AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 19/2017

Faktencheck Integration Schaffen wir das?

Mehr als 1,2 Millionen Flüchtlinge hat Deutschland in den vergangenen zwei Jahren aufgenommen. Doch wie geht es mit der Integration voran? Die große Datenanalyse.

Von Susan Djahangard, , , , Jonas Schaible, und


Dilshad Jaro würde gern Deutsche kennenlernen. Manchmal fährt der 27-jährige Syrer zum Hauptbahnhof und kauft sich Fladenbrot und Kichererbsenmus. Dann ist er mittendrin im Hamburger Leben. Aber einfach jemanden ansprechen? In der Flüchtlingsunterkunft im Hamburger Osten, wo Jaro seit ein paar Wochen wohnt, hat er fast nur Ausländer um sich. "Das macht es nicht leicht", sagt er. Immerhin hat er jetzt mehr Privatsphäre, um deutsche Vokabeln und Grammatik zu lernen.

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Heft 19/2017
Der eitle Kampf der Verteidigungsministerin gegen ihre skandalreiche Truppe

Zuvor war der junge Mann mit seiner Frau, dem gemeinsamen Baby und seiner Mutter in einem Containerdorf mit 240 Schlafplätzen im Stadtteil Lokstedt untergebracht. In der neuen Unterkunft haben sie nun eine Küche und ein zusätzliches Zimmer. Für die Familie ist das ein großer Fortschritt, aber alle würden noch lieber endlich richtig in Hamburg ankommen, mit allem, was dazugehört: einer eigenen Wohnung, Arbeit, Freunden und Bekannten.

Einfach ist das nicht, und wenige haben sich bislang so ein Leben aufbauen können. Weder die Jaros noch die meisten anderen Flüchtlinge, die seit Mitte 2015 in Deutschland Asyl beantragten. Bund, Länder und Kommunen haben es in den vergangenen anderthalb Jahren mit einem Kraftakt geschafft, viele Missstände zu beseitigen. In den Turnhallen, die als Notunterkünfte herhalten mussten, findet wieder Sportunterricht statt, und es gibt bundesweit Integrationskurse, in denen Zugewanderte Deutsch lernen sollen. Im vergangenen Jahr gab die Regierung mehr als 14 Milliarden Euro für die Unterbringung, Versorgung und Integration der Flüchtlinge aus. Doch immer deutlicher zeichnet sich ab, wie mühsam der Weg für alle Beteiligten ist - und wie schwierig sich echte Integration gestaltet.

Von der Sporthalle in ein Containerdorf zu ziehen ist ein Fortschritt, aber noch kein Grund für eine Einweihungsparty. Einen Integrationskurs zu besuchen heißt noch nicht, Deutsch zu sprechen. Und wie schwer es ist, einen Job ohne ausreichende Qualifikationen oder deutsche Abschlusszeugnisse zu finden, wird manchen Flüchtlingen erst langsam bewusst. Auch viele Firmenchefs sind mittlerweile desillusioniert, weil sie ihre dringend benötigten Fachkräfte nicht so einfach aus den Reihen der Flüchtlinge rekrutieren können.

Integration ist ein Langzeitprojekt, eher eine Sache von Jahrzehnten als von Jahren. Trotzdem stellt sich schon jetzt die Frage: Ist Deutschland auf einem guten Weg? Denn die Versäumnisse von heute können die Probleme von morgen werden.

Eine Bestandsaufnahme.

WOHNEN

Was gut läuft

Die meisten Flüchtlinge konnten inzwischen aus den Notunterkünften ausziehen und sind in besseren Bleiben untergebracht. Selbst in Berlin, wo die Zustände besonders schlimm waren, ordnen sich die Verhältnisse langsam. Vor einem Monat verkündete Sozialsenatorin Elke Breitenbach von der Linken, dass "nun endlich die elende Lebenssituation" der Berliner Flüchtlinge in den Turnhallen beendet sei. Seit September 2015 hatte die Stadt in 63 Sporthallen Notquartiere eingerichtet, in den schlimmsten Zeiten mussten dort mehr als 10.000 Menschen auf Pritschen campieren. Ende März packten die letzten 78 von ihnen im Bezirk Pankow ihre Habseligkeiten zusammen und wechselten in Gemeinschaftsunterkünfte.

