AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 2/2017

Magensäureblocker Das Zaubermedikament wird zum Fluch

Ärzte verordnen viel zu oft Magensäureblocker - und verkennen, wie sehr die Pillen Patienten schaden können. Und wie schwierig es ist, die Mittel wieder abzusetzen.

Fast-Food-Genießerinnen
REUTERS

Fast-Food-Genießerinnen


Als 1988 in Deutschland das Medikament Omeprazol auf den Markt kam, änderte sich das Leben von Hunderttausenden Magenkranken. Zuvor war, wer an einem Geschwür, einem "Ulkus", litt, verdammt: zu vielen Wochen Schonkost und einem Leben ohne Kaffee und Alkohol; etliche mussten sich einer großen, blutigen Operation unterziehen, bei der man ihnen einen Teil des Verdauungsorgans herausschnitt.

Mit dem neuen Medikament heilten Magengeschwüre zügig wieder ab - der Wirkstoff blockiert beinahe vollständig die Säureausschüttung der Magenzellen. Zusammen mit verschiedenen Antibiotika, die das damals entdeckte Ulkusbakterium Helicobacter pylori bekämpften, wirkte es oft Wunder. Magenchirurgen mussten den Großteil ihrer Patienten an die Internisten abgeben; und auch jahrelanges, schmerzhaftes Sodbrennen ließ der Säureblocker häufig verschwinden, als wäre nie etwas gewesen.

Doch nun scheint das Zaubermedikament für viele Menschen zum Fluch zu werden, und zwar weltweit. Das Problem: Die Mittel, sogenannte Protonenpumpenhemmer, von denen in Deutschland inzwischen fünf verschiedene auf dem Markt sind, werden viel zu oft verschrieben. Und wer sie länger als einige Wochen lang genommen hat, kommt nur schwer wieder davon los.

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Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 2/2017
Wie die Demokratie ihre Bürger schützen kann


insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
schgucke 10.01.2017
1. bin leicht davon losgekommen, trotz jahrelanger Einnahme.
hab nämlich die Nase voll gehabt von der Abhängigkeit, dem Latschen zum Arzt für jedes neue Rezept, der Zuzahlung und dem Gefühl, langzeitkrank zu sein. auch wegen des Sodbrennens dann 20 Kilo abgenommen, und alles war wieder gut.
Roland Bender 10.01.2017
2. Mal wieder ein Thema, das überhyped wird
Ich habe jahrelang den Kram genommen. Es ist eine echte Erleichterung. Vergangenes Jahr habe ich dann bei einem Bewegungs- und Ernährungsprogramm teilgenommen. Seit dem nehme ich die Dinger nur noch selten. Vielleicht so 1-2 Tabletten pro Monat. Es hat überhaupt keine Probleme gegeben. Weder beim nehmen noch beim Absetzen. Ich denke, die Medikamente sind gut und sicher.
Blackwin62 10.01.2017
3. Überdreht
Ich kann auch nur feststellen, dass das Medikament - VERANTWORTUNGSVOLL EINGENOMMEN - mir schon sehr geholfen hat. Für mich ist vollkommen klar, dass eine Dauermedikation genauer ärztlicher Kontrolle bedarf und nicht selbstverordnet erfolgen darf. Daher achte ich peinlich genau darauf, nur bei akutem Bedarf ein Omeprazol-haltiges Medikament einzunehmen. Bisher bin ich auch immer beim Kauf darauf hingewiesen worden, ohne ärztliche Begleitung das Präparat nicht länger zu verwenden. Man sollte doch die Eigenverantwortung des Einzelnen wieder mehr in den Vordergrund stellen, jeder muss selber wissen, was er sich antut.
StephanLehmann 10.01.2017
4. Thema überhyped?
... definitiv nicht. Schön, dass Ihnen das Medikament geholfen hat - im Artikel steht auch nirgendwo, dass das Medikament überhaupt keinen Nutzen hat. Jedoch wird es mittlerweile an jeden Patienten wie Smarties verschrieben. Gehen Sie mal mit Magenbeschwerden, Reizdarm oder Sodbrennen zum Arzt. Zu 100% bekommen Sie einen Protonenpumpenhemmer. Dabei macht dieser in den meisten Fällen alles (zumindest langfristig) nicht schlimmer, da Magensäure zum verdauen und aufspalten der Nahrung wichtig ist. Etwas was die Medizin leider viel zu wenig auf dem Schirm hat ist der Fall von zu wenig Magensäure, gerade ältere Menschen bekommen Sodbrennen weil sie zu wenig und nicht zu viel von der Säure haben.
schgucke 10.01.2017
5. Nachtrag
ein weiterer Moment, der mich von der Einnahme wegkommen ließ, war der, als ich beim Arzt mit auf seinen Bildschirm gucken konnte und sah, was eine Packung von dem Zeug wirklich kostet.
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