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Ausgabe 49/2010

Klima: Grüne Wäsche für die Welt

Von Christian Schwägerl und

Der Schutz der Wälder wird zum zentralen Thema des Klimagipfels in Cancún. Mit Milliarden Dollar sollen jene Länder belohnt werden, die ihre Urwälder schonen. Experten jedoch fürchten Missbrauch: Die Förderung könnte den Raubbau anfachen, statt ihn einzudämmen.

Klima: Wie lassen sich die Wälder des Planeten retten? Fotos
Getty Images

Wer die Welt retten will, der sollte nicht im Paradies damit anfangen. So unkten Umweltaktivisten, als bekannt wurde, dass die Weltklimakonferenz an den tropischen Stränden von Cancún stattfindet.

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Doch der erste Anschein trügt: Für ein Tribunal über den Umweltsünder Mensch ist der mexikanische Badeort gar nicht so schlecht gewählt. Das hat die örtliche Öko-Truppe "Cielo, Tierra y Mar" zur Eröffnung der Megakonferenz vergangene Woche klargestellt: In Sachen Klimaschutz "ist Cancún das beste Beispiel dafür, wie man es nicht machen soll".

Dies wird gleich hinter den glitzernden Hotelburgen, in denen die Klimaunterhändler tagen, offenbar: Über viele Kilometer erstreckten sich hier einst Mangrovenwälder entlang der Lagunenküste. Heute sind ganze 11.392 Hektar davon übriggeblieben, und jedes Jahr werden es gut 500 Hektar weniger.

Cancún sei ein Lehrstück dafür, wie wenig nachhaltig der Mensch den Planeten Erde bewirtschaftet, klagen die Öko-Streiter. Und deshalb sei es auch ein hervorragender Ort, um über die Zerstörung der Wälder zu reden. "Das wird das dominante Thema in Cancún", sagt Timm Tennigkeit, der für die Forstberatungsfirma Unique aus Freiburg vor Ort ist.

REDD ("Reducing Emissions from Deforestation and Degradation"), so lautet das Akronym für ein ehrgeiziges Schutzprogramm, das die noch verbliebenen Wälder des Planeten retten soll - und damit verhindern, dass jährlich 4,4 Gigatonnen Kohlendioxid zusätzlich der Erde einheizen. "Wenn sich die Welt schon nicht auf Einsparziele für Treibhausgase einigt, so könnten die Vereinten Nationen vielleicht beim Thema REDD unter Beweis stellen, dass sie überhaupt noch Gestaltungskraft besitzen", sagt Waldforscher Tennigkeit.

Das erste Geld zum Verteilen steht für den Schutz der Wälder schon bereit - und prompt hat dies die Fußtruppen der neuentstandenen Klimaschutzindustrie in Bewegung gesetzt, die mit Emissionsrechten handeln, Fonds verwalten und Ökoprojekte zertifizieren. Der oberste Umweltschützer der Vereinten Nationen, der Deutsche Achim Steiner, ist vorsichtig optimistisch: "REDD kann Teil der Lösung sowohl für den Klima- wie den Naturschutz sein."

"Schnelle Lösungen können gefährlich sein"

Andere jedoch warnen vor blindem Aktionismus: "Schnelle Lösungen, auch wenn sie mit noch so viel gutem Willen getroffen werden, können gefährlich sein", warnt der Klimaökonom Reimund Schwarze vom Climate Service Center in Hamburg. Das REDD-Programm werde Milliarden Dollar in die Entwicklungsländer pumpen. Dort aber könne es schnell das genaue Gegenteil dessen erreichen, was es bezweckt: nämlich den Raubbau anfachen, statt ihn einzudämmen.

Eigentlich ist die Idee hinter REDD so simpel wie einleuchtend: Die weltweite Zerstörung von Wäldern trägt zu gut ein Sechstel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen bei. Würde stattdessen erhalten und aufgeforstet, ließen sich riesige Mengen Treibhausgas aus der Atmosphäre binden. Jeder gerettete Baum hilft so, die Erderwärmung zu bremsen.

Derzeit jedoch besteht wirtschaftlich wenig Anreiz, die Urwälder zu bewahren: Ein Regenwald in Brasilien, ein Küstenwald in Madagaskar oder auch Taigawald in Russland sind im lebenden Zustand nichts wert; erst in Holz oder Ackerland verwandelt, bringen sie Einnahmen.

Diese Logik soll REDD umkehren, der Schutz der Natur soll profitabel werden. Die Industrienationen zahlen dazu in Fonds ein, mit deren Geldern die Entwicklungsländer dafür bezahlt werden, dass sie den Urwald unberührt lassen.

Ablasshandel mit Waldflächen

Eine Milliarde Dollar will das ölreiche Norwegen für diesen Zweck spendieren. Später winken noch ganz andere Summen: Firmen sollen dann für den Schutz von Waldflächen zahlen und dafür Emissionsrechte gutgeschrieben bekommen. Dieser Ablasshandel soll auch für Länder möglich sein: Will ein Land seine CO2-Einsparungsziele erreichen, könnte es einfach REDD-Wälder im Ausland kaufen.