Aber noch immer warten in der Hauptstadt 13.400 Menschen darauf, ihre Notunterkünfte verlassen zu können. 2100 von ihnen leben nach Angaben der Behörden "prekär", also mit eingeschränkter Privatsphäre, etwa in Hallen mit notdürftigen Trennwänden. Die meisten anderen Bundesländer haben die Lage im Griff. Nach Ergebnissen von Anfragen des SPIEGEL in allen 16 Ländern müssen nur in Hamburg noch 600 Flüchtlinge in leer stehenden Baumärkten oder anderen provisorischen Unterkünften ausharren, in Nordrhein-Westfalen sind es 1600.

Wer dieser Tage neu nach Deutschland kommt, findet bessere Bedingungen vor als seine Schicksalsgenossen im Jahr 2015. Länder und Kommunen haben während der Flüchtlingskrise begonnen, zahlreiche Unterkünfte mit verbesserten Standards zu bauen. Manche von ihnen stehen nun leer. "Wir wollen sichergehen, dass wir sofort reagieren können, falls plötzlich wieder deutlich mehr Menschen kommen", sagt ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums. Keiner der Verantwortlichen will noch einmal so kalt erwischt werden wie im Herbst 2015. Wiederholte sich eine solche Situation, wären die meisten Regionen bei der Erst- und Notversorgung besser vorbereitet. Deutschland hat inzwischen viel Routine in Erster Hilfe.

Was schlecht läuft

Der Wohnungsmarkt in deutschen Metropolen ist seit Jahren angespannt. Laut einer Studie im Auftrag der Linken-Fraktion sollen allein in Berlin 130.000 preisgünstige, kleine Wohnungen für Geringverdiener fehlen - wohnungssuchende Flüchtlinge nicht mit eingerechnet. In der Hauptstadt leben derzeit aber rund 30.000 Migranten in Gemeinschaftsunterkünften, die früher oder später ebenfalls ihre eigenen vier Wände beziehen wollen. Für ihre Integration wäre es wichtig, Tür an Tür mit deutschen Nachbarn zu leben. Wie viele Flüchtlinge derzeit bundesweit auf der Suche nach einer eigenen Bleibe sind, ist nicht bekannt.

Klar ist nur, dass sie im Wettkampf um bezahlbare Wohnungen häufig schlechte Chancen haben. Ausländer tun sich nicht nur mit der Bürokratie auf den Ämtern schwer, sondern stoßen auch auf Vorurteile. Laut einer Untersuchung des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) haben viele Vermieter Angst vor Verständigungsproblemen etwa beim Thema Mülltrennung oder bei der Sonntagsruhe.

Die bisherige Unterstützung vonseiten der Politik reiche nicht aus - die sozialen Wohnungsbauprojekte dauern lange -, und auch private Initiativen stoßen laut BIM "an Grenzen". Die Onlineplattform Flüchtlinge Willkommen will Schutzsuchende in Wohngemeinschaften vermitteln. Eine schöne Idee, aber sie funktioniert nicht immer: Viele WGs geben an, sie suchten eine Frau oder einen schwulen Mitbewohner. Es brauchen aber vor allem heterosexuelle Männer eine neue Bleibe.

DEUTSCH LERNEN

Was gut läuft

Zwischen 2015 und 2016 sind in Deutschland rund 15.000 Flüchtlingsprojekte entstanden, darunter viele, die Neuankömmlingen mit der Sprache helfen wollen: ehrenamtlicher Unterricht, Patenschaften, Kaffeeklatsch mit Flüchtlingen. Wer Interesse daran hat, Deutsch zu lernen, hat gute Chancen, jemanden zu finden, der ihm hilft. Jedenfalls wenn er patent genug ist, im Internet nach Angeboten zu suchen.

Das Nürnberger Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat mithilfe von Trägern wie den Volkshochschulen oder der Arbeiterwohlfahrt ein fast flächendeckendes Angebot an Integrationskursen geschaffen. Diese sind eine Kombination aus Sprachunterricht und Gesellschaftskunde für Zuwanderer in Deutschland. Für anerkannte Flüchtlinge übernimmt der Staat die Kosten.

