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AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 51/2010

SPIEGEL-Streitgespräch: "Schrecken ohne Ende"

Die Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger und Stefan Homburg über die Euro-Krise, die Folgen eines deutschen Ausstiegs aus der Währungsunion und die Frage, was Euro-Bonds und Spätzle miteinander verbindet

Wirtschaftswissenschaftler Bofinger (l.), Homburg: "Das ist reine Angstmache" Zur Großansicht
Maurice Weiss / DER SPIEGEL

Wirtschaftswissenschaftler Bofinger (l.), Homburg: "Das ist reine Angstmache"

SPIEGEL: Herr Bofinger, Herr Homburg, ist der Euro noch zu retten?

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Homburg: Der große Philosoph und Europapolitiker Ralf Dahrendorf hat 1995 vorausgesagt, dass der Euro den Kontinent nicht einigen, sondern spalten wird. Was wir gerade erleben, ist der Beginn dieses Prozesses. Die politischen Spannungen in Europa nehmen zu, und die Deutschen werden als Zuchtmeister wahrgenommen. Deshalb wäre es besser, einen Schlussstrich zu ziehen und zur D-Mark zurückzukehren.

Bofinger: Das wäre unverantwortlich. Der Euro ist ein Erfolgsmodell. Wir sollten ihn unbedingt erhalten. Das Problem ist nur, dass die bisherigen Maßnahmen dafür nicht ausreichen. Was wir jetzt brauchen, ist ein mutiger Schritt hin zu mehr wirtschaftlicher Integration.

SPIEGEL: Was schwebt Ihnen vor?

Bofinger: Wir sollten den Vorschlag des luxemburgischen Premierministers Jean-Claude Juncker aufgreifen und gemeinsame Staatsanleihen für die Euro-Zone einführen. Solche Euro-Bonds würden die Zinskosten für Problemländer wie Griechenland, Irland oder Portugal deutlich drücken. Diese Länder hätten es dann leichter, mit ihren Sparprogrammen die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen.

Homburg: Das bezweifele ich. Euro-Bonds verstoßen gegen den Maastricht-Vertrag, wonach in der Euro-Zone kein Staat für einen anderen haftet. Die Euro-Bonds erheben die Haftung sogar zum Prinzip und zwingen Deutschland, für Schulden anderer Länder einzustehen, deren Finanzgebaren wir nicht kontrollieren können. Die dafür erforderlichen Steuererhöhungen und Transferkürzungen würde unsere Bevölkerung nicht tolerieren.

Bofinger: Doch, man müsste ihnen erklären, dass der Euro nur so zu bewahren ist. Mit den heutigen Rettungsschirmen wird das nicht gelingen. Die reichen höchstens für Griechenland, Irland, Portugal und vielleicht noch Spanien. Aber sie wären überfordert, wenn ein Land wie Italien dazukäme.

Homburg: Meinen Sie im Ernst, Deutschland sollte einspringen, wenn Italien seine Schulden nicht mehr bedient?

Bofinger: Auf jeden Fall. Wenn Italien kippt, kippen auch zig Milliarden, die deutsche Banken und Versicherungen an italienischen Anleihen halten. Die Folge wäre ein gewaltiger Finanzcrash, das Risiko könnte keine Regierung eingehen. Deshalb haben wir keine Wahl: Wir müssen das System stabilisieren.

Homburg: Entschuldigung, aber das ist reine Angstmache. Es hat in der Geschichte Hunderte Staatspleiten gegeben, denken wir etwa an Argentinien oder Russland. Niemals ist dabei das Finanzsystem zusammengebrochen. Natürlich gefällt es der Finanzindustrie, hohe Risikoprämien ohne Risiko zu kassieren. Es kann aber nicht richtig sein, dass Deutschlands Steuerzahler unter dem Deckmantel der Staaten- oder Euro-Rettung den Bankensektor alimentieren.

Bofinger: Ich bin durchaus Ihrer Meinung. Wenn es möglich wäre, die Folgen einer Bankpleite zu isolieren, sollten wir jene Kreditinstitute, die sich verspekuliert haben, ruhig pleitegehen lassen. Das Problem ist nur, dass wir die Folgen leider nicht isolieren können. Dazu sind die heutigen Banken zu groß und zu sehr untereinander vernetzt. Zudem halten sie keinerlei Eigenkapital für Staatspapiere. Die Finanzkrise hat uns gelehrt: Die Märkte neigen zu unkontrollierbaren Kettenreaktionen.

SPIEGEL: Wollen Sie damit sagen, dass sich die Euro-Krise zu einem neuen Fall Lehman auswachsen könnte?

Bofinger: Die Lehman-Pleite war ein Klacks gegen das, was uns bei der Insolvenz eines Euro-Staates erwarten würde.