Studien im Auftrag des Uno-Sekretariats für biologische Vielfalt prophezeien "bisher ungekannte positive Wirkungen" - falls das Konzept richtig umgesetzt werde. Zahlreiche Länder, darunter Brasilien, Nepal und die Demokratische Republik Kongo, erproben bereits konkret, wie Waldschutz lukrativ werden kann.

Doch Umweltschützer sind tiefgespalten. Durch REDD könnte ein segensreiches System entstehen - aber genauso gut auch ein Monster, das mit riesigen Geldmengen nur Korruption, Misswirtschaft und Zerstörung schürt. "Alles hängt jetzt davon ab, ob in Cancún die richtigen Formulierungen gefunden werden", warnt Klimaökonom Schwarze.

Einer, der die Zerstörung des Regenwalds aus nächster Nähe beobachtet, ist Chris Lang: "Wir brauchen effektive Schutzmechanismen", sagt der Brite, der seit vielen Jahren im indonesischen Jakarta lebt. Lang hat eine Initiative namens REDD-Monitor gegründet, die das Waldschutzprogramm überwachen soll.

Denn schon bevor eine internationale Übereinkunft getroffen ist, haben sich bereits erste Strukturen gebildet - und die lassen nichts Gutes ahnen. "Von zentraler Bedeutung ist, wie der Wald eigentlich aussehen soll, der als schützenswert gefördert wird", sagt Ökologe Lang.


*"Reducing Emissions from Deforestation and Degradation".

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1. Hoffnungslos
Peet89 06.12.2010
Erst wenn der letzte Baum gefällt ist merken wir, wie dumm wir doch sind. Wir, die wir hier sitzen, sind doch größtenteils Schuld an diesem Problem.
2. Effizienz?
hlschorsch 06.12.2010
Glaub irgendjemand ernsthaft, dass dieser Geldtransfer irgendetwas bewirken würde in Ländern, die nicht gerade für Transparenz und eine effiziente Verwaltung bekannt sind? Das wird eine gigantische Umverteilung von Vermögen in die Schweiz geben. Da werden wieder irgendwelche Projekte umgelabelt und mit einem grünen Mäntelchen versehen. Am besten wäre es, mit dem Geld die energetische Sanierung hierzulande zu fördern und unseren Verbrauch gegen Null zu fahren. Geldtransfers in Entwicklungsländer sind rausgeworfenes Geld.
3. Hoppla!
vHayekFan 06.12.2010
Nö? Tatsächlich? Da überlegt man sich ein tolles System mit finanziellen Anreizen (bestimmt ganz marktgerecht, wie die CO2-Zertifikate) und dann kommen welche und machen mit ihrer *Profitgier* alles kaputt? Haben die denn einfach gar nichts vom Westen gelernt?
4. Hoffnungslos ist es
Lutz W. 06.12.2010
Zitat von Peet89Erst wenn der letzte Baum gefällt ist merken wir, wie dumm wir doch sind. Wir, die wir hier sitzen, sind doch größtenteils Schuld an diesem Problem.
Aber ich kann bei mir keine persönliche Schuld ausmachen. Die Industrialisierung, verbunden mit extremer Geldgier hat bereits lange vor meiner Geburt begonnen. 1973/74 hatten wir die ersten Ölkrisen, bereits damals haben warnende Stimmen auf die Endlichkeit des Öls hingewiesen. Aber was ist seit dem geschehen? Verbrauchen wir jetzt weniger Öl als damals? Nein, wir exportieren die Benzinfresser jetzt sogar nach China, damit eine Milliarde Chinesen helfen diese Ressource noch schneller zu verbrauchen. Raten Sie mal womit die Menschheit heizt, wenn kein Öl mehr sprudelt? Dann werden auch noch die allerletzten Bäume gefällt. Die Welt ist verloren, die Menschheit hat keine Zukunft, jedenfalls nicht mit dieser Milliardenpopulation. Vielleicht höchstens in der Größenordnung, wie es die "Georgia Guidstones" empfehlen. Ich dachte es hilft, wenn ich persönlich auf ein Auto verzichte, inzwischen habe ich aber resigniert und dieses Jahr, nach 15 Jahren öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, einen Mercedes gekauft.
5. Die Deppen von der EU
derletztdemokrat 06.12.2010
Die Eu bezahlt doch die Abholzerei zb. in Indonesien. Urwald roden, endlose Palmölmonokulturen die ständig mit Chemie gesprizut werden, damit man am anderen Ende der Welt Biodiesel der die neuen Motoren kaputt macht tanken kann/muss. Und es werden weiter die großen Spritschlucker gebaut. Hallelulia! Und in CANCUN machen die Politclowns Hollyday.
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.
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