13.12.2005

Die Mörderwelle

Es ist die erste völkerverbindende Naturkatastrophe - der Tsunami am 26. Dezember des vergangenen Jahres kostet in Asien vermutlich 230 000 Menschen das Leben und setzt eine beispiellose, weltumspannende Hilfsaktion in Gang. / Von Erich Wiedemann
Tintenblauer Himmel, spiegelglattes Meer, über der Küste von Nordsumatra liegt ein Friede wie auf einem Bild von Gauguin.
Die Nadel des Seismografen im Pacific Tsunami Warning Center in Ewa Beach auf Hawaii zieht eine zittrige gerade Linie aufs Papier. Um 7.59 Uhr hebt sich brüllend die Hölle aus der See. Erst scheint das Meer im Sundagraben auf mehreren Kilometern Breite in sich zusammenzustürzen. Es ist kein Wellental wie in der Dünung im Ozean. Es ist, als ob ein tiefes Loch das Meer verschlänge. Dann beginnt das Wasser zu steigen. Langsam und unaufhaltsam. Schließlich türmt es sich auf zu einem 30 Meter hohen Gebirge. Tsunami. Ein Wort aus dem Herzen der Apokalypse.
Am zweiten Weihnachtstag 2004 beweist die Natur, was die Menschen zu verdrängen belieben: dass sie ausschließlich den Gesetzen der Physik folgt und dass sie nicht wirklich beherrschbar ist. Der Mensch kann einige ihrer Dimensionen berechnen, sie mit Hilfe technischer Hilfsmittel auch beeinflussen, aber er kann sie nicht beherrschen. Niemals.
Der Macher Mensch hat der Natur viel Unheil angetan. Aber wenn die Natur aus eigener Kraft die Balance verliert, ist es schlimmer.
Die Kräfte, die den Tsunami steuern, werden gesteuert von Kräften tief im Innern der Erde, wo sich die Wissenschaft schlechter auskennt als auf dem Mond. Man weiß nur, dass sie bei Hangrutschen oder tektonischen Verschiebungen unter der unterseeischen Erdoberfläche entstehen. Normalerweise bewegen sich die Erdplatten nur ein paar Zentimeter im Jahr - in der doppelten Geschwindigkeit, mit der Fingernägel wachsen.
Die Spannung wird immer größer. Und dann macht die Platte plötzlich einen Sprung. Dann werden Millionen Tonnen Gestein schlagartig versetzt. Wenn es unter dem Ozean passiert, reißt der Meeresboden in Sekundenbruchteilen auf. Das Meer stürzt in sich zusammen, bäumt sich wieder auf und schickt "Protuberanzen" mit Megatonnen-Sprengkraft nach allen Seiten. Als ob man einen Ziegelstein in die volle Badewanne würfe.
Ein Tsunami ist ein aquadynamisches Monster, eine unquantifizierbare Riesenmenge geballter Energie, die die gesamte Wassermasse von der Oberfläche bis zum Meeresboden auflädt. Er ist unkalkulierbar und heimtückisch. Vor Hindernissen teilt er sich, dahinter schließt er sich wieder zusammen. Er duckt sich ganz tief, so dass man ihn nicht mehr wahrnehmen kann, und schwillt dann wieder zu einem monströsen Wassergebirge an. Streckenweise ist er 50 Zentimeter und streckenweise 20 Meter hoch.
Die Energie geht auf ihrer Reise durch die Meere nicht verloren. Das unterscheidet sie von der Energie einer normalen Welle, die von Winden und Stürmen oder vom Wechsel zwischen Ebbe und Flut erzeugt wird und die man in fünfzig, sechzig Meter Tiefe nicht mehr wahrnimmt. Deshalb kann ein Tsunami Tausende Kilometer von seinem Ursprung noch enorme Schäden anrichten.
Das Hypozentrum des Bebens vom 26. Dezember 2004 liegt rund 30 Kilometer tief bei 3,307 Grad nördlicher Breite und 95,947 Grad östlicher Länge, 255 Kilometer vor der Hafenstadt Banda Aceh auf Sumatra.
