AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 29/2017

Tennislegende in Nöten Nachteil Becker

Boris Becker ist offenbar pleite. Doch ein Besuch bei ihm in Wimbledon macht deutlich, wie er seine Lage verdrängt. Ist ihm noch zu helfen?

Tennisexperte Becker in London
STARPRESS

Tennisexperte Becker in London

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Wenn sich Boris Becker eine Pause nimmt, vom vielen Reden, Analysieren und Kommentieren der Championships in Wimbledon, zieht er sich für ein paar Minuten ins Studio 9 der BBC zurück, nimmt eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank und lässt sich in einen der tiefen Sessel fallen. Er ist umgeben von Bildschirmen, auf denen ausschließlich Tennis zu sehen ist.

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Heft 29/2017
Geheime Dokumente: Warum der Staat seine Bürger alleinließ

"Holen Sie sich auch eine Flasche Wasser", sagt Boris Becker und zeigt auf den Sessel neben sich. Man darf sich setzen.

Er schaut auf die Uhr. Eigentlich habe er überhaupt keine Zeit. Er muss das erwähnen, weil er das Gefühl hat, ständig missverstanden zu werden, jedenfalls da draußen, jenseits der gemauerten Festung des All England Lawn Tennis and Croquet Club in Wimbledon. "Die Leute verstehen nicht, warum ich meine Termine nicht einhalten kann", sagt Boris Becker. "Aber ich kann eben nicht vorher wissen, ob Federer drei, vier oder fünf Stunden spielt."

Es ist ein erstaunlicher Satz, wenn man bedenkt, dass draußen gerade seine Welt in sich zusammenzubrechen scheint. Vor drei Wochen hat ein britisches Gericht Boris Becker für bankrott erklärt, nachdem er nicht in der Lage gewesen war, einen von der Londoner Privatbank Arbuthnot Latham & Co. eingeforderten Kredit von angeblich gut drei Millionen Euro zurückzuzahlen. Inzwischen musste er angeblich seine Kreditkarten abgeben. Es heißt auch, er habe ein Ausgabelimit, seine einstigen Geschäftspartner fordern Millionen von ihm zurück. Wenn man glauben kann, was man liest, ist Boris Becker ein armer Mann. Und trotzdem erweckt er den Eindruck, als richtete er sein Leben vor allem nach der Länge eines Tennisspiels aus.
Ist das verrückt? Oder nur konsequent?

Fast auf den Tag genau ist es nun 32 Jahre her, dass Boris Becker zum ersten Mal Wimbledon gewann. Am 7. Juli 1985 stand er als jüngster Wimbledonsieger der Geschichte auf dem Centre Court, den er von seinem neuen Arbeitsplatz aus durchs Fenster sehen kann. Er war damals als Ungesetzter, als Nobody, gestartet. Danach war er "der 17-jährige Leimener, der Wimbledon gewann".

Für immer.

Es war der vielleicht wichtigste Moment seines Lebens, aber auch ein Moment, den er nie wirklich hinter sich lassen konnte. Auch darum geht es, wenn in diesen Tagen über seine Finanzen verhandelt wird: um einen Mann, der noch einmal über sich hinauswachsen wollte, aber für die meisten der ewige Siebzehnjährige geblieben ist, ein Moment seines Lebens, eingefroren in einem Bild. Wird ihm dies nun zum Fluch?

Jungstar Becker in Wimbledon 1985
Ullstein Bild

Jungstar Becker in Wimbledon 1985

Im Studio 9 kann man die Spiele verfolgen, die an diesem Morgen begonnen haben. Es sind Namen, die draußen nur Eingeweihten etwas sagen. Aber hier drinnen, unter Tennisverrückten, sind sie in diesem Moment alles, was interessiert, das ganze Leben.

Becker nippt an seiner Wasserflasche und schaut einen an.

Worüber soll man jetzt eigentlich reden?

