Von Dietmar Hawranek, Alexander Jung, Christoph Pauly, Christian Reiermann und Thomas Schulz
Jedes Dreirad muss zugelassen werden, bevor es verkauft wird, komplexe Finanzprodukte oftmals nicht. Sie werden mitunter noch nicht einmal an Börsen gehandelt, an denen die Preisentwicklung transparent ist, sondern direkt zwischen den Banken. Beides muss geändert werden.
Die Zulassung der Finanzprodukte kann sich nur daran orientieren, ob diese als Absicherung für reale Geschäfte dienen. Dann sind sie sinnvoll.
Eine Bank kann die gehaltenen Griechenland-Anleihen beispielsweise dagegen absichern, dass der Gläubiger nicht zurückzahlen kann. Aber der reine Handel mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten CDS, durch Banken, die gar keine Anleihen des Landes halten, sollte verboten werden. Er dient nur der Spekulation und kann die Finanzierung eines Landes dramatisch erschweren.
Hugh Hendry, 41, hat mit solchen Geschäften viel Geld gemacht. Der Londoner Hedgefondsmanager sah Europas Krise früh voraus. Schon im Dezember 2008 warnte Hendry vor den PIIGS-Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien. Er wettete gegen Portugal, weil er es unmöglich findet, "dass solch ein dummes Land ohne unabhängige Geldpolitik ein höheres Kredit-Rating als Großbritannien bekommt".
Hendry kaufte portugiesische CDS, eine Art Kreditversicherung gegen den Ausfall portugiesischer Schuldner. Sie steigt im Wert, je schlechter es den Portugiesen geht. Denn dann steigt die Gefahr, dass sie ihre Schulden nicht zurückzahlen können - und die Versicherungen gegen einen solchen Zahlungsausfall sind sehr viel mehr wert.
Allerdings führen steigende CDS-Preise auch dazu, dass der portugiesische Staat Anlegern eine höhere Verzinsung bieten muss, wenn er sich frisches Geld besorgen will. Das verschärft Portugals Schwierigkeiten, was wiederum die CDS-Preise steigen lässt. So vergrößern die Spekulanten das Problem, auf das sie wetten.
CDS haben schon in der Finanzkrise I, die zum Zusammenbruch von Lehman führte, eine unrühmliche Rolle gespielt. Doch die Politik blieb untätig - und so konnten sie auch jetzt, in der Finanzkrise II, ihre destruktive Kraft entfalten.
Ein Verbot sollte es nach Ansicht vieler Ökonomen auch für die sogenannten Leerverkäufe geben. Banken verkaufen dabei Aktien oder Währungen, die sie noch gar nicht besitzen oder allenfalls geliehen haben. Liefern müssen sie in ein paar Wochen oder Monaten zum festgelegten Preis. Sinkt der Preis bis dahin, ist ihre Wette aufgegangen. Sie können sich die Aktien zum billigeren Tageskurs einkaufen und zum vereinbarten höheren Preis weiterreichen.
Problem dabei: Durch den massiven Verkauf von Aktien können Banken mitunter die Kurssenkung selbst herbeiführen, von der sie später profitieren. Leerverkäufe, sagt Ökonom Sinn, "haben geholfen, Lehman Brothers kaputtzumachen".
Gebot 3: Einen TÜV für Finanzprodukte!
Gebot 4: Bewacht die Hedgefonds!
Gebot 5: Kontrolliert die Rating-Agenturen!
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