Die Riesenwelle verbreitet sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten in alle Richtungen. Das Tempo lässt sich mit einer physikalischen Formel errechnen: Wurzel aus Wassertiefe mal 9,81. Bei hundert Meter Tiefe ist die Welle rund 112 Stundenkilometer schnell. Deshalb braucht sie für die Strecke von Nordsumatra zur thailändischen Badeinsel Phuket in der 100 bis 200 Meter tiefen Andamanensee auch etwa genauso lange wie bis zum mehr als doppelt so weit entfernten Inselstaat Sri Lanka - wo der Ozean bis zu 4000 Meter tief ist.
Das Seebeben im Sundagraben hat die Stärke 9,3 auf der Richterskala. Seine Urgewalt zeigt sich erst im Vergleich. Das Erdbeben in der iranischen Stadt Bam im Dezember 2003 hatte die Stärke 6,3. Es setzte - weil die Richterskala logarithmisch abgestuft ist - weniger als ein Tausendstel der Energie des Bebens vor Indonesien frei. Das reichte aber noch für 30 000 Tote.
Banda Aceh, die von fast 30 Jahren Bürgerkrieg zerrüttete Metropole an der Nordwestspitze von Sumatra, ist das erste Opfer der Tragödie. Die Welle schwillt erst kurz vor der Küste an. Dann wirft sie sich wie ein wildes Tier auf die Stadt. Mehr als 30 000 der 400 000 Einwohner kommen in den gurgelnden Fluten um. Anschließend holt sich die Sintflut große Teile der Provinz Aceh. Im Ort Lamjabat überleben nur 145 von 3800 Einwohnern.
Wenige Minuten nach dem Beben erreicht die Flut die Inselgruppe der Nikobaren im Golf von Bengalen, um 8.45 Uhr den Ort Mirissa im Süden von Sri Lanka und etwa eine halbe Stunde später den Süden des indischen Subkontinents.
In Sri Lanka bleibt nur ein Drittel der Küste verschont. Unter den Opfern sind auch über tausend Passagiere des Personenzugs "Königin des Meeres", der von Colombo aus am Meer entlang nach Matara fährt. Am Signalposten 582 wirft die Welle den Zug von den Schienen. Gleich die erste Welle schwemmt Hunderte Passagiere fort. Die meisten ertrinken, einige werden von Trümmern erschlagen oder von umstürzenden Waggons zerquetscht. Danach liegen Hunderte Tote im Hof des Batapola Government Hospitals. Aber es kommen noch viel mehr.
Im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, der etwas später als Sri Lanka getroffen wird, sind überdurchschnittlich viele Fischer unter den Opfern. Sie hatten wochenlang wenig in den Netzen. Der Fang am ersten Weihnachtstag dagegen war phantastisch. Weil sie ihr Glück noch mal versuchen wollen, fahren sie am Tag danach wieder hinaus. Dabei werden sie von der Welle erwischt.
In Velankanni sterben auch 500 Bettler, die am Strand kampiert haben. Die meisten kamen jedes Jahr hierher zur christlichen Marienwallfahrt, weil sie wussten, dass Pilger spendabel sind.
Die "Madras Atomic Power Station" (MAPS) in Kalpakkam, siebzig Kilometer südlich von Chennai (früher Madras), kriegt auch was ab. In der Siedlung Kalpakkam werden 250 Tote gezählt. In einer nahe gelegenen Siedlung, in der viele Mitarbeiter eines Atomkraftwerks leben, sterben 30 Menschen.
Die Regierung versichert zwar, dass die "Grundelemente der Anlage sicher funktionieren". Trotzdem lässt sie den Reaktor am Sonntag abschalten.
An der Südspitze der thailändischen Ferieninsel Phuket zieht sich um 9.55 Uhr das Meer zurück. Das vorgelagerte Mai-Phai-Eiland steht plötzlich im Trockenen. Urlauber trotten mit ihren Schnorchelausrüstungen zurück zum Hotel. Sie wundern sich darüber, dass die Steine, die sie sonst nur aus der Taucherperspektive kennen, in die Luft ragen.
Um 9.58 Uhr rauscht die Welle heran. Das Wasser wölbt sich nicht wie bei normalen Wellen. Es ist eine steile, fast senkrechte grauweiße Wand, umlagert von einem Mantel aus Gischt. Sie schiebt ihre Beute ein paar hundert Meter weit ins Land und zieht sie dann wieder ins Meer.
