AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 49/2016

Football Leaks Johns gefährlicher Schatz

Woher kommt der größte Datensatz der Sportgeschichte? Eine Begegnung mit dem Mann, der Korruption und Steuertricks im Fußballgeschäft enttarnte - und sich damit mächtige Feinde macht.

DER SPIEGEL


Da sitzt er: der Mann, hinter dem alle her sind, die Polizei, die Detektive. Der Mann, der gejagt wird von den größten Klubs, den mächtigsten Spielerberatern. Der Mann, der ständig flüchten muss, weil ihn so viele fürchten müssen, aus Angst um ihr Geld und ihre Geheimnisse. Da sitzt er, einfach so, als Fan, auf der Haupttribüne des Hamburger Volksparkstadions. Der Mann, der sich John nennt. In der rechten Hand: sein fünfter Becher Bier. Auf dem Spielfeld geht der Hamburger SV gerade mal wieder unter, die Gästefans singen: "Zweite Liga, Hamburg ist dabei!"

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Heft 49/2016
Die Geldmeister

John lacht, das kann er also noch. Trotz allem.

Er kann immer noch Spaß am Fußball haben. Er kann schreien und jubeln, in der Stimmung der Fans aufgehen. Dabei ist er es, der die Glitzerwelt des Profifußballs durchrüttelt. Der Filz, Korruption und Gier in die Öffentlichkeit zerrt.

John ist Football Leaks. Die Onlineplattform, die zahlreiche brisante Verträge und Absprachen aus dem Fußballbusiness enthüllte.

Das Spiel ist zu Ende, die Fans des HSV pfeifen ihre Mannschaft aus. John steht auf, nimmt noch einen Schluck Bier. Genug amüsiert. Es ist Zeit, wieder an die Arbeit zu gehen. John ist nach Hamburg gekommen, um den SPIEGEL zu unterstützen, seine Datensätze auszuwerten. Im vergangenen Frühjahr entschied sich John dazu, den geheimen Football-Leaks-Schatz zu teilen. Er wollte nicht mehr nur hier einen Spielervertrag herauszupfen, dort einen Kontoauszug veröffentlichen, er wollte, dass das Publikum die Zusammenhänge erkennt, die gut getarnten Machtverhältnisse, die anrüchigen und die illegalen Deals zwischen Vereinen und Sportvermarktern, die Steuertricks der Multimillionäre. Er wollte, dass die Geschichten, die sich aus dem Material ergeben, erzählt werden, ganze Geschichten, nicht nur Bruchstücke.

Deshalb überließ er seine Daten dem SPIEGEL. Acht mobile Festplatten mit Dokumenten, darunter Originalverträge samt geheimer Nebenabsprachen, Mails, Word-Dateien, Excel-Tabellen, Fotos. Der Bestand reicht bis in das Jahr 2016 hinein und umfasst 1,9 Terabyte. Umgerechnet sind das rund 500.000 Bibeln.

Woher die Daten kommen? Darüber schweigt John. Er hat vom SPIEGEL kein Geld für das Material verlangt, obwohl ihm zuletzt Spielerberater bis zu 650.000 Euro boten.

Darum geht es bei Football Leaks
    Die Enthüllungsplattform Football Leaks sammelt vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fußball. So deckt sie illegale Zahlungen an Spielerberater und Investoren ebenso auf wie die Versuche, Millionen an der Steuer vorbeizuschmuggeln dank Offshore-Geschäften. Football Leaks schweigt zu seinen Quellen, hat die Dokumente allerdings dem SPIEGEL und anderen Medien im Verbund der European Investigative Collaboration zur Verfügung gestellt. Mit einem Umfang von 1,9 Terabyte handelt es sich um den bisher größten Datensatz im Sport.

Der SPIEGEL hat die Echtheit der Dokumente wochenlang geprüft - und dann entschieden, sie mit dem Netzwerk European Investigative Collaborations (EIC) zu teilen, einem Zusammenschluss von zehn renommierten Medien in Europa. Für den Austausch ihrer Recherchen wurde eine eigene, verschlüsselte Plattform im Internet aufgebaut. Außerdem trafen sich die Journalisten in Hamburg, Mechelen, Paris und Lissabon, um die Funde einzuordnen und über Veröffentlichungspläne zu diskutieren.