Er hat, bevor er in das Gespräch einwilligte, zur Bedingung gemacht, dass man nicht über die Welt da draußen sprechen dürfe, eine Welt, die glauben machen will, dass er, der größte deutsche Tennisstar, finanziell am Ende sein könnte, eine Welt, die ihn, wie er es sieht, gar nicht kennt und einfach nur fertigmachen will. "Keine Fragen zur aktuellen Lage", hatte seine Agentin noch per SMS geschrieben, was einerseits zu verschmerzen ist, weil er sowieso zu nichts irgendetwas Konkretes sagen würde. Andererseits wirft es die Frage auf, ob es der beste Umgang mit der Krise ist, so zu tun, als ginge das Leben für ihn einfach weiter.

Es gibt Wegbegleiter Beckers, die sagen, genau das sei sein eigentliches Problem, sein Leben in einer Parallelwelt, das er jetzt führt, trotzig, als wäre gar nichts passiert. Die Stunden, die er für die BBC jeden Tag kommentiert, die Expertenanalysen über dies und das, die Formschwäche von Angelique Kerber, den Rasen, von dem Becker sagt, dass er am Anfang am schönsten sei, wenn er so richtig grün sei und nicht braun wie am Ende des Turniers.

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dem einzigen, das er seit seinem Konkursurteil gegeben hat, sagte Becker: "Ich bin weder zahlungsunfähig noch pleite. Ich komme allen meinen Verpflichtungen gegenüber meinen Mitarbeitern und sonstigen monatlichen Ausgaben nach. Alles läuft normal weiter."

Normal?

Seine Geldgeber haben einen ganz anderen Eindruck, jedenfalls einige von ihnen, bei denen seine Äußerungen für mehr Aufregung denn für Beruhigung gesorgt haben. Sie haben das Gefühl, dass Becker seine Probleme nicht wahrhaben will. Einer von ihnen sagt: Becker komme ihm wie jemand vor, der einen Mahnbrief nicht öffne und glaube, damit sei das Problem gelöst.

Boris Becker ist ein Mensch, der nach Bauchgefühl reagiert, nach Instinkt, nicht nach Kalkül, so sieht er sich. Das, hat er einmal gesagt, unterscheidet den Wimbledonsieger von anderen Siegern.

Er hat das in seinem Buch erklärt, "Boris Becker's Wimbledon". Der Rasen in Wimbledon sei eine ganz besondere Herausforderung für jeden Tennisspieler, der flache Absprung, das Tempo der Ballwechsel, die Löcher im Rasen, auf die man blitzschnell reagieren müsse; Tennis in Wimbledon sei deshalb nicht planbar. Auch deswegen habe er Wimbledon gewonnen und nie Ivan Lendl, sein ewiger Widersacher, der so ganz anders war als er, abwartend, kalkulierend, auf die Fehler des Gegners wartend, ein Mann, der Tennis wie ein Schachmeister spielte. Aber in Wimbledon braucht es Mut, Unbeirrtheit, Instinkt, das richtige Bauchgefühl eben.

Das Problem ist nur, dass diesmal das Spiel nicht in Wimbledon gespielt wird. Sondern in einer ganz anderen, ihm immer noch fremden Welt.

Als Geschäftsmann war Becker nicht annähernd so gut, wie er es als Tennisspieler war (siehe Seite 100). Wie sollte er auch? Aber er riskierte trotzdem viel, vielleicht zu viel. Er ließ nicht einfach nur seinen Namen und sein Vermögen für sich arbeiten. Er kaufte Autohäuser, er gründete "Boris Becker TV", er investierte sein Geld in obskure Dinge. "Er hat selbst nicht unbedingt die besten Ideen", sagen Wegbegleiter, "er braucht dafür andere."

Es machte ihn abhängig von anderen, das Letzte, was ein Tennisspieler gelernt hat zu sein. Denn eigentlich ist er ein Einzelspieler, er sagt, dass er von sich noch heute "als Spieler in der Gegenwartsform" spricht, weil er mental immer ein Tennisspieler geblieben ist, der am Ende allein auf dem Platz steht und allein gewinnen muss. Als Tennisspieler hat er das gelernt, und er hat bewiesen, dass er es kann. Aber als Geschäftsmann?