Nach 600 Stunden Deutschunterricht und 100 Stunden über deutsche Werte, die Geschichte der Bundesrepublik und das Grundgesetz machen die Flüchtlinge einen Sprachtest sowie eine Prüfung mit dem Titel "Leben in Deutschland". Wer diesen Test und die Sprachprüfung mit dem sogenannten B1-Niveau besteht, dürfte im Alltag gut zurechtkommen und ein Verständnis dafür haben, welche Werte den Deutschen wichtig sind. Im vergangenen Jahr haben nach Angaben des Bamf 317.000 Zuwanderer einen Integrationskurs begonnen.

Was schlecht läuft

Das Bamf hat die Zahl der Deutschkurse zwar deutlich erhöht - doch Flüchtlinge konkurrieren mit anderen Ausländern, auch EU-Bürgern, um Plätze. Weil Afghanen keine gute Bleibeperspektive haben und ihre Anerkennungsquote als Flüchtlinge zeitweise unter 50 Prozent lag, werden sie nachrangig behandelt, wenn es um die Integrationsbemühungen geht. Während der laufenden Asylverfahren haben sie keinen Anspruch auf einen Platz in einem Integrationskurs, anders als etwa Syrer. Dabei müssen Afghanen manchmal Jahre auf eine Entscheidung des Bamf warten.

Problematisch ist das auch deshalb, weil die Afghanen nach den Syrern die größte Gruppe unter den Asylbewerbern bilden. Viele von ihnen werden bleiben - und brauchten oft sogar besonders intensive Betreuung, denn die Analphabetenrate ist in Afghanistan mit fast 70 Prozent extrem hoch. Gabriele Köhler, Leiterin der Berliner Sprachschule Lernwege, weiß, wie mühsam es für Flüchtlinge ist, erst einmal Lesen und Schreiben zu lernen. Ihre Schule bietet derzeit zwei normale Deutschkurse und drei Alphabetisierungskurse an. "Rund drei Monate dauert es, bis sie einfache Wörter wie 'Tasche' oder 'aufräumen' schreiben können", sagt die Lehrerin.

ARBEITEN

Was gut läuft

Von den 2015 zugezogenen Flüchtlingen im Alter von 15 bis 64 Jahren waren in der zweiten Hälfte 2016 rund zehn Prozent erwerbstätig. Das klingt wenig, allerdings müssen viele Flüchtlinge erst einmal Deutsch lernen oder sich beruflich weiterbilden, bevor sie Arbeit suchen können.

Die Prognose für die kommenden Jahre ist deshalb besser. Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält es für möglich, dass in fünf Jahren jeder zweite Flüchtling einen Job haben wird, sofern man bezahlte Praktikanten und geringfügig Beschäftigte dazuzählt. Grund für den Optimismus ist eine repräsentative Umfrage unter 4800 Flüchtlingen. Ihr zufolge sind 22 Prozent der 2014 eingereisten Menschen erwerbstätig, bei den 2013 Zugezogenen sogar 31 Prozent.

Damit sich der positive Trend fortsetzt, sollen zahlreiche Initiativen den Flüchtlingen helfen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro investiert, um Migranten zu unterstützen. Dieses Jahr sollen es noch einmal 15 Millionen sein.

Was schlecht läuft

Die Industrie beklagt, dass sie in ihrem Engagement für die Flüchtlinge ausgebremst werde. Lange Asylverfahren, Wartezeiten für Sprachkurse und unnötige Bürokratie für die Unternehmen seien hinderlich, heißt es in einer Stellungnahme des DIHK.

Außerdem fürchten Betriebe, dass sie in die Zukunft eines afghanischen oder albanischen Jugendlichen investieren - dieser dann aber abgeschoben wird. Das Integrationsgesetz von 2016 sieht zwar vor, dass Geduldete für die Dauer ihrer Berufsausbildung ein Bleiberecht erhalten. Allerdings gebe das Gesetz den Behörden "einen weiten Ermessensspielraum", schreibt der DIHK.

Ernüchterung breitet sich auch beim Thema Fachkräftemangel aus. Laut der Beratungsfirma Ernst & Young klagen 78 Prozent der Unternehmen, es gebe zu wenig qualifiziertes Personal. Die Hoffnung, diese Lücke mit Fachkräften aus Syrien schließen zu können, hat sich nicht erfüllt.

