AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 24/2010

Zeitgeschichte Rassenforschung am Rechner

Er entwickelte die erste programmierbare Rechenmaschine der Welt: Deutschland feiert den 100. Geburtstag von Konrad Zuse. Stand der Computerpionier dem Nazi-Regime näher als bekannt?

picture-alliance / dpa

Von


Mitten im Wohnzimmer steht ein zwei Meter hohes Gerüst mit blinkenden Lämpchen. Hunderte blaue Relais-Schalter trommeln den Takt, klack-klack, klack-klack, klack-klack.

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 24/2010

Die Zeit wird knapp. In einer Woche soll der wohl langsamste Computer der Welt fertig sein.

"Ich muss mich ganz schön beeilen", sagt Horst Zuse, 64. Er hat einen Lötkolben in der Hand, der Boden ist übersät mit Kabeln. Selbst nachts und am Wochenende arbeitet er.

Normalerweise lehrt der weißhaarige Herr als Dozent an der TU Berlin; doch in diesen Tagen ist er hauptamtlich als Sohn eines deutschen Genies tätig. In seiner Berliner Dachgeschosswohnung baut Horst Zuse jenen Apparat nach, den sein Vater 1941 entwickelte: die Z3, die erste frei programmierbare Rechenmaschine der Welt.

Der eigenwillige Bauingenieur wäre am 22. Juni 100 Jahre alt geworden. Sein Sohn reist quer durchs Land zu Festakten und Podien zu Ehren des Pioniers. Das Bundesfinanzministerium steht Pate für eine Zuse-Sonderbriefmarke, die seit vorigem Donnerstag verkauft wird, sowie für eine Sammlermünze aus Silber (Stückpreis 15 Euro) mit der Randschrift "Visionär zwischen null und eins".

Seit den Siebzigern als der Erfinder des Computers anerkannt

Jahrzehntelang blieb Zuse die Anerkennung verwehrt, denn kurz vor Weihnachten 1943 wurde die Z3 bei einem Luftangriff zerstört. Sein Patentantrag blieb unbearbeitet liegen. Schließlich baute Zuse den zerstörten Rechner im Jahre 1961 noch einmal - alles vergebens. Das Bundespatentgericht lehnte seinen Antrag 1967 ab, "mangels Erfindungshöhe". Damals galten Amerikaner als Erfinder des Computers.

"Diese Diskussion ist heute erledigt", sagt Horst Zuse. "Seit den Siebzigern ist der Vater weltweit als der Erfinder des Computers anerkannt."

Sein Ur-Computer lief mit einer Taktung von rund 5 Vorgängen pro Sekunde, milliardenmal langsamer als ein handelsüblicher PC heute. Doch Anfang der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts war dies eine technische Sensation. Zum Zuse-Mythos gehört auch, dass er die ersten Rechenmaschinen im Wohnzimmer seiner Eltern in Berlin zusammenlötete. Seine Begründung: "Ich war zu faul zum Rechnen."

Seine Freunde bastelten ihm Bauteile mit der Laubsäge, seine Schwester steuerte Geld bei, ein Onkel alte Ufa-Filmrollen, in denen der Code mit Löchern eingestanzt wurde - ein sehr deutsches Start-up anno 1936, ein Familienidyll.

Zuse selbst stellte sich als eher unpolitischen Visionär dar. Als der Krieg begann, entging er dem Frontdienst, weil er beim Flugzeughersteller Henschel arbeitete. Als Statiker berechnete er Flügelprofile für Gleitbomben. Später schrieb er: "Aber ich lebte vollkommen in der gerade erschlossenen Welt der neuen Ideen." In seiner Freizeit baute er Rechenmaschinen. Zwar demonstrierte er die Z3 Vertretern verschiedener Dienststellen; doch bevor der Rechner von den Nazis genutzt werden konnte, wurde er zerstört. Alles ganz harmlos also?



insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GWM, 19.06.2010
1. ttt
Zitat von sysopEr entwickelte die erste programmierbare Rechenmaschine der Welt: Deutschland feiert den 100. Geburtstag von Konrad Zuse. Stand der Computerpionier dem Nazi-Regime näher als bekannt? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,701465,00.html
Na, Hauptsache irgendein Fuzzi glaubt, er kann einem verdienstvollen deutschen Erfinder mal wieder am Zeug flicken. Hauptsache alles getreu dem antideutschen Motto: Aus Deutschland kann nichts Gutes kommen.
Berto v. Klick 19.06.2010
2. Zeitgeistzensoren
Zitat von sysopEr entwickelte die erste programmierbare Rechenmaschine der Welt: Deutschland feiert den 100. Geburtstag von Konrad Zuse. Stand der Computerpionier dem Nazi-Regime näher als bekannt? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,701465,00.html
Immer und überall die gleichen Nestbeschmutzer und Befindlichkeitsnerver. Die Amis feiern ihre Raketen - von einem ausgewiesenen Nazi entwickelt -, ihre Mondflüge, die abgeworfenen Atombomben und ihre verlorenen Kriege in Korea, Vietnam usw. Aber sobald irgend ein großer deutscher Geist mal irgend etwas geäußert, gedacht oder getan hat, was den Zeitgeistzensoren nicht paßt, dann geht das Gemobbe los. Tröstlich ist nur, daß selbst die Ausländer sich über diese "deutsche" Mentalität lustig machen. Konrad Zuse ist genial, er hat die Welt positv verändert, der Computer ist eine sinnvolle hilfreiche Erfindung.
Der Pragmatist 19.06.2010
3. Daimler ist Schuld am Krieg
Zitat von sysopEr entwickelte die erste programmierbare Rechenmaschine der Welt: Deutschland feiert den 100. Geburtstag von Konrad Zuse. Stand der Computerpionier dem Nazi-Regime näher als bekannt? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,701465,00.html
Wenn man Zuse so furchtbar aechten will, weil seine Erfindung eventuell den Nazis helfen konnte, dann aber bitte auch gleich Gottlieb Daimler auf die gleiche Liste stellen. er ist naehmlich als Erfinder des Autos bekannt uhd die Nazis haben Autos bei der Eroberung Europas benutzt. Und der boese Gutenberg hat die Druckerpresse erfunden, die es den nazis ermoeglichte, Progagandaschriften zu drucken. Es gibt noch sehr viele andere boese Menschen dieses Schlages auf der Welt. Suchen wir einmal weiter und stellen eine komplette Liste auf. Wie weit woll die linken Historiker eigentlich diesen Unsinn treiben? Pragmatist
ernstjüngerfan 19.06.2010
4. Büchsenspanner
Zitat von GWMNa, Hauptsache irgendein Fuzzi glaubt, er kann einem verdienstvollen deutschen Erfinder mal wieder am Zeug flicken. Hauptsache alles getreu dem antideutschen Motto: Aus Deutschland kann nichts Gutes kommen.
Schlimmer noch, man hat den Eindruck, daß derartige „Fuzzis“ als selbstgerechte, "kritische" Büchsenspanner ständig auf der Lauer liegen um, verdiente Wissenschaftler oder sonstige Persönlichkeiten, die aufgrund der Gnade der frühen Geburt im Dritten Reich lebten bzw. leben mußten, in den Dreck zu ziehen.
deltametro2 19.06.2010
5. Das nimmerendende Bedürfnis
sich lieber im Sumpf der Vergangenheit zu suhlen als sich um die Gegenwart oder die Zukunft zu kümmern. Wenn ich hier (in Italien), in Spanien, Holland, Belgien, Deutschland, Österreich oder Ungarn herumgucke, kommt in mir immer mehr die dumpfe Angst auf, dass die Nazis irgendwann an die Macht zurückkehren werden. Die Frage wann es oppurtun sein wird, sich um eine Bleibe in Amerika zu kümmern ist mir wichtiger als zu wissen ob der Zuse nun die Nazis hofiert hat oder nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© DER SPIEGEL 24/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.