AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 7/2017

Gewalt gegen Kinder Wie Männer aus zerrütteten Familien selbst gute Väter werden können

Er wurde als Junge geschlagen, als Jugendlicher gewalttätig, nun hat er selbst vier Söhne. Was muss passieren, damit Väter, die in kaputten Familien aufgewachsen sind, die erlebte Gewalt nicht an ihre Kinder weitergeben?

Manuel, Familie
Julia Unkel / DER SPIEGEL

Manuel, Familie

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Wenn Manuel erzählt, wie der Lebenspartner seiner Mutter ihn als Kind geschlagen hat, dann zeigt er auf drei Stellen an seinem Körper: auf den Schädel, die Wangen und die Brust. Er sagt: "Grün und blau."

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Heft 7/2017
Kippt sie?

Manuel war 8, als es losging. Mit 14 schickte ihn das Jugendamt in eine betreute Wohngemeinschaft, von dort in eine Pflegefamilie und wieder zurück zur Mutter. Bald begann Manuel selbst zu prügeln. Mit 15 saß er zum ersten Mal in Jugendhaft, später, volljährig, weitere zwei Male im Gefängnis. Seine Taten: Volksverhetzung, Beamtenbeleidigung, Körperverletzung. Der Achtjährige von damals hatte sich gemerkt, wie man draufhaut.

Manuel, der in Wirklichkeit anders heißt, ist heute 32 Jahre alt. Sein Kopf ist kahl rasiert, in einem schwarzen Kapuzenshirt sitzt er am Küchentisch in seiner Wohnung und raucht. Im Spülbecken hinter ihm stehen die Müslischalen der Kinder vom Frühstück.

Manuel lebt mit seiner Frau in einer kleinen Stadt am Rande des Ruhrgebiets. Er hat vier Söhne, zwei eigene und zwei aus der ersten Beziehung seiner Frau. Viele Jahre lang wuchsen die Jungs woanders auf; das Jugendamt brachte sie in Pflegefamilien unter. Zurzeit wohnen die beiden älteren Kinder wieder zu Hause. Was war geschehen? Hat Manuel zugeschlagen? Geht es für seine Söhne so weiter wie damals für ihn?

Im Jahr 2015 lebten mehr als 150.000 Kinder in Deutschland nicht bei ihren Eltern, sondern in Pflegefamilien, Wohngruppen oder Heimen. Gerichte entscheiden so, wenn sie annehmen, dass den Kindern in ihrer Familie Gefahr droht.

Die Zahl dieser Unterbringungen stieg in den vergangenen Jahren stetig. Das liegt auch daran, dass nach schrecklichen Todesfällen, wie denen von Lea-Sophie in Schwerin, Chantal in Hamburg oder Kevin in Bremen, genauer hingesehen wird.

In vielen dieser Familien scheinen Eltern in einem Kreislauf aus Gewalt und Misshandlung gefangen. Was muss geschehen, damit diese grausame Gesetzmäßigkeit durchbrochen wird? Was muss passieren, damit ein Vater wie Manuel das, was er erlebt hat, nicht an seine Kinder weitergibt? Oder noch mehr: Wie kann er ein guter Vater werden?

Die Psychologieprofessorin Katja Nowacki will dieser Frage auf den Grund gehen. Sie hat sich deshalb angesehen, wie es Männern geht, die aus zerrütteten Familien stammen und nun selbst Kinder haben. An der Fachhochschule Dortmund untersucht sie für ihre Studie 128 Väter, die in Heimen, Pflegefamilien oder mit Hilfen des Jugendamts aufgewachsen sind.

Psy­cho­lo­gin No­wa­cki
Julia Unkel / DER SPIEGEL

Psy­cho­lo­gin No­wa­cki

Es war nicht leicht, sie zu finden. Zwei Jahre lang fahndeten Nowacki und ihre Mitarbeiter mit Anzeigen in Supermärkten, im Internet und mithilfe freier Träger, etwa des Kinderschutzbunds, nach Männern, die bereit waren, über ihre Vergangenheit und ihr jetziges Leben zu sprechen. Auch Manuel hat sich für die Studie gemeldet. Vom Obdachlosen bis zum Manager in Führungsposition sei, wie Nowacki sagt, "alles dabei".

In ihrem Büro an der Dortmunder Fachhochschule öffnet Katja Nowacki auf dem Computer Tabellen mit ersten Ergebnissen ihrer Studie. "24 Prozent der Väter", sagt sie, "leben in sogenannten traditionellen Familiensettings": verheiratet mit der Mutter ihrer Kinder in einem Haushalt. Dazu kommen mehr als ein Drittel der Männer, die zwar von der Partnerin getrennt sind, aber regelmäßigen Kontakt zu den Kindern haben oder sie allein erziehen.