Er hatte es dort mit Profis zu tun, Heuschrecken, die ihm weit überlegen waren, schon was die Erfahrung betrifft. Wie sonst kann man erklären, dass er sich bei seinem Kredit, der ihm vor dem britischen Gericht zum Verhängnis wurde, einen Wucherzins von 25 Prozent diktieren ließ? Es scheint, dass er in dieser Welt überfordert war, möglicherweise hat er alles nicht ernst genug genommen, das Kleingedruckte, auf das es am Ende ankommt. Jedenfalls findet er sich jetzt in einer ungewohnten Rolle wieder: Er ist wie ein Kreisligaspieler, der sich in Wimbledon verirrt hat.

Dann kam sein unglückliches Privatleben dazu, erst die Besenkammeraffäre, dann die peinliche Inszenierung seiner Beziehung zu dem Model Alessandra Meyer-Wölden, die nur drei Monate dauerte. Becker machte sich selbst zum Lieblingsthema des Boulevards, er war damals, 23 Jahre nach seinem ersten Wimbledonsieg, am Tiefpunkt seiner Karriere.

DER SPIEGEL

Ein Jahr ist es her, da war er noch Coach von Novak Djokovic. Es war ein Moment, in dem er es endlich geschafft zu haben schien, seinem eigenen Mythos

zu entkommen. Er hatte die albernen Jahre als Talkshowgast hinter sich gelassen und war mehr als nur der erfolgreiche Tennisspieler von damals. Er war nun auch der Coach der Nummer eins im Welttennis, mit Djokovic zusammen errang er sechs Grand-Slam-Titel, davon zwei in Wimbledon, Erfolge, die heranreichten an das, was er selbst als Spieler erreicht hatte. Zum ersten Mal in seinem Leben blieb er nicht hinter seiner eigenen Vergangenheit zurück.

Er plante damals, seinen eigenen Mythos zu verfilmen, ein großes Heldenepos, das Matthias Schweighöfer produzieren wollte. Es sollten passende Schauspieler gefunden werden für den Zweikampf zwischen ihm und Ivan Lendl, den Becker 1986 im Wimbledonfinale bezwungen hatte. Es war der große Zweikampf der damaligen Zeit, der aufwendig produziert werden und zu Beckers 50. Geburtstag in diesem November in den Kinos laufen sollte, mit Ivan Lendl als finsterem Bösewicht und Becker, dem guten Jungen.

Es schien ein lohnendes Projekt. Kein verzweifelter Rückschritt in alte Zeiten. Er hatte Abstand gewonnen zu seiner Vergangenheit.

Damals, im Spätsommer vergangenen Jahres, stand er in der Player's Lounge in Queens, wo die US Open ausgetragen werden. Er gab bereitwillig Interviews, er redete mit Dubai TV und ESPN, dem amerikanischen Sportsender, und genoss die Fragen, die ihm alle sehr gut, sehr freundlich vorkamen. Becker sagte: "Sehen Sie, das mag ich hier, die stellen Fragen, da mache ich auf. In Deutschland ist das anders." Er zog die Ellenbogen ganz eng an den Körper, wie ein Geprügelter: "Da mach ich dann zu", sagte Boris Becker.

Man konnte über alles reden. Es war ein Gespräch, bei dem er keinerlei Vorbedingungen stellte. Er redete über den FC Chelsea, seinen Lieblingsfußballverein in England, und über den FC Bayern, bei dem er einmal im Verwaltungsbeirat gesessen hatte. Er fragte, ob man wisse, dass Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge mit Spitznamen "Killer-Kalle" heiße, seiner vermeintlich skrupellosen Personalpolitik wegen. Er bedauerte den ehemaligen Bayern-Spieler Bastian Schweinsteiger, der bei Manchester United auf der Ersatzbank sitzen musste.

