AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 4/2011

Bildung: Schöner Schein

Von Armin Himmelrath und Markus Verbeet

Die European Business School, eine Eliteschmiede für Manager, hat enge Verbindungen zu einer Beratungsfirma. An deren Spitze steht ausgerechnet der Hochschulpräsident. Kassiert er doppelt?

Leiter der Privat-Uni EBS: Jahns, ein unehrbarer Kaufmann? Fotos
EBS Universität für Wirtschaft und Recht

Wenn Christopher Jahns davon spricht, was seine Studenten lernen sollen, können die Ziele nicht hehr genug sein: Edel sei der Manager, hilfreich und gut.

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Hier geht es zum digitalen Heft
Neu:
  • Lesen Sie den vollständigen SPIEGEL auf Tablets, Smartphones oder am PC/MAC
  • Mit vielen zusätzlichen Videos, interaktiven Grafiken und Bildern
  • Lesbar über Apps oder Browser
"Ich bin davon überzeugt, dass die Wurzel der Krise Gier ist", hat Jahns, 41, einmal gesagt. An seiner Eliteschmiede, der European Business School, will er sich dem allgemeinen Sittenverfall entgegenstemmen. Die Studenten, die regulär Studiengebühren von rund 1000 Euro im Monat zahlen, sollen einen Eid schwören. Der Präsident der Privathochschule will damit Prinzipien des "ehrbaren Kaufmanns" wiederbeleben. Alte Tugenden gelte es zu beschwören, "Ehrlichkeit", "Anstand" und "Transparenz".

Große Worte scheinen noch nie das Problem des Präsidenten gewesen zu sein, er erzählt gern von Kooperationen mit einem Friedensnobelpreisträger oder weltweit führenden Hochschulen. Im Stiftungsvorstand seiner Kader-Einrichtung sitzen Top-Manager großer Unternehmen, Jahns pflegt beste Kontakte in die Politik. Im Sommer erst verkündete er sein Meisterstück, die Gründung einer Jura-Fakultät. Rund 25 Millionen Euro überweist allein das Land Hessen.

Doch wie edel und gut handelt Jahns selbst? Der 41-Jährige leitet nicht nur die Hochschule, sondern hat auch führende Funktionen in zahlreichen Beratungs- und Beteiligungsfirmen. Die wiederum stehen in so engen Verbindungen zur Hochschule, dass die Grenzen manchmal zu verwischen scheinen. Von den Merkmalen eines ehrbaren Kaufmanns, wie Jahns sie beschreibt, ist mindestens eines nicht immer erfüllt: die Transparenz.

"Probleme in Bezug auf Verwertungs- und Abrechnungsfragen"

Wie schwer das Geflecht zu durchschauen ist, stellten auch die Verantwortlichen fest, die für das Bundesforschungsministerium über einen Förderantrag zu entscheiden hatten. Die Prüfer merkten angesichts "unterschiedlicher Verbindungen" zwischen Antragstellern auf. Sie verlangten nach Informationen über die Verbindungen von vier Firmen zur Hochschule, weil sie mögliche "Probleme in Bezug auf Verwertungs- und Abrechnungsfragen" sahen. Daher forderten sie "eine Aufstellung (möglichst in Form eines Organigramms) über die personellen und wirtschaftlichen Verbindungen" an.

Und die sind vielfältig. Im Umfeld der Hochschule taucht immer wieder die Beratungsgruppe BrainNet auf. Deren Top-Manager Christian Rast sitzt im Stiftungsvorstand der Hochschule. Präsident Jahns wiederum gehört Verwaltungsräten mehrerer Unternehmen aus dem BrainNet-Imperium an. Auch in Firmen, nach denen die Prüfer fragten, spielen BrainNet-Manager eine entscheidende Rolle. Geschäftsbeziehungen gibt es unter anderem zur Hochschule. Die Firmengruppe mit dem Verwaltungsrat Jahns berät die Hochschule des Präsidenten Jahns - und kassiert zumindest in manchen Fällen auch Honorare.

Um für kritische Nachfragen gewappnet zu sein, hat BrainNet eigens interne "Richtlinien für Krisen- und Risiko-Kommunikation" erstellt. Auf vielen Seiten wird festgehalten, wer was zu sagen hat, denn die "Bedrohungsszenarien und Angreifer sind extrem vielfältig", wie es in der Präambel heißt. Bei Nachfragen sollen vorbereitete Antworten helfen.

Interessant ist, welche Themen die Berater selbst als "besonders sensibel" einstufen: just die Partnerschaft mit der Hochschule und alle Fragen zur Rolle von Jahns. Eine Standardformulierung in dem Dokument beginnt mit den Worten: "Christopher Jahns hat verschiedene Positionen". Wohl wahr. Jahns begnügt sich keineswegs mit seiner Doppelrolle als Hochschulpräsident und Verwaltungsrat. Er steht auch einem Institut an seiner Hochschule vor, wiederum mit dem Titel eines Präsidenten.