Die Journalisten sehen sich in der Pflicht, der Öffentlichkeit die bisher unbekannten Seiten des Fußballs zu schildern; John, der Whistleblower, sieht sich als eine Art Robin Hood, als Rächer des einfachen Fußballanhängers. "Die Fans müssen verstehen, dass sie mit jeder Eintrittskarte, mit jedem gekauften Trikot, mit jedem TV-Sportabo ein hoch korruptes System füttern, das am Ende immer nur an sich selbst denkt", sagt John.

Der Ursprung seiner Plattform Football Leaks liegt eineinhalb Jahre zurück: im Transfersommer 2015, in dem es in den portugiesischen Ligen mehrfach zu kuriosen, teilweise unverständlichen Spielerwechseln kam. "Es gibt europäische Ligen, die von drei, vier Spielerberatern gesteuert werden. Die machen immer wieder Transfers mit bestechlichen Vereinspräsidenten. Das System Fußball frisst sich von innen auf", sagt John.

Dieser Fußballwelt hat er den Kampf angesagt. Und auch schon erste Erfolge errungen.

Aufgrund der bereits veröffentlichten Football-Leaks-Dokumente wurde der niederländische Erstligist FC Twente Enschede wegen diverser Verstöße von internationalen Fußballwettbewerben ausgeschlossen. Die Fifa hat mehrere Vereine für ihre zwielichtigen Investorengeschäfte mit Strafen belegt.

EU-Parlamentarier haben das Leak dafür genutzt, bei der EU- Kommission eine Untersuchung des Weltrekordtransfers von Gareth Bale zu beantragen. In dem 101-Millionen-Euro-Deal zwischen Tottenham Hotspur und Real Madrid traten spanische Banken als Bürgen auf. Ebenjene Banken, die sich im Zuge der Finanzkrise mit öffentlichen Mitteln in Höhe von rund 40 Milliarden Euro vor dem Ruin retten ließen.

Doch John sind diese Siege noch nicht genug. Er ist ein junger, cleverer Bursche, gebürtiger Portugiese, der fünf Sprachen spricht und zwei weitere lernt, darunter Russisch. John ist ein Abenteurer, der gern nächtelang feiert, literweise Bier trinkt und mit seinen Geschichten Partys unterhält. Er liebt seine Freiheit, reist viel herum, bleibt selten lange an einem Ort.

John heißt in Wahrheit nicht John, der Name ist nur eine Tarnung. Mit Football Leaks hat er etwas geschaffen, das es so noch nicht gab: eine Internetbühne für heimliche, undurchsichtige, krumme Deals im Multimilliardenbusiness Fußball. Interesse an den Enthüllungen haben nicht nur neugierige Fans, sondern auch Polizisten, Staatsanwälte und Steuerfahnder.

John weiß, dass er sich mit seinen Veröffentlichungen Feinde macht.

Er sitzt nun im Hamburger SPIEGEL-Haus. Seine Jeans hat Löcher, seine Schuhe sind schmutzig, aber das ist ihm alles nicht wichtig. Auch nicht, dass sein Kaffee viel zu heiß ist, er trinkt die Tasse aus, ohne einmal abzusetzen. Vor John steht ein Computer mit zwei Bildschirmen, neben ihm ein weiterer Laptop. Er durchsucht das Leak mit einer Spezialsoftware, wie sie auch Ermittler und Steuerfahnder benutzen. Gerade versucht er, die wirtschaftlich Berechtigten hinter einer maltesischen Scheinfirma ausfindig zu machen. Dokumente sausen über die Bildschirme, John wibbelt mit den Beinen, seine Pupillen hüpfen hoch, runter, hoch, runter, er sieht jetzt nichts mehr um sich herum, nur noch die Namen, Zahlen, Adressen in den Daten.

