AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 6/2018

Devote Spitzenmanager bei Trump Für ein Selfie mit König Donald

Kuscheln mit Trump: Teile der Wirtschaftselite feiern den US-Präsidenten inzwischen als Heilsbringer.

Präsident Trump, Schwiegersohn Jared Kushner (l.), US-Außenminister Rex Tillerson (5.v.l.)
AFP

Präsident Trump, Schwiegersohn Jared Kushner (l.), US-Außenminister Rex Tillerson (5.v.l.)

Von und


Es gibt beim Weltwirtschaftsforum, dem WEF, nicht die eine Weltwirtschaft oder die eine Wirtschaftswelt. Davos, das sind mehrere Welten oder auch Ebenen, vorstellen kann man sich die Ebenen vielleicht wie die Etagen einer mehrstöckigen Firma: Zwischen einigen Etagen existieren Rolltreppen, andere verbindet eine kippelige Leiter, zwischen manchen gibt es keine Verbindung.

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Heft 6/2018
Kaufen oder mieten? Was wo schlau ist

Die Politiker kommen auf ihrer Etage zusammen, sie halten Reden, treffen einander oder umgehen einander, reisen beseelt oder ermattet weiter. Wer von ihnen wann und wie lange im großen Saal reden darf, ist ein Maßstab ihrer Wichtigkeit; und auch die Frage, wer von Klaus Schwab, dem Gründer des Weltwirtschaftsforums, begrüßt und befragt wird. Und wer nicht.

Die Stars der Geldwelt und viele Lobbyisten kommen auch nach Davos, wollen Netzwerke pflegen, Geschäfte machen, feiern: des Nachts bei McKinsey, zusammen mit Justin Trudeau. Öffentlichkeit ist ihnen nicht immer wichtig, manche von ihnen betreten das Kongresszentrum nie. Zu den Stars der Geldwelt zählen die Chefs großer Banken, auch die Hedgefonds-Manager.

Und Konzerne wie Apple, Google, Facebook rücken mit ganzen Armeen an, um Trends zu erspüren und um die öffentliche Meinung zu lenken, das gewiss auch.

Es gibt in Davos das geografische Zentrum, das Kongresszentrum, mit seinen großen und kleinen Sälen und den alljährlich von all den Mänteln, Mützen und Schneestiefeln überquellenden Garderoben. Die Damen erledigen den Schuhwechsel flotter als die an Knoten zerrenden Herren, womöglich haben sie mehr Erfahrung.

Es gilt sodann, mit einem mittelguten Espresso in der Hand in den Gängen herumzulungern: Man kann dort mit Marty Baron, dem inzwischen berühmten Chefredakteur der "Washington Post", oder mit A. G. Sulzberger plaudern, also dem noch gänzlich neuen, aber schon sehr winterlich bleichen Verleger der "New York Times", und dessen Vorhaben in Strukturwandelzeiten kennenlernen; Benjamin Netanyahu ist ansprechbar und schwärmt doch nur von Donald Trump; Justin Trudeau läuft vergnügt herum; Ursula von der Leyen verteidigt vielsprachig Europa gegen die hadernden Polen, ohne die Polen zu verdammen; und so weiter.

Und es gibt das inoffizielle Zentrum des WEF, das ist die ein wenig höher gelegene Promenade, wo Hotel neben Hotel steht, wo sich all die Firmen eingemietet haben, wo Eric Schmidt von der Google-Holding Alphabet und Sheryl Sandberg von Facebook zu Lunchrunden und Bill Gates zum Dinner laden, was meist beglückend weitschweifend und zugleich präzise gerät; da aus diesen Gesprächen aber nicht zitiert werden darf, können Erkenntnisse daraus nur beiläufig in Texte eingestreut werden.

In manchen Jahren wirkt dieses WEF - die Schweizer sagen "Weff"; Donald Trump reist "ans Weff" - durchaus steif und irrelevant. Dann aber kommen Jahre wie dieses. Davos 2018, das war eine Kondensierung der größten Fragen unserer Zeit - und hier und dort gab es Antworten.

Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums vor der Kongresshalle
DPA

Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums vor der Kongresshalle

Donald J. Trump war als Geschäftsmann nie eingeladen, aber jetzt gleichsam von der ersten Sekunde an da, lange bevor sein Hubschrauber am Donnerstag tatsächlich im Schnee aufsetzte. Trump beherrschte die Gespräche auf den Abendempfängen, lieferte den Diskussionsrunden ihr beliebtestes Thema. Dann erschien er leibhaftig, überbräunt und überfrisiert wie immer, doch zaghafter als üblich, durch Redenschreiber und Teleprompter gezähmt.

Fehlerfrei las Trump vor, jedes Wort betonte er angemessen, und mit zusammengekniffenen Augen prahlte er mit jenen Rekorden, die an den Börsen seit seinem Amtsantritt erreicht worden seien, sowie mit der sinkenden Arbeitslosigkeit, die gleichfalls sein Verdienst sei (auch wenn sie seit mehr als acht Jahren, ungefähr seit Barack Obamas Amtsantritt, sinkt). War diese Rede, das WEF-Finale, ein Ereignis?

Politisch durchaus: Der Satz, "America First" bedeute nicht "America Alone", wird bleiben.

Und gesellschaftlich sowieso: All die selbstbewussten Davos-Menschen, die so gern wichtig und reich sein möchten oder es durchaus bereits sind, richteten sich auf Trump aus, sobald dieser nur einen Raum betrat; sie zückten ihr Smartphone und fotografierten den zweifelsfrei noch Wichtigeren (und mutmaßlich Reicheren). Erstrebenswert schien weniger die Auseinandersetzung zu sein; ein Selfie mit König Donald war das Ziel. Nur das Quartett von der "New York Times", Peter Baker und seine Crew, saß gelassen gestählt in Reihe fünf und ließ geschehen, was zu geschehen hatte. Devotes Davos - das WEF ist eigentlich, zweifellos, prominenzerfahren, nun aber starstruck, geblendet von Trump?

Leider ja. Die wahre Bedeutung von Trumps Europareise offenbarte sich bereits am Davoser Donnerstag, bei einem Empfang für rund hundert Wirtschaftsvertreter, und später bei einem Abendessen mit 15 Konzernchefs. Dort zelebrierte der amerikanische Präsident die Rückkehr des Neoliberalismus, und dafür wurde er von den Bossen gar zünftig gefeiert; nur sehr Vereinzelte lobten ihn ein bisschen verschämt.

Teilnehmer des Empfangs erzählen hinterher, dass Trump manche Unternehmenschefs für ihre Investitionen in Amerika gepriesen habe, wofür sich Manager, die über Milliardengeschäfte und Zigtausende Mitarbeiter gebieten, mit einem aufwärts gerufenen "Yes, Sir!" bedankt hätten. Später, beim Dinner, überboten die Chefs der deutschen Weltkonzerne Siemens, SAP und Bayer einander mit Lob für Trumps Steuerreform. Joe Kaeser von Siemens gewann dieses Wettkuscheln, alle aber warben mit Schwärmereien vom eigenen Engagement in den USA um die Gunst dieses ... ja, was ... Heilsbringers?

Als solcher wird Trump mittlerweile von Teilen der Wirtschaftselite gesehen. Führungskräfte der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, Manager der Deutschen Bank, Konzernchefs aus der europäischen Industrie - sie alle sagten in Hintergrundgesprächen, wie wenig sie von Trumps Stil hielten und wie viel von seiner Politik. "Seine Deregulierungsoffensive ist das Beste, was seit langer, langer Zeit aus Washington gekommen ist", sagte der eine. "Er ist ein Exekutor, das muss man ihm lassen", so ein anderer. "Etwas mehr Trump würde der deutschen Politik sehr guttun", fand ein Dritter.

Die Dekade nach der Finanzkrise von 2008, in welcher die Politik mehr oder (oft genug) weniger ernsthaft versuchte, durch Regulierung und Schließung von Steuerschlupflöchern die entfesselten Märkte zu besiegen, geht zu Ende. Trump jedenfalls will dieser Politik und dem globalen Konsens darüber den Todesstoß versetzen, und dass er nicht allein mit seinem Wunsch ist, das wurde in Davos klar.