Der Präsident als Dienstleister der eigenen Hochschule

Das sogenannte SMI nimmt eine Schlüsselrolle in dem Geflecht ein. Für dieses Institut ist eine Dienstleistungsfirma tätig, die ebenfalls SMI im Namen trägt, aber keineswegs der Hochschule gehört. Dahinter steckt vielmehr eine Schweizer Aktiengesellschaft, die mehrere BrainNet-Manager führen. Ihr Präsident: Jahns. Der Präsident als Dienstleister seiner eigenen Hochschule - eine Interessenkollision?

Aber nicht doch, sagt Jahns. Alles sei sauber, geprüft und genehmigt. Bei BrainNet konzentriere er sich "ausschließlich auf die wissenschaftliche Beratung der Gruppe und aufsichtsratskonforme Tätigkeiten", alle seine Mandate seien vom Aufsichtsrat der Hochschule genehmigt. Und "sämtliche Leistungsbeziehungen" würden dem Aufsichtsrat der Hochschule "transparent gemacht" und seien vom Wirtschaftsprüfer der Hochschule "auf Einzelbelegnachweis vollumfänglich positiv geprüft worden".

Wer an der European Business School nach BrainNet fragt, wird gern darauf verwiesen, dass die Hochschule mit rund 200 Unternehmen kooperiere. Doch die Verbindungen zu Jahns' Firmenimperium wirken außergewöhnlich eng. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an, einigen Computern etwa, die BrainNet gegen Gebühr mehreren Hochschulmitarbeitern im vergangenen Jahr gestellt hat.

Auch bei größeren Verträgen verwischen schon mal die Grenzen zwischen dem Hochschulpräsidenten Jahns und dem Geschäftsmann Jahns. Das legt jedenfalls ein Vertrag mit dem Autokonzern BMW nahe. Es ging um die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls an einer chinesischen Partnerhochschule. Aus diesem Anlass schloss BMW einen Vertrag mit einer weiteren Schweizer Aktiengesellschaft, die SMI im Namen trägt und die wiederum von Jahns und mehreren BrainNet-Managern geführt wird.

Mit der European Business School habe das nichts zu tun, die Aktiengesellschaft "tritt nicht im Namen unserer Universität auf", heißt es in einer Stellungnahme. Merkwürdig dann nur, wer den Vertrag unterschrieben hat - Jahns als Vorstandsvorsitzender der Hochschule ("CEO, European Business School"). Alles nur ein Versehen, alles nur ein Missverständnis?

Wenn ja, leistet Jahns solchen Verwechslungen Vorschub, indem er seine Rollen zuweilen miteinander verquickt wie in einem Schreiben an einen großen Konzern. Verfasst ist es auf Briefpapier der Hochschule, der erste Satz lautet: "Ich schreibe Ihnen als Präsident der EBS European Business School." Wenige Absätze später aber bittet Jahns um einen Gesprächstermin, um gemeinsam mit BrainNet-Manager Rast über "die Aufstellung des Einkaufs im Konzern" zu sprechen - Akquise auf Hochschulpapier.

"Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen"

Man könnte all diese Verbindungen vielleicht weniger kritisch sehen, wenn die Hochschule ohne staatliche Förderung auskäme. Doch für ihre jüngste Erweiterung, den Aufbau einer Jura-Fakultät in Wiesbaden, erhält die Hochschule Unterstützung, nicht nur vom Land. Die Stadt Wiesbaden hilft nur zu gern, vermutlich, weil die Hochschule ihren Sitz von Oestrich-Winkel dorthin verlegt hat und die Landeshauptstadt sich damit endlich Uni-Stadt nennen darf - auch wenn der Standort in Oestrich-Winkel keinesfalls aufgegeben wird. Insgesamt beläuft sich die Förderung für die European Business School, die sich nun "Universität für Wirtschaft und Recht in Gründung" nennt, auf mehr als 50 Millionen Euro.

Da kann sich ihr Präsident nicht wundern, wenn Geschäfte an und mit der Hochschule nun genauer betrachtet werden. Während Jahns so gern von hehren Zielen redet, spricht die Firmengruppe, der er eng verbunden ist, die herkömmliche Sprache der Wirtschaft. Mit Blick auf das SMI-Hochschulinstitut rühmt sich BrainNet einer "weltweit einzigartigen Wertschöpfungskette", beginnend mit der Forschung und Ausbildung junger Talente.

