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Ausgabe 21/2010

Internet: Geldstapel in der Blechhalle

Von Steffen Winter

Verschwörungstheoretiker richten sich auf die Wiedereinführung der D-Mark ein. Späher wollen allerorten Signale für eine Währungsreform ausgemacht haben.

D-Mark: Geldstapel in der Blechhalle Fotos
DDP

Nur die wirklich dramatischen Dinge des Lebens haben das Potential zu einer "Breaking News", einer Eilmeldung. Erdbeben, Flugzeugabstürze, Entführungen, Kriegsausbrüche. Und manchmal auch Geldcontainer in der deutschen Provinz. Seit dem 11. Mai hält eine obskure Kiste die Verschwörer-Gemeinde in Atem. Ein Anonymus, der sich als Mitarbeiter der Deutschen Bank bezeichnet, erklärte per Eilmeldung auf einer amerikanischen Homepage, er habe gerade einen Container mit neuen D-Mark-Scheinen und -Münzen verschickt. In der Nacht zum 16. Mai werde in Deutschland die Mark wieder eingeführt, die Kanzlerin werde die Sensation zuvor in einer Rede an die Nation verkünden.

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Knapp daneben ist auch vorbei. Angela Merkel verabschiedete am Tag der angeblichen Erklärung den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, reiste zum Kirchentag in München und zahlt ihre Rechnungen noch immer in Euro. Alles eine Ente? Ja, aber im Netz überschlagen sich dennoch die Hinweise auf die baldige Rückkehr der Mark.

Da wird aus Kaufbeuren berichtet, dass die neuaufgestellte Telefonzelle drei Bezahlvarianten zulasse: Euro, Karte und DM. Dass Geldautomaten außer Betrieb seien, Gebrauchtwagenhändler würden keine Autos mehr verkaufen, um nicht auf den Euro sitzenzubleiben. Deutsche Kreditkarten mit Euro-Guthaben hätten in England reihenweise Fehlermeldungen verursacht. Bei einer großen Bank in Sachsen herrsche Urlaubssperre, es gebe reihenweise Personalversammlungen. Und der kürzliche Ausfall deutscher Web-Seiten hänge selbstverständlich mit der Geheimoperation zur Wiedereinführung der D-Mark (Deckname "Balthasar") zusammen.

Walter K. Eichelburg zählt sich zu den Opfern dieses geldpolitischen Staatsstreichs. Der Mann, der als "Consultant und Investor" in Wien residiert und regelmäßig Marktkommentare verfasst, hatte die Leser seiner Seite Hartgeld.com vergangene Woche in einem dramatischen Aufsatz auf die "überfallartige Einführung einer neuen Währung" vorbereitet. Es habe eine Attacke auf seinen Server gegeben, als Links zu Fotos der angeblich neugedruckten Mark angelegt wurden, sagt Eichelburg. Man habe offenbar einen "Info-Blackout" erreichen wollen.

Einen Blackout hat es wohl gegeben. Doch bei wem genau, ist noch unklar. Auf der amerikanischen Internetseite, die vor allem bei Verschwörungstheoretikern beliebt ist, tauchten tatsächlich Bilder von angeblich neuen Mark-Scheinen auf. Hochgestapelt in einer Blechhalle. Die Auflösung war miserabel, was sich mit einem Blick auf die Originale erklären lässt. Die finden sich auf der Homepage der Bundesbank, im Bildarchiv für die Presse. Unter dem Stichwort "sicheres Bargeld" ist dort jenes Bild aus dem Jahr 1991 abrufbar. Die gute Auflösung dort gibt den ungetrübten Blick auf die Banderole frei: 25. Oktober 1990.

"Man ist bereit"

Die ausgefallene Reform vom Wochenende hat die Netzgemeinde nur kurz aufgehalten. Natürlich hatten kritische Zeitgenossen auch dies vorausgesehen. Etwa jener Surfer aus Dingolfing, der frühzeitig Zweifel am Termin anmeldete. Am vorausgesagten Wochenende sei bei ihm verkaufsoffener Sonntag, das würde doch nicht gehen. Auch Eichelburg verfügt über hochbrisantes Insiderwissen, warum die Währungsreform zunächst scheiterte. Im Kanzleramt habe es vor der geplanten Währungsumstellung ein "wildes Schreiduell" zwischen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Kanzlerin Merkel gegeben. Doch neue Termine gebe es längst: "Man ist bereit." Überzeugte Jünger springen dem selbsternannten "Goldautor" bei seiner Prognose bei. Der deutsche Angriff im Westen sei 1940 wetterbedingt auch mehrfach verschoben worden. Am Ende hätten die Engländer nicht mehr daran geglaubt.

