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Ausgabe 7/2010

Wohnungsmarkt: Ein Hamburger Kaufmann hat sich auf die Vermietung an Hartz-IV-Empfänger spezialisiert

Von Bruno Schrep

Viele Verlierer und ein Gewinner: In einem heruntergekommenen Hamburger Wohnblock leben Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose unter bizarren Umständen, die überhöhten Mieten zahlt der Staat. Der Eigentümer stellt sich als Wohltäter dar.

Die Vorderfront, vor Jahresfrist neu verputzt, sieht blendend aus. Freundliche Farben, beige und weinrot, ein paar Balkone, unten gepflegter Rasen. An der Ecke ein nettes griechisches Lokal, die Taverna Mykonos.

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Hinter der Fassade ein ganz anderes Bild. In vielen der 130 Apartments bröckelt der Putz, tropft Wasser von der Decke, sitzt Schimmel an den Wänden. Eingetretene Türen zeugen von Krawall, auch Einbruchspuren sind unübersehbar.

Einige Mieter wollen deshalb weg, ganz schnell. Andere sind heilfroh, überhaupt hier zu sein. Sie haben keine Alternative.

Das vierstöckige Gebäude im Hamburger Stadtteil Eilbek steht inmitten einer unauffälligen Wohngegend, weit weg von den sozialen Brennpunkten der Metropole. Doch die meisten Bewohner leben am Existenzminimum, von Sozialhilfe oder von Hartz IV, mit anderen Gescheiterten Tür an Tür. Ein modernes Armenhaus.

Mehr als die Hälfte der Apartments gehört Thorsten Kuhlmann, Ende 40, kurze Haare, sportliche Figur, energisches Auftreten. Die Wohnungen sind Teil einer ausgekochten Geschäftsidee. Kuhlmanns Grundstücksgesellschaft hat sich auf die Vermietung an Hartz-IV-Empfänger spezialisiert. 500 Wohneinheiten besitzt der gelernte Automechaniker in und um Hamburg.

Kuhlmann ist der einzige Gewinner im Haus der Verlierer.

Die Apartments in Eilbek hat er billig ersteigert. Das Gebäude, um 1915 als Schule erbaut, hatte den Vorbesitzern kein Glück gebracht. Dutzende kleine Kapitalanleger, die nach der Aufteilung des Häuserblocks einzelne Wohnungen kauften, waren auf Versprechungen über garantiert hohe Mieten hereingefallen - und sahen am Ende ihre Illusionen vom lukrativen Immobilieneigentum zerstört.

Kuhlmann kalkuliert anders. Um seine Einnahmen muss er sich keine Sorgen machen; in den meisten Fällen zahlt die Miete der Staat, mithin der Steuerzahler. Und der Renovierungsaufwand ist gering: Die meisten Mieter - dankbar, eine Wohnung zu haben - trauen sich kaum, Mängel massiv anzumahnen.

Nicole U. und Arne S. sind vor eineinhalb Jahren mit viel Elan in das Ein-Zimmer-Apartment im dritten Stock gezogen. In der Entzugsklinik, in der sie sich kennenlernten, schworen sie sich, nie mehr Heroin zu spritzen, ganz neu anzufangen. Da hatte Nicole U. bereits eine gescheiterte Ehe und zwei Geburten hinter sich und Arne S., gelernter Buchbinder, schon die Träume von einer erfolgreichen Musikerkarriere begraben.

Sie strichen die Wände knallrot an, besorgten sich ein paar Möbel, stellten sie zu den beiden Käfigen mit den zahmen Ratten aus ihrer Punk-Vergangenheit. Doch hohe Dosen der Ersatzdroge Methadon, verschrieben gegen die Heroinsucht, ließen ihren Anfangsschwung schnell erlahmen.

Fortbildungskurse, Bewerbungstraining, Jobsuche? Morgen, bestimmt. Den Müll wegbringen, der sich schon von der Küchenzeile im Flur bis ins Wohnzimmer ausbreitet? Morgen, auf alle Fälle. Die Rattenkäfige säubern? Morgen, ganz sicher. Das war vor sechs Monaten.