Es wirkt so, als hätte BrainNet einen Teil der Hochschule okkupiert. Wo gemeinnützige Hochschule draufsteht, wäre Beratungsfirma drin - ein schöner Schein, der sich für gute Geschäfte nutzen ließe.

Jahns weist solche Vorwürfe weit von sich und redet lieber von dem "Hippokratischen Eid für Manager", der erarbeitet werde. Übrigens "in enger Zusammenarbeit mit den Young Global Leaders im World Economic Forum", dem exklusiven Netzwerk von Davos - allererste Adressen, allerhöchste Ansprüche.

In einem Interview prangert Jahns dann schon mal die "Maß- und Verantwortungslosigkeit" und eine "Vollkasko-Raffgier" an und sagt Sätze wie: "Die Ethik ist in den vergangenen Jahren eindeutig zu kurz gekommen."

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
günter1934 24.01.2011
Zitat von sysopDie European Business School, eine Eliteschmiede für Manager, hat enge Verbindungen zu einer Beratungsfirma. An deren Spitze steht ausgerechnet der Hochschulpräsident. Kassiert er doppelt? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,741248,00.html
Mediziner kassieren doch mindestens doppelt, als Professoren und im medizinischen Betrieb!
2. elitär ?
kro 24.01.2011
dadurch, dass die Medien immer schreiben die ebs sei elitär wird es nicht wahrer. Kaum jemand, der einen Studienplatz an einer guten staatlichen Uni oder an der WHU angeboten bekommt, wird heutzutage noch ein BWL Studium an der ebs beginnen.
3. "eliteschmiede"
zynik 24.01.2011
Zitat von sysopDie European Business School, eine Eliteschmiede für Manager, hat enge Verbindungen zu einer Beratungsfirma. An deren Spitze steht ausgerechnet der Hochschulpräsident. Kassiert er doppelt? http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,741248,00.html
Ach bitte, wie naiv muss man sein um zu glauben, dass die "European Business School" etwas anderes ist als eine neoliberale Kaderschmiede? Dieser pseudoelitätre Habitus soll auch nur über die primitive Blingbling-Ideologie hinwegtäuschen, die eigentlich dahinter steckt. Insofern gibt der Hochschulpräsident ein konsequentes Rollenmodell.
4. Ein...
hottentot 24.01.2011
...weiterer skandalöser Vorgang. Räume in manchen Wiesbadener Schulen sind einsturzgefährdet und marode, aber die EBS bekommt ihren Millionen-Zuschuss (was tut man nicht alles, um sich Universitätsstadt zu nennen, endlich haben das die Mainzer auf der anderen Rheinseite Wiesbaden nicht mehr voraus). Es ist bekannt, dass Rheingauer Einwohner, die sich mit ihren EBS-Studenten-Nachbarn wegen zum Beispiel Lärmbelästigung streiten, nicht mehr mit gemeinen Anwälten zu tun haben. Da der Papa des Studenten im Vorstand eines DAX-Unternehmens sitzt, kümmert sich natürlich die Rechtsabteilung des Konzerns darum, den kleinen renitenten Bürger in die Schranken zu weisen... Kein Scherz!
5. Ebs
k.l.brancke 24.01.2011
Zitat von krodadurch, dass die Medien immer schreiben die ebs sei elitär wird es nicht wahrer. Kaum jemand, der einen Studienplatz an einer guten staatlichen Uni oder an der WHU angeboten bekommt, wird heutzutage noch ein BWL Studium an der ebs beginnen.
Das kann ich nur bestätigen. Die EBS hat in den letzten 12 Monaten schon recht viele negative Nachrichten produziert (Saufgelage der Studenten, nicht nachvollziehbare Mittelverwendung). Wie heißt es so schön: "Der Fisch stinkt vom Kopf her." Nach Ihrem Artikel wird mir vieles klarer. Meine Tochter befindet sich gerade in der Auswahlphase für einen Studienplatz. Die EBS spielt dabei keine Rolle mehr.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Studium
RSS
alles zum Thema Business Schools
RSS

© DER SPIEGEL 4/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 14 Kommentare
  • Zur Startseite
Aus dem SPIEGEL

Sie lesen einen Text aus dem
SPIEGEL 4/2011 - entdecken Sie
weitere Top-Themen aus dem Heft:

  • - Liberale: Die FDP profiliert sich in der Koalition auf Kosten Europas
  • - Affären: Massive Korruptionsvorwürfe gegen Bilfinger Berger in Nigeria
  • - Diktatoren: Die abenteuerliche Flucht des Ben-Ali-Clans
  • - Internet: Chinas Mikroblogger setzen die Obrigkeit unter Druck


Fotostrecke
Private Hochschulen: Geldsorgen trotz hoher Gebühren