Printwelt arg zusetzt. Die Jungs aus dem Silicon Valley kassieren jene Milliardengewinne, die eigentlich ihm gehören. So sieht er die Sache.

Was sich derzeit in Amerika abspielt, ist nichts Geringeres als ein Kampf der Kulturen. Es ist die alte Welt, die sich mit der neuen Welt anlegt, politisch und ökonomisch. In der Welt von Obama und Google spielen Transparenz und Demokratie eine große Rolle. Der Präsident und die Gründer von Google wollen nicht gefürchtet, sondern geliebt werden.

Der Präsident veröffentlicht täglich seinen Terminkalender, damit man das Gefühl hat, man könne ihm beim Regieren zuschauen. Ob er in seinem Dienstflugzeug, der Air Force One, unterwegs ist oder seine Ehefrau Michelle ins Washingtoner Restaurant Citronelle ausführt, immer sind Reporter dabei. Sie hocken im hinteren Teil des Flugzeugs und warten, dass er vorbeikommt. Sie sitzen beim Dinner mitunter ein paar Tische entfernt.

Sie protokollieren, was sie sehen und hören, und sind verpflichtet, ihre Eindrücke in einem sogenannten Pool Report in Echtzeit an die anderen Korrespondenten in Washington zu verschicken. Obama will es so.

Es gibt daher keinen exklusiven Blick auf ihn; der mächtigste Mann des Landes gehört allen, das ist seine Idee dahinter. Er will, dass man ihn sieht. Er will zugänglich und kostenlos für alle sein. Er ist der erste Präsident, der seine Wahl dem Internet verdankt.

Was bei Obama eine politische Strategie ist, hat Google zum Geschäftsprinzip erhoben. Das Wissen der Welt soll transparent sein und frei verfügbar für jedermann. Der Preis der Freiheit ist der, dass sie keinen hat.

Die Welt des Rupert Murdoch ist dagegen eine dynastische und keine demokratische. Seine engsten Berater sind seine Frau und seine Kinder, vorneweg Harvard-Abbrecher James Murdoch.

Der Alte tritt nur selten öffentlich auf, gibt Interviews am liebsten in seinem eigenen Sender Fox News. Da stellt man ihm keine Fragen, sondern reicht ihm die Stichworte wie Lachshäppchen auf der Dinnerparty.

Wichtige Entscheidungen fallen bei News Corporation hinter verschlossener Tür, auf Murdochs 56 Meter langen Yacht "Rosehearty", in der 44-Millionen-Dollar-Wohnung in New York mit Blick auf den Central Park oder im achten Stock des News-Corporation-Towers. Die Öffentlichkeit, von der er lebt, sperrt er in eigener Sache aus. Andere sollen ihn fürchten, nicht lieben.

Die Siegesgewissheit früherer Jahre allerdings ist dahin. Die neue Zeit, für die das Internet das Betriebssystem liefert, hat Murdoch übel mitgespielt.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
sam clemens, 02.12.2009
1. .
Material interessant, Text schlecht. Kann man denn daraus keinen vernünftigen Artikel machen, vielleicht sogar einen kürzeren?
Benjowi 02.12.2009
2. Gab es früher schon....
Der Mann hat in meinen Augen mittlerweile den gleichen unseligen Status wie einst Hugenberg in Deutschland. Nur weil er ein Medienimperium beherrscht, heißt das noch lange nicht, dass er das Mandat für derartige Kreuzzüge erworben hat.
Zylex 02.12.2009
3. FOX suxx!
wird zeit, daß die endlich mal pleite gehen. fox ist schuld am untergang von futurama, hätte fast family guy und simpsons zu fall gebracht, und ist ein reiner propaganda-sender. ganz nebenbei hat der gute rupi auch premiere in die pleite getrieben (durch hacken von nagravision), um sie danach günstig kaufen zu können. ich würde dem selbst dann keine 10c schenken, wenn er pleite und homeless auf der straße vor mir sitzen würde. wahrscheinlich würde ich eher sogar vor lachen tot umfallen :)
tweet4fun 02.12.2009
4. Ich stimme zu!
Zitat von sam clemensMaterial interessant, Text schlecht. Kann man denn daraus keinen vernünftigen Artikel machen, vielleicht sogar einen kürzeren?
Das Thema ist durchaus interessant. Da hätte man besser Henryk M. Broder rangesetzt.
Mischa, 02.12.2009
5. Enteignen
Zitat von BenjowiDer Mann hat in meinen Augen mittlerweile den gleichen unseligen Status wie einst Hugenberg in Deutschland. Nur weil er ein Medienimperium beherrscht, heißt das noch lange nicht, dass er das Mandat für derartige Kreuzzüge erworben hat.
Murdoch ist für mich welt weit der allererste Kandidat für eine Enteignung. Er mißbraucht seine (Medien)macht massivst zum Nachteil der Allgemeinheit.
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