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Ausgabe 46/2011

Kryptozoologie: Nachtwandern für Freaks

Von Philip Bethge

Hobbyforscher in den USA fahnden nach dem Bigfoot. Angeblich verrät sich die Kreatur durch Schreie und Spuren. Doch entdecken lässt sich das Affenwesen nicht.

Bigfoot: Auf den Spuren des rätselhaften Affenwesens Fotos
AP

Wie Wehklagen hallen die Rufe durch den Wald, ein dumpfes "Whoop", dreimal hintereinander. Brandon Kiel hält inne und lauscht in die Nacht hinein. Dann saugt er erneut Luft in seine Lungen.

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Nochmals hält Kiel die Hände wie einen Trichter vor den Mund: "Whoop, whoop, whoop." Deutlich schallt das Echo zurück. Doch sonst nur Stille: Der Bigfoot antwortet nicht.

"Die Jahreszeit ist eigentlich günstig", sagt Kiel enttäuscht. Die Blaubeeren seien reif, die Kälber des Wapitihirschs, eine Lieblingsspeise des Bigfoot, noch nicht ausgewachsen. "Aber es kann natürlich immer sein, dass die Tiere gerade nicht in der Gegend sind."

Kiel, 41, ist Feldforscher der US-amerikanischen "Bigfoot Field Researchers Organization" (BFRO). Das Wesen, das er sucht, soll schlau, scheu und heimlich sein - ein Champion der Tarnung. Doch hier in den Redwood-Wäldern Nordkaliforniens hofft Kiel auf Weidmanns Glück. Mit 20 Gleichgesinnten ist er auf einer Expedition, um den Bigfoot zu finden.

"Squatch" nennt Kiel das ominöse Wesen, kurz für "Sasquatch", den "wilden Mann aus den Wäldern". Der wundersame Zottel - halb Affe, halb Mensch - schleicht angeblich muskulös, zweieinhalb Meter groß und bis zu 230 Kilogramm schwer durch die Wälder Nordamerikas. Ein Beweis für die Existenz der vermeintlichen Primatenart steht bislang aus. Noch nie geriet ein Exemplar in Menschenhand - weder tot noch lebendig.

Doch erfahrene "Squatcher" wie Kiel sind sich sicher: Das Tier gibt es wirklich. Schon die Indianer der Gegend besangen den mysteriösen Mini-King-Kong. Dutzende Fußabdrücke der Schuhgröße 60 plus sind sichergestellt. Von British Columbia bis hinunter nach Florida wollen Hunderte Augenzeugen die Kreatur gesichtet haben, unter ihnen Polizisten, Parkaufseher und Professoren. Sogar von Haarbüscheln und einem Bigfoot-Zehennagel, geborgen in der Nähe des Grand Canyon, ist in der einschlägigen Literatur die Rede.

Nächtlicher Bigfoot-Besuch im Zeltlager

"Ich bin überzeugt davon, dass der Sasquatch existiert", sagt der Wildtierbiologe John Bindernagel aus der kanadischen Provinz British Columbia. Der Akademiker setzt schon seit Jahren seine Reputation in der Fachwelt aufs Spiel, weil er nicht nur an den Sasquatch glaubt, sondern ihn auch noch studiert. "Ich schätze die Population des Tiers auf mehrere tausend Exemplare", sagt Bindernagel, der schon einige Bücher zum Zottel verfasste.

Bindernagel hat auch eine Theorie, wie der Bigfoot in die amerikanische Wildnis gelangte: Demnach sei der heute ausgestorbene Riesenaffe Gigantopithecus einst aus Asien über jene Landverbindung in der Beringstraße eingewandert, über die auch die ersten Menschen nach Amerika gelangten.

