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Ausgabe 22/2010

Datenschutz: Das Netz im Netz

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Bislang war der Aufstieg von Facebook eine fulminante Erfolgsgeschichte. Eine Rebellion der Nutzer zwingt die Kalifornier nun zu Zugeständnissen. Doch das Grundproblem bleibt: Der Schutz der Privatsphäre passt schlecht zum Geschäftsmodell.

Datenschutz: Das Netz im Netz Fotos
klicksafe/ Uwe Völkner

Wahrscheinlich wäre alles anders gekommen, wenn Mark an der Uni schnell ein Mädchen gefunden hätte. Der Lockenkopf hatte es an die Elite-Universität Harvard geschafft, aber in einer der wichtigsten Disziplinen, dem "Daten" von Campus-Schönheiten, da lief es für ihn noch schlecht.

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Mark, damals gerade 19, schlaksig und eher schüchtern, hackte sich eines Nachts in verschiedene Universitätsrechner, kaperte Fotos der Studierenden, programmierte einen kleinen Code und schickte ihn mit dem Namen "Face Mash" an ein paar Freunde. Harvard sucht die Superstudentin, das in etwa war die Idee. Seine Kommilitonen waren begeistert.

Später wurde daraus "Thefacebook", das Harvard im Sturm eroberte, auf andere US-Universitäten übersprang wie ein Virus - und seither die ganze Welt infiziert.

Die Zeiten, in denen Mark Zuckerberg sich in fremde Rechner hacken musste, um an Porträtfotos hübscher Mädchen zu kommen, sind lange vorbei. Bald wird sein digitales Klassenbuch von einst das 500millionste Mitglied vermelden. Allein in Deutschland laden im Schnitt täglich Tausende neue Nutzer Profilbilder von sich hoch. Wäre Facebook ein Land, dann wäre es nach Einwohnern bereits das drittgrößte der Welt.

"Das" soziale Netzwerk

Sein Herrscher ist heute 26, er ist Gründer und Geschäftsführer eines Global Players, dessen Wert mitunter auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt wird. Hollywood ist gerade dabei, seine Lebensgeschichte zu verfilmen, im Herbst soll "The Social Network" in den USA in die Kinos kommen. Der Film beruht großteils auf den süffigen Campus-Geschichten rund um Sex und Software, die der amerikanische Autor Ben Mezrich im vorigen Jahr zu dem Buch "Milliardär per Zufall" verarbeitet hat.

Der Filmtitel übertreibt nicht, Facebook ist wirklich "das" soziale Netzwerk. Es ist sogar mehr, es ist zu einer Art Netz im Netz geworden: Seine Nutzer finden alte Freunde wieder, halten Kontakt zu Verwandten im Ausland und lassen sie über Fotos, Videos und aktuelle Status-Meldungen an ihrem Leben teilhaben. Eigentlich muss man den Planeten Facebook gar nicht mehr verlassen.

Die Nutzer können sich dort Nachrichten schreiben und chatten. Millionen spielen "Farmville" und managen einen Bildschirm-Bauernhof. Fast alle großen Unternehmen sind vertreten und immer mehr Politiker. Eltern melden ihre Babys an, es gibt Gedächtnisseiten für Verstorbene, Prominente schicken per Facebook ihre Partner in die Wüste, indem sie ihren Status von "in einer Beziehung" auf "Single" ändern - und das alles geschieht mittlerweile in mehr als 70 Sprachen. Viele der Übersetzungen erledigen Fans, ohne jede Bezahlung.

Drängende Grundfrage des digitalen Datenschutzes

Keine Frage, Facebook kann faszinieren, es kann sogar süchtig machen. Doch die Zeiten der ungetrübten Begeisterung sind vorbei, spätestens seit Dezember vergangenen Jahres braut sich etwas zusammen. Immer mehr Nutzer haben den Eindruck, Facebook zeige zunehmend ein neues, ein böses Gesicht: nicht mehr das einer bunten fröhlichen Internetgemeinde, sondern eher das einer Art Datendiktatur.

Am Beispiel von Facebook stellt sich seither eine drängende Grundfrage des digitalen Datenschutzes im 21. Jahrhundert: Es geht darum, wer darüber entscheidet, was mit persönlichen Informationen geschieht. Und wer welche Teile davon einsehen, nutzen und sogar an Dritte weitergeben darf.

Wer hat die Kontrolle?

