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Ausgabe 48/2010

Klima: Beulen im Weltmeer

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Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel ansteigen. Doch wie verteilt sich das zusätzliche Wasser? Verblüffende Erkenntnis der Forscher: Schwächelt der Golfstrom, staut sich das Wasser in der Nordsee auf. Taut das Eis Grönlands, bleibt der Pegel an Deutschlands Küsten praktisch gleich.

REUTERS

Als Globus dargestellt, ist die Erde rund. Glatt wie eine Weihnachtskugel. Und wer am Strand steht, dem erscheint das Meer flach wie eine Scheibe.

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Doch die Sinne täuschen. "In Wahrheit wobbelt das Wasser auf den Ozeanen wild umher", sagt Detlef Stammer. Und er meint damit nicht die Wellen, sondern großflächige Buckel und Beulen des Meeresspiegels.

Der Ozeanograf kennt die falsche Vorstellung der Laien, weshalb er ihnen gern zwei Zahlen vorhält, um diese Illusion zu zerstören. "Im Indischen Ozean steht das Wasser etwa 100 Meter unter, um Island herum dagegen 60 Meter über dem Durchschnitt."

Der falsche Glaube an die Gleichverteilung des Wassers, sagt Stammer, lebe in der Debatte um den Klimawandel weiter. Der Anstieg des Meeresspiegels gilt gemeinhin als die bedrohlichste Folge der globalen Erwärmung. Bilder von im Wasser watenden Bangladeschern sind das Menetekel der Klimaschützer. "Aber die Leute tun dabei so, als würde sich das schmelzende Wasser der Gletscher so ebenmäßig in den Ozeanen verteilen wie das Wasser bei uns daheim in der Badewanne", sagt der Direktor des Zentrums für Meeres- und Klimaforschung an der Universität Hamburg.

Die Wirklichkeit jedoch läuft der menschlichen Intuition zuwider. Nach den jüngsten Schätzungen soll der Meeresspiegel in den kommenden 100 Jahren um rund einen Meter steigen - im Durchschnitt. Das ist die Zahl, die in den nächsten zwei Wochen bei den Verhandlungen auf der Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún immer wieder genannt werden wird. "Dabei hilft den Küstenplanern dieser Durchschnittswert eigentlich gar nicht weiter", sagt Stammer.

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Tauwetter in Grönland: Wie sich der Meeresspiegelanstieg verteilt

Denn richtig ist zwar, dass die Menge der Flüssigkeit in den Ozeanen insgesamt zunimmt. Doch breitet sie sich höchst ungleich in den Meeresbecken aus. Es wird Weltregionen geben, in denen die See weiterschwappen wird wie eh und je, in anderen dagegen wird es um weitaus mehr als den durchschnittlichen Meter steigen. "An einigen Küsten könnte der Meeresspiegel sogar sinken", sagt Stammer.

Noch wissen die Wissenschaftler nicht einmal genau, in welchem Maße die steigenden Temperaturen auf der Erde die Gletscher schmelzen lassen. Entscheidend wird dabei vor allem sein, wie schnell die Eisschilde Grönlands und der Antarktis schrumpfen. Im Moment sieht es so aus, als steige im Norden der Nettoeintrag an Schmelzwasser stetig. Derzeit liegt er bei 237 Kubikkilometern pro Jahr. Die Eismenge am Südpol scheint dagegen insgesamt eher stabil. "Im Westen der Antarktis taut es, im größeren Ostteil dagegen baut sich der Schnee eher auf", sagt Stammer.

Um rund drei Millimeter steigt das Meer derzeit jedes Jahr im Mittel an. Dazu tragen das Gletscherwasser bei, die stetig steigende Entnahme von Grundwasser in der Landwirtschaft, aber auch ein simpler thermischer Effekt: Weil sich Wasser bei der Erwärmung ausdehnt, schwellen die Ozeane an. Das alles wird sich bis zum Ende des Jahrhunderts noch beschleunigen, so dass insgesamt ein Meter Anstieg zusammenkommt, so der derzeitige Konsens der Ozeanforscher.

In Wirklichkeit jedoch ist die simple Botschaft von den steigenden Fluten drastisch vereinfacht. Dahinter verbirgt sich ein hochkomplexer Vorgang, bei dem es Gewinner und Verlierer gibt. Nur langsam beginnen die Wissenschaftler das Geschehen in seinen zum Teil gegenläufigen Prozessen zu verstehen. "Erst seit einigen Jahren befasst sich die Forschung intensiver mit den regionalen Prognosen für den Meeresspiegelanstieg", gesteht Stammer.

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1. x
sacco 01.12.2010
Zitat von sysopDer Klimawandel lässt den Meeresspiegel ansteigen. Doch wie verteilt sich das zusätzliche Wasser? Verblüffende Erkenntnis der Forscher: Schwächelt der Golfstrom, staut sich das Wasser in der Nordsee auf. Taut das Eis Grönlands, bleibt der Pegel an Deutschlands Küsten praktisch gleich. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,732095,00.html
also ist nicht-anstieg der neue anstieg?
2. .
Maschinchen, 01.12.2010
Zitat von saccoalso ist nicht-anstieg der neue anstieg?
Aus Ihrer Antwort kombiniert mit Ihrer kurzen Reaktionszeit schließe ich, dass Sie den Artikel nicht gelesen haben.
3. Super
shokaku 01.12.2010
Jetzt wird das Mantra "es wird wärmer, selbst wenn es kälter wird" also ergänzt durch "der Meeresspiegel steigt, selbst wenn er sinkt" Erstaunlich, was Religionen so alles hervorbringen.
4. Meeresspiegel
Clawog 01.12.2010
Wenn etwas zum Dogma nicht paßt, dann wird es passend gemacht.Dafür werden ja die Wissenschaftler und Experten gut bezahlt. Gegenwärtig scheint es kälter als wärmer zu werden. Aber auch das läßt sich in einem katastrophalen "Wärmetrend" umdeuten.
5. Forscher rätseln
Hubert Rudnick, 01.12.2010
Zitat von sysopDer Klimawandel lässt den Meeresspiegel ansteigen. Doch wie verteilt sich das zusätzliche Wasser? Verblüffende Erkenntnis der Forscher: Schwächelt der Golfstrom, staut sich das Wasser in der Nordsee auf. Taut das Eis Grönlands, bleibt der Pegel an Deutschlands Küsten praktisch gleich. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,732095,00.html
Forscher rätsel, dass ist das einzige was sie machen. Klimawandel, worauf ist er zurückzuführen? Immer wieder neue Prognosen und Erkenntnisse, so mancher hat damit seine Lebensaufgabe endeckt, er wird bis ans Ende seiner Tage rätseln und immer wieder was neue zu erzählen haben. Noch vor paar Jahren haben diese Forscher herausgefunden, dass die Winter feucht und zu warm werden und in heutigen Zeit sagen sie wieder etwas ganz anderes, es wird kälter. Wenn ich in einer Glaskugel schauen sollte, dann könnte ich mir auch so einiges zusammenreimen. Also liebe Forscher machen sie mal so weiter und überraschen sie uns Morgen mit etwas ganz neuem. HR
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