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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 52/2009

Bodenschätze: Der Traum von Aynak

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Armes Afghanistan? Das Land besitzt riesige Erzvorkommen, die es endlich zu Geld machen will. Die Bieterschlacht läuft, China ist bislang der größte Profiteur. Aber wohin fließt der Gewinn?

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Korruption und Kohle: Afghanistans Bodenschätze
Dieser trostlose Berg soll 80 Milliarden Dollar wert sein? Es ist ein Berg wie jeder andere in Afghanistan: kein Baum, kein Strauch, nur gelbbraunes Geröll.

Aber oben steht ein Zelt, so wie auf den anderen Bergkuppen auch, davor wachen Soldaten mit Geschützen. Und die Hänge sind mit roten und weißen Fähnchen markiert, den Zeichen der Minensucher - Rot steht für Gefahr, die weißmarkierten Flächen sind bereits geräumt.

Mit 1500 Soldaten, postiert in drei Sicherheitsringen, hält die afghanische Armee die Gegend rund um den Weiler Aynak in der Provinz Logar besetzt; die 17 Kilometer lange Schotterpiste, die von der Fernstraße Kabul-Gardez heraufführt, ist mit Checkpoints gespickt.

Grund zur Vorsicht gibt es genug, obwohl Aynak nicht mal 100 Kilometer von Kabul entfernt liegt. Da ist zum Beispiel dieser roh in den Stein gehauene Gang, der drei Kilometer tief ins Berginnere führt - und gleich am Eingang ein Bombentrichter: ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier lange Zeit ein Taliban-Lager war. Die Kämpfer haben ihren Unterschlupf nach starken US-Bombardements geräumt, aber die Provinz bleibt unsicheres Paschtunenland.

Im Juli explodierte vorn an der Fernstraße ein Lkw: 25 Menschen starben, darunter viele Kinder. Und zur Präsidentenwahl tauchten in den Dörfern ringsherum Flugblätter des berüchtigten Bürgerkriegsfeldherrn Gulbuddin Hekmatjar auf, zu dessen Machtbereich die Gegend noch immer gehört.

Aynak steht für Aufschwung, Wohlstand, Reichtum

Mag die Sicherheitslage unübersichtlich sein, der Präsident in Kabul nach der Wahl angeschlagen und der Talib sogar im Norden auf dem Vormarsch - Aynak steht für ein anderes Afghanistan. Für wirtschaftlichen Aufschwung, Wohlstand, Reichtum, also für all das, was im Moment niemand so recht mit dem Namen des Hindukuschlandes verbinden mag. "Aynak bietet die Möglichkeit, uns von der Armut zu befreien und nicht mehr auf die Gaben ausländischer Spender angewiesen zu sein", sagt Provinzgouverneur Atiqullah Lodin.

Aynak ist der Name der größten noch nicht erschlossenen Kupfermine der Welt. 700 Millionen Tonnen Erze sollen hier liegen, vor allem Malachit, mit einem Kupfergehalt, der höher ist als in den großen chilenischen Kupferminen. Aynak ist nicht nur das bedeutendste Bergbauvorhaben des Landes, das die Regierung trotz der politischen und militärischen Wirren in Angriff nimmt, sondern laut Bergbauminister Mohammed Ibrahim Adel "das größte Projekt in unserer Geschichte überhaupt". Mit seiner Verwirklichung beginne "die Wiedergeburt des Landes".

In Statistiken rangiert Afghanistan als eines der ärmsten Länder der Welt, auf gerade mal knapp zwölf Milliarden Dollar belief sich sein Bruttoinlandsprodukt 2008, dasjenige Deutschlands liegt 314mal darüber. Der Dauerkrieg am Hindukusch hat aber nur vergessen lassen, was seit Jahrzehnten als gesicherte Erkenntnis gilt: Das Land ist reich an Bodenschätzen.