Die Facebook-Nutzer selbst, die ihre Informationen freiwillig preisgeben, um den vermeintlich kostenlosen Service nutzen zu können? Oder ein Privatunternehmen mit einem 26-Jährigen an der Spitze, der noch vor ein paar Jahren Visitenkarten mit der Aufschrift "Ich bin der Boss - Schlampe" verteilte? Und der schon heute so etwas wie ein globales Einwohnermeldeamt verwaltet - nur mit viel mehr und teils deutlich intimeren Informationen.

Die Zeit der Privatheit sei vorbei

Ende Dezember gab Facebook darauf eine eigene Antwort. Ohne große Vorwarnung entschieden Zuckerberg und Co., Profilbild, Name und Geschlecht künftig automatisch öffentlich und damit zum Allgemeingut zu machen - bis dato konnte man Informationen wie diese Freunden vorbehalten.

Zuckerbergs erste Antwort auf den anschwellenden Proteststurm glich einer Verlautbarung aus dem Politbüro. Die Zeit der Privatheit sei vorbei, sagte er noch im Januar. Nicht Facebook müsse sich ändern, die Gesellschaft ändere sich. Mehr Offenheit auch in privaten Dingen sei heute die "soziale Norm".

Seither hagelt es Austrittsdrohungen, es setzt eine Flucht per Löschtaste ein - obwohl das Unternehmen seinen Nutzern diese bislang nach Kräften erschwert. Der Schritt fällt ohnehin nicht leicht: Anders als bei einer Suchmaschine hüpft man nicht einfach einen Anbieter weiter, man hinterlässt immerhin eine digitale Existenz, eine Datenspur, eine Historie. Dennoch haben zwei kanadische Kritiker diesen Montag zum "Verlasst-Facebook-Tag" ausgerufen, rund 23.000 Besucher haben bislang angekündigt, ihnen zu folgen.

Der düsterste Monat der Unternehmensgeschichte

Auch ohne den Massenexodus wird der Mai 2010 wohl als der düsterste Monat der sechsjährigen Unternehmensgeschichte in die Facebook-Annalen eingehen. Selbst Zuckerberg scheint bemerkt zu haben, dass er mit seiner ihm eigenen Idee von Privatsphäre womöglich viele seiner mehr als 534.000 persönlichen Facebook-Fans überfordert hat.

In der vergangenen Woche lenkte er ein, ein wenig zumindest. Die bislang absurd komplizierten Privatsphäre-Einstellungen würden künftig radikal vereinfacht, kündigte Zuckerberg an.

Tatsächlich werden nicht einmal die Änderungen vom Dezember rückgängig gemacht: Name, Profilbild und Geschlecht bleiben öffentlich. Nur die Freundesliste kann man jetzt wieder seinen Kontakten vorbehalten.

Das Echo der letzten Zeit sei "wirklich sehr negativ gewesen", sagte Zuckerberg, der im schwarzen Kapuzenpulli auftrat, er habe "ziemlich anstrengende Wochen" hinter sich.

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Forum - Verletzt das Netzwerk Facebook die Privatsphäre seiner Nutzer?
insgesamt 258 Beiträge
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1. Privatsphäre bei Facebook
Thomas Hutter 31.05.2010
Die Privatsphäre-Einstellungsmöglichkeiten bei Facebook sind gigantisch und bietet gute Schutzmöglichkeiten. Das Problem mit der Privatsphäre auf Facebook liegt darin, dass Facebook grundsätzlich zu offene Privatsphäre-Einstellungen vorschlägt. Auf Grund der sehr vielen Funktionen, welche Facebook seinen Benutzern bietet, kann die Tragweite von einem ungeübten oder weniger erfahrenen Benutzer nicht wirklich abgeschätzt werden. Aus diesem Grund habe ich einen sehr umfassenden Privatsphäre-Leitfaden erstellt: http://www.thomashutter.com/index.php/2010/05/facebook-der-ultimative-facebook-privatsphaere-leitfaden-30052010/
2.
Jettenbacher 31.05.2010
Zitat von sysopFacebook-Nutzer wollen sich mitteilen und darstellen. Aber sie wollen auch die Entscheidungsfreiheit behalten, wer was von ihnen wissen darf. Leistet Facebook dies? Oder verletzt das Netzwerk die Privatsphäre seiner Nutzer?
Nein. Die Nutzer verletzen ihre Privatsphäre selbst.
3. ... derer von Dummsdorf
frigenium 31.05.2010
---Zitat--- "Je mehr Informationen Du teilst, desto *sozialer* ist das Nutzerelebnis" http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,bild-93050-697392,00.html ---Zitatende--- Jooooh - genau ! Alle sind gleich und die Partei weiss alles !
4.
nrw_waehler2010 31.05.2010
Die Einstellungen bei Facebook sind spätestens jetzt genügen, um die Privatsphäre zu schützen. Das wohl größere Problem ist die Einstellung der User. Die Leute scheinen einfach nicht zu begreifen, dass alles, was einmal im Internet ist praktisch nie wieder zu entfernen ist. Doch immer mehr scheint das nicht zu interessieren. Also sind es nicht die Unternehmen oder die Politik, die unsere Privatsphäre "verkauft", sondern wir selbst. Wer sich bei Facebook anmeldet, bei Google oder Yahoo, oder irgendeinem anderen amerikanischen Unternehmen sollte sich immer bewusst sein, dass die US-Geheimdienste mitlesen. Doch den meisten scheint das wohl egal zu sein!
5.
utuvien 31.05.2010
Ich verweigere mich solchen zur Selbstdarstellung verkommenen "Social Networks", denn mit sozial hat das Ganze wenig zu tun. Und wenn man dann noch den Fehler begeht, sich nackt bei 4chan zu präsentieren, wird man schnell zur nächsten allseits "beliebten" "Facebook Whore". Da kann Facebook nichts für, sie bieten lediglich die Plattform. Naja, wers braucht.
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Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.
Fotostrecke
Facebook: So saugt das Netzwerk Telefonbücher

