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Ausgabe 23/2010

Banken: Zu treuen Händen

Von und Thomas Schulz

Die Deutsche Bank ist tief in die amerikanische Immobilienkrise verstrickt. Erst hat sie an den Schrottkrediten für Hausbesitzer verdient, jetzt sorgt sie dafür, dass viele dieser Häuser zwangsversteigert werden. Der Image-Schaden für das Institut wird immer größer.

Banken-Häuser: Zu treuen Händen Fotos
AFP

Das Städtchen New Haven liegt nur zwei Stunden nordöstlich von New York am Atlantik, die Elite-Uni Yale hat hier ihren Campus, und besonders schön ist es im Herbst, im berühmten "Indian Summer".

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Doch die Idylle ist neuerdings getrübt. Es gibt immer mehr Häuser wie dieses hier in der Peck Street Nummer 130: seit Monaten leerstehend, die Türen vernagelt, der Garten verrottet, die letzten Bewohner per Zwangsversteigerung rausgeworfen. Und genauso wie 130 Peck Street gehören diese Häuser oft der Deutschen Bank.

"Die Deutsche Bank hat in den vergangenen Jahren mit Abstand die meisten Zwangsversteigerungen bei uns veranlasst", sagt Eva Heintzelman. Sie ist Chefin der Hilfsorganisation Roof, die sich in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung um die Folgen der Immobilienkrise in der Stadt kümmert. So groß sei die Rolle des Frankfurter Instituts in New Haven, sagt Heintzelman, dass der Bürgermeister vergangenes Frühjahr auf ein Treffen mit den Verantwortlichen der Bank drängte.

Tatsächlich flog im April 2009 ein Manager der Deutschen Bank zu einer Fragestunde mit Politikern und Hilfsorganisationen ein. Doch er kam nicht aus Deutschland, sondern aus Kalifornien: David Co managt das Geschäft mit amerikanischen Immobilien für die Frankfurter Bank in einer kaum bekannten Tochterfirma in einer kaum bekannten Außenstelle in Santa Ana.

Für wie viele Häuser er landesweit zuständig sei, wurde Co gefragt. "2000", sagte er. Aber dann korrigierte er sich. Das sei nicht die Zahl der Wertpapiere, sondern die der Wertpapierpakete, die von der Deutschen Bank verwaltet werden. Und in jedem Paket stecken Hunderte Immobilienkredite. Wie viele Häuser also sind es nun insgesamt? Co konnte nur schätzen: "Millionen".

Deutsche Bank gilt als "Amerikas Zwangsversteigerungs-König"

Die Spur der Deutschen Bank zieht sich quer durch den gesamten amerikanischen Immobilienmarkt: In Chicago ließ die Deutsche Bank 2009 fast 600 große Apartmenthäuser zwangsversteigern, mehr als jede andere Bank vor Ort. In Cleveland wurden den Behörden für die Jahre 2002 bis 2006 fast 5000 von der Deutschen Bank zwangsversteigerte Häuser gemeldet. In zahlreichen US-Städten stapeln sich die Klagen von Hausbesitzern, die im Auftrag der Frankfurter Bank ihren Besitz verloren haben. Im Internet wird sie als "Amerikas Zwangsversteigerungs-König" beschimpft.

Die amerikanischen Hausbesitzer gehören zu den Hauptleidtragenden der Finanzkrise, die mit dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts begann. Jahrelang hatten die Banken Kredite an Hauskäufer vergeben, ohne sich darum zu kümmern, ob die sich einen Kredit überhaupt leisten konnten. Sie verpackten die Schulden in komplizierte Finanzprodukte und verdienten damit Milliarden. Bis die Blase platzte und der Staat die Banken retten musste.

Die Deutsche Bank hat immer so getan, als hätte sie mit dem Ganzen wenig zu tun. Sie selbst hat die Krise relativ unbeschadet und ohne Staatshilfe überstanden. Ihre Experten erkannten früh, dass es so nicht weitergehen konnte. Die Bank stieg deshalb aus vielen Geschäften rechtzeitig aus und musste am Ende nicht so hohe Abschreibungen wie andere Kreditinstitute verkraften.

Doch nun wird offenbar, wie tief das Institut in den US-Immobilienmarkt und auch in das Geschäft mit Schrott-Hypotheken verstrickt ist. Die Bank hat möglicherweise keine hohen Verluste zu befürchten. Aber der Image-Schaden wird immer größer.

