AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 41/2010

Weltwirtschaft: "Die Sache könnte eskalieren"

Der Chicagoer Starökonom Raghuram Rajan über die Gefahr eines globalen Währungskriegs, die Risiken dauerhaft niedriger Zinsen und die wachsende Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft.

SPIEGEL: Professor Rajan, die Spannungen zwischen den USA und China wachsen, einige Länder versuchen ihre Währungen abzuwerten. Ist das der Beginn eines globalen Währungskrieges?

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Hier geht es zum digitalen Heft
Neu:
  • Lesen Sie den vollständigen SPIEGEL auf Tablets, Smartphones oder am PC/MAC
  • Mit vielen zusätzlichen Videos, interaktiven Grafiken und Bildern
  • Lesbar über Apps oder Browser
Rajan: Was wir hier sehen, ist ein Scharmützel, bei dem die Staaten verschiedene Instrumente anwenden, um für sich einen Vorteil herauszuschlagen: Die Industrieländer setzen auf eine extrem lockere Geldpolitik, die Schwellenländer nutzen Eingriffe in die Währungen und Kapitalverkehrskontrollen.

SPIEGEL: Worin besteht das Risiko?

Rajan: Beide Instrumente führen zu Verzerrungen, sie schaffen ein Übermaß an Liquidität und lassen Vermögensblasen entstehen. Wenn Kapital zu billig ist, wird zu viel davon eingesetzt. Wenn der Wechselkurs zu niedrig ist, werden zu viele Exportgüter hergestellt. Und wenn dann die Stimmung kippt, könnte dies zu hässlichem Protektionismus führen.

SPIEGEL: Die Volksrepublik hält seit Jahren ihre Währung gegenüber dem Dollar künstlich niedrig. Agieren die Chinesen mit unfairen Mitteln?

Rajan: Dass China die Währung unterbewertet, schadet letztlich der Entwicklung des eigenen Landes. Die Unterbewertung stellt eine Art Subvention für den Exportsektor dar, die diese Betriebe gar nicht mehr brauchen, weil sie längst auf eigenen Beinen stehen können. Das Ganze verzerrt lediglich die Volkswirtschaft, es ist weder effizient noch fair.

SPIEGEL: Müssten deshalb nicht die Chinesen ihre Währung, den Yuan, erheblich aufwerten?

Rajan: Ja, das sollten sie. Am besten, die Schwellenländer Asiens üben Druck auf China aus und werten ihre Währungen koordiniert auf. Aber ein immer selbstbewusster auftretendes China wird sich vermutlich damit Zeit lassen und höchstens kosmetische Korrekturen anbringen. Gleichzeitig könnte ein immer ungeduldigerer amerikanischer Kongress handeln und versuchen, die Schuld für das schwache US-Wirtschaftswachstum abzuwälzen. Die Sache könnte eskalieren.

SPIEGEL: Wie lässt sich der Währungskonflikt entschärfen?

Rajan: Es geht nicht nur um Währungen. Es ist sehr bequem für die traditionellen Industriestaaten, allein die Wechselkurs-Interventionen als Problem zu betrachten, weil sie dafür nicht direkt verantwortlich sind. Überrascht es Sie wirklich, dass China ein internationales Abkommen ablehnt, das nur das Thema "Wechselkurse" behandelt? Die Industrieländer sind schließlich auch nicht ohne Fehl und Tadel, wenn man ihre Politik der vergangenen Jahre betrachtet. Wir sollten uns daran erinnern, wo die Krise ihren Ursprung hatte ...

SPIEGEL: ... in den Vereinigten Staaten, wo vor drei Jahren die Immobilienblase platzte und damit die Finanzkrise auslöste. Sie meinen also, was den Chinesen die Politik der billigen Währung, ist den Amerikanern die Politik des billigen Geldes?

Rajan: Es ist gewissermaßen ein Nullsummenspiel: Jeder versucht, sich mit seinen Mitteln dieselben Nachfragequellen zu erschließen. Wir brauchen deshalb einen besseren weltweiten Dialog über die gesamten Bandbreite der Themen. Alles muss auf den Tisch. Aber dazu fehlt der Wille.

SPIEGEL: Wenn China seine Währung aufwerten soll, wie Sie es vorschlagen, was müssten dann die Amerikaner tun? Wie sollten die Vereinigten Staaten ihre Geldpolitik verändern?

Rajan: Die USA schaffen extreme finanzielle Anreize, um die Nachfrage und die Investitionen künstlich zu stimulieren. Wir treten hier viel zu fest aufs Gaspedal. Schauen Sie sich die Zinsen an: Sie verharren auf extrem niedrigem Niveau, das ist sehr ungewöhnlich. Wir erleben zwar, dass sich die Wirtschaft erholt, aber es ist eine falsche, eine instabile Erholung.