Fotostrecke
Facebook: Die privaten Fotos des Herrn Zuckerberg
Soziale Netzwerke
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook 845 Millionen aktive Mitglieder weltweit (Dezember 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite.
Google+
Google+ ist der Versuch, den sozialen Funktionen von Facebook und Twitter etwas entgegenzusetzen. Das soziale Netzwerk wurde im Juni 2011 gestartet und hat nach Firmenangaben rund 170 Millionen Nutzer (April 2012). Der Funktionsumfang ist rein aus Nutzersicht vergleichbar mit Facebook, Schnittstellen für externe Entwickler sind allerdings eingeschränkt. Google animiert seine Nutzer, das Netzwerk als zentralen Hub für seine Dienste zu nutzen. Mehr zu Google+ auf der Themenseite.
Twitter
Der auf kurze Textnachrichten spezilalisierte Dienst Twitter wurde im Juli 2006 gegründet. Populär wurde der Dienst als Verteilnetzwerk für Links, Fotos und Videos. Twitter zählt nach eigenen Angaben mehr als 140 Millionen Nutzer (März 2012). Mehr zu Twitter auf der Themenseite.
Xing
Xing (früher OpenBC) wurde 2003 von Lars Hinrichs gegründet. Nach eigenen Angaben hat Xing über 11,7 Millionen Mitglieder (Stand: Dezember 2011), etwa acht Prozent haben einen kostenpflichtigen Premium Account. Bei Xing geht es vor allem um berufliche Kontaktaufnahme. Mehr zu Xing auf der Themenseite...
StudiVZ
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess in StudiVZ, später finanzierten es vor allem die Gebrüder Samwer - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und der Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben rund 17,4 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2011). Mehr zu StudiVZ auf der Themenseite...
Lokalisten
Im Mai 2005 gegründet, hat das Netzwerk Lokalisten nach eigenen Angaben (Stand Juli 2010) inzwischen 3,6 Millionen Nutzer. Mehr zu Lokalisten bei Wikipedia...
Spin.de
Das 1996 in Regensburg gegründete Unternehmen Spin betreibt ein eigenes soziales Netzwerk, aber auch integrierte Unter-Communitys mit regionalem Fokus, die mit Partnern vor Ort (Lokalradios vor allem) betrieben werden. Nach eigenen Angaben (Stand Februar 2011) hat Spin.de eine Million aktive Mitglieder. Mehr zu Spin.de bei Wikipedia...
Wer kennt wen
Wer-kennt-wen wurde von den beiden Studenten Fabian Jager und Patrick Ohler gegründet. Seit Februar 2009 gehört das Netzwerk vollständig RTL Interactiv, die Gründer schieden Ende August 2010 aus. Das Netzwerk hat laut Betreiber über 9,5 Millionen Nutzer (Stand: Januar 2012). Mehr zu Wer-kennt-wen bei Wikipedia...
MySpace
MySpace war 2006 das populärste soziale Netzwerk in den USA. Ein Jahr zuvor war es von Rupert Murdochs News Corporation gekauft worden. Bekannt wurde es durch die Möglichkeit, Musik einzubinden. Künstler und Bands nutzten die Plattform als Marketingplattform. Zeitweise hatte MySpace mehr als 220 Millionen Nutzer, nach Berechnungen von Google rund 30 Millionen Nutzer (Dezember 2011). Mehr zu MySpace auf der Themenseite...


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