Homburg: Das sehe ich vollkommen anders. Die Ursache der Euro-Krise liegt auch nicht in einer Irrationalität der Finanzmärkte, sondern darin, dass manche Staaten über ihre Verhältnisse gelebt haben. Ein griechischer Lokführer verdient 5000 Euro netto im Monat, spanische Fluglotsen kommen auf 300 000 Euro im Jahr. Wollen Sie den deutschen Arbeitnehmern, die seit langem Schlusslichter bei der Lohnentwicklung sind, wirklich zumuten, derartige Einkommen mit noch höheren Steuern zu finanzieren?

Bofinger: Nun mal langsam. In Spanien und Irland hat nicht der Staat über seine Verhältnisse gelebt, es war der Privatsektor. Der irische Staat hatte 2007 einen ausgeglichenen Haushalt, der spanische sogar einen Überschuss, die Finanzindustrie dagegen hat über Jahre ohne Sinn und Verstand Kredite vergeben. Die Schäden sind beträchtlich, aber sie ließen sich eindämmen, wenn Europa Euro-Anleihen einführen würde. Eine Euro-Anleihe ist schließlich keine Transferunion.

Homburg: Was denn sonst? Ökonomen haben seriös berechnet, dass der Zinssatz eines Euro-Bonds rund einen Prozentpunkt über dem einer Bundesanleihe liegen wird. Das würde den Staat rund 2o Milliarden Euro jährlich kosten und käme einer Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozentpunkte gleich.

Bofinger: Ich bestreite, dass die Zinsen eines Euro-Bonds über denjenigen einer Bundesanleihe liegen. Das aktuelle Problem besteht ja gerade darin, dass die Risiken der Euro-Länder separat bewertet werden. Würden sie dagegen gemeinsam am Finanzmarkt auftreten, wäre das Risiko einer Insolvenz gering, und die Zinsaufschläge würden verschwinden. Der wichtigste Wettbewerber wären US-Staatsanleihen. Da die Neuverschuldung der Euro-Zone insgesamt deutlich niedriger als diejenige der USA ist, wäre der Euro-Bond im internationalen Vergleich ein attraktives Investment, zumal der Markt für Euro-Bonds erheblich größer wäre als der für Bundesanleihen.

Homburg: Euro-Bonds wären weniger sicher als Bundesanleihen und somit höher verzinslich, weil sie zu noch stärkerer Verschuldung anreizen. Schon durch die bisherigen Rettungsmaßnahmen hat die Bundesregierung dem Steuerzahler Risiken von 200 Milliarden Euro aufgebürdet. Die Risikoprämien für Bundesanleihen haben sich im letzten Jahr verdoppelt. Mehr ist nicht drin.

Bofinger: Wenn Sie Eier, Wasser und Mehl zusammenrühren, kommen dabei nicht 50 Prozent Mehl, 25 Prozent Wasser und 25 Prozent Eier heraus, sondern ein Teig für Spätzle. Es entsteht etwas Neues, und so wäre es auch beim Euro-Bond.

Homburg: Sie träumen. Durch Euro-Bonds entsteht eine Haftungsgemeinschaft zu Lasten Deutschlands. Inzwischen hat die Europäische Zentralbank die Mitgliedstaaten um eine Kapitalerhöhung gebeten, weil sie seit Ausbruch der Krise fast 75 Milliarden Euro an problematischen Staatsanleihen gekauft hat. Wer bringt den Löwenanteil ein? Die Bundesrepublik. Bisher klappt das Hütchenspiel von Politik und EZB noch. Schlimmer wird es, wenn Griechenland und andere ihre Schulden nicht mehr bedienen. Dann stehen wir für Beträge gerade, die sich heute noch niemand vorstellen kann. In Deutschland werden dann massive Einschnitte notwendig sein.

Bofinger: Dazu wird es nicht kommen, wenn der Vorschlag richtig umgesetzt wird. Er sieht ja nicht nur neue Anleihen vor, sondern vor allem mehr Macht für die Brüsseler EU-Kommission. Sie soll künftig darüber wachen, dass alle Mitgliedstaaten eine solide Haushaltspolitik betreiben. Es ist ganz einfach: Wer gegen die Kriterien des Stabilitätspakts verstößt, darf keine Euro-Bonds mehr ausgeben.