"Das ist die gute Nachricht", sagt Katja Nowacki. "Weit über die Hälfte der Väter spielt eine aktive, positive Rolle im Leben ihrer Kinder."

41 Prozent der Männer aber müsse man als "abwesende Väter" beschreiben. Bei ihnen verwehrt entweder das Jugendamt oder die ehemalige Partnerin den Kontakt zum Kind. Oder der Vater sucht ihn von sich aus nicht mehr.

Von diesen Vätern leide ein großer Teil unter Ängsten, Depressionen, psychischen Störungen. Manche haben Straftaten begangen, sind drogenabhängig. Das sei, so Nowacki, die Gruppe der Männer, bei denen "einiges an Problemen zusammenkommt".

Dienstagvormittag in der Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets, schmale Mehrfamilienhäuser, graubrauner Putz. Martina Furlan besucht Manuel und seine Frau; sie möchte gebrauchte Hosen und Pullover für die älteren Jungs vorbeibringen. Furlan ist Erziehungswissenschaftlerin, sie leitet den Deutschen Kinderschutzbund in Dortmund. Vor Manuels Haus parkt sie ihren Golf und holt die Tüte mit der Kinderkleidung aus dem Kofferraum.

Furlan kümmert sich seit einigen Jahren um die Familie, normalerweise ist sie dabei, wenn Manuel und seine Frau sich mit den beiden jüngeren Kindern treffen, alle zwei Wochen für zwei Stunden.

Was ist in der Familie schiefgelaufen?

Auf dem Weg in die Wohnung erzählt Furlan, dass Manuel seine Kinder nicht schlage. Dass niemand in der Familie zuschlage. "Gewalt", sagt sie, "ist hier nicht das Problem." Sondern eine falsch verstandene Fürsorge.

Manuel und seine Frau seien wie Löweneltern, die ihre Söhne viel zu sehr umsorgten. Sie aus Angst vor Krankheiten mit ein bisschen Schnupfen schon nicht in die Schule schickten. Dadurch aber nicht sehen könnten, was sie wirklich brauchen.

Die älteren Kinder, die beide eine Förderschule besuchen, sitzen auch heute nicht im Unterricht, sondern in ihren Zimmern und gucken fern. Heute früh hätten sie stark geschnieft, erzählt die Mutter später.

Reicht das, um Kinder in eine Pflegefamilie zu stecken? Furlan bleibt kurz stehen und überlegt. Sie erzählt, dass Manuel und seine Frau lange Zeit kaum über Strategien verfügt hätten, mit Problemen richtig umzugehen. Sie würden bei Gesprächen mit den Behörden schnell laut und unflätig, sie hätten bereits Hausverbot im Jugendamt. "Das muss man erst mal schaffen", sagt Furlan.

Vor Jahren hatte das Jugendamt eine Pädagogin als Unterstützung in die Familie geschickt. Es gab Probleme der Kinder in der Schule, Auffälligkeiten.

Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt war schwierig. Als eines der Kinder ein medizinisches Hilfsmittel brauchte, sagten die Eltern, sie hätten keine neue Verordnung vom Arzt bekommen. Die Mitarbeiterin gab an, die Familie hätte sich nicht gekümmert. Nach und nach schickte man die Kinder in Pflegefamilien. Seither streiten Manuel und seine Frau darum, sie zurückzubekommen.

Weder Manuel noch seine Frau haben die Schule abgeschlossen. Sie haben keine Ausbildung, keinen Job. Ihre Tage bestehen aus dem Ausfüllen von Formularen und Anträgen, aus Terminen bei Anwälten, am Familiengericht. Am Wochenende fahren sie mit den beiden Großen gern Fahrrad.

In der Küche erzählt Manuel, dass er von einem Job als Fahrradmechaniker träume. Nur lande er immer in Fördermaßnahmen, die nach wenigen Monaten ausliefen. "Was sagst du den Jungs immer?", fragt seine Frau, die neben ihm sitzt. Manuel zögert, dann sagt er: "Dass sie nicht so enden dürfen wie ich. Und die Schule fertig machen sollen."

Für Manuel und seine Familie ist es kein Kreislauf aus Gewalt, der sich fortsetzt. Es ist einer aus Hilflosigkeit und dem Unvermögen, an der eigenen Situation etwas zu ändern.

Zu Beginn ihrer Studie stellte Nowacki fest, wie stark die Bindung der Männer zu ihren eigenen Eltern war und welche Traumatisierungen sie erlitten hatten.

Der Psychologe Douglas Barnett entwickelte in den Neunzigerjahren ein System, um die Intensität der Misshandlung von Kindern einzuschätzen. Jeweils auf einer Skala von 1 bis 5 bewertete er körperliche Gewalt, sexuellen Missbrauch, emotionale oder körperliche Vernachlässigung, aber auch das Verwehren von Bildung, etwa durch das Zulassen von grundlosem Fehlen in der Schule.