Es gibt nicht einmal eine Eisenbahn

Neben Kupfer verfügt Afghanistan über Steinkohle in der Provinz Bamian, Öl und Erdgas im Norden bei Shibarghan, über Blei, Zink, Gold, Silber und Asbest, über Glimmer, Schwefel und Beryll und über die spektakuläre Eisenerzlagerstätte bei Hajigak, 130 Kilometer westlich von Kabul, die wohl größte in Asien überhaupt. Auch der weltweit bedeutendste Fundort von Lapislazuli liegt hier, in Badakhshan.

Genutzt werden bisher nur die Kohle von Bamian, das Gas von Shibarghan und der blaue Lapislazuli; die restlichen Vorkommen - oft in den sechziger und siebziger Jahren von sowjetischen Geologen entdeckt - schlummern den Dornröschenschlaf. Nicht nur der jahrzehntelange Bürgerkrieg, auch ihre ungünstige Lage verhinderte, die Schätze zu heben.

Die hochwertigen Eisenerze von Hajigak etwa, auf 1,8 Milliarden Tonnen geschätzt, liegen an einem 3700 Meter hohen Pass, aber wie könnte man sie wegschaffen, und überhaupt: wohin? Es gibt keine Hüttenwerke in Afghanistan, ja nicht einmal eine Eisenbahn und keinen Zugang zum Meer. Die einzige Bahnstrecke (die 1923 die Deutschen bauten) verband Kabul über fünf Kilometer hinweg mit dem Regierungssitz Darulaman, und selbst die ist inzwischen zerstört.

Die Kupfermine gehört bereits den Chinesen

Nun soll sich das ändern. Allein erschließen kann das Land seine Bodenschätze zwar noch immer nicht. Aber weil der Rohstoffhunger der Welt mit jedem Tag wächst, wird auch Afghanistan für internationale Konzerne attraktiv - obwohl noch immer nicht Frieden herrscht und die Regierung viele Distrikte nicht kontrolliert.

Demnächst wird entschieden, wer die Erzlager von Hajigak ausbeuten darf - ein Projekt, das inklusive des geplanten Stahlwerks und weiterer Anlagen bis zu 80.000 Afghanen Arbeit und dem Land bis zu eine Milliarde Dollar Jahreseinnahmen verschaffen soll. International ausgeschrieben sind auch zwei Gasfelder in der Provinz Jowzjan und ein Ölvorkommen in der Provinz Sar-i-Pul.

Die Kupfermine in der Provinz Logar gehört bereits den Chinesen.

Wer hinauffährt in die Einöde von Aynak, fühlt sich in amerikanische Goldgräberzeiten zurückversetzt, Aynak ist Afghanistans Klondike. Auf den Bergen ringsum hockt das Militär, unten im Tal aber errichten die Chinesen in fieberhafter Eile ihr Basislager. Mehr als 3000 afghanische Arbeiter sind bereits vor Ort, dazu 70 chinesische Ingenieure im orangefarbenen Einheitsoverall. Sie haben rund ums Camp einen gewaltigen Wall aus Stein und Beton errichtet, ein Dutzend Bürocontainer aufgestellt und Berge aus Bohrgestängen aufgeschichtet. Jetzt montieren sie gelbe, auf Raupenketten gesetzte Bohrtürme. Mit ihnen sollen Probebohrungen in 1500 Meter Tiefe vorgetrieben werden.