Nur 58 Prozent der Flüchtlinge ab 18 Jahren haben der IAB-Umfrage zufolge überhaupt einen Schulabschluss. Aber selbst jene, die qualifiziert sind, finden nicht automatisch einen passenden Job. Bei technischen Berufen sind die Anforderungen häufig so spezifisch, dass auch Ingenieure lange brauchen, bis sie Arbeit finden.

Der Syrer Nael Samman, 35, hat vor dem Bürgerkrieg Elektrische Energietechnik studiert, er lebt seit 2014 in Deutschland. Seine Familie hatte genug Geld, um ihm ein Managementstudium an einer Privatuniversität in Oestrich-Winkel zu ermöglichen. Er kam mit einem Studentenvisum nach Hessen. Den MBA-Abschluss schaffte er, nun lebt er als anerkannter Flüchtling in Deutschland und sucht einen Job.

"Ich dachte, dass Leute wie ich hier gefragt wären", sagt er. Samman hat in den vergangenen zwei Jahren etliche Bewerbungen geschrieben. An BASF, Bayer, ThyssenKrupp - bei fast allen Dax-Konzernen hat er es versucht. Seine Jobabsagen sind Standardtexte, die ihn ermutigen, sich weiter zu bewerben. "Es ist unfassbar frustrierend", sagt Samman. "Ich fühle mich diskriminiert." Er stelle sich mittlerweile die Frage, ob es Bewerber mit arabischen Namen grundsätzlich schwerer hätten als andere. Und ob der Flüchtlingsstatus für viele Konzerne nicht doch abschreckend wirke, weil damit viel Papierarbeit bei der Einstellung verbunden ist.

SCHULE

Was gut läuft

Es ist eine Mammutaufgabe, Hunderttausende minderjährige Migranten zum Schulabschluss zu führen. Den meisten Bundesländern ist es aber gelungen, zumindest genügend Lehrer für Vorbereitungsklassen zu finden, in denen die Kinder Deutsch lernen, bevor sie in die regulären Klassen wechseln. Baden-Württemberg hat 1160 zusätzliche Stellen geschaffen, Hessen 2000 und NRW 1200. Häufig üben Quereinsteiger mit den Kindern deutsche Grammatik, weil der Arbeitsmarkt für ausgebildete Pädagogen leergefegt ist.

An vielen Schulen in deutschen Großstädten ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ohnehin hoch. Das heißt nicht, dass es zusätzliche Probleme geben muss. In der Grundschule Andernacher Straße im Bremer Brennpunkt-Stadtteil Tenever haben rund 95 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Die Schule integriert seit mehr als 30 Jahren Kinder von Zugewanderten in den Regelunterricht. Seit 2002 bietet sie Vorkurse für Sprachanfänger. Die Erfahrungen kommen den Lehrern und Erziehern zugute. "Flüchtlingskinder sind für uns kein Problem, sondern eine weitere Untergruppe in unserer ohnehin sehr gemischten Schülerschaft", sagt Schulleiterin Isolde Mörk. "Bisher haben sich alle gut eingelebt."

Was schlecht läuft

Viele Kinder, die noch in Notunterkünften oder Erstaufnahmeeinrichtungen der Länder leben, müssen lange warten, bis sie eine reguläre Schule besuchen dürfen. In manchen Bundesländern beginnt die Schulpflicht erst, wenn die Familien in Folgeunterkünfte der Kommunen ziehen. Laut Asylgesetz sollen Flüchtlinge höchstens sechs Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung bleiben, allerdings schaffen die Behörden das nicht immer.

Laut einer Studie des Kinderhilfswerks Unicef gab fast die Hälfte der befragten Mitarbeiter von Erstaufnahmeeinrichtungen an, dass die Kinder bei ihnen lediglich "unterkunftsintern oder im Rahmen von Sprachkursen" unterrichtet würden. 20 Prozent sagten, dass die Mädchen und Jungen gar keinen Unterricht hätten.

GESCHAFFT?