Er hatte sich irgendwo auf die Tribüne von Court 12 gesetzt, mitten ins Publikum. Er saß da wie in seinem Wohnzimmer, hatte die Schuhe ausgezogen und filmte ein bisschen mit seinem iPhone herum. Dann fragte er, ob man ihn einmal kurz fotografieren könne, das Arthur-Ashe-Stadion im Hintergrund. Er wolle gleich etwas auf Facebook posten, als Beweis dafür, dass er hier war. "Was andere können", sagt Becker, "kann ich schon lange."

Als Tennisspieler, so sieht das Boris Becker, muss man lernen, ganz allein klarzukommen, im Vergleich zum Tennis sei Fußball ein Beamtensport. Man bekomme viel Preisgeld, aber davon müsse man alles bezahlen, das Hotel, den Trainer, und wenn man verliere, bekomme man nichts, dann laufe nicht einfach das Gehalt weiter wie im Fußball. "Im Tennis", sagt Becker, "gibt es kein Zeitspiel. Man muss immer bis zum letzten Punkt kämpfen." Es gebe keine Sicherheit, bis zum Schluss.

Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, allseits präsent zu sein, wenn nicht in den klassischen Medien, dann auf Facebook, Twitter oder Instagram. Er filmte sich beim Fitnesstraining, er schickte Bilder aus Flugzeugen, in denen er saß, und von Restaurants, die er besuchte. Wenn man ihm in den sozialen Medien folgt, hat man ein ziemlich genaues Bild von dem, was er macht, seiner neuen Frisur, seinem neuesten Modegeschmack. Und ob er es will oder nicht, in Deutschland füttert er damit auch immer den Boulevard.

Es fällt ihm schwer, eine Mitschuld einzugestehen. "Meine Boulevardkarriere ist beendet", sagt Becker. Aber nur weil er keine Interviews mehr gibt, wird er nicht plötzlich in Ruhe gelassen.

Wenn man einmal ganz oben gestanden hat, so sieht das Becker, ist man nicht am Ziel, dann geht es erst richtig los. Von diesem Moment an ist man der Gejagte, vor allem in Deutschland, jenem Land, von dem Becker glaubt, dass es eigentlich keine Nummer eins mag.

Beckers Geschichte ist eben auch die einer enttäuschten Liebe. Er wollte weiter geliebt werden, uneingeschränkt, wie nach seinem ersten Wimbledonsieg. Aber das geht eben auch nur, wenn man verschwindet wie Steffi Graf und nicht dauernd in den Schlagzeilen steht.

Es hat ihn enttäuscht. Auch deshalb hat Becker Deutschland verlassen und ist, nach Umwegen über Miami und Zürich, vor acht Jahren nach Wimbledon gezogen, an die Stätte seines größten Triumphs. In seine Traumwelt. Aber er ist in dieser Welt nicht einfach verschwunden, sondern hat sie wieder zu seiner Bühne gemacht.

Er hält es für eine gute Idee, dass man ihn dort einmal besucht. Um zu sehen, wie das Leben dort ist, so ganz anders als in Deutschland. Viel angenehmer für ihn.

Wimbledon ist ein Dorf, das für zwei Wochen im Jahr das Zentrum der Tenniswelt ist, wenn Anfang Juli die Championships ausgetragen werden, das renommierteste Tennisturnier der Welt. Es ist ein Turnier, das mit Lust an alten Traditionen festhält. Weiße Kleidung ist hier für die Spieler noch immer verpflichtend, die Netzpfosten sind wie früher aus Holz.

Becker ist hier tatsächlich noch immer der Champion. Seine Fans wollen mehr Selfies, mehr Autogramme, als ihm lieb ist, und wenn er über die Anlage von Wimbledon geht, fallen ihm alte Bekannte um den Hals, um ihn zu bestärken: "You're a champion, keep it up", mach weiter so. Es ist eine kleine Welt, in der er sich seiner selbst ganz sicher sein kann, ein abgeschirmter Ort, der auch davon lebt, dass dort die Zeit stehen geblieben ist.