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1. Wahrer Grund
jgb 25.12.2009
Zitat von sysopArmes Afghanistan? Das Land besitzt riesige Erzvorkommen, die es endlich zu Geld machen will. Die Bieterschlacht läuft, China ist bislang der größte Profiteur. Aber wohin fließt der Gewinn? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,668292,00.html
Dann wissen wir endlich warum hier wirklich Krieg geführt. Es geht um Rohstoffe wie immer. Wäre es so, hätte es für die deutsche Regierung fatale Konsequenzen. Siehe § 80 StGB. Es fehlte dann nur noch ein mutiger Staatsanwalt.
2. Was ausgeblendet wird
tystie, 25.12.2009
Verhältnisse wie in Deutschland: "Man möge in Peking vorstellig werden. Schriftlich." Als vor Kurzem ein Team der ARD schwerwiegende Sicherheitsmängel im AKW Biblis B, das offenbar unter Verstoß gegen das Atomgesetz von der neuen deutschen Regierung, welche sich der Atomlobby gegenüber erkenntlich zeigt, einen Betriebsgenehmigung erteilt bekam, bei dem zuständigen Minster eine Stellungnahme einholen wollte, bekamen sie keine! http://www.rbb-online.de/kontraste/archiv/kontraste_vom_03_12/roettgen_verhindert.html Was aus dem Bericht klar hervorgeht ist doch Folgendes: Aus den USA, Kanada und Russland kamen Gebote, die KEINE Infrastruktur entwickeln UND einen angemessenen Preis zahlen wollten. Die übliche, koloniale Ausbeutungspraxis halt. Chinesische Firmen entwickeln tatsächlich bei vergleichbaren Vorhaben die Regionen, in denen sie tätig werden. Dass chinesische Ingenieure und Arbeiter in der Lage sind, eine höchst komplizierte Bahnstrecke zu bauen, ist durch den Bau der Lhasa-Bahn bereits bewiesen. Warum nicht eine Bahnstrecke nach Afghanistan? Warum sollten nicht auch afghanische Muslime mit den Chinesen leichter Frieden schließen können? Die KPCh tendiert nicht dazu, ihre Einflussgebiete mit Internetpornografie, Frittenbuden, Softdrinks und Hollywoodschund zu überziehen. Und vor Allem: Sie führt keinen Krieg gegen Afghanen. Letztlich noch ein anderer Aspekt: Offenbar werden neue Klima-Verschmutzungskapazitäten erschlossen. Und da stehen wir nun wieder vor der interessanten Frage: Dürfen wir von bettelarmen Menschen erwarten oder gar verlangen, dass sie darauf verzichten, auf das gleiche Verschmutzungsniveau, auf dem sich die zivilisierten Nationen befinden, herabzusinken, oder sollen sie unbedarftes Prekariat bleiben, das man spielend leicht bei Tankwagen um die Ecke abknallen kann?
3. <->
silenced 25.12.2009
War doch von Anfang an bekannt worum es im Krieg in Afghanistan geht, da ist zum einen eine geplante Pipeline, zum anderen die Bodenschätze, nur wurde meine Wenigkeit damals noch schief angeguckt und für blöd erklärt als diese Gründe anbrachte, auch in Verbindung mit dem "verschwinden" von 2 Schachfiguren der USA.
4. Wer hält den Kopf hin?
Dettermohl 25.12.2009
Super, deutsche Soldaten halten den Kopf hin, damit China in Ruhe Geld verdienen kann. Und was macht die deutsche Bundesregierng? Dort wird davon geredet, dass eine Demokratie aufgebaut werden müsse. Und auf die landestyptischen Praktiken beim Erwerb von Rechten (Abbau von Rohstoffen), nämlich Minister und andere zu bestechen, darf natürlich nicht zurückgegriffen werden, denn den Kampf gegen Korruption will man ja gewinnen... Das schallende Gelächter von Chinas Kommunisten ist nicht zu überhören. Na ja, was soll man dazu sagen? Vielleicht seinen Kindern doch schon den Tipp geben, Hochchinesisch zu lernen? Sich auf die künftigen Herrscher dieser Welt einzustellen kann so falsch nicht sein... Oder?
5. im prinzip find ich es gut was die chinesen da so machen
poiuyt 25.12.2009
jedoch wo man wirklich genau hinschauen muss ist wie die sich in bezug auf die umwelt verhalten, wenn die dieselben negativen umweltsachen treiben wie in ihren eigenen land, kann man im wahrsten sinne des wortes sagen..gute nacht afghanistan !
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Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.


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