"Die Deutsche Bank ist dabei, Milwaukee zu zerstören"

Nach Auskunft des Einlagensicherungsfonds FDIC hält die Deutsche Bank unmittelbar Kredite für amerikanische Ein- und Mehrfamilienhäuser über rund 3,7 Milliarden Dollar. Dabei handelt es sich jedoch, so die Bank, um Immobilienkredite an vermögende Privatkunden.

Brisanter sind die knapp eine Million US-Immobilien, die die Bank nach eigenen Angaben als Treuhänder verwaltet. "85 bis 90 Prozent aller ausstehenden Hypotheken in den USA werden letztlich von vier Banken entweder als Treuhänder oder Eigentümer einer Treuhandgesellschaft gehalten", sagt Immobilienexperte Steve Dibert, dessen Firma landesweit in Hypothekenbetrugsfällen ermittelt. "Die Deutsche Bank ist eine der vier."

Zudem konstruierte die Bank mehr als 25 hochkomplexe Immobilienwertpapiergeschäfte, sogenannte CDOs, mit einem Wert von rund 20 Milliarden Dollar, die größtenteils zusammenbrachen. Solche Papiere lösten die Finanzkrise mit aus.

Am vorvergangenen Donnerstag wurde Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erstmals öffentlich mit der Unruhe in den amerikanischen Städten konfrontiert. Es seien vor allem Deutsche gewesen, die Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin aufgebaut hätten, klagte die Politikprofessorin Susan Giaimo auf der Hauptversammlung seines Instituts: "Und jetzt ist die Deutsche Bank dabei, Milwaukee zu zerstören."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 183 Beiträge
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1. Das Thema kommt mir gerade recht!
Viva24 09.06.2010
Das Image der DB. Hatte gerade einen Kampf mit dieser Bank, die sind nicht in der Lage gewesen, mir meine Depotjahresabrechnung für das FA zu machen. Verzögerungstaktik etc. im Internet liest man da einiges, die haben nichts im Griff und die Bankenaufsicht sollte bei diesem Geldhaus mal vorbeischauen und das Licht ausmachen....
2. nicht nur die Deutsche Bank hat
Leuchtturm 09.06.2010
Zitat von Viva24Das Image der DB. Hatte gerade einen Kampf mit dieser Bank, die sind nicht in der Lage gewesen, mir meine Depotjahresabrechnung für das FA zu machen. Verzögerungstaktik etc. im Internet liest man da einiges, die haben nichts im Griff und die Bankenaufsicht sollte bei diesem Geldhaus mal vorbeischauen und das Licht ausmachen....
hat Probleme mit der Jahresabrechnung. Auch die Commerzbank ist dazu nicht in der Lage Ein Trauerspiel!
3. Banken
Klo, 09.06.2010
Zitat von sysopDie Deutsche Bank ist tief in die amerikanische Immobilienkrise verstrickt. Erst hat sie an den Schrottkrediten für Hausbesitzer verdient, jetzt sorgt sie dafür, dass viele dieser Häuser zwangsversteigert werden. Der Image-Schaden für das Institut wird immer größer. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,699083,00.html
Die Deutsche Schweinebank hat schon mehrfach versucht Verwandte und Bekannte von mir, meistens Häuslebauer, über den Tisch zu ziehen. Wer was drüber nachlesen will, der lese das Buch "Die Bank als Räuber": http://ecx.images-amazon.com/images/I/41QY3XE4W0L._SS500_.jpg Da steht alles drin, was man als Bankkunde wissen muß.
4. Dekadenz ohne Grenzen
MJM1605 09.06.2010
Ja Herr Hilmar Kopper hatte schon immer ein glückliches Händchen bei der Berufung von Personalien. Erst bei Daimler Benz den Herrn Schremp, dem er trotz verheerender Fehler mermals den Vertrag verlängert hat. Und bei der Deutschen Bank halt den Herrn Ackermann. Der Dekadenz sind keine Grenzen gesetzt.
5. Mittlerweile traue ich Banken fast alles zu.
riga_ernest 09.06.2010
Parasiten der Gesellschaft, obwohl sie ihr Motor sein sollten. Und die Deutsche Bank ist definitiv ganz vorne auf der Hitliste der widerlichsten Institute.
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Die Demokraten um Barack Obama nehmen die Banken hart ran - und wollen sie an den Kosten der Weltwirtschaftskrise beteiligen. Allerdings mussten die Regierenden im parlamentarischen Prozess einige Abstriche hinnehmen. SPIEGEL ONLINE stellt die wichtigsten Punkte der Reform vor.
Großbanken
Eine frühe Forderung der Wall-Street-Kritiker war es, die größten Geldkonzerne zu zerschlagen, weil deren Kollaps die gesamte Branche gefährden würde ("Too big to fail"). Diese Drohung ist in der aktuellen Reform allerdings nur noch in aufgeweichter Form enthalten.

