AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 22/2017

Elektrojachten Flüsterboot für Ökostreber

Eine schwedische Firma baut die ersten serienmäßigen Elektrojachten - die teuerste Methode, langsam zu sein. Dafür machen die Boote sogar bei Seglern Eindruck.

Motorjacht Nimbus 305 mit Elektroantrieb
Wolfgang Maria Weber / DER SPIEGEL

Motorjacht Nimbus 305 mit Elektroantrieb

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Den Motorbootfahrer nicht zu grüßen ist unter Seglern ein bewährter Grundsatz. Der stille Windkraftnutzer verachtet den lärmenden Wasserquirl und seine oft nicht minder auffällige Besatzung.

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Heft 22/2017
Der letzte Wille entzweit Familien - doch es geht auch friedlich. Eine Gebrauchsanweisung

Jonas Göthberg, Vertriebschef des schwedischen Motorjachtproduzenten Nimbus, weiß um das weltanschaulich verminte Freizeitgewässer. Doch seine Marke, sagt er, sei vergleichsweise gut angesehen im Lager der Leisen: "Segler und unsere Kunden grüßen einander durchaus."

Hier nach einer wasserdichten Statistik zu fragen wäre ebenso töricht wie der Versuch, das Motorboot grünzurechnen. Es zählt zu den größten Energievergeudern der mobilen Spaßgesellschaft. Bei Vollgas schlucken schon kleinere Exemplare gut 200 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer.

Auch Nimbus liefert Jachten mit mehr als 400 PS aus, will aber keinesfalls den Wasserrowdie ansprechen. Göthberg bemüht eher den Vergleich zu Volvo. Der Autoproduzent wurde mit Innovationen für Sicherheit und Abgasreinigung bekannt. Der Bootsbauer setzt auf umweltschonende Produktionsmethoden und spritsparendes Rumpfdesign.

Inzwischen haben die nautischen Ökostreber ihre erste vollelektrisch angetriebene Jacht im Programm. Sie ist knapp zehn Meter lang und soll eine ähnliche Mission im Wasser antreten wie einst das kalifornische Auto-Start-up Tesla auf der Straße: Elektromobilität als Spaß und nicht als Notbehelf erlebbar zu machen.

Die Bootsbranche ist damit ein Jahrzehnt im Rückstand, was in erster Linie einer physikalischen Misslichkeit der Hydrodynamik geschuldet sein dürfte: Der Widerstand, den ein Schiff überwinden muss, ist ungleich höher als bei Landfahrzeugen; so werden die Nachteile des Elektroantriebs im Wasser noch drastischer offenbar.

Ein Sportboot fährt mit etwa 9 Kilometern pro Stunde in einem sehr sparsamen Modus; dafür genügt fast schon die Antriebsleistung eines Mopeds. Die schnellsten gängigen Motorboote schaffen 60 Kilometer pro Stunde, also etwas mehr als die Höchstgeschwindigkeit eines Mopeds; um dieses Tempo zu erreichen, bedarf es aber der Antriebsleistung eines Ferrari. Für die Bootsfahrt mit Batteriestrom kann es deshalb nur eine Regel geben: Langsamkeit ist Trumpf - und Luxus zugleich.

Nimbus stattet seine E-Jachten mit einem 50-Kilowatt-Antrieb des deutschen Systemanbieters Torqeedo aus. Als Stromspeicher dienen zwei unter dem Achterdeck platzierte Lithium-Ionen-Akkus von demselben Typ, der im BMW i3 zum Einsatz kommt. Zusammen bunkern sie gut 60 Kilowattstunden, etwas weniger als die Speicherkapazität des günstigsten Tesla.

Solche Technik ist teuer, erst recht, wenn sie in kleiner Stückzahl vertrieben wird. Nimbus plant eine Jahresproduktion von sechs E-Jachten seiner Baureihe 305. Das Modell, schon mit Dieselantrieb für rund 250.000 Euro kein Billigboot, kostet in der Elektrovariante 100.000 Euro mehr. Es ist einer der höchsten Aufpreise, die je für einen abgasfreien Antrieb verlangt wurden. Obendrein hat selten ein Produkt so deutlich illustriert, mit welchen Kompromissen die Fahrt einhergeht, wenn Batteriestrom der Kraftstoff ist.

Die Antriebsleistung der E-Maschine reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 15 Kilometern pro Stunde. Im konstanten Betrieb bei diesem Tempo wäre der Akku aber bereits nach einer Stunde (und somit einer Wegstrecke von 15 Kilometern) leer.

Nimbus empfiehlt den Freizeitkapitänen deshalb eher das Dauertempo eines Joggers: um die 9 Kilometer pro Stunde. Damit ließe sich immerhin eine Fahrtstrecke von 100 Kilometern bewältigen - vorausgesetzt, der Steuermann nimmt auf der elfstündigen Schleichfahrt erhaben hin, dass die Segler ihm bei günstigem Wind stramm davonziehen. Und das am Ende auch noch grußlos.

Der Lieferant der Antriebstechnik betrachtet die Stromjacht denn auch als Orchidee des Wassersports. Elektrische Flautenschieber für Segeljachten und kleine Außenbordmotoren sind das Kerngeschäft der Torqeedo GmbH, die sich mit gut 20 Millionen Euro Jahresumsatz Weltmarktführer nennen darf in dem noch überschaubaren Feld.

Als Marktbeschleuniger, glaubt Geschäftsführer Christoph Ballin, werden Zulassungsbeschränkungen und Verbote konventioneller Motoren auf Binnengewässern wirken. Die E-Jacht, wie sie Nimbus anbietet, könnte mangels Alternative zur "Königin der grünen Seen" aufsteigen, schätzt der einstige McKinsey-Berater.