Erst ist die Welle drei Meter hoch, dann fünf, dann sechs, schließlich zehn Meter. Sie räumt alles ab, was im Weg ist, die Fischer- und Segelboote am Strand, dann die Sonnenschirme, Hütten, Shops, Imbissbuden. Und viele arglose Urlauber. Im Pool des "Similana Resort" in Khao Lak ertrinken 40 Menschen.
Die Bordelle dagegen lässt die Welle stehen. Warum trifft es die Friedfertigen härter als die Sünder? Weil gut und ungut menschliche Kategorien sind. Die Natur funktioniert anders.
Zurück bleibt ein Chaos: Manche Leichen hängen noch tagelang bei 30 Grad im Schatten in den Bäumen. Es ist alles nur noch eine aufgequollene schwarze Masse Mensch. Sie wird verbrannt - namenlos.
Ohne den indischen Ingenieur Vijay Kumar aus Veerapattinam bei Chennai wäre die Opferbilanz um noch mal 200 Tote schlimmer ausgefallen. Kumar arbeitete in Singapur. Am Sonntag früh hört er im lokalen Rundfunk, dass die Welle nach Indien unterwegs ist. Er ruft sofort einen Freund in Veerapattinam an, um ihn zu warnen.
Der Freund läuft auf die Dorfstraße hinunter und schlägt Alarm. Ein paar Minuten später hockt das ganze Dorf auf Bäumen und Hausdächern. Die Bevölkerung von Veerapattinam überlebt. Komplett.
Der Malediven-Republik, deren Inseln zum Teil nur einen Meter über dem Meeresspiegel liegen, bleibt das Schlimmste erspart. Sie liegt auf den Spitzen einer ehemaligen unterseeischen Vulkankette, deren Unterbau ein paar Mal so breit ist wie die Inseloberflächen und die auf die heranrauschende Flut wie ein Wellenbrecher wirkt.
Auf der Insel Kolufushi macht die Welle einen Bogen um die Moscheen. Keiner kann das erklären.
Unter denen, die lebend davonkommen, ist auch Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, der auf Sri Lanka eine Ayurveda-Kur macht. Er erlebte das Wüten des Meeres vom Balkon seines Hotelzimmers nahe der Stadt Galle. Sein Eindruck: "Es war wie nach einem Bombenangriff."
Hinter den Malediven dreht die Mörderwelle wieder auf. In Somalia reißt sie 180 Menschen in den Tod. Sie ist 5000 Kilometer weit gereist. Aber hier, kurz vor Ostafrika, gewinnt sie noch einmal eine besonders zerstörerische Wucht, weil der tiefe Ozean hinter der Seychellen-Inselkette seine Kraft bündelt.
Gut ein halbes Jahr später liegt die Gesamtbilanz vor: vermutlich 230 000 Tote. Indonesien zählt 131 000, Indien fast 11 000, Thailand 5400 und Sri Lanka über 31 000 Opfer. Bangladesh, das Land der Elenden, bleibt fast ganz verschont von der Jahrhunderttragödie, aufgrund der Küstenmorphologie.
So absonderlich es klingt: Der Tsunami bringt auch Frieden und Versöhnung. Vorübergehend jedenfalls. Die Separatisten von Aceh stellen spontan alle Feindseligkeit ein. Ebenso die verfeindeten Völkerschaften auf Sri Lanka. Singhalesen und Tamilen üben den Schulterschluss, indem sie gemischte Krisenstäbe bilden, die den Wiederaufbau organisieren und Hilfssendungen in die richtigen Kanäle dirigieren.
Selbst in der Unterwelt rührt sich Solidarität. Aus der Straße von Malakka zwischen Malaysia und Sumatra, die sonst als Jagdrevier von Piraten gefürchtet ist, wird monatelang kein einziger Überfall gemeldet.
So solidarisch sind andere Rechtsbrecher nicht. Die thailändische Polizei berichtet von Plünderungen und Vergewaltigungen. Leichengeier bergen Tote, um sie für Bares an Angehörige zu verhökern. In Chennai beklagen sich Hinterbliebene über den Preiswucher von Taxifahrern und Leichenbestattern.