Siemens-Kaeser redete schon wie Trump. Bei einem Auftritt im Konferenzhotel Belvédère wurde er gefragt, was Siemens heute darstelle, und Kaeser antwortete: "The greatest company in the world." Er müsse Siemens stark machen, fügte er hinzu, nur dann könne er den Schwachen helfen - irgendjemand müsse ja gegen jene Hedgefonds aufstehen, die allein an Rendite für ihre Anleger dächten. Moment. In Wahrheit sind es jene Investoren, welche Siemens zum Arbeitsplatzabbau in Deutschland und in Trumps Arme treiben.

Mattias Nutt/ World Economic Forum

Alternative Wahrheiten? Ist Deutschlands Vorzeigefirma noch weit entfernt von Trump, der seinerseits Politik für die Allerreichsten und sich selbst macht, mit Steuersenkungen und Deregulierung, aber das Gegenteil erzählt, nämlich gegen die Eliten streiten und den Abgehängten helfen zu wollen?

Es geschah dann noch einiges mehr in jenem von Donald Trump kampflos eroberten Bergdorf in Graubünden.

Trump stellt seit Monaten das System multilateraler Handelsabkommen und Institutionen infrage. Davos zeigte nun, wie fragil Loyalitäten und Überzeugungen sind, Davos zeigte aber auch, was andere Wirtschaftsnationen dagegensetzen könnten: eine Renaissance internationaler Absprachen, ein um sozialen Ausgleich bemühtes Europa.

Angela Merkel nutzte die große Bühne des Kongresszentrums, um eine echte Rede inklusive Gedanken und Spannungsbogen zu halten und dabei ein Bild jenes Deutschland und jenes Europa zu zeichnen, für das sie streiten wolle. Sie wirkte ernsthaft und wach, so als habe sie verstanden, dass die Fundamente der liberalen Demokratien nicht mehr einsturzsicher sind. Was allerdings das schicke "4.0" in Merkels "Sozialer Marktwirtschaft 4.0" besagen soll, das wäre ein hübsches Thema für eine zweite Rede, vielleicht gar noch in dieser Legislaturperiode. Nein, konkret war die Kanzlerin nicht durchgängig und auch in der Frage nicht, wie sich Deutschland und Frankreich und die anderen in strittigen Fragen einigen könnten.

Auch Justin Trudeau, bunt bestrumpft wie immer, wollte für den Multilateralismus werben, aber zugleich für Handelsabkommen und am Ende vor allem für die Sache der Frauen. #MeToo gab den Anstoß, und Familienpolitik, Lohngerechtigkeit, Bildung waren ihm wichtig. Jeder im Saal müsse den Drang haben, die Welt zu verbessern, rief Trudeau, und auf diesem einen Feld, dem der Frauen, solle die Verbesserung beginnen, hier, sofort.

"Frankreich ist wieder da, im Herzen Europas", das rief Emmanuel Macron von der Bühne der Kongresshalle. Nur diesem Macron war Davos ähnlich demütig-heftig zugewandt wie Trump; unschuldiger sogar, sehnsüchtiger. Doch je länger Macron redete, je mehr Pirouetten er drehte, vom Englischen ins Französische und wieder zurück wechselnd, desto mehr beschlich seine begeisterungswilligen Zuhörer die Sorge, dass dieser Franzose, den die Davos-Menschen zuvor als die Idealbesetzung des in jedem Jahr gesuchten Geistes von Davos gepriesen hatten, mehr verspreche, als er am Ende werde halten können. Wie viele Prioritäten kann ein Mensch, selbst ein Macron, haben?

"Trump handelt, Europa schürt bisher nur Hoffnungen", so kommentierte ein gewichtiger Bankchef die Auftritte der Staatsoberhäupter, aber die zweite Hälfte dieses Satzes lässt sich auch anders lesen: In Davos wurde das Wort Europa nach langer, langer Zeit endlich mal wieder mit dem Begriff Hoffnung zusammengebracht; "Europe is back" war einer der meistgehörten Sätze in 1500 und mehr Meter Höhe. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen saß zwischen Meetings und Auftritten in der diskreten Public Persons Lounge und wünschte nach all ihren Gesprächen viel Wasser. Die transatlantischen Erschütterungen, so sieht von der Leyen es, hätten in Europa einen Sinn für Dringlichkeit entstehen lassen: Europa müsse handeln und zusammenrücken, müsse Amerikas Abschied abfedern und habe all das begriffen. Und Macron sei ja eine Antithese zu Trump.

