Von Gregor Peter Schmitz
Zwei Jahrzehnte Berufserfahrung haben den US-Journalisten Bret Baier zu einem Veteranen seiner Zunft gemacht. Dass er sich in dieser Zeit durch Überparteilichkeit oder Fairness ausgezeichnet hätte, hat ihm allerdings noch niemand vorgeworfen. Schließlich ist Baier Moderator bei Fox News, dem wichtigsten Sender der amerikanischen Konservativen, und deshalb weiß er auch, wo er zu stehen hat - im Zweifel rechts.
Inzwischen ist es einen Monat her, dass Baier, 41, Mitt Romney gegenübersaß, zu diesem Zeitpunkt der Favorit bei den republikanischen Präsidentschaftsvorwahlen. Romney spricht nicht gern mit Medien, doch Fox ist nicht irgendein Sender, es ist der wirkmächtigste politische Fernsehkanal Amerikas. Fox News will Obama aus dem Weißen Haus vertreiben, und Romney gilt als derjenige republikanische Bewerber, der den Präsidenten am ehesten schlagen könnte. Was also kann ihm schon passieren?
Der Eindruck ist vernichtend, der Bewerber hilflos. Romney versucht, die Fragen wegzulachen, es klingt künstlich, dann stöhnt er nur noch. Später wird er sich beschweren, Baier sei "zu aggressiv" gewesen. Es klingt wie: So war das nicht abgesprochen, solche Fragen sind unter Freunden unschicklich.
Romney weiß, was auf dem Spiel steht: Knapp zwei Millionen Stammzuschauer sind dem Sender und seinem 24-Stunden-Betrieb treu ergeben, viele wechseln nie den Kanal. Die Fox-Gemeinde besteht fast nur aus weißen Amerikanern, meist fortgeschrittenen Alters, sie halten nichts von Schwulen oder Ausländern. Viele von ihnen glauben, dass Präsident Obama heimlich Muslim ist und nicht in den USA geboren wurde. Es ist genau die Zuschauerschaft, welche die Vorwahlen der Republikaner entscheidet.
Die Abstimmung ist zu einem Zirkus verkommen
Kurz nach Romneys Interview-Fiasko gibt es denn auch unter den republikanischen Präsidentschaftsbewerbern einen weiteren Favoriten, er heißt Newt Gingrich und war einst Sprecher des Repräsentantenhauses. Aber auch der geht nun nur mit geringen Aussichten in die erste wichtige Vorwahl am Dienstag in Iowa.
Die Abstimmung darüber, wer Barack Obama im November 2012 herausfordern darf, ist zu einem Zirkus verkommen, in dem die Hauptattraktion ständig wechselt. Vor Monaten führte noch Michele Bachmann die Umfragen an, eine der Tea-Party-Sirenen, deren Stimme sich überschlägt, wenn sie gegen Schwule, Staatsbedienstete und Demokraten zu Felde zieht. Dann lag Rick Perry, ein Ur-Texaner mit breitem Gang und schmaler Schulbildung, vorn. Danach Herman Cain, Ex-Pizzakettenchef und mutmaßlicher Fremdgeher. Immer gleich geblieben aber ist die kleine Gruppe politischer Journalisten, die die Bewerber vor sich hertreibt und ihnen wie mit der Peitsche die Richtung vorgibt: Baier und seine Kollegen von Fox News.
Deren Macht ist größer als die von ARD und ZDF zusammen: Kaum stieg die fromm-fundamentalistische Steueranwältin Michele Bachmann in den Umfragen auf, fragten Fox-Moderatoren, ob sie nicht viel zu oberflächlich, ob sie überhaupt ernst zu nehmen sei. Bald war es wieder vorbei mit Bachmanns Aufstieg.
Als Herman Cain mit seinem Plan für eine radikale Steuerreform bei rechten Wählern punktete, interviewte Fox ausführlich jene Frauen, die ihm sexuelle Belästigung vorhielten. Cains Kandidatur war rasch Geschichte. Texas-Gouverneur Perry musste sich bei Fox-Reportern wochenlang gegen den Vorwurf verteidigen, dass ihm das Denken eher schwerfalle.
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