Im Hartgeld-Forum werden derweil schon wegweisende Tipps an Euro-Skeptiker gegeben, wie sie ihre letzten Euro unter das Volk bringen könnten. Auszüge: "Spenden Sie für Ihre Kirchengemeinde", "Unterstützen Sie nahe Familienangehörige", "Warum mieten Sie nicht Ihre Grabstelle auf 15 bis 20 Jahre an und kaufen Sie gleich einen Grabstein?" Eichelburg selbst hat nicht so viel übrig für Steine. Er rät seinen Jüngern, wie seit Jahren schon, zu Gold und Silber. Da trifft es sich gut, dass auf seiner Seite zahlreiche Werbebanner von Gold- und Silberhändlern prangen ("Jetzt kaufen!").

Längst ist der Hype um die Mark aus der virtuellen Welt in die Wirklichkeit übergesprungen. Vernünftig klingende Menschen in der Druckerbranche senken mitten im Gespräch plötzlich die Stimme und verkünden eine Sensation. Der traditionelle Gelddrucker der Bundesbank, das Münchner Unternehmen Giesecke & Devrient, drucke bereits Mark, und auch die Bundesdruckerei habe reihenweise neue Maschinen geordert.

Giesecke lässt den Verschwörern ihre Theorien. "Wir sind zur Geheimhaltung verpflichtet und geben keine Auskünfte zu Banknoten", sagt eine Sprecherin. Auch von der Bundesbank gibt es keinen Kommentar. Wobei inoffiziell zur Sicherheit darauf hingewiesen wird, dass die alten D-Mark-Druckplatten längst vernichtet seien.

Eichelburg ist ohnehin auf alles vorbereitet. Er lädt aktuell zu "Euro-Crash/Währungsreform-Seminaren" ein. In der Einladung verkündet er, die Mark werde in Deutschland bereits gedruckt. Für die drei Stunden zahlt der Teilnehmer 119 Euro - beziehungsweise die "zum Seminarzeitpunkt gültige Währung".

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 114 Beiträge
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1. schnöder Mammon
blackcyclist2010 27.05.2010
Bin dabei, habe gerade 10 Pfennig in einer alten Schachtel gefunden. Wie blöd müssen manche Leute sein, an sowas zu glauben.
2. Verschwörungstheorie Internet
pulegon 27.05.2010
Mal ehrlich... im Internet kann jeder schreiben, was er will. Niemand korrigiert oder zensiert und wenn sich genug Leute finden, die die Geschichte glauben wollen, aus welchen Gründen auch immer, dann gibts eine Verschwörungstheorie mehr. Merkt man ja auch regelmäßg hier im Forum. Wo da die Nachricht herkommt versteht ich nicht so ganz. Weiters Indiz für das gesunkene Niveau? Zumindest erscheint es mir immer irrealer, das ich ernsthaft mal Geld ausgeben wollte für einen 'Spiegel'.
3. Ignorieren war früher
Nihil, 27.05.2010
Jetzt werden die "Verschwörungstheorien" lieber ironisiert. Natürlich ist kurzfristig eine Währungsreform eher unwahrscheinlich, aber nicht deshalb, weil sie unsinnig wäre. Sie wäre es nicht. Sie ist unwahrscheinlich, weil unser politisches Personal zu solchen Entscheidungen gar nicht fähig ist.
4. Lustiger Schwachsinn
T. Wagner 27.05.2010
Theorien dieser Art sind nicht neu, aber lustig. In diesem Forum gibt es bekanntlich noch so eine: Wenn man den Hartz-Empfängern mehr Geld gäbe, würden sie es sofort verkonsumieren und damit die Binnennachfrage stützen. Was wiederum zu mehr oder zumindest sicheren Arbeitsplätzen führen würde.
5. Psychologie
janman23 27.05.2010
Zitat von pulegonMal ehrlich... im Internet kann jeder schreiben, was er will. Niemand korrigiert oder zensiert und wenn sich genug Leute finden, die die Geschichte glauben wollen, aus welchen Gründen auch immer, dann gibts eine Verschwörungstheorie mehr. Merkt man ja auch regelmäßg hier im Forum. Wo da die Nachricht herkommt versteht ich nicht so ganz. Weiters Indiz für das gesunkene Niveau? Zumindest erscheint es mir immer irrealer, das ich ernsthaft mal Geld ausgeben wollte für einen 'Spiegel'.
Musste auch sofort an das Forum denken, da stecken doch bestimmt wieder diese neoliberalen Kapitalistenkreise dahinter, die ehrlich arbeitende Hartz 4-Empfänger auspressen. Ich sehe allerdings durchaus eine Nachricht hier: dass es diese Verschwörungstheorien gibt zeigt doch, dass es eine psychologische Entwicklung hin zur (noch) stärkeren Ablehnung des Euros gitb, und Psychologie ist wichtig für Wechselkurse.
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Schulden in Europa
Gesamtverschuldung in Euro-Land
dpa
Mit der gigantischen Summe von mehr als sieben Billionen Euro sind die Euro-Länder verschuldet. Mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) haben die Staaten jetzt einen riesigen Rettungsschirm von bis zu 750 Milliarden Euro für Länder gespannt, die mit dem Schuldenberg nicht mehr fertig werden und in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Deutschland
Die gesamtstaatlichen Schulden liegen bei mehr als 1,7 Billionen Euro. Das sind mehr als 70 Prozent des BIP. Erlaubt sind laut Maastricht-Vertrag 60 Prozent. Die jetzt schon gigantische Summe könnte bis Ende 2013 durch immer neue Kredite bei etwa zwei Billionen Euro liegen.