Der alte Mann, der am Donnerstagabend im Hotel Seehof an das Rednerpult geleitet wurde, wirkte dann wie aus der Zeit gefallen. Den ganzen Tag lang hatten Manager voller Optimismus über den Lauf der Weltwirtschaft und die Verheißungen neuer Technologien geredet, es war ein durch und durch euphorischer Donnerstag mit übrigens auch noch reichlich Schnee und spektakulärem Winterlicht, doch dann kam George Soros. Und der Milliardär und Spekulant, der mehr als die allermeisten Menschen von den Segnungen freier Märkte und Gesellschaften profitiert hat, war in Untergangsstimmung.

"Die offene Gesellschaft ist in der Krise", sprach Soros mit brüchiger Stimme, ja, die gesamte Zivilisation stehe auf dem Spiel. Verschiedene Formen von Diktaturen und Mafiastaaten befänden sich im Aufstieg, angeführt von Putins Russland. Auch Trump wolle in den USA einen Mafiastaat errichten, werde aber von Verfassung und Zivilgesellschaft vorerst gebremst und hoffentlich gehindert.

Unternehmer Bill Gates
Simon Dawson/ Bloomberg/ Getty Images

Unternehmer Bill Gates

Und noch mehr als dieser Trump treiben Soros, den 87-jährigen Philanthropen, die Auswüchse der Digitalisierung um, "der Aufstieg und das monopolistische Gebaren" der großen Internetkonzerne. Google und Facebook würden aufgrund ihrer beständig wachsenden Marktmacht zu einer Gefahr für die Demokratie, weil sie das Denken der Menschen beeinflussten, ohne dass diese es merkten. Gefährlich werde es, wenn sich die mit Daten aufgepumpten IT-Monopolisten mit autokratischen Regimen verbündeten. "Dies könnte in einem Netz autoritärer Kontrolle enden, das sich nicht einmal Aldous Huxley und George Orwell hätten vorstellen können."

So düster wie Soros sahen die meisten anderen Davos-Teilnehmer die Zukunft der digitalisierten Welt nicht. Doch dass die IT-Branche wieder an einem Wendepunkt steht, das wurde in zahlreichen Foren und Gesprächen in Davos deutlich. So wie die Politik versuchte, die Banken und Finanzmärkte zu zähmen, so könnte (und sollte) sie sich nun anschicken, die Tech-Konzerne zu domestizieren. Doch das dürfte noch ungleich schwerer werden.

Selbst Wirtschaftsvertreter erkennen inzwischen, dass die Geschwindigkeit, in der digitale Plattformen und künstliche Intelligenz die Gesellschaften verändern, die Menschheit überfordern könnte. "Der Wandel der Arbeitswelt hat eine andere Dimension als früher", sagte Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Und Trudeau sagte: "Das Tempo des Wandels war noch nie so hoch wie heute, und es wird nie wieder so niedrig sein."

Der Arbeitsmarkt, auch das wurde in Davos klar, ist nur eine Facette des Problems. Es geht um die grundsätzliche Frage, wer die Hoheit über die Digitalisierung der Welt hat, wer darüber bestimmt, wie sie genutzt wird und wem sie dient. Derzeit seien künstliche Intelligenz und Roboter so weit entwickelt, das berichten die Kenner jener Welt, dass Maschinen die Fähigkeiten menschlicher Ohren und Augen bereits hätten - mit Füßen und Händen könnten sie noch nicht mithalten. Was aber passiert, wenn - in drei bis acht Jahren - Maschinen auf vielen Spielfeldern, womöglich sogar den Etagen von Davos, die kompetenteren Menschen sind? Was, wenn Roboter töten können und automatisierte Entscheidungen über Leben und Sterben zu treffen sind? Was, wenn diese dann so fehlerhaft sind wie heute Google Foto? Ja, Soros' Mahnungen sind berechtigt.