Statistisch gesehen ist der Weihnachts-Tsunami nicht die schlimmste Naturkatastrophe aller Zeiten, wie einige Kommentatoren schreiben. Andere Katastrophen waren schlimmer. Das Erdbeben von Tangshan in China forderte 1976 bis zu 650 000, der Zyklon, der 1970 Ostpakistan, das heutige Bangladesh, heimsuchte, 300 000 Tote. Man erfuhr nur nicht so viel davon, weil damals das Event-Fernsehen noch nicht so flächendeckend war.
Der Weihnachts-Tsunami ist eine "Katastrophe weltweiten Ausmaßes", wie Bundeskanzler Gerhard Schröder sagt. Es hat die asiatischen Staaten ebenso getroffen wie die Touristen aus Europa, die bei ihnen zu Gast waren. Auch 535 Deutsche sind ums Leben gekommen. Schweden ist fast noch schlimmer betroffen. Über 520 Tote, das ist viel für ein Volk von neun Millionen.
Zehn Tage nach dem Tag null steht mittags um zwölf Uhr in Europa der Verkehr still. Die meisten Parlamente haben halbmast geflaggt. Auf den Champs-Élysées in Paris und auf dem Hamburger Rathausmarkt sprechen Geistliche der Weltreligionen Gebete für die Opfer und deren Hinterbliebene.
Viele tausend Menschen wären gerettet worden, wenn die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans über ein Frühwarnsystem verfügt hätten wie die des Pazifik. Es hätte die eine bis zwei Stunden Frist gebracht, die erforderlich gewesen wären, um die Bevölkerung über Lautsprecher, Fernsehen und Radio vor dem heranrauschenden Unheil zu warnen.
An gefährdeten Küsten soll nun ein Sensorenverbundsystem made in Germany installiert werden. Es besteht aus Bojen, die fortlaufend Wellenhöhen und -bewegung erfassen und Auffälligkeiten an eine Zentrale melden. Im Herbst setzt das deutsche Forschungsschiff "Sonne" die ersten Bojen im Indischen Ozean aus.
Die Wissenschaftler des Geoforschungszentrums in Potsdam, die das System ersonnen haben, verbürgen sich dafür, dass es ungewöhnliche Boden- und Wellenbewegungen zuverlässig registriert und keinen blinden Alarm auslöst. Der Beweis wird auf sich warten lassen, weil Tsunamis nur einmal alle dreißig, vierzig Jahre die Erde heimsuchen.
So viel ist sicher: Der nächste Tsunami kommt bestimmt. Vielleicht in Asien, vielleicht aber auch in Europa. Der britische Vulkanologe Bill McGuire glaubt, dass auch die Europäer und Amerikaner dringend ein Frühwarnsystem brauchen. Er sieht in dem mehrere Kubikkilometer großen Felsbrocken, der sich 1949 von der Landmasse der Insel La Palma löste und um mehrere Meter abrutschte, eine tödliche Gefahr.
Wenn der Cumbre-Vieja-Vulkan wieder ausbreche, meint McGuire, könnte sich der Felsbrocken wieder in Bewegung setzen. Er würde ins Meer rutschen und eine 900 Meter hohe Flutwelle auslösen, die in Südengland mit zehn und in New York mit acht Meter Höhe ankäme.
Der großen Flutwelle in Asien folgt eine große Welle der Hilfsbereitschaft. In den Wochen nach dem schwarzen Sonntag erlebt die Welt die größte konzertierte Spendenaktion der Geschichte. Bis Mitte Januar gehen in den betroffenen Ländern Zusagen in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar ein.
Als besonders vorbildliche Geberländer nennt die Uno Norwegen und Irland. Sonderlob gibt es auch für die Republik Mosambik, die Wiederaufbauhilfe zusagt, obwohl sie selbst zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, und für die Stadt Beslan, die 28 000 Euro aus dem Fonds für die Opfer des blutigen Geiseldramas im Sommer 2004 zuschießt.