Der Raum, in dem er gerade der Korruption im Weltfußball hinterherjagt, wurde vom SPIEGEL speziell für das Football-Leaks-Projekt eingerichtet. Es ist ein abgeschirmter Raum, der vor Hackerangriffen schützen soll. In dem Büro gibt es sechs Arbeitsplätze mit Rechnern, die keinen Anschluss ans Internet haben. Die Server sind mehrfach gesichert, Kommunikation im Netzwerk ist ausschließlich in verschlüsselter Form möglich. Einen Zugang zu dem Raum haben seit Monaten lediglich neun Personen.

Die Vorsicht ist begründet. Die Leute, mit denen John sich anlegt, sind eher die Sorte Menschen, die für Geld viel tun, manche alles. In den Daten finden sich Verbindungen zur kasachischen, türkischen und russischen Mafia, zu afrikanischen Despoten. Sie alle mischen mit ihrem Vermögen im Fußballgeschäft mit. Nur hört und sieht man sie selten, sie versuchen, ihre Namen aus den Medien herauszuhalten.

Öffentlichkeitsscheu sind auch Teile der Führungsspitze des internationalen Sportvermarkters Doyen. Die Firma macht mit Transfererlösen und Persönlichkeitsrechten von Spielern Millionen. Das in England und Malta ansässige Unternehmen wurde im vergangenen Jahr zu einem der ersten Ziele von Football Leaks. In Johns Datenschatz finden sich auch Dokumente, die zeigen, wie manche Manager mit Eindringlingen umgehen.

Nur wenige Tage nachdem Football Leaks die ersten Verträge veröffentlicht hatte, erstattete Doyen Anzeige bei der Lissabonner Polizei. Mehrere Firmen wurden auf Johns Onlineplattform angesetzt: IT-Spezialisten, renommierte Anwaltskanzleien, Detektive. Echte Profis, hart und kalt, wenn es darum geht, ihre Ziele zu erreichen.

Einer der Krisenmanager war Firmenchef bei einem zwielichtigen russischen Oligarchen. Einer der Detektive ist Absolvent der Militärakademie des Vereinigten Königreichs und war im Irak und in Afghanistan im Einsatz. Sie setzten die Betreiber der Football-Leaks-Homepage unter Druck. Den Enthüllern wurde mehrfach die Seite abgeschaltet.

"Trotzdem sind wir immer noch da", sagt John. Er lächelt triumphierend, seine Augen sind weit aufgerissen. Er ist davon überzeugt, dass er das Richtige tut. Das macht den Umgang mit ihm nicht immer einfach. Denn John ist auch stur, eigensinnig und vor allem verschwiegen. Obwohl der SPIEGEL seit fast einem Jahr mit ihm in Kontakt steht, ihn Dutzende Male in unterschiedlichen Städten Europas getroffen, Hunderte Stunden mit ihm geredet hat, persönlich und am Telefon, ist immer noch unklar, ob hinter John möglicherweise Gönner mit eigenen Interessen stecken. John sagt lediglich, Football Leaks sei ein Teamprojekt. Auf weitere Nachfragen antwortet er höchstens mit einem schiefen Lächeln.

Denn es gibt auch eine andere, dunkle Seite von Football Leaks.

Sie beginnt am 3. Oktober 2015, nur fünf Tage nachdem das Projekt erstmals online ging. Nélio Lucas, der Sportchef des Fußballvermarkters Doyen, ein junger, smarter, moralflexibler Portugiese, bekommt eine E-Mail. Absender: ein Artem Lobuzov. Die Mailadresse kann ein Pseudonym sein. Klar ist lediglich, dass sie bei Yandex aufgesetzt wurde, einem russischen Provider, den auch Football Leaks nutzt.

Dieser Lobuzov beschreibt in seiner Mail, welche Dokumente ihm vorliegen: teils unappetitliches Zeug, Fotos, Kurznachrichten, Mails. "All das könnte bald online gehen und wird danach in der europäischen Presse landen", schreibt Lobuzov, "Du wärst bestimmt unglücklich, wenn das passieren würde, oder? Aber wir können sprechen …"

Nélio Lucas ahnt wohl, was da auf ihn und Doyen zurollen könnte. Der Manager ist in den vergangenen Jahren zu einer großen Nummer in der Fußballwelt aufgestiegen, wickelte große Geschäfte ab mit Superstars wie dem Brasilianer Neymar, dem spanischen Weltmeister Xavi, dem kolumbianischen Stürmer Radamel Falcao.