Und manche Tech-Konzerne haben erkannt, dass ihre wichtigste Basis zu erodieren beginnt: das Vertrauen von Nutzern und Regierungen. "In Tech we trust" hieß eine Veranstaltung, in der es dann vor allem um das Misstrauen ging, das Facebook und Co. mittlerweile begegnet. Da saß der lässige Dara Khosrowshahi, neuer Chef des Fahrdienstleisters Uber, und beschwor den "echten kulturellen Wandel", den Uber nach einer Serie von Skandalen eingeleitet habe. Facebook hatte eine gleichfalls eindeutige, aber andere Davos-Taktik: Demut. Lernen wollte Facebook, Fragen stellen, zuhören. Die siegesverwöhnten Konzernlenker leiden, da sie für die Verbreitung von Lügen und damit für den Präsidenten Trump verantwortlich gemacht werden. Rechtsradikale Websites wie Breitbart News hatten mit Erfindungen über Hillary Clinton mehr Wucht als die "New York Times" mit wahren Enthüllungen über Trump, weil Facebook-Nutzer den Breitbart-Schmutz verbreiteten.

Beiläufige Erkenntnisse von Davos:

Follower sind das digitale Äquivalent von Status, Fake News das digitale Äquivalent von paramilitärischen Truppen. Alle künftigen Kriege werden mit Cyberattacken beginnen. Der Westen hat noch nicht verstanden, mit welcher Wucht die Kombination aus Chinas Regierung und Chinas Konzernen das Territorium der künstlichen Intelligenz dominieren wird; Demokratien aber korrigieren sich selbst, China nicht. Die Digitalisierung sorgt für Konflikte auf Stammesniveau, da sie kleinen Gruppen laute Stimmen gibt. Die Identität, also der Zwang zur Namensnennung, führt doch nicht dazu, dass Menschen sich ziviler benehmen. Algorithmen haben Vorurteile gegen Schwarze und Ausländer. Es war ein Fehler, dass Bitcoin zugelassen wurde, da Zentralbanken finanzpolitische Autoritäten bleiben müssen. Der Sinn des Menschseins besteht nicht in Arbeit; wenn erst die Maschinen für uns arbeiten, muss ein Grundeinkommen her, und wenn das weltweite Vermögen weiter rasant wächst, wird das Grundeinkommen möglich.

Jene These allerdings, dass Facebook die sogenannten Filterblasen entstehen lasse, in denen jeder Nutzer nur Bestätigungen seiner feststehenden Meinungen suche, teilt Facebook im Gespräch mit der Außenwelt nicht: Jeder Mensch habe enge und lose Bindungen; Facebook sorge für die Entdeckung und Stärkung der losen Bindungen, was eine Erweiterung und keine Einengung des Blickfelds bedeute.

Klar wurde auf der Promenade von Davos, dass Facebook- und Google-Leute noch nicht so weit sind, dass sie sich verantwortlich fühlen für das, was bei ihnen veröffentlicht wird. Noch immer nennen sie ihre Firmen "Plattform" und nicht "Medium"; "Rankings", also Wertungen aufgrund von Fakten und Seriosität der Quelle, wollen sie jedoch verstärken. "Wenn wir die Probleme nicht lösen, werden andere sie für uns lösen", dieser Satz fiel oft.

Nicht seltener aber war der Ruf nach Regulierung zu hören. "Davos ist ein guter Ort, um euch zu sagen, dass eure Tage gezählt sind", sagte der Milliardär Soros an die Adresse der amerikanischen IT-Riesen, doch ist das realistisch? Zwischen der Tech-Etage und jener der Politik nämlich gab es kaum Verbindung in Davos; allzu viel verstehen die meisten Politiker des Weiteren nicht von jener so seltsam virtuellen Welt, die sie regelmäßig, besonders hier beim WEF, für hochbedeutend erklären, ehe sie sie wieder vergessen.

Das Ende der im Februar 2018 bestehenden Weltherrschaft von Google, Amazon, Facebook kann aber auch aus einer anderen Richtung kommen: von unten. Zahllose Start-ups arbeiten an Technologien wie dem virtuellen Kassenbuch Blockchain oder eben künstlicher Intelligenz und geben sich überzeugt, dass Technologie die Großen überflüssig machen werde, da bald niemand mehr zwischen Produzent und Nutzer stehen werde. "Reichtum und Wohlstand werden von den Plattformen wieder in die Hände von produzierenden Firmen und ihren Kunden gelegt", sagt Jeff Schumacher, Gründer und Chef der Start-up-Schmiede BCG Digital Ventures.

Bis zum WEF 2019 allerdings werden die Welten von 2018 mutmaßlich noch durchhalten.



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