Als Hotspot der Bigfoot-Verbreitung gilt die Gegend um den Ort Klamath in Nordkalifornien, an dem sich an diesem Tag im Oktober eine Schar von Wagemutigen versammelt hat. Die Tarnanzug-Dichte ist hoch, die Stimmung euphorisch. Wer fleißig war, hat das "Expeditionshandbuch" der BFRO studiert. Mit "type 1 inspections" müsse gerechnet werden, heißt es darin: dem Besuch von "einem oder mehreren" Bigfoots im Zeltlager, während alle schlafen - "meist zwischen zwei und fünf Uhr nachts".

Intimer Blickwechsel am Bluff Creek

Dass das Tier existiert, stellt hier niemand mehr in Frage. Stattdessen wird die Biologie der Spezies diskutiert. "Überwiegend nachtaktiv" sei der Squatch, berichtet Kiel. Er lebe in Gruppen und "stinke nach Moschus". Zu seiner Nahrung gehörten "Wurzeln, Schnecken, Frösche, Rehe, Hirsche, Fische, Pilze und Beeren". Nach "Stinktierkohl" lecke er sich geradezu die Finger.

Kiels Gesicht ist rund, sein Haupthaar kurzgeschoren. Um den Mund trägt er einen Jägerbart. Ob er selbst der Kreatur schon begegnet sei? "Natürlich", sagt der 41-Jährige, "erst vor wenigen Wochen."

Am Bluff Creek - kaum 20 Meilen nach Osten über die Berge - trafen sich die Squatcher Ende Juli. "Wir waren etwa anderthalb Meilen gelaufen, als jemand plötzlich sagte: ,Da sitzt ein Sasquatch am Wegesrand'", berichtet Kiel. "Ich glaubte ihm nicht und fragte: ,Ist es ein Bär?', doch er blieb hartnäckig."

Kiel nahm eine Infrarotkamera zur Hand und spähte hindurch: "Da sah ich etwa 50 Meter entfernt die Wärmesignatur eines großen Tiers, das mit dem Rücken zu uns saß, ohne Hals, mit gewaltig breiten Schultern und nach oben spitz zulaufendem Kopf. Ich war baff." Zweimal habe sich die Kreatur umgedreht und ihn angeblickt, sagt Kiel. Etwa 15 Minuten dauerte der intime Blickwechsel. Dann beschloss der Expeditionsleiter abzurücken: "Ich wollte respektvoll sein."