Familienvater Becker mit Ehefrau Lilly und Sohn Amadeus
Star Press / Wenn

Familienvater Becker mit Ehefrau Lilly und Sohn Amadeus

Er ist jetzt zwar nicht mehr Trainer von Djokovic, sie trennten sich Ende vergangenen Jahres. Becker hatte es nicht gepasst, dass der Serbe nach einer Formschwäche den spanischen Mentalcoach Pepe Imaz verpflichtet hatte. Becker hält wenig davon, vor einem Spiel zu meditieren, für ein Spiel, glaubt er, muss man sich aufputschen, man braucht Adrenalin. Außerdem, sagt ein Weggefährte, könne Becker nur schwer eine Autorität neben sich ertragen. "Becker ist immer die Nummer eins, nicht die Nummer eins B."

Seit der Trennung von Djokovic ist Becker ohne festen Job. Er ist jetzt Tennisexperte für wechselnde Arbeitgeber. Für diese zwei Wochen in Wimbledon arbeitet er sowohl für die BBC, die er den "Elefanten" der Fernsehkanäle nennt, als auch für Fox Sports Australia.

Er kommt jeden Morgen mit dem Auto von zu Hause, parkt auf dem VIP-Parkplatz und nimmt dann einen Hintereingang. Er sagt, dass er so nah an der Anlage wohnt, dass er eigentlich in nur fünf Minuten zu Fuß gehen könnte. Aber das geht natürlich nicht, schon seiner Gelenke wegen, aber auch nicht wegen der Fans. Sie würden ihn aufhalten, auf der Church Road, wo sie sich in die Queue einreihen, die berühmte Schlange, um eines der 7500 Last-Minute-Tickets zu bekommen, und er würde niemals pünktlich zur Arbeit kommen können.

Er hat einen dichten Zeitplan, der um elf Uhr mit der Vorbereitung auf die Sendung "Daily Serve" begonnen hat, in der er täglich für Fox Sports Australia mit anderen Tennislegenden auftritt. Dann hatte er einem Online-Spartensender ein Interview gegeben, in dem er über den Rasen von Wimbledon sprach. Und nun, sagt Becker, habe er noch einen Lunch in der Player's Lounge, wo er immer gern Zeit verbringt, weil er dort von den Spielern erfährt, wer wie in Form ist, wer sich wie fühlt; denn ihm sagen sie stets mehr, als sie anderen sagen, er ist hier kein Reporter, sondern nach wie vor der "Champ".

Es ist bemerkenswert, wie er das durchzieht, mit gelassener Miene, und wenn man so etwas wie Nervosität an ihm erkennen kann, dann nur an seinen Händen, die er andauernd knetet. Er gibt stoisch den alten Wimbledonsieger. Gelegentlich geht er durch die Katakomben unter dem Centre Court, wo eine Tafel mit der Liste der Wimbledonsieger steht. Er will sehen, dass sein Name noch unter den Champions ist; es ist eine Routine wie früher der Griff zum Handtuch oder die Beckerfaust.

Im Studio 9 blickt er zurück auf das Treffen in New York, auf die Idee von damals, ihn in Wimbledon zu besuchen.

"Dieses Damals ist ja schon 'ne Weile her", sagt Becker. "Es ist viel passiert in der Zeit." Aber er will nach wie vor nicht darüber reden, lediglich eines will er klarstellen. Mit dem Berater, der diesen Termin noch vereinbart hatte, arbeite er nicht mehr zusammen. "Ich weiß nicht, ob Sie das wussten", sagt Becker.

Tatsächlich war dies nicht eindeutig klar.

Becker nickt vielsagend. Es scheint die Antwort zu sein, die er erwartet hatte. "Das kommt in meinem Fall schon mal vor", sagt Becker, "dass sich Deutsche falsch ausdrücken."