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1.
endbenutzer 22.12.2010
Ein griechischer Lokführer verdient 5000 Euro netto im Monat? Was sind wir Deutschen doch für Blödmänner...
2. Schluss!
Inuyasha, 22.12.2010
Dazu kann man nur eines sagen: Deutsches Geld für Deutsches Land. Raus aus dem Euro. Wann begreift die politische Kaste endlich, das sie dem Volk verpflichtet ist, nicht Europa und nicht den ganzen Pleitegeiern? Wenn sie so weitermachen, zerfällt die EU eines Tages in Blut und Eisen. DAS kann hoffentlich niemand wollen...
3. Der ist gut:
Social Distortion, 22.12.2010
Zitat von sysopDie Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger und Stefan Homburg über die Euro-Krise, die Folgen eines deutschen Ausstiegs aus der Währungsunion und die Frage, was Euro-Bonds und Spätzle miteinander verbindet http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,735669,00.html
Bofinger: "Nein. Die Währungsunion ist ökonomisch wie politisch eine vernünftige Sache. Und wir haben von dem Gemeinschaftsgeld profitiert. Ohne den Euro wäre Deutschland eine Art Japan geworden, mit schwachem Wachstum und stets am Rande der Deflation. Wie Japan hätten wir jeder Abwertung des Dollar mit Lohnzurückhaltung begegnen müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen." Gut, daß durch den Euro die Löhne in den letzten Jahren so schön gleichmäßig gestiegen sind.
4. Ohne Sinn und Verstand Kredite vergeben
sukowsky, 22.12.2010
Die Finanzindustrie dagegen hat über Jahre ohne Sinn und Verstand Kredite vergeben. Das kann man nur unterstreichen von Herrn Bofinger
5. Oh je
nr6527 22.12.2010
Zitat von sysopDie Wirtschaftswissenschaftler Peter Bofinger und Stefan Homburg über die Euro-Krise, die Folgen eines deutschen Ausstiegs aus der Währungsunion und die Frage, was Euro-Bonds und Spätzle miteinander verbindet http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,735669,00.html
Was soll man schon von Bofinger halten? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,735669-2,00.html Entweder hat er die letzten zehn Jahre nicht in Deutschland gelebt oder er hat sich in einer Paralelwelt befunden. Der normale Bürger in Deutschland hat nicht vom Euro profitiert und Lohnzurückhaltung und Lohndumping hat breite Bevölkerungsteile verarmen lassen. Wenn man tatsächlcih den Euro erhalten möchte, muss man die Handelsbilanzunterschiede angleichen, das geht im Falle der Gemeinschaftswährung nur durch höhere Löhne und Mindestlohn in Deutschland. Wer den Euro retten will, ohne diese grundlegenden Zusammenhänge zu erkennen, kann nur scheitern. Immerhin wurden die Folgen der CDU/FDP Politik unter Merkel richtig erkannt: Schrecken ohne Ende
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Kurzporträts der beiden Wirtschaftswissenschaftler
Peter Bofinger
Peter Bofinger lehrt an der Universität Würzburg und ist seit 2004 Mitglied im Sachverständigenrat. Das besondere Interessen- und Spezialgebiet des Volkswirts ist die Geldtheorie. Bofinger, 56, gilt als führender deutscher Vertreter der keynesianischen Wirtschaftstheorie, die im Fall von Wachstumsschwäche und Wirtschaftskrisen fordert, dass der Staat die Nachfrage stabilisiert. Er studierte an der Universität Saarbrücken und promovierte über einen Vorschlag des Neoliberalen Friedrich August von Hayek, das Geldwesen zu privatisieren. Danach arbeitete er einige Zeit bei der Bundesbank.
Stefan Homburg
Stefan Homburg ist Professor für öffentliche Finanzen an der Universität Hannover. Nach dem Leipziger CDU-Parteitag im Jahr 2003 war Homburg daran beteiligt, für Angela Merkel das Konzept einer Kopfprämie im Gesundheitswesen zu entwickeln. Er beriet den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz. Gewerkschafter charakterisierten ihn damals als "wildgewordenen Neoliberalen", doch Homburg, 49, mag sich nicht parteipolitisch vereinnahmen lassen. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitet er auch als Steuerberater.