Machtmenschen wie Lucas sind es nicht gewohnt, dass man sie unter Druck setzt. Sie wollen die Kontrolle behalten, ihre Geheimnisse, ihr Herrschaftswissen. Und so macht Lucas das, was er kann: Er will mit dem Fremden dealen.

Lobuzov steigt darauf ein und antwortet am 5. Oktober 2015: Für eine Summe zwischen 500.000 und einer Million Euro könnte er sich vorstellen, mit Lucas ins Geschäft zu kommen, "und die Infos, die ich habe, werden eliminiert". Lobuzov schlägt vor, dass "wir das einfach und sicher lösen, am besten zwischen unseren Anwälten".

Lobuzovs Anwalt heißt Aníbal Pinto, er soll nun die weiteren Gespräche führen. Pinto kommt aus Porto, eine eher kleine Nummer, kein portugiesischer Starjurist. Und dieser Nobody soll jetzt mit den Großen der Fußballbranche verhandeln.

Ende Oktober soll es zum Treffen zwischen Lucas, dessen Anwalt und Pinto in Lissabon gekommen sein. Lucas soll Pinto bei dem Treffen einen Vorschlag unterbreitet haben, so schreibt es ein Doyen-Manager in einer Mail: Lobuzov sollte demnach angeblich 300.000 Euro erhalten, damit die Leaks aufhören.

Doyen reagierte auf eine Anfrage des SPIEGEL zu den Vorwürfen und Darstellungen ungehalten. Ein Sprecher teilte mit, dass "die Informationen total falsch und manipuliert" seien, dass die Agentur sich gegen die Veröffentlichungen juristisch zur Wehr setzen werde. Welche der SPIEGEL-Fragen auf manipulierte Dokumente hindeuten sollen? Das führte der Sprecher nicht aus.

Aníbal Pinto erklärte, er habe Lobuzov nicht geholfen, Lucas zu erpressen. Er sei lediglich als Mittelsmann beauftragt worden, um einen Deal mit einem anderen Anwalt abzuschließen. Als er beim ersten Treffen aber gemerkt habe, dass es bei diesem Geschäft um eine mögliche Erpressung gehe, habe er die Verhandlungen beendet. Er habe, so Pinto, seinen Mandanten anschließend über die rechtlichen Folgen aufgeklärt und ihm geraten, diesen Erpressungsversuch freiwillig zu beenden.

Einige vom SPIEGEL mit den Football-Leaks-Daten konfrontierte Personen und Firmen, die in den Dokumenten erwähnt werden, behaupten in ihren Stellungnahmen, dass die Daten gehackt worden seien. Eine spanische Anwaltskanzlei hat ebenso wie Doyen Anzeige gegen die Online-Enthüller erstattet.

Allerdings hat sich bislang keines der Football-Leaks-Dokumente als manipuliert oder unecht erwiesen, auch im Fall Twente Enschede hat keine der Prüfungsinstanzen die Echtheit der Papiere angezweifelt.

Die Geschichte vom Treffen zwischen Lucas, seinem Anwalt und Pinto lässt sich aus den E-Mails des Datenschatzes weiter rekonstruieren: Die drei Männer vertagen sich nach ihrem Meeting, es werden zwei weitere Wochen vergehen, bis Lucas erfährt, was Lobuzov von seinem Vorschlag hält.

Wer aber ist Lobuzov? Einer von Johns Mitstreitern? Oder ist es vielleicht sogar John selbst? Ist John ein Hacker?

John schnaubt, er sitzt jetzt seit fast fünf Stunden im gesicherten Raum des SPIEGEL. Seine Wangen sind gerötet, er reibt sich immer wieder die Augen. Seine Schuhe hat er mittlerweile ausgezogen, eine seiner Socken hat an der Ferse ein großes Loch. Man kann sehen, dass den sonst so coolen Online-Enthüller dieses Thema nervt. Bevor er antwortet, starrt er minutenlang auf den Bildschirm vor sich: "Wir haben immer gesagt, dass wir keine Hacker sind. Wir haben ein sehr gutes Netzwerk, und unsere Quellen liefern uns die Daten. Die Vorwürfe, dass wir jemanden erpresst hätten, sind total lächerlich. Es sind Anschuldigungen, die von einer kriminellen Vereinigung, einer echten Mafia-Organisation, kommen. Nichts anderes ist Doyen für uns."