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insgesamt 47 Beiträge
john mcclane 18.02.2010
Was ist das denn für ein sinnloser Artikel? Wurde Herr Schrep beauftragt, schnell passend zur aktuellen Diskussion "irgendwas mit HartzIV" zusammenzukleistern? Das es in Wohnanlagen mit hoher Sozialhilfe-Quote nicht [...]
Was ist das denn für ein sinnloser Artikel? Wurde Herr Schrep beauftragt, schnell passend zur aktuellen Diskussion "irgendwas mit HartzIV" zusammenzukleistern? Das es in Wohnanlagen mit hoher Sozialhilfe-Quote nicht unbedingt aussieht wie im Palais Schaumburg, müßte sich doch langsam rumgesprochen haben. Die im Artikel (allein eine Seite handelt von den sich selber zumüllenden lethargischen Ex-Junkies) sind an ihrer Situation fast ausnahmslos selber schuld. Und ja, der Vermieter soll es ruhig ordentlich vergütet bekommen, das er sein Eigentum dieser Klientel zur Verfügung stellt. Es gibt nämlich genug Vermieter, die legen kommentarlos den Hörer auf, wenn ein Interessent am Telefon erwähnt, das er HartzIV bekommt (davon, das niemand einen verurteilten zweifachen Mörder oder Totschläger in seinem Haus haben will mal ganz zu schweigen). Die ARGE zahlt die ortsübliche Miete, Punkt. Soll vielleicht demnächst noch ein Kontrolleur durch alle Wohnungen von HartzIV-Empfängern ziehen und nach Mängeln suchen? Na dann mal viel Spaß beim Bürokratieabbau. Und den letzten Satz hätte ich mal gerne vom Autor erklärt. Das die neugeborene Tochter Joana heißt, ist nämlich für den Leser des Artikels ungefähr so wichtig wie die Schuhgröße des Präsidenten von Swasiland. Oder soll hier nur ein altes Klischee bedient werden, wonach Hartz-Kinder nur "Asi-Namen" tragen???
PeteLustig 18.02.2010
Laut Artikel "verrechnet" sich der Hauseigentümer auffallend oft und nicht nur in wenigen Einzelfällen. Gewebsmäßigen Betrug würde ich das nennen. Gibt Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein [...]
Zitat von sysopWenn der vorgelegte und vom Amt genehmigte Mietvertrag fehlerhaft sei, die Wohnungsgröße nicht stimme, müsse sich der Mieter selbst darum kümmern oder den Mieterschutzverein einschalten - ein Zuständigkeitswirrwarr, der dem Missbrauch des Sozialstaats in die Hände spielt.
Laut Artikel "verrechnet" sich der Hauseigentümer auffallend oft und nicht nur in wenigen Einzelfällen. Gewebsmäßigen Betrug würde ich das nennen. Gibt Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein Mieter sollte eine Anzeige schreiben, auf die weiteren Mieter verweisen und ab an die Polizei oder Staatsanwaltschaft. ---Zitat--- Denn nur wenige reklamieren wie Carmen K. Erstens, weil sie den überteuerten Mietzins nicht selbst zahlen müssen. Und zweitens, weil sie sich mit Kuhlmann nicht anlegen wollen. ---Zitatende--- Ich glaube an ersteres. Die ARGE, der solche Mietbetrügereien bekannt werden, sollten gesetzlich verpflichtet werden, diese Fälle den Staatsanwaltschaften anzuzeigen.
serra 18.02.2010
der bei Mängeln Miete kürzt oder Mietzahlungen verweigert- dann wird der Vermieter sicher munter.
der bei Mängeln Miete kürzt oder Mietzahlungen verweigert- dann wird der Vermieter sicher munter.
schwammkopf1 18.02.2010
Ja, hatte ich schon mal gepostet, warum der Staat nicht endlich Mietzahlungen mal an die Realeinkommen koppelt, damit die Gelddruckerei "Mietwohnung" endlich abgeschaltet wird. Weshalb soll der schlecht bezahlte Bürger [...]
Zitat von sysopViele Verlierer und ein Gewinner: In einem heruntergekommenen Hamburger Wohnblock leben Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose unter bizarren Umständen, die überhöhten Mieten zahlt der Staat. Der Eigentümer stellt sich als Wohltäter dar. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,677573,00.html
Ja, hatte ich schon mal gepostet, warum der Staat nicht endlich Mietzahlungen mal an die Realeinkommen koppelt, damit die Gelddruckerei "Mietwohnung" endlich abgeschaltet wird. Weshalb soll der schlecht bezahlte Bürger nur noch für das begleichen von Rechnungen , sprich Miete und Nebenkosten arbeiten gehen. Ich würde würde die Miete an das Einkommen koppeln und so müßte der Staat auch nicht so für H4 Empfänger bluten und die Vermieter sind endlich auch mal mit im Boot wenns der Wirtschaft schlecht geht. So 30% sollten reichen vom einkommen.....dann würden kleine Wohnungen auch wirklich nur kleines geld kosten und große eben großes, stattdessen kosten die Buden was extrem Nachgefragt ist extrem teuer.....und das mit dem sozialen wichtigen Gut Wohnraum........vielleicht ändert sich ja nochmal was in diesem Land.
kdshp 18.02.2010
Hallo, die vermieter sind doch auch gewinnler von H4 so sind hier im kön/bonner raum die mieten für kleine wohnungen nach einführung von H4 um ca. 15-20% gestiegen UND das zahlen auchnicht H4-ler mehr also sind auch die kleinen [...]
Zitat von sysopViele Verlierer und ein Gewinner: In einem heruntergekommenen Hamburger Wohnblock leben Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose unter bizarren Umständen, die überhöhten Mieten zahlt der Staat. Der Eigentümer stellt sich als Wohltäter dar. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,677573,00.html
Hallo, die vermieter sind doch auch gewinnler von H4 so sind hier im kön/bonner raum die mieten für kleine wohnungen nach einführung von H4 um ca. 15-20% gestiegen UND das zahlen auchnicht H4-ler mehr also sind auch die kleinen einkommen hier die dummen.
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