Ein unabhängiger Finanzrat aus den Chefs aller Aufsichtsbehörden soll die Banken im Fall eines "systemischen Risikos" unter eingeschränkten Bedingungen auflösen oder in ihre Geschäfte hineinregieren können.
Verbraucherschutz
Lange schien es so, als falle das von Obama geforderte Verbraucherschutzamt, das die Kunden unter anderem vor Kreditkarten-Abzocke schützen soll, dem Parteienzank zum Opfer. Inzwischen sieht das Gesetz es aber wieder vor.

Die geplante Verbraucherschutzbehörde soll unter dem Dach der US-Notenbank geschaffen werden. Diese soll nun unter anderem unfaire Geschäftspraktiken bei Privatkrediten und Kreditkarten aufdecken und verhindern.
Derivatehandel
Um diese komplexen, riskanten Finanzprodukte - die maßgeblich zur Krise beigetragen haben - gab es in den Debatten die schärfsten Auseinandersetzungen. Für den Handel mit riskanteren Derivaten wie etwa aus dem Rohstoffbereich müssen die Finanzinstitute jetzt mit eigenem Kapital ausgestattete Einheiten gründen - damit soll jener Teil der Bank vor möglichen Verlusten abgeschottet werden, der wegen Sparereinlagen speziellen staatlichen Schutz genießt.
Top-Manager
Die Reform sieht auch neue Regelungen für die Bezahlung von Top-Managern von börsennotierten Unternehmen vor. Aktionäre sollen ein Mitspracherecht über die Gehälter bekommen, das allerdings nicht bindend ist.
Eigenhandel
Der hochprofitable, aber risikoreiche Eigenhandel der Banken wird eingeschränkt. Geldhäuser, die über staatlich versicherte Spareinlagen verfügen, dürfen nur sehr begrenzt in Hedge- oder Private-Equity-Fonds investieren. Die Bankeinlagen sind künftig dauerhaft bis zu 250.000 Dollar von der US-Einlagensicherungsbehörde FDIC versichert.

EU-Initiativen zur Reform der Finanzbranche
Rating-Agenturen
Die EU-Kommission will die einflussreichen Rating-Agenturen unter die Kontrolle einer europäischen Aufsichtsbehörde stellen, bei der sich die Bonitätsprüfer zentral registrieren sollen. Bei Verdacht auf Regelverstöße sollen die Mitarbeiter der Aufsicht Büros durchsuchen, Manager vernehmen und schließlich Strafen fordern können. Diese sollten maximal 20 Prozent des Jahresgewinns der betroffenen Agenturen betragen, mindestens aber den durch die Regelverstöße erlangten Profit abdecken.
Unternehmensführung von Banken
Im Management von Banken will die Kommission mit strengeren Vorgaben für Aufsichtsräte und Risikomanager gravierende Schwächen beheben. Das Versagen der internen Aufsicht hätte dazu beigetragen, dass die Banken unüberschaubare Risiken eingingen und in die Finanzkrise schlitterten, heißt es zur Begründung.
Managerbezahlung
Nach den Banken sollen in der EU künftig auch Versicherungen und Investmentfonds gesetzlich dazu verpflichtet werden, strikte Regeln bei der Managerbezahlung einzuhalten. Die EU-Kommission will bis Anfang 2011 gesetzliche Vorgaben zu Bonuszahlungen in diesen Branchen vorschlagen. Seit April 2009 gelten EU-Empfehlungen zu Leitlinien bei Bonuszahlungen. Damit soll verhindert werden, dass die Bezahlung einen Anreiz gibt, mit Blick auf kurzfristige Erfolge hochriskante Finanzgeschäfte abzuschließen.

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