Mehr gibt es für John dazu nicht zu sagen. Seine Welt besteht mittlerweile aus Feinden und Freunden.

Für Journalisten bedeutet der Austausch mit Whistleblowern fast immer, sich auch selbst infrage zu stellen: Hat das Datenmaterial eine solche Relevanz, dass die persönlichen Motive, die Biografie, sogar möglicherweise die kriminelle Vergangenheit einer Quelle in den Hintergrund geraten dürfen? Zeigen die Unterlagen einen Missstand auf, der sonst im Verborgenen bleiben würde?

Keine einfachen Fragen.

Die bekannten Whistleblower der vergangenen Jahre waren durchweg umstrittene Personen: Edward Snowden und Chelsea Manning gelten in den USA als Landesverräter. Aber was sie über das US-Militär, die Geheimdienste und deren systematische Schnüffeleien enthüllt haben, hat Diskussionen über den Umgang mit Daten und den Schutz der Privatsphäre ausgelöst.

Oder Hervé Falciani und Bradley Birkenfeld: Die beiden trugen mit ihren Datenleaks zum Begräbnis des Schweizer Bankengeheimnisses bei. Durch ihre Dokumente wurde deutlich, wie zwei global agierende Geldhäuser, UBS und HSBC, ihren Kunden halfen, Steuern in Milliardenhöhe zu hinterziehen.

Whistleblower werden zu Whistleblowern, weil sie bereit sind, über Grenzen zu gehen; manchmal sind es Grenzen des Anstands und der Moral, manchmal auch die des Gesetzbuches. Das macht sie, auch mit ihren Charakterschwächen, oft zu Helden, selten zu Heiligen.

Der SPIEGEL und seine Partner haben sich entschieden, bestimmte Teile und Geschichten aus dem Football-Leaks-Material zu publizieren. Auch wenn sie nicht endgültig klären konnten, wer hinter dem Projekt steckt. Die Daten haben eine hohe Relevanz, sie beleuchten mit der Fußballbranche ein Milieu, das entfesselt von moralischen und oftmals auch gesetzlichen Bindungen agiert. Eine Parallelgesellschaft, in der Geld mindestens so wichtig ist wie der Ball, mit dem das Spiel gespielt wird.

Ein weiterer Grund, warum das Material nun publiziert wird: Der Versuch von Artem Lobuzov, diesem großen Unbekannten mit den unappetitlichen Dokumenten, mit dem Doyen-Vertreter Lucas ins Geschäft zu kommen, endete im Nichts. Es floss kein Geld, Lobuzov lehnte das Angebot ab.

Die Gründe dafür sind nicht ganz klar. Möglicherweise bekam Lobuzov kalte Füße, oder es kam zu einem Zerwürfnis mit seinem Anwalt Pinto. Vorstellbar. Am wahrscheinlichsten ist aber eine andere Variante, ebenfalls zu finden in einem E-Mail-Verkehr in den Daten von Football Leaks: Die Polizei hörte bei dem Treffen zwischen Lucas, seinem Anwalt und Pinto nicht nur zu, sie zeichnete es auch auf.

Womöglich erfuhr Lobuzov später davon, er stieg jedenfalls aus dem Deal aus. "Behalte dein Geld, du wirst es noch brauchen", schrieb er und meinte wohl: für Rechtsanwälte.

Lucas reagierte darauf so, wie man es eher aus Mafiafilmen kennt: "Ich werde dir keine Prügel androhen, obwohl du es verdient hättest. Wir sind keine Banditen! Wir sind Leute mit Charakter und Prinzipien. Deine Lektion wird eine andere sein, und sie wird mehr schmerzen!!!!"

Das SPIEGEL-Team zu den Football Leaks
    Rafael Buschmann, Jürgen Dahlkamp, Stephan Heffner, Christoph Henrichs, Andreas Meyhoff, Nicola Naber, Jörg Schmitt, Alfred Weinzierl, Michael Wulzinger


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