Die letzten Tage haben sein Bild von Deutschland bestätigt, die Kampagne gegen ihn im deutschen Boulevard. Jeden Tag legt die "Bild" eine neue Schlagzeile nach, rechnet seine Einnahmen hoch, die er möglicherweise verprasst haben könnte, berichtet über seine gesperrten Kreditkarten, das Geld, das Becker von nun an nur noch ausgeben kann, die unbezahlten Strafzettel, seinen Maserati, der abgeschleppt worden sei. "Sport Bild"-Chef Alfred Draxler schreibt eine große Abrechnung mit ihm, und dann werden auch noch Gerüchte über private Probleme aufgerührt.

Es sind Berichte, die er am besten ignorieren sollte, aber Boris Becker kann sich nicht mehr zurückhalten, abends, wenn er nach Hause kommt und nicht mehr für die BBC kommentieren muss, dann verlässt ihn die Haltung, mit der er am Tag für die BBC kommentiert. Er beginnt zu twittern: "FYI: ich habe noch nie einen #Maserati gekauft, obwohl ich es gerne tun würde!!! Sprich ,mein' Auto wurde nicht! abgeschleppt!!!" Er twittert: "Welches Recht nimmt sich #Draxler heraus, über mich zu urteilen?!? Er kennt mich nicht und hat keine Fakten! Er sollte sich schämen..." Und dann schickt er eine Meldung, die zwischen die anderen Tweets hineingekeilt wirkt, trotzig, aber sehr gewollt: "Having beautiful evening with my wife, listening to #maxwell #sade #tekno ... so proud of my children #noah #elias #anna #amadeus". Es ist ein Moment, in dem einem Boris Becker tatsächlich leidtun kann. Auch von dem geplanten Film ist jetzt keine Rede mehr.

Irgendwann, während der Zeit, in der man ihn in New York begleitete, in der man miterlebte, wie er kaum einen Satz zu Ende sprechen konnte, ohne nach einem Selfie oder einem Autogramm gefragt zu werden, wie ihn dauernd Fans antippten, egal ob er gerade mitten im Gespräch war oder eine kurze Pause vor einem Interview machte, in der man hörte, wie ihm Bewunderer schon aus der Ferne zuriefen: "Boris, du bist der Größte, danke für alles", gab es einen Moment, in dem Boris Becker plötzlich sehr nachdenklich wurde und sagte: "Ich bin viel allein."