"Wir schaffen das", dieser Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sollte die Deutschen beruhigen und ist in die Geschichte eingegangen. Anderthalb Jahre nach dem Ausnahmejahr 2015 hat sich die Lage an den deutschen Grenzen normalisiert. Von Januar bis März registrierte das Bamf nur 55.000 neue Asylanträge, im gleichen Zeitraum 2016 waren es noch 175.000.

Dieser Rückgang verschafft den Verantwortlichen Spielraum, sich um Wohnungen, Jobs und Deutschkurse zu kümmern. Allerdings ist nicht leicht festzustellen, wie gut die Behörden diesen Spielraum nutzen. Die Statistiken weisen an vielen Stellen große Löcher auf. Der deutsche Föderalismus eignet sich hervorragend, um Probleme zu verschleiern, der Bund fällt bislang nicht durch übergroßen Drang auf, diese Informationslücken zu schließen. Die Daten aus den 16 Bundesländern und mehr als 11.000 Kommunen laufen nirgendwo zusammen. Die Bundesrepublik weiß nicht einmal, wie viele Flüchtlinge Deutschland im vergangenen Jahr wieder verlassen haben: Klar ist, dass 25.000 Menschen abgeschoben wurden. Viel mehr haben sich freiwillig auf die Rückreise begeben, zum Teil mit finanzieller Unterstützung der deutschen Behörden. Sie werden nicht zuverlässig registriert, aber eine SPIEGEL-Abfrage unter den Länderbehörden ergab, dass es 2016 mindestens 80.000 waren.

Viele Statistiken lassen sich nur schwer vergleichen, weil sich die Begrifflichkeiten von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Vor allem bei der Bildung, die in Deutschland Ländersache ist, und bei den Flüchtlingsunterkünften der Kommunen, bleiben deshalb viele Fragen offen. Wie viele Kinder leben deutschlandweit in den Erstaufnahmeeinrichtungen, ohne eine Schule zu besuchen? Wie viele gehen bereits regulär mit deutschen Klassenkameraden in den Unterricht? In welchen Regionen brauchten Lehrer und Sozialpädagogen am dringendsten Hilfe? Antworten darauf ergeben sich allenfalls durch Schätzungen und einzelne Expertenmeinungen.

Rund 14 Milliarden will die Bundesregierung in diesem Jahr erneut in die Unterbringung, Versorgung und Integration der Flüchtlinge investieren. Das ist viel Geld - allerdings sollte man einen Überblick haben, wofür man es am besten ausgibt.

