Kirchen: Die Mut-Bürgerin
Margot Käßmann ist allgegenwärtig. Ihre Bücher sind Bestseller. Sie ist der Star des bevorstehenden Kirchentags. Was heißt das für die deutsche Politik?
Die Frage würde kommen, das wusste Margot Käßmann, es geht um das beherrschende Thema der vergangenen Tage, sie hat sich darauf vorbereitet. Käßmann sitzt im Untergeschoss des Berliner Kulturkaufhauses Dussmann, etwa 200 Leute drängeln sich um die kleine Bühne. Oben, wo eine Leinwand aufgebaut ist, sind es noch mal so viele.
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Ein Journalist redet mit Käßmann über Sehnsüchte. Dann fragt er: "Frau Käßmann, was halten Sie von der Intervention des Westens in Libyen?" Käßmann war einmal Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie trat vor gut einem Jahr nach einer Trunkenheitsfahrt zurück. Spätestens seitdem gilt sie als moralische Autorität in allen wichtigen Fragen, gerade solchen von Krieg und Frieden.
Sie hat das Geschehen in Libyen in den vorangegangenen Wochen öfters kommentiert. Es ist ein Thema, für das sie sich zuständig fühlt. Ihre Antworten waren nicht immer ganz widerspruchsfrei, auch moralische Autoritäten sind zu einer gewissen Flexibilität fähig.
Das erste Mal, als Käßmann sich äußerte, war der Bürgerkrieg bereits im Gange. Sie mochte sich nicht recht festlegen: "Wir brauchen mehr Phantasie für den Frieden, um ganz anders mit Konflikten umzugehen", sagte sie. Das war eine sehr allgemeine Einschätzung, vielleicht etwas unterkomplex, aber sie würde auf alle denkbaren Entwicklungen passen.
Dann setzte Oberst Muammar al-Gaddafi den Krieg gegen das eigene Volk ziemlich phantasielos fort, er versprach, Libyen "Haus für Haus zu säubern", ein Massaker schien unmittelbar bevorzustehen. Käßmann hielt nun eine Flugverbotszone "eng begrenzt für richtig, weil man das freiheitsliebende Volk vor einem völlig irrsinnig gewordenen Diktator schützen muss". Das schien eindeutig.
Zeitgleich autorisierte der Uno-Sicherheitsrat den militärischen Einsatz gegen Gaddafi. Käßmanns Sympathie für eine Flugverbotszone verflüchtigte sich in dem Moment, als diese durchgesetzt wurde. In Libyen schossen Raketen durch die Luft, Panzer gingen in Flammen auf, Menschen starben. Das war gar nicht die friedliche Flugverbotszone, die Käßmann gemeint hatte. Das war Krieg.
Nun sitzt sie bei Dussmann, der Journalist hat gefragt, sie muss wieder eine Position finden. Sie sagt: "Es scheint keine Begrenzung des Militärischen zu geben, das finde ich deprimierend."
- 1. Teil: Die Mut-Bürgerin
- 2. Teil: Für ihre Fans passt immer, was sie gerade sagt
- 3. Teil: "Nichts ist gut in Afghanistan"
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