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PeterPaulPius 14.07.2017
1. Ruhe
Lasst ihn doch einfach in Ruhe! Er hat uns einst viele überragende TV-Momente geliefert. Jetzt ist er wie wir in die Jahre gekommen. Und? Er braucht nur wieder ein Engagement als Trainer, dann kann er leicht wieder in die finanzielle Spur kommen, falls er denn wirklich pleite ist. Die, die gerade Geld von ihm fordern, scheinen airgendwie halbseiden zu sein. Das wäre doch mal eine Recherche wert. Becker hat das Problem wie viele seiner regionalen Herkunft, dass dieser furchtbare Dialekt Leute im übrigen Deutschland wie Idioten wirken lässt. Da geht es ihm übrigens wie Podolski. Beides super Typen, große Sportsleute, aber immer zu Unrecht belächelt.
braindead0815 14.07.2017
2. genau
Zitat von PeterPaulPiusLasst ihn doch einfach in Ruhe! Er hat uns einst viele überragende TV-Momente geliefert. Jetzt ist er wie wir in die Jahre gekommen. Und? Er braucht nur wieder ein Engagement als Trainer, dann kann er leicht wieder in die finanzielle Spur kommen, falls er denn wirklich pleite ist. Die, die gerade Geld von ihm fordern, scheinen airgendwie halbseiden zu sein. Das wäre doch mal eine Recherche wert. Becker hat das Problem wie viele seiner regionalen Herkunft, dass dieser furchtbare Dialekt Leute im übrigen Deutschland wie Idioten wirken lässt. Da geht es ihm übrigens wie Podolski. Beides super Typen, große Sportsleute, aber immer zu Unrecht belächelt.
er braucht wieder irgendwas, womit er ohne arbeit großes geld machen kann. viele normale menschen haben eine bauchlandung gemacht und mußten danach wieder auf die beine kommen. dafür ist harte arbeit gefragt, nicht irgendwelche geschenke für einen steuersünder, der in england wohnen will bzw. die staatsbürgerschaft anstrebt um sich dem deutschen fiskus zu entziehen. warum sollte man mit sojemandem mitleid haben? kein anstand, kein charakter whatsoever. bobelle hat nie gelernt mit geld umzugehen. er wird es wohl auch nicht mehr lernen. zuviele große spender freunde sind immer wieder da, die ihn mit großzügigen spenden aus dem dreck holen. wir können es nicht zulassen, das die vermögenden auf den arsch fallen? in ruhe lassen ? wer sein leben in den billig-medien lebt, der sorgt doch selbst dafür, das er ständig im rampenlicht steht.
braindead0815 14.07.2017
3. podolski
Zitat von PeterPaulPiusLasst ihn doch einfach in Ruhe! Er hat uns einst viele überragende TV-Momente geliefert. Jetzt ist er wie wir in die Jahre gekommen. Und? Er braucht nur wieder ein Engagement als Trainer, dann kann er leicht wieder in die finanzielle Spur kommen, falls er denn wirklich pleite ist. Die, die gerade Geld von ihm fordern, scheinen airgendwie halbseiden zu sein. Das wäre doch mal eine Recherche wert. Becker hat das Problem wie viele seiner regionalen Herkunft, dass dieser furchtbare Dialekt Leute im übrigen Deutschland wie Idioten wirken lässt. Da geht es ihm übrigens wie Podolski. Beides super Typen, große Sportsleute, aber immer zu Unrecht belächelt.
ein großer sportmann ? der kerl kann doch überhaupt kein fußball spielen. seit 2006 läuft er wie falschgeld auf dem platz rum und hat glück, das mit seinem linken fuß ab und zu noch einer ins netz geht. normal müßte man für den noch nen 12 mann aufs feld stellen, damit er weiß wo er hinlaufen soll.
cave68 14.07.2017
4.
Zitat von PeterPaulPiusLasst ihn doch einfach in Ruhe! Er hat uns einst viele überragende TV-Momente geliefert. Jetzt ist er wie wir in die Jahre gekommen. Und? Er braucht nur wieder ein Engagement als Trainer, dann kann er leicht wieder in die finanzielle Spur kommen, falls er denn wirklich pleite ist. Die, die gerade Geld von ihm fordern, scheinen airgendwie halbseiden zu sein. Das wäre doch mal eine Recherche wert. Becker hat das Problem wie viele seiner regionalen Herkunft, dass dieser furchtbare Dialekt Leute im übrigen Deutschland wie Idioten wirken lässt. Da geht es ihm übrigens wie Podolski. Beides super Typen, große Sportsleute, aber immer zu Unrecht belächelt.
Was bringt es ,wenn ein unter Verschwendungssucht leidender Ex-Sportler einen neuen (lukrativen) Job bekommt? Hatte er die in der Vergangenheit nicht schon?Und was hat es ihm gebracht ausser dass die finanzielle Situation sich weiter verschärft hat...also vielleicht sollten eher die Fans aufhören Boris zu loben....von der Vergangenheit hat er nichts mehr...wenn er es jetzt nicht schafft sich in den Griff zu kriegen werden seine Fans auch in der Zukunft nichts mehr von ihm haben
doktorshivago 14.07.2017
5. Der Mann heisst Djokovic, mit einem "c" am Ende
Offensichtlich hatte B.B nicht die besten Berater oder hat nicht auf die richtigen Leute gehört. Es gibt viele solcher Geschichten von Sportlern, die nach sehr erfolgreicher Karriere sich ins "big business" wagen und auf die Schnauze fallen. B.B ist kein Einzelfall in dieser Hinsicht. Er kann sich aber trösten: Es ist besser, Boris Becker mit 20 Millionen Schulden zu sein als Hinz oder Kunz mit einigen Zehntausend. Die letzteren leben dann nämlich von der Hand in den Mund für viele jahre lang. Das wird einem B.B nicht passieren, daher kein Mitleid.
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