Irland: Rebellion in Dublin
Der Vatikan wehrt sich gegen Vorwürfe, er decke pädophile Priester. Aber schon naht der nächste Bericht über Kindesmissbrauch in einer katholischen Diözese.
Als Tony Flannery sich zum Ordenspriester weihen ließ, schwor er, sein Leben in "Armut, Keuschheit und Gehorsam" zu verbringen. Zu Letzterem sieht sich der Bewohner eines abgelegenen Klosters im Westen Irlands heute nicht mehr imstande.
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Die Bischöfe der Insel seien "ein armseliger Haufen, dem jedes Führungsvermögen fehlt", sagt Flannery. Und dass der gleichfalls belastete Vatikan unter Papst Benedikt XVI. "selbst unter Katholiken den Großteil seiner Autorität verspielt" habe.
Flannery, 64, trägt Sandalen, Hose, Pulli. Er gehört dem Orden der Redemptoristen an, der - wie alles Katholische hier - schon bessere Zeiten gesehen hat. 18 Männer leben in dem Kloster Esker, die Hälfte ist jenseits der 80, Flannery der Zweitjüngste. Einen nörgelnden Prediger wie ihn hätten die Kragenträger in Rom früher im Handumdrehen mundtot gemacht. "Jetzt hat der Vatikan dazu nicht mehr die Macht", sagt Flannery und kann es selbst kaum glauben.
Während der deutsche Papst seine Mission in der Wiederbelebung des christlichen Glaubens sieht und zu diesem Behufe kommende Woche auch nach Deutschland eilt, vollzieht sich auf der ehemals frommen Insel eine Wende ganz anderer Art. In Irland hat das Zeitalter des Postkatholizismus begonnen, der Grund dafür ist die wachsende Empörung über Benedikts Amtskirche.
Zu oft wurden Bischöfe beim Lügen ertappt
Denn die, so scheint es den Iren, ist unfähig und unwillens, den jahrzehntelangen Kindesmissbrauch in ihren Reihen aufzuarbeiten oder überhaupt abzustellen - obwohl irische Gerichte schon rund 15.000 Opfern Entschädigungszahlungen zugesprochen haben. Und so bröckelt derzeit alles: die Zahl der Kirchgänger, die Einnahmen der Diözesen, das Ansehen der Würdenträger, sogar die uralte Untertänigkeit irischer Politiker gegenüber Rom. Das System wankt, und daher "haben wir zum ersten Mal die Chance, etwas zu ändern", sagt Rebell Flannery.
Der Geistliche gehört zu den Wortführern einer Protestorganisation, die vor gut einem Jahr gegründet worden ist. Sie trägt den unschuldigen Namen "Association of Catholic Priests" (ACP) und ist stetig gewachsen, auf jetzt bereits über 500 Mitglieder. Das sind zu viele Geistliche, als dass der Vatikan sie einfach überhören könnte.
Kaum ein katholisches Dogma ist diesen Katholiken heilig. Der Vatikan solle aufhören, Bischöfe zu installieren, die keiner haben will in den Gemeinden, fordert Flannery. Frauen sollten Priesterinnen werden dürfen, Gläubige sollen mitbestimmen. Und der Zölibat müsse weg, ganz klar, "er funktioniert einfach nicht", sagt der Priester.
Viele Iren, die Medien sowieso, hören lieber den wütenden Geistlichen der ACP zu als den grauen Männern mit der Mitra auf dem Haupt. Zu oft wurden Bischöfe beim Lügen ertappt.
- 1. Teil: Rebellion in Dublin
- 2. Teil: Die "kaputte, weltfremde, elitäre Kultur" des Vatikans
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Fläche: 70.182 km²
Bevölkerung: 4,588 Mio.
Hauptstadt: Dublin
Staatsoberhaupt:
Michael D. Higgins
Regierungschef: Enda Kenny
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