Allein 2010 lag die Neuverschuldung bei 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), erlaubt sind laut Maastricht drei Prozent. Um diese Schuldenberge wieder abzubauen, hat die schwarz-gelbe Koalition im Sommer 2010 ein Sparpaket aufgelegt. Ob dies allerdings ausreicht, ist fraglich. Denn der Bund muss von 2011 an jedes Jahr zehn Milliarden Euro sparen - allein um die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse einzuhalten.
Frankreich
Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 7,5 Prozent des BIP, die Gesamtverschuldungsquote bei 77,6 Prozent. In Euro ausgedrückt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf mehr als 1,5 Billionen Euro. Die Regierung will die Staatsausgaben von 2011 bis Ende 2013 einfrieren. Jede zweite frei werdende Stelle im Öffentlichen Dienst wird nicht besetzt.

Die laufenden Ausgaben für den Staatsbetrieb sollen binnen drei Jahren um zehn Prozent gesenkt werden. Zudem will Paris Steuerschlupflöcher stopfen und so in zwei Jahren fünf Milliarden Euro mehr einnehmen. Eine Rentenreform soll außerdem das riesige Defizit in den Sozialkassen senken. Das Rentenalter in Frankreich liegt derzeit für das allgemeine Rentensystem noch bei 60 Jahren.
Spanien
Das Land hat einen Sparplan vorgelegt, der für die kommenden drei Jahre eine Senkung der Ausgaben um 50 Milliarden Euro vorsieht. Für 2010 und 2011 kündigte Madrid zusätzliche Einsparungen von 15 Milliarden Euro an. Erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes werden die Gehälter von Ministern und Beamten gekürzt. Staatliche Investitionen werden zusammengestrichen.

Die Neuverschuldung lag 2009 bei 11,2 Prozent des BIP. Die Gesamtverschuldung des Staates wurde zuletzt vom Finanzministerium auf 55,2 Prozent des BIP beziffert. Laut Eurostat sind es knapp 560 Milliarden Euro.
Portugal
Die Regierung überraschte 2010 mit der Ankündigung von Steuererhöhungen. Einkommensteuern sollen angehoben, Unternehmen mit einer zusätzlichen "Krisensteuer" von 2,5 Prozent auf alle Gewinne belastet werden. Die Mehrwertsteuer soll von 20 auf 21 Prozent steigen. Die Bezüge der Politiker und der Verwalter öffentlicher Unternehmen sollen um fünf Prozent reduziert werden.

Damit will Portugal sein Haushaltsdefizit von 9,4 Prozent des BIP auf sieben Prozent reduzieren. Die Gesamtschulden entsprachen 2009 rund 76,8 Prozent des BIP.
Italien
In Italien sind bislang keine größeren Sparpakete auf den Weg gebracht worden, obwohl das Land zu den großen Schuldensündern in der Euro-Zone zählt.

Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hat zwar angekündigt, dass ab 2011 gespart werden soll. Genaueres hat er bislang aber nicht erklärt. Italien hat in absoluten Zahlen einen Gesamtschuldenstand wie Deutschland von mehr als 1,7 Billionen Euro. In Relation zur Wirtschaftskraft ist der Schuldenberg aber weit größer: Er beträgt rund 114 Prozent des BIP.
Irland
Im Haushalt 2010 waren strikte Sparmaßnahmen vorgesehen. So wurden Gehälter im Öffentlichen Dienst um fünf bis 15 Prozent gekürzt. Die Sozialausgaben wurden um 760 Millionen Euro zurückgefahren, beim Arbeitslosengeld kam es zu Streichungen für bestimmte jüngere Altersgruppen.