Grafik: Cornelia Baumermann, Julia Saur, Johannes Unselt



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
eunegin 06.05.2017
1. es menschelt...
wohler fühlt man sich, wenn man nicht beschimpft wird. Dann blockt man auch nicht ab, vergräbt sich nicht im eigenen Umfeld, bleibt offen und nimmt die neue Heimat an. Das können wir hier tun. Den zweiten Schritt müssen die Neuankömmlinge machen. Zweibahnstraße und so.
allessuper 06.05.2017
2. Was ich um mich herum erlebe
ist viel Engagement, Solidarität, Hilfe. Ganz alte Damen kümmern sich um Kleiderkammer, mittlere Damen um Deutsch-Kurse, Jüngere um Möbel, die dort abgegeben wurden und da gebraucht werden usw. Dies wird leider nicht wirklich in dem Maße honoriert, das es braucht. Wir erwarten von unseren Regierenden, dass sie sich dem würdig zeigen. Und das tun sie nicht. Ein Herr de Maizière stammt vielleicht aus einem französischen Kuhdorf namens Maizière in Lothringen und kam zu uns via Hugenottenvertreibung. Lange her, er kann sich nicht erinnern. Aber er ist auch ein Flüchtling, auch wenn seine Familie daraus eine Art Polit-Dynastie gemacht hat. Regieren muss man können. Das Einzige, was er von sich gibt ist so unter seinem Niveau, dass man Lust hat, ihn dorthin zurückzuschicken, wo er herkam. Mit oder ohne Burka.
whitewisent 06.05.2017
3.
Man könnte die Geschichte als Fortsetzung von "Der Fischer und seine Frau" ansehen, wenn es sich nicht tausendfach vervielfältigen ließe. Das Grundproblem bleibt, daß es eben keine allgemeine Debatte mit dem Ergebnis gab, daß Familien wie die von Dilshad Jaro nach Deutschland eingewandert sind, und gar keine zeitnahe Rückkehr in ein befriedetes bzw. befreites Syrien geplant ist. Was er erlebt hat war Solidarität und Nächstenliebe, egal ob es um Essen, Kleidung oder ein Dach über dem Bett ging. Was nun folgt ist der harte Alltag in Deutschland, wo er im Wettstreit mit den Deutschen, den türkischen Einwanderern und ihren Nachkommen, den palästinensischen Einwanderern und ihren Nachkommen, den jugoslawischen Einwanderern und ihren Nachkommen und den vielen EU-Bürgern und ihren Nachkommen steht. Egal ob es Arbeit, Wohnraum oder eben Zugang zur Bildung geht, es ist nicht mehr Aufgabe des Staates oder der Gemeinschaft, egal um was es geht. Entweder man behandelt sie als Gleiche unter Gleichen oder als temporär Hilfsbedürftige. Der Integrationsdruck wird jedoch nur wirken, wenn sie wirklich gleich behandelt werden, was bei einer Familie in Hamburg bedeutet, gleich schlecht. Vieleicht sollte man auch mal untersuchen, ob die Frauen unter den Flüchtlingen die selben Eindrücke haben. Aus meiner Sicht haben die viel mehr soziale Kontakte als die Männer, weil sie solch simple Sachen wie Einkauf, Kinderbetreuung, Arztbesuche oder sowas simples wie gemeinsame Zeit mit anderen Eltern auf dem Spielplatz verbringen. Und das klappt vieleicht in Stade besser als in Hamburg.
schlaueralsschlau 06.05.2017
4.
Zitat von allessuperist viel Engagement, Solidarität, Hilfe. Ganz alte Damen kümmern sich um Kleiderkammer, mittlere Damen um Deutsch-Kurse, Jüngere um Möbel, die dort abgegeben wurden und da gebraucht werden usw. Dies wird leider nicht wirklich in dem Maße honoriert, das es braucht. Wir erwarten von unseren Regierenden, dass sie sich dem würdig zeigen. Und das tun sie nicht. Ein Herr de Maizière stammt vielleicht aus einem französischen Kuhdorf namens Maizière in Lothringen und kam zu uns via Hugenottenvertreibung. Lange her, er kann sich nicht erinnern. Aber er ist auch ein Flüchtling, auch wenn seine Familie daraus eine Art Polit-Dynastie gemacht hat. Regieren muss man können. Das Einzige, was er von sich gibt ist so unter seinem Niveau, dass man Lust hat, ihn dorthin zurückzuschicken, wo er herkam. Mit oder ohne Burka.
Ich bin zwar nicht Maizière (und möchte es auf keinen Fall sein), aber ich möchte Ihnen und den anderen Helfern ein Dank aussprechen. Ohne Ihre, in der Freizeit ausgeführten, Aktivitäten wäre hier schon längst alles zusammengebrochen. Vielen Dank dafür! Zu dem Flüchtling: HH hat ein Problem mit (bezahlbarem) Wohnraum, da sollte man glücklich sein überhaupt eine Unterkunft zu haben. (gilt für Deutsche genauso!) Ziel der Politik sollte es nicht sein jedem Flüchtling eine große Wohnung bereit zu stellen, sondern die Situation in Syrien zu verbessern, damit die Familie in ihre Heimat zurückkehren kann. Wenn man sich mehr Kontakt mit Einheimischen wünscht, kann man sich statt Falafel auch ne Portion Fritten oder sonstiges kaufen. Dazu besteht die Möglichkeit über das Kind zu anderen Eltern in Kontakt zu kommen.
bernhard.geisser 06.05.2017
5.
80% der aufgenommen Flüchtlinge werden voraussichtlich in der Arbeitsplätze-Hierarchie in den untersten 20% integriert werden. Da darf man bei den aufgenommen Flüchtlingen keine falschen Hoffnungen wecken. Auch wenn es bitter ist, man muss aufzeigen, dass für die meisten das Leben in Deutschland ein Leben als Working Poor (d.h. Erwerbseinkommen reicht gerade so knapp für die notwendigsten Ausgaben) sein wird.
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