AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 33/2010

Iran Der erste Stein

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2. Teil: "In Iran gibtes viele Frauen wie Sakine, die ihrem Mann ausgeliefert sind."


Denn die Ermittlungen ergaben nicht nur, dass tatsächlich Nasser ihren Vater getötet hatte. Die grausame Wahrheit, so Mostafai, sei auch, dass Sakine ihrem Geliebten Beihilfe zur Tat geleistet habe. Mit einem Schlaftrunk hatte sie ihren Mann betäubt, damit Nasser ihm eine Giftspritze setzten konnte, so erzählt es der Anwalt. Nach einer anderen Version wollte Nasser, unterstützt von Sakine, den Ehemann mit Elektroschocks töten.

Die Beihilfe haben Sadschad und Faride ihrer Mutter jedenfalls vergeben - um sie zu schützen. Sie nutzten eine Besonderheit des islamischen Rechts: Wenn ein Opfer oder dessen Angehörige eine Tat verzeihen, sind geringere Strafen zu verhängen.

Tatsächlich erging ein eher mildes Urteil, zumindest für Nasser, dem die Kinder gleichfalls Pardon gaben. Statt der Todesstrafe durch den Strang, die bei Mord vorgesehen ist, erhielt er zehn Jahre Gefängnis. Sakine, obwohl nur der Beihilfe schuldig, sollte ebenso lange sitzen.

Im Lichte des Mordkomplotts drängten eifrige Richter aber auch zu einer Neubewertung der außerehelichen Beziehung. Sie unterstellten Sakine nun "sena" - Sex außerhalb der Ehe. Vor allem die drei konservativen Kleriker in dem fünfköpfigen Gremium hätten auf dieses Urteil gedrängt, sagt Mostafai. Die Kinder beteuern, ihre Mutter sei "unschuldig".

Wie häufig iranische Delinquenten - Oberkörper wie Kopf abgedeckt mit einem weißen Tuch - gesteinigt werden, ist unklar. Offiziell wurde der Vollzug der Strafe unter Reformpräsident Mohammed Chatami, Vorgänger des Eiferers Mahmud Ahmadinedschad, 2002 ausgesetzt. Dennoch gibt es aus den letzten Jahren Hinweise auf sieben Steinigungen - von sechs Männern und einer Frau, die ihre Ehepartner betrogen hatten.

Ähnlich wie Sakine müssen in den Todeszellen des Regimes - das im vergangenen Jahr mindestens 402 Menschen hinrichten ließ - vielleicht einige Dutzend Verurteilte mit ihrer Steinigung rechnen. Bekannt sind nur wenige Fälle. Mahmood Amiry-Moghaddam, Mitbegründer von Iran Human Rights und einer der ganz wenigen Vertrauten Mostafais in Oslo, kann 14 Namen nennen.

Wahrscheinlich wäre auch Sakine Aschtianis Fall nicht ins Blickfeld der internationalen Öffentlichkeit geraten, wäre ihr Passfoto nicht Menschenrechtsaktivisten zugespielt worden - von ihrem Sohn, wie Anwalt Mostafai sagt. So wurde seine Mandantin zur Ikone der "Stoppt die Steinigung"-Bewegung und der Anwalt Opfer des Justizapparats. Durch mehrere Vorladungen misstrauisch geworden, setzte er sich in die Stadt Choi im Nordwesten des Landes ab. Von dort brachten ihn Fluchthelfer mit einem Geländewagen ins Grenzgebiet zur Türkei. Allein huschte er dann in der Dunkelheit über die Berge.

An die 3000 Dollar verlangen Schleuser in der Regel für ihre Dienste, Hunderte Oppositionelle haben sie seit den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad im Juni 2009 schon in Anspruch genommen. Die Fluchthilfe für ihn sei "ein Freundschaftsdienst" gewesen, sagt Mostafai. Nur ein anatolischer Bauer, auf dessen Pferd er bis zur Stadt Van gelangte, forderte 70 Dollar.

Während Mostafais Mitstreiter in Teheran noch darüber spekulierten, ob der Geheimdienst ihren Kollegen verschleppt habe, war der bereits in Istanbul gelandet. Von dort wollte er nach Oslo fliegen, wo er schon mal "drei schöne Tage" mit seiner Frau verbracht hatte.

Statt im Flieger nach Skandinavien landete Mostafai wegen illegaler Einreise in einer Polizeizelle am Istanbuler Flughafen - und fürchtete fast eine Woche lang, an Iran ausgeliefert zu werden. Vernehmungsbeamte berichteten ihm von einer iranischen Delegation, die eigens angereist sei, um ihn wohl zurückzuholen. Regimekritiker aus Iran wurden bislang zwar noch nicht abgeschoben, doch sie sind in der Türkei auch nicht willkommen: Sie belasten die derzeit guten Beziehungen zwischen Ankara und Teheran.