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Bigfoot
joe49 17.11.2011
ist ja ein Verwandter des Yeti, der sich in die Appalachen verlaufen hat oder umgekehrt. Vor allem sieht man Bigfoot immer dann, wenn man ordentlich Moonshine mit mindesten 60% Alkohol in der Birne hat. Als die 2 Jungs vor 2 Jahren in Ihrer Kuehltruhe mit grossem Brimborium einen Bigfoot vorgestellt habe, der sich schnell als Halloween Kostuem herausgestellt hat, weiss man was man davon zu halten hat. Es kann natuerlich auch sein, dass der ein oder andere auf dem Appalachian Trail vor lauter Beumen den Wald nicht mehr gesehen hat oder einen baertigen Redneck entdeckt hat, den er auf Grund seines extremen Country Akzent nicht verstanden hat. WSenn's Wetter am Wochenende schoen ist, mache ich mich mit einem Kanister Moonshine auchauf die Suche nach Bigfoot.
2. Bigfoot?
Berta 17.11.2011
ist das der von McDonalds?
3. Are you kidding me?
Spiegeluniversum 17.11.2011
Zitat von sysopHobby-Forscher in den USA fahnden nach dem Bigfoot. Angeblich verrät sich die Kreatur durch Schreie und Spuren. Doch entdecken lässt sich das Affenwesen nicht. http://www.spiegel.de/0,1518,797398,00.html
Craptozoologie hat nichts in der Rubrik "Wissenschaft" zu suchen.
4. Bigfoot braucht doch sicher auch Bigfood
huberwin 17.11.2011
die gibst dann demnächst zu bestimmten Zeiten bei Mac Donalds. Immer wenn der Vollmond durch den Himmel wabbert und die kleinen nicht ihre Suppe gegessen haben wird Bigfoot gesichtet. Demnächst gibst RyanAir Flüge als Direktflug zu Bigfootstations die dann von diversen Partyevents begleitet werden. Rtl macht dann mehrere Sondershow die immer mit Deutschland sucht den Bigfoot......hier kannste jetzt alle dir beliebten Themen aufführen (tänzer,bauer,gruftiefamilien usw).Die Bigfooitpartei befindet sich schon in der Gründung.
5. DNA Studie in Arbeit.
Data 17.11.2011
Mit auch nur ein wenig Nachforschung wäre den guten Schreiberlingen bekannt das seit einigen Jahren eine üppig ausgestattete, privat finanzierte Organisation dabei ist das Rätsel zu lösen. (Errickson Project) Dieses Projekt arbeitet allerdings sehr verschwiegen und nur wenige Details sind bisher ans Tageslicht gekommen. Fakt ist, dass eine Frau Melba Ketchum, eine DNA Studie im Auftrag dieser Organisation machte, mit diversen angeblichen Bigfoot Haaren, etc. Diese Forschung soll positiv (pro Bigfoot) verlaufen sein. Die Studie soll im Moment in Begutachtung bei einer renomierten Fachzeitschrift sein. Das Erickson Project soll auch über beeindruckendes Filmmaterial verfügen. closeups vom Gesicht eines Bigfoot und so weiter. Veröffentlich sollen diese Aufnahmen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Studie werden. (TV-Dokumentation). Das ganze zieht sich nun schon einige Jahre und die Bigfootcommunity ist schon sehr nervös. Dies vor allem da immer wieder vertrauenswürdige Mitglieder der Bigfootcommunity einblick gewährt wurde, welche dann voller Euphorie nur sagten das etwas dran wäre, sie aber Vertraulichkeitsabkommen unterschreiben mussten und zum jetztigen Zeitpunkt nicht auf Details eingehen könnten. Was bisher über undichte Quellen an die Öffentlichkeit gelangte ist unter anderem, dass zwei Kreaturen angeschossen/erschossen worden seien, woher auch die besten DNA Proben stammen. Diese Geschichte löste allerdings viel tumult aus. Sieht es doch so aus als würden die DNA Ergebnisse darauf hindeuten das Bigfoot eindeutig der Gattung "HomoSapiens" zuzurechnen ist. In diesem Zusammenhang wäre die oben genannte Geschichte also Doppelmord, nach gültigem amerikanischem Gesetzt! Das z.B. Dr. Bindernagel, seine einzige Bigfootsichtung auf dem Anwesen des Erickson Projektes hatte ist anzumerken. Dieses Anwesen wurde übrigens nur wegen der übermäßigen Bigfootaktivität gekauft und zum Hauptforschungssitz umfunktioniert. Die Investitionen des Erickson Project sollen mittlerweile in die Millionen Dollar gehen. Der BFRO hingegen wird nachgesagt nicht nur die seriösesten "Daten" zu liefern. Auch die Motivation ist für viele eine Frage. Die BFRO bietet geführte Bigfootcamps an. Campingausflüge mit nächtlicher Bigfootsuche. Seltsamerweise kommen oft sogenannte Class-B Encounters bei diesen zu bezahlenden Ausflügen vor. Class B bedeutet das Vorhandensein von als Bigfoot zugerechneten Verhaltensweisen. Geräusche, abgebrochene Bäume Steine und Äste werden geworfen, gestank, etc. Viele meinen schmunzelnd die BFRO ließe sich am besten mit dem Namen ihres Gründers beschreiben. Mr. Matt Moneymaker. Es wäre angebracht auch bei kuriosen Themen die Sachlichkeits-, und Gründlichkeitsstandards des Spiegels anzuwenden.
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