Die Regierung der Supermacht USA sagt zunächst nur 35 Millionen Dollar zu, stockt dann aber auf 350 Millionen auf, als sie sieht, wie großzügig andere sind. Saudi-Arabien, Kuweit, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, die gemeinsam täglich 500 Millionen US-Dollar an Öleinnahmen kassieren, tun zunächst nur schlappe 85 Millionen Dollar in den Topf, etwa ein Siebtel der Summe, die die Deutschen beisteuern.
Aus saudi-arabischen Moscheen hört man zur Erklärung, der Tsunami sei Allahs Strafe für die sündige Verwestlichung der asiatischen Gesellschaften gewesen. Das Strafgericht dürfe man nicht durch zu viel Barmherzigkeit konterkarieren.
Der Tsunami hat einen volkswirtschaftlichen Schaden von schätzungsweise zehn Milliarden Dollar angerichtet. Die großen Rückversicherer geben aber schnell Entwarnung. Es habe vor allem die Ärmsten der Armen getroffen. Die wenigsten von ihnen hätten Versicherungsschutz.
Ökonomie und Trauer sind offenbar gegenläufige Größen. Dass der Dax an der Frankfurter Börse ausgerechnet am Tag nach der Katastrophe den höchsten Stand seit Juli 2002 erreicht, das kann sich zufällig so ergeben haben. Dass der indische Sensex-Index auf sein historisches Hoch von 6617,15 Punkten steigt, ist aber sicher kein Zufall.
Die Katastrophe werde die betroffenen Länder zu wirtschaftlichen Höchstleistungen anspornen, sagen Kenner. Marc Preußer vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt: "Vor allem Indien und Thailand haben der Welt gezeigt, dass sie die Folgen der Krise gut gemeistert haben." Das macht Anlegern Mut. Für Thailand erwarten Ökonomen fünf bis sechs Prozent, für Indien sieben Prozent Wachstum. Das Inferno als Konjunkturbeschleuniger.
Düster sind die Prognosen dagegen für Sri Lanka. Zwei Drittel der Fischereiflotte sind vernichtet. Die touristische Infrastruktur ist schwer beschädigt.
In Thailand dauert der Schock vier Wochen. Dann gehen die Bulldozer in die Offensive. Im Badeort Khao Lak - zu Deutsch "Berge der Liebe" - sind viele Hotels reif für die Abrissbirne: leere Fensterhöhlen, zerknickte Dächer, schlammverkrustete Zimmer. Da gibt es nicht viel zu sanieren.
An den Hotels, die etwas weiter vom Strand entfernt liegen, kann man noch die Wasserlinie vom 26. Dezember erkennen. Sieben Meter über dem Boden blieb die Flut stehen, bevor sie sich nach 20 Minuten langsam zurückzuziehen begann.
Die bürgerlichen Sommerfrischler aus Bangkok bleiben in der Saison, die dem Tsunami folgt, den Todesstränden fern. Die Geister, so sagen die Thais, strafen jeden, der die Ruhe der Toten stört.
Panikmache, sagen die Veranstalter des großen Schwulenfestivals in Phuket. Recht haben sie. Die etwa tausend pinkfarbenen Jünglinge, die im April zu psychedelischer Musik die Strandpromenade hinabtänzeln, bleiben unbehelligt. Thai-Geister sind ja keine Unmenschen.
BEDEUTENDE NATURKATASTROPHEN
DES 13. BIS 19. JAHRHUNDERTS
1290 Erdbeben China 100 000 Tote
1303 Erdbeben China 200 000 Tote
1362 Sturmflut Deutschland 100 000 Tote
1421 Sturmflut Niederlande 100 000 Tote
1556 Erdbeben China 830 000 Tote
1622 Erdbeben China 150 000 Tote
1731 Erdbeben China 100 000 Tote
1737 Zyklon Indien 300 000 Tote
1850 Erdbeben China 300 000 Tote
1852 Überschwemmung China 100 000 Tote
1876 Zyklon Bangladesch 215 000 Tote
1881 Sturmflut Vietnam 300 000 Tote
1882 Zyklon Indien 100 000 Tote
1887 Überschwemmung China 900 000 Tote
Quelle: Münchener Rück
Von Erich Wiedemann

SPIEGEL Chronik 54/2005
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