Erst als eine türkische Zeitung nach vier Tagen über Mostafais Festnahme berichtete, sorgte die Meldung für diplomatischen Druck aus Europa. Auch die USA sollen sich für ihn eingesetzt haben, inklusive Aussicht auf politisches Asyl. Doch Mostafai flog lieber nach Oslo - mit einem Visum, das er sich vor Monaten bei der norwegischen Botschaft in Teheran besorgt hatte.

Mostafai will nicht um Asyl bitten, er will die Chance auf Rückkehr wahren. "Ich liebe Iran", sagt er, und schon jetzt klingt Heimweh an. Allerdings gibt ihm das Regime in Teheran wenig Hoffnung. Im Staatsfernsehen wurde seine Mandantin als hinterhältige Gatten-Mörderin vorgeführt. Vom Ehebruch, für den sie gesteinigt werden soll, kein Wort. Dafür wirft sie ihrem Anwalt vor, er habe ihren Fall bekannt gemacht und damit "Schande" über sie gebracht. Menschenrechtler wie Amiry-Moghaddam halten den Auftritt für "erzwungen". Ein Propaganda-Vorspiel zu Aschtianis Exekution?

Mostafais Helfer richten sich darauf ein, dass er noch lange in Norwegen bleiben wird. Deshalb muss er jetzt für die nächste Station packen: ein kleines Apartment in Drammen. In einer halben Stunde kann er von dort mit dem Zug in Oslo sein - um, wie er es für Anfang dieser Woche geplant hat, der Welt über die barbarische Strafe zu berichten, die seiner ehemaligen Mandantin droht. Mostafai hat den Kampf für Sakine noch nicht aufgegeben.



insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
Alborz, 21.08.2010
1. Re
Zitat von sysopAuch nach seiner Flucht kämpft der Teheraner Anwalt Mostafai für seine von der Steinigung bedrohte Mandantin Aschtiani. Ihr Fall ist dramatischer als bislang bekannt. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,712272,00.html
Heute hat Iran traotz alle Sanktionen seine Erste AKW im Betrieb genommen, sicher ein großes Erfolg und ein Schlag im Gesicht des Westens. Um diese großartige Nachricht zu Neutralisieren, muß wieder üblihe Greul und übliche Krokodil Tränen für menschen rechte im Iran her. Die Ära der Hegemonie Westliche Mächte ist vorüber die Zeit von Iran ist gekommen.
deberger, 21.08.2010
2. Ja natürlich!
Zitat von AlborzHeute hat Iran traotz alle Sanktionen seine Erste AKW im Betrieb genommen, sicher ein großes Erfolg und ein Schlag im Gesicht des Westens. Um diese großartige Nachricht zu Neutralisieren, muß wieder üblihe Greul und übliche Krokodil Tränen für menschen rechte im Iran her. Die Ära der Hegemonie Westliche Mächte ist vorüber die Zeit von Iran ist gekommen.
Ich bitte Sie, wegen eines im Jahre 2010 im Betrieb genomenen AKWs doch nicht. Wir sind da schon etwas weiter, denn im Westen werden die Dinger hoffentlich bald abgeschaltet. Das Zeitalter des Irans wird mit dem Mullahsystem niemals kommen.
Fritz Katzfuß 21.08.2010
3. Immerhin
Der Iran ist ein Rechtsstaat. Es gibt Gesetze und Gewalttätigkeiten gegen die Ehefrauen sind nicht erlaubt. Zwar werden Frauen diskriminierend und einige Gesetze dind deutlich inhuman, allein nur die Todesstrafe, aber dsa ist für jede Kultur ein langer Weg. Siehe USA.
Alborz, 21.08.2010
4. re
Zitat von debergerIch bitte Sie, wegen eines im Jahre 2010 im Betrieb genomenen AKWs doch nicht. Wir sind da schon etwas weiter, denn im Westen werden die Dinger hoffentlich bald abgeschaltet. Das Zeitalter des Irans wird mit dem Mullahsystem niemals kommen.
Gsnz im Gegenteil Es werden eher mehr AKW gebaut als abgeschaltet. Nichts kann Billige Atom Strom ersetzten. Siehe Finnlans. oder Frankreich nevertheless, Der Heutige Tag ist ein Historisches Tag für Iran, Nichts kan diesen Tag Verdreben, und auch Tausende Propaganda Artikel vermögen es nicht.
iii.tempel 21.08.2010
5. Ja ich denke...
Zitat von AlborzHeute hat Iran traotz alle Sanktionen seine Erste AKW im Betrieb genommen, sicher ein großes Erfolg und ein Schlag im Gesicht des Westens. Um diese großartige Nachricht zu Neutralisieren, muß wieder üblihe Greul und übliche Krokodil Tränen für menschen rechte im Iran her. Die Ära der Hegemonie Westliche Mächte ist vorüber die Zeit von Iran ist gekommen.
..die Zeit des Iran ist bald gekommen. Da bin ich mir ganz sicher. Denn ein Volk wie das persische wird sich bestimmt nicht ewig von dem bösartigen Zwerg und den senilen Spinnern in Teheran kujonieren lassen.
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