Entwicklung der Leitzinsen: Wie groß ist das Risiko, die Konjunktur abzuwürgen? Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Entwicklung der Leitzinsen: Wie groß ist das Risiko, die Konjunktur abzuwürgen?

SPIEGEL: Haben die Notenbanken denn eine Wahl? Wenn sie jetzt die Zinsen anheben, würgen sie womöglich die Konjunktur ab, und die Wirtschaft fällt zurück in die Rezession. So etwas ist den USA schon einmal passiert, 1937 nach der Großen Depression.

Rajan: Es ist ein alter Streit unter Wirtschaftshistorikern, ob 1937 die Notenbank für den Einbruch verantwortlich war oder vielleicht doch der Anstieg der Löhne, der Einfluss der Gewerkschaften oder die Regulierung. Ich schlage ja nicht vor, die Leitzinsen über Nacht zu erhöhen, und schon gar nicht auf ein Niveau von vielleicht fünf Prozent, das wäre unverantwortlich. Ich sage nur, dass es gefährlich ist, sie auf Dauer am Boden zu halten. Solche ultraniedrigen Zinsen ermutigen die Bürger, sich weiter zu verschulden und in risikoreiche Vermögenswerte zu investieren. Dann bewegen wir uns von Krise zu Krise.

SPIEGEL: Ist es nicht zu früh für die Zinswende? Die Probleme sind doch noch nicht gelöst, die Situation in Griechenland oder Irland ist nach wie vor äußerst fragil und besorgniserregend.

Rajan: Das ist richtig. Sobald sich aber die Lage beruhigt hat, sollten wir nicht lange warten. Derzeit wird die Zinswende noch nicht einmal richtig diskutiert. Alle sehen nur die Vorteile niedriger Zinsen, ohne an die Kosten zu denken. So treiben die Volkswirtschaften von einer Krise zur nächsten. Wir haben diesen Fehler nach 2002 schon einmal begangen. Es besteht die Gefahr, dass wir ihn wiederholen.

SPIEGEL: Das klingt, als wäre allein die laxe Geldpolitik der US-Zentralbank schuld an der Finanzkrise. Aber die Gier der Banker spielte doch ebenso eine Rolle wie die Fahrlässigkeit der Politiker und der Leichtsinn der Immobilienkäufer.

Rajan: Sie haben recht. Es ist nicht hilfreich, mit dem Finger auf einen der Akteure zu deuten. Wir hatten es mit einer Systemkrise zu tun, die aus vielen Komponenten bestand. Diese Kräfte sind stärker als der Einfluss einzelner Personen, und diese Kräfte sind immer noch da. Wir sollten die Probleme besser an der Wurzel anpacken.

SPIEGEL: Konkreter bitte!