Auch Nimbus-Vertriebsleiter Göthberg spricht begeistert von der Stille solcher Schutzräume, in der der Genuss des fast geräuschlosen Stromantriebs erst Vollendung finde. Das einzige Vorführboot indes liegt derzeit auf dem Bodensee, wo einstweilen alle gängigen Antriebsarten erlaubt sind.

Göthberg steuert die E-Jacht durch eine Hafeneinfahrt. Eine Segeljacht kommt ihm entgegen. In ihrem Rumpf puckert der Hilfsdiesel. Der Segler hebt freundlich die Hand. Göthberg grüßt zurück.



insgesamt 5 Beiträge
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Alex Ekkis 30.05.2017
1.
Allein bei der Überschrift könnte ich schon kotzen. Und beim ersten Satz auch. "Die teuerste Methode, langsam zu sein"? Da hat Christian Wüst wohl das Memo nicht erhalten. Wenn du schon aus Prinzip gegen jene Elektromotorisierung bist, die die Zukunft der Menschheit retten wird, dann publiziere so einen Schundartikel mit so einer schwachsinnigen Überschrift wenigstens als Kommentar oder Kolumne.
f23776 31.05.2017
2. Was bitte ist ein Ökostreber?
Ich würde mir wünschen dass wir (incl. Spiegel Redakteure) den Schutz unserer einzigen und geliehenen Umwelt ernst nehmen und nicht in's Lächerliche ziehen! Vor allem große Motorboote, die gerade im Trend sind, erzeugen Lärm, Wellen, verbrauchen Unmengen Sprit und gehen vielen Leuten auf die Nerven - und das zum Spass. Das kann man schon mal hinterfragen. Es gibt im Übrigen tolle, elegante und sehr schnelle Elektromotorboote, die auch viel Spass machen (z.B. von Frauscher).
Kein Veganer 31.05.2017
3. Nach dem "Vegan Auto" Artikel - ein neuer Titel #fail
Seit einiger Zeit fallen mir Artikel bei Spiegel auf, die Eco Technologien als überflüssige, überteuerte, und unterperformende Produkte darstellen. Neben dem offensichtlichen moralischen Versagen und Unverständnis der Autoren dieser Artikel scheinen sie allerdings auch das absolute Gegenteil zu behaupten, was in Realität der Fall ist. Ein Tesla hängt jeden Ferrari ab, Solar ist der günstigste Strom jemals produziert auf der Welt (2.91c in Chile im August 2016), und geben vielen Menschen auf der Erde zum ersten Mal Zugang zu Elektrizität. Diese drei simpelen Beispiele zeigen klar: der Spiegel betreibt schlechte Recherche. Ach ja, die Verschmutzung von Verbrennungsmotoren trägt dazu bei, dass jährlich 7 Millionen Menschen an Luftverschmutzung sterben (falls der nächste Artikel bei Spiegel den Klimawandel betreitet). Für einen Artikel Geld dann bezahlen - vielleicht bekommen die Reporter wenigsten die headlines und breaking news hin.
chestbaer 01.06.2017
4.
Zitat von Kein VeganerSeit einiger Zeit fallen mir Artikel bei Spiegel auf, die Eco Technologien als überflüssige, überteuerte, und unterperformende Produkte darstellen. Neben dem offensichtlichen moralischen Versagen und Unverständnis der Autoren dieser Artikel scheinen sie allerdings auch das absolute Gegenteil zu behaupten, was in Realität der Fall ist. Ein Tesla hängt jeden Ferrari ab, Solar ist der günstigste Strom jemals produziert auf der Welt (2.91c in Chile im August 2016), und geben vielen Menschen auf der Erde zum ersten Mal Zugang zu Elektrizität. Diese drei simpelen Beispiele zeigen klar: der Spiegel betreibt schlechte Recherche. Ach ja, die Verschmutzung von Verbrennungsmotoren trägt dazu bei, dass jährlich 7 Millionen Menschen an Luftverschmutzung sterben (falls der nächste Artikel bei Spiegel den Klimawandel betreitet). Für einen Artikel Geld dann bezahlen - vielleicht bekommen die Reporter wenigsten die headlines und breaking news hin.
Ein Tesla hängt einen Ferrari in EINEM mini Sprint ab, beim dritten mal ist der Akku in Schutzfunktion wegen überhitzen, nicht davon zu reden dass das schon nicht mehr funktioniert, sobald ne Kurve mit im Spiel ist. Lieber mal realistisch bleiben! Elektro ist super und auch die Zukunft, aber was ist denn so schlimm daran auch die aktuellen Nachteile zu berichten? Das Boot würde ich jedenfalls niemals überlegen zu kaufen. Cool dass es das gibt, aber das ist noch nicht ausgereift und vielleicht geht hier auch einfach Elektro nicht klar (direkter Kontakt mit Wasser verkompliziert das ja auch noch).
Kein Veganer 01.06.2017
5. realistisch
Nachteile des Elektroantriebes aufzeigen spricht nach nichts dagegen. Es geht um die meinungsbildende Titelbeschreibung - die schlicht unbedacht und schlecht durchdacht ist. So ein 'Artikel' gehört in den Meinungsteil. Die Funktionen/Performance im Verhältnis zu Preis bei EV vs. Verbrennungsmotor: hier lohnt es sich nicht in Details zu gehen, da ein Verbrennungsmotor Auto in so ziemlich jeder relevanten Kategorie mit EVs nicht mithalten kann (gerade bei Tesla Model S). Als Zusammenfassung: 'Consumer Reports' Bewertung: 103/100.
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