Wie die Euro-Krise gelöst werden könnte
Trotz riesiger Hilfspakete schwelt die Schuldenkrise in der Euro-Zone weiter. Kaum wurde Irland gerettet, geraten mit Portugal und Spanien die nächsten Wackelkandidaten in den Fokus der Finanzmärkte. Doch wie könnte die Krise überwunden werden? Einige Lösungsvorschläge im Überblick.
Die EZB kauft massiv Anleihen
An den Finanzmärkten wird spekuliert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Retter in der Not spielt. Sie könnte viel Geld in die Hand nehmen und Staatsanleihen der finanzschwachen Euro-Länder aufkaufen. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, sind nach Berechnungen der Anleihenexperten von Evolution Securities in London ein bis zwei Billionen Euro notwendig. "Das Verfahren, von Land zu Land zu springen, hat die Märkte bislang nicht beruhigen können", sagt deren Expertin Elisabeth Afseth. "Der einfachere Weg ist, dass die EZB ihr Aufkaufprogramm hochfährt und große Summen ausgibt." Spanien und Italien müssen im kommenden Jahr zusammen etwa 500 Milliarden Euro an den Kapitalmärkten erlösen. Das wird schwierig und teuer, weil die Investoren hohe Risikoaufschläge verlangen. "Deshalb muss jemand einspringen und helfen", begründet Afseth ihren Vorschlag. Der Vorteil: Die EZB kann rasch helfen. Binnen weniger Tage könnte sie das Kaufprogramm starten. Der Haken: Einige Mitglieder des EZB-Rates werden dem voraussichtlich nicht zustimmen, weil ein solches Vorgehen gegen die Statuten der EZB verstößt, die sich hauptsächlich um stabile Preise kümmern soll. "Das würde sie weiter von ihrem Mandat entfernen und besonders in Deutschland Sorge über die langfristige Stabilität des Euro auslösen", befürchtet Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer.
Erweiterung des EU-Rettungsschirms
In den Euro-Ländern wird bereits darüber diskutiert, das für Notfälle geschnürte Rettungspaket zu vergrößern. Nach den Hilfen für Irland ist es noch mit etwa 650 Milliarden Euro gefüllt. Bundesbankpräsident Axel Weber hat bereits eine Erweiterung ins Spiel gebracht. Ökonomen wie DIW-Präsident Klaus Zimmermann raten dazu, das ursprüngliche Volumen von 750 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen zu verdoppeln. Politisch ist das aber nicht so einfach durchsetzbar. In Staaten wie Finnland muss die Zustimmung dafür im Parlament eingeholt werden, was schwierig werden dürfte. Andererseits ist es sinnvoll, einen bereits bestehenden und funktionierenden Krisenmechanismus auszubauen. Er sieht strenge Sparauflagen für die Staaten vor, die Hilfen benötigen. Zudem ist der Internationale Währungsfonds mit an Bord, der die Einhaltung der Auflagen überprüft und über viel Erfahrung im Krisenmanagement verfügt.
Ausgabe von Euro-Anleihen
Diese Idee hat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso einen prominenten Fürsprecher. Eine gemeinsame Anleihe für alle 17 Euro-Länder hatte er bereits vor Monaten gefordert. Allerdings gibt es dagegen starken Widerstand, vor allem aus Deutschland und Frankreich. Beide Länder können sich ohne große Probleme und zu günstigen Konditionen frisches Geld am Kapitalmarkt leihen. Sie müssten ihre hohe Kreditwürdigkeit mit Krisenländern wie Portugal oder Spanien teilen und höhere Zinszahlungen in Kauf nehmen. Sie würden um ihren Lohn gebracht, den sie sich durch vergleichsweise solide Staatsfinanzen verdient haben. Der Nachteil: Die Vorbereitung einer Euro-Anleihe nimmt viel Zeit in Anspruch. Die aktuelle Krise, die Portugal und Spanien zu erfassen droht, ließe sich damit kaum lösen.
China kauft Staatsanleihen aus Europa
Die Volksrepublik besitzt die weltweit größten Devisenreserven. Das Geld ist vorwiegend in US-Staatsanleihen angelegt - insgesamt 1,8 Billionen Doller. China ist damit der größte Gläubiger der USA. "Man muss darüber nachdenken, wer genügend Geld hat, um das Problem zu lösen", sagte ein hoher EU-Offizieller. "Das einzige Land ist China. Wir müssen die Chinesen dazu bringen, EU-Schuldtitel zu erwerben." Allerdings gilt diese Lösung als unwahrscheinlich. Sowohl die EU-Behörden als auch die EZB und die Politik dürften sich dagegen verwahren.
EU beschließt gemeinsame Haushaltspolitik
Die 17 Euro-Länder verfügen über eine gemeinsame Währung und einen gemeinsamen Leitzins, aber nicht über eine gemeinsame Steuer- und Haushaltspolitik. Das hat die Spannungen erst ermöglicht, deretwegen die Währungsunion vor einer Zerreißprobe steht. "Wir brauchen auch eine Art Haushaltsbund", sagt EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. "Wir können das erreichen, wenn es eine starke Aufsicht und Kontrolle gibt." Allerdings ist das ein Tabuthema für Deutschland und andere Kernländer der Währungsunion, die kaum einen Teil ihrer Eigenständigkeit abgeben dürften. Politisch wäre dieser Weg deshalb kaum durchsetzbar. Eine Umsetzung würde zudem viele Jahre dauern - zu lange, um die akute Krise zu lösen.

Sind Sie ein guter Euro-Retter?
dpa
Die EU legt ein gigantisches Hilfspaket für den Euro auf - Gesamtumfang: 750 Milliarden Euro. Aber blicken Sie bei der größten Wette der Weltgeschichte noch durch? Testen Sie Ihre Euro-Retter-Qualitäten im SPIEGEL-ONLINE-Quiz.


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