Rajan: Seit den achtziger Jahren hat der technologische Wandel einen Bedarf nach Mitarbeitern mit besseren Fähigkeiten und Qualifikationen in den USA geschaffen, die Nachfrage nach Hochschulabsolventen ist weitaus schneller gewachsen als das Angebot. Diese Diskrepanz hat dazu geführt, dass ein großer Teil der Bevölkerung zurückgefallen ist, die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen hat zugenommen.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
semipermeabel 12.10.2010
Zitat von sysopDer Chicagoer Starökonom Raghuram Rajan über die Gefahr eines globalen Währungskriegs, die Risiken dauerhaft niedriger Zinsen und die wachsende Ungleichheit in der amerikanischen Gesellschaft. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,722237,00.html
Der Mann hatte schon die Finanzkrise vorausgesagt und recht behalten. Ich halte seine Gedanken für richtig.
2. Danke
nahal 12.10.2010
Zitat von semipermeabelDer Mann hatte schon die Finanzkrise vorausgesagt und recht behalten. Ich halte seine Gedanken für richtig.
Lieber semipermeabel, Ich danke Ihnen für die Unterstützung im anderen Strang: "Rajan: O doch, die Politik wollte damals ärmeren Bürgern zu Immobilienvermögen verhelfen, um sie ihre stagnierenden Einkommen vergessen zu lassen. Sie förderte den Erwerb - vor allem über die amerikanischen Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. ....." Es gibt in dem Interview auch andere interessante Aussagen, die vielen Träumern ernüchtern sollten. Es ist auch immer gut daran zu erinnern, was für Profs die UofC hat.
3. Alles nur ein dummes Versehen?
henningr 12.10.2010
Alles nur ein dummes Versehen? Nein, Rajan betreibt nur die ganz normale Gehirnwäsche: Es waren Politik und Banken und Rating-Agenturen. Was ändert das am Betrug? Dass es jetzt als Sozialprogramm getarnt wird ist doch der absolute Hohn. Das billige Geld wurde in den USA ausgegeben. Die NINJA-Kredite wurden dort in den volkswirtschaftlichen Kreislauf gebracht. Dort wurden darauf Steuern gezahlt. Dort machten Banker, Staat, Rating-Agenturen - aber auch Bau-Firmen, der Handel, Auto-Verkäufer, alle - fast ein Jahrzehnt lang fette Gewinne. So blöde ist die Politik, die Republikraten, im Zentrum des Finanzkapitalismus wirklich nicht, dass man nicht von Anfang an wusste, dass diese NINJA-kredite niemals zurück gezahlt werden können. Selbst mit großen Blasen hatte die USA einschlägige Erfahrung: In den 30ern gab es plötzlich 30 Prozent Obdachlose. Nur hat man damals nicht per Rating-Monopol mit einem AAA Urkundenfäschung begangen und den Kreditschrott an andere Länder verscherbelt. Es war ein Tribut der westlichen Welt für die Kriege der USA, nichts weiter - vielleicht noch deutsche Reparationszahlung für WK II. Auf den Flugzeugträgern, Raketen, Bomben und Drohnen müsste ehrlicherweise Werbung angebracht werden: "Sponsered by deutscher Außenbilanzüberschuss, by europäische Steuerzahler, chinesische Billiglohnarbeiter, etc." Dieses größte Ding der Menscheitsgeschichte wurde mit voller Absicht durchgezogen von der Politik im Staatskapitalismus der USA. Seit wann kann sich die Bankenlobby dort nicht durchsetzen? Wenn die wirklich nur im Ansatz daran gedacht hätten, dass sie auf den Schrottpapieren sitzen bleiben könnten und nicht die Steuerzahler der westlichen Welt am Ende dafür versklavt würden, wäre die Wallstreet per Karawane nach Washington gezogen und hätte mit ihren Krawatten Fallstricke für die Regierung gebunden. Nein, was Rajal hier verkaufen wollen ist der blanke Hohn für uns alle, die betrogen wurden ohne auch nur eine Unterschrift zu leisten. Und das Schlimme ist: wir werden weiter betrogen und die Megabubble wächst weiter - das richtig böse Erwachen kommt noch... An Imperial Picture Tells 1,000 Imperial Words: http://maxkeiser.com/2010/08/06/an-imperial-picture-tells-1000-imperial-words/
4. Tribut
tränengas 12.10.2010
"Es war ein Tribut der westlichen Welt für die Kriege der USA, nichts weiter - vielleicht noch deutsche Reparationszahlung für WK II." Zustimmung! Imperien haben sich schon immer über ihre Vasallen finanziert. Bei den ollen Römern wurden noch einmal pro Jahr mit Gold und Silber beladene Ochsenkarren nach Rom gefahren. Die USA benutzen den globalen Finanzmarkt. Für unsere Regierung ist ja auch eine bequeme Art der Tribut-Entrichtung, weil die Bürger das so kaum mitbekommen.
5. Zeit für einen neuen "ismus" ?
jeez 12.10.2010
Schon witzig, da preist sich der Kapitalismus als das einzig wahre System, und ist am Ende auch nicht wirklich gut. Werden heutzutage eigentlich noch neue "ismen" erfunden ? Oder ist das seit 100 Jahre out ?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Leitwährungen der Welt
RSS

© DER SPIEGEL 41/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 54 Kommentare
Zur Person
AP
Raghuram Rajan, 47, ist Ökonomieprofessor an der Booth School of Business der Universität von Chicago, die kürzlich vom "Economist" zur weltbesten Wirtschaftshochschule gekürt wurde. Zuvor war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Bekannt geworden ist Rajan, Sohn eines indischen Diplomaten, mit einem Auftritt vor fünf Jahren beim Treffen der wichtigsten Zentralbanker der Welt in Jackson Hole, Wyoming. Damals schon warnte er vor der Gefahr einer katastrophalen Finanzkrise - und eckte damit mächtig an.
Aus dem SPIEGEL

Sie lesen einen Text aus dem
SPIEGEL 41/2010 - entdecken Sie
weitere Top-Themen aus dem Heft:

  • - Hochschulen: Wer die Studenten von heute sind und was sie bewegt - eine SPIEGEL-Umfrage unter mehr als 160.000 jungen Leuten
  • - Global Village: Ein schwarzer Parlamentarier erobert die russische Provinz
  • - Kino: Der Israeli Samuel Maoz und sein meisterhafter Antikriegsfilm "Lebanon"
  • - Archäologie: Wie orientalische Milchbauern vor 7500 Jahren Europa eroberten


Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

Der IWF
Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.