Irland hat eine Gesamtverschuldung von mehr als hundert Milliarden Euro. Damit bewegt sich das Land nicht weit von der vorgeschriebenen 60-Prozent-Regel mit Blick auf das BIP. Allerdings lag die Neuverschuldung 2010 bei rund 30 Prozent.
Belgien
Der hohe gesamtstaatliche Schuldenstand von knapp 97 Prozent des Bruttoinlandsprodukt wird 2011 auf etwa 101 Prozent wachsen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.

Wegen der politischen Krise - das Land stolpert von einer Regierungskoalition zur nächsten - ist Belgien politisch gelähmt. Größere Sparpakete sind nicht in Sicht.
Niederlande
Beim Schuldenberg stehen die Niederlande im Vergleich zu anderen Euro-Staaten gut da. Aber auch dort wird er wachsen - von knapp 61 Prozent des BIP 2009 auf annähernd 70 Prozent 2011.

Doch die Niederländer pochen auf Konsolidierung. Die Regierung identifizierte Sparmöglichkeiten bei den Staatsausgaben von rund 20 Prozent. Die EU würde eine Anhebung des Pensionsalters von 65 auf 67 Jahre begrüßen, wie es in den Niederlanden debattiert wird.
Griechenland
Um eine Staatspleite abzuwenden und den unter Druck geratenen Euro zu verteidigen, haben die EU-Staats- und Regierungschefs ein einmaliges, 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket für Griechenland beschlossen.

2009 beliefen sich die Schulden des Landes auf 273 Milliarden Euro und damit auf 115 Prozent des BIP. Gegen heftigen Widerstand im eigenen Land hat die Regierung ein 30-Milliarden-Sparpaket durchgesetzt - Renten und Gehälter im Staatsdienst sollen gekürzt, Steuern heraufgesetzt werden.
Slowakei
Die Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei gut 22 Milliarden Euro, das entsprach 35,7 Prozent des BIP. Nur noch Luxemburg hat in der Euro-Zone einen kleineren Schuldenberg. Das Haushaltsdefizit 2009 von 4,3 Milliarden Euro erreichte aber mit 6,8 Prozent vom BIP einen Rekordstand und soll 2010 gesenkt werden.

Ein Sparprogramm der Regierung sieht großflächige Ausgabenkürzungen vor, aber keine Einschnitte bei Pensionen und im Sozialsystem. Kräftige Einsparungen gab es 2009 im Verteidigungsbudget.
Slowenien
Der Gesamtschuldenstand lag zuletzt bei 40 Prozent des BIP, also klar unter den erlaubten 60 Prozent. Problematisch sind jedoch das schleppende Wirtschaftswachstum und die steigende Arbeitslosigkeit. Ende 2009 überschritt die Arbeitslosenquote zehn Prozent.

Mit Konjunkturprogrammen wurde die Wirtschaft gestützt, das Haushaltsdefizit dürfte 2010 bei 6,1 Prozent des BIP liegen, nach 5,5 Prozent 2009. Das Sparprogramm ist noch nicht klar. Experten rechnen mit Kostensenkungen im öffentlichen Sektor, auch liegen in der Privatisierung von Staatsunternehmen noch Reserven.
Österreich
Mit Steuererhöhungen und strengen Sparmaßnahmen will Österreich seinen Staatshaushalt wieder auf Vordermann bringen. Als Ziel will die Regierung bis 2014 das Defizit von 4,7 auf 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Bund, Länder und Gemeinden sollen bis zu 5,1 Milliarden Euro einsparen, dazu sollen die Bürger über mehr Steuern für höhere Staatseinnahmen sorgen.

Einig ist sich die Koalition aus konservativer ÖVP und sozialdemokratischer SPÖ aber bisher nur bei der Einführung einer Bankensteuer, die die alpenländischen Geldhäuser rund 500 Millionen Euro kosten soll. Insgesamt betragen die Schulden Österreichs derzeit etwa 66 Prozent des BIP.
Finnland
Mit einem Gesamtschuldenstand von 75 Milliarden Euro gehört Finnland nicht zu den Problemländern in der EU, was die Staatsfinanzen angeht. Die Regierung in Helsinki hat seit dem Euro-Start eine sparsame Haushaltspolitik geführt.

Auch deshalb stehen drastische Sparprogramme wegen der aktuellen Finanzkrise nicht auf der Tagesordnung. Seit längerem schon will die Regierung das Rentenalter heraufsetzen und die Rentenansprüche senken.


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