AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2017

Deutsche Bank Der Kaiser aus China

Die Deutsche Bank will endlich mit Affären und Skandalen abschließen. Doch was will ihr neuer Großinvestor, der Buddhist und Milliardär Chen Feng?

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

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Paul Achleitner möchte den Deckel draufmachen. Geht es nach dem Willen des Aufsichtsratsvorsitzenden, soll die Deutsche Bank mit der Hauptversammlung am kommenden Donnerstag die quälende Vergangenheitsbewältigung abschließen und ein neues Kapitel aufschlagen. So ähnlich hat Achleitner es kürzlich im Geschäftsbericht zusammengefasst.

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Heft 20/2017
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Doch es geht nicht mehr einfach nach dem Willen des Aufsichtsratschefs. Und auch der knorrige Vorstandschef John Cryan hat nicht den Spielraum, den einst seine Vorgänger hatten.

In der Deutschen Bank ist eine neue Zeitrechnung angebrochen, seit das von dem Buddhisten und Milliardär Chen Feng aufgebaute chinesische Konglomerat HNA knapp zehn Prozent der Aktien hält.

Seit der Allianz, die in den Neunzigerjahren fünf Prozent hielt, gab es in der Deutschen Bank keine dominanten, mit eigenen Vertretern im Aufsichtsrat präsenten Aktionäre. Vorstands- und Aufsichtsratschef konnten die Geschicke des Konzerns deshalb recht freihändig bestimmen - und nutzten das weidlich.

Das ist nun vorbei. Zunächst stiegen mit Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani (genannt HBJ) und seinem Cousin zwei Mitglieder der Herrscherfamilie Katars groß ein. Sie sollen acht bis zehn Prozent an der Deutschen Bank kontrollieren.

Und im Februar nutzte HNA die Schwäche der Finanzikone zum Einstieg, gemeinsam halten die beiden Großaktionäre fast ein Fünftel der Aktien. Und bald haben beide einen Statthalter im Aufsichtsrat: Katar setzt auf den Rechtsanwalt Stefan Simon. Der Vermögensverwalter Alexander Schütz soll bei der Hauptversammlung für HNA in das Gremium einziehen.

Was die neuen Kräfteverhältnisse in der Realität bedeuten, wird sich erstmals bei der bevorstehenden Hauptversammlung zeigen - auf der es wieder einmal um die Aufarbeitung alter Skandale gehen wird.

Zur Abstimmung steht ein Antrag der Aktionärin Marita Lampatz. Sie möchte in drei Sonderprüfungen die Rolle des Aufsichtsrats und des Vorstands im Zusammenhang mit der Libor-Affäre um manipulierte Zinsen sowie mit dem Geldwäscheskandal in Russland untersuchen lassen.

Zwar haben die Behörden die Libor-Affäre aufgearbeitet, die Bank musste hohe Strafen zahlen. Auch der Konzern hat selbst intern untersuchen lassen, ob ehemalige Vorstände sowie Aufsichtsratschef Achleitner bei der Aufarbeitung mangelhaft kooperiert und dadurch eine höhere Strafe verursacht haben.

Das Ergebnis dieser internen Prüfung hat die Bank allerdings nie veröffentlicht.

"Die Kosten einer neuerlichen Untersuchung könnte sich die Bank sparen, wenn der Aufsichtsrat die wesentlichen Ergebnisse der internen Prüfung offenlegt", sagt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Wir werden Herrn Achleitner dazu auf der Hauptversammlung eingehend befragen."

Unangenehme Fragen wirft auch die Russlandaffäre auf: Mitarbeiter der Deutschen Bank hatten zwischen 2011 und 2015 über Aktiengeschäfte in Moskau und London zehn Milliarden Dollar gewaschen. Behörden in Großbritannien und den USA haben die Deutsche Bank zu Vergleichen über mehr als 600 Millionen Dollar gedrängt. Welche Verantwortung Vorstand und Aufsichtsrat für den Skandal trugen - diese Frage blieb bisher unbeantwortet.

Das amerikanische Justizministerium und die Notenbank Fed haben ihre Russlandermittlungen noch nicht abgeschlossen. In gut informierten Kreisen heißt es, viel Unbill hätten die Bank und ihre Führung aus den USA nicht mehr zu erwarten.

Das wiederum dürfte eine Diskussion befeuern, die den amerikanischen Kongress seit Monaten beschäftigt: Abgeordnete werfen Präsident Donald Trump vor, er halte das Justizministerium an, die Deutsche Bank nicht zu hart anzufassen. Der Hintergrund: Trumps Firmen stehen bei dem deutschen Kreditinstitut mit gut 300 Millionen Dollar in der Kreide. Kongress und FBI untersuchen außerdem mögliche Verbindungen Trumps oder seines Umfeldes nach Russland. Es kursieren Gerüchte, es könnte einen Zusammenhang zwischen den Geldwäschegeschäften der Deutschen Bank und Trumps mutmaßlichen Russlandbeziehungen geben.

Angesichts dieser Gemengelage dürfte Achleitner eine Sonderprüfung zur Rolle der Bank-Oberen in der Russlandaffäre erst recht nicht gefallen. Einflussreiche Aktionärsvertreter wie die amerikanischen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis unterstützen den Antrag allerdings.

Und damit kommen die neuen Großaktionäre aus Katar und China ins Spiel: Von ihnen wird maßgeblich abhängen, ob Achleitner und der Vorstand die Akten "Russland" und "Libor" schließen können.

Vieles spricht dafür, dass die Scheichs und HNA mit Nein stimmen und die Anträge scheitern. Wie Achleitner sollen auch sie kein Interesse an einem allzu kritischen Blick in die Vergangenheit haben - sie wollen vor allem Wachstum, Gewinne und einen höheren Aktienkurs.

Stärken die Großaktionäre Achleitner bei der Hauptversammlung den Rücken, wird der Aufsichtsratschef das als Erfolg verbuchen. Doch man könnte darin auch ein Zeichen der Schwäche sehen: Bei der Deutschen Bank regiert ein Aufsichtsratschef von Gnaden der neuen Herrscher aus Katar und China.



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hennesviii 17.05.2017
1. eine Glanzleistung
von Herrn Ackermann, der die Deutsche Bank von einer soliden, vielleicht ein bisschen langweiligen Geschäftsbank, die vorallem an deutschen Industrieunternehmen beteiligt war, in eine Zockerbude verwandelt hat, die nun von Katar und China kontrolliert wird Immer publizitisch unterstützt vom ex-SPIELGEL Wirtschaftsredakteur - ein Paradebeispiel des unabhängigen Journalismus - Stefan Baron, der heute bei der Deutschen Bank arbeitet.. Das war sogar der FAZ zu viel: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/buchvorstellung-josef-ackermann-sein-kommunikator-und-das-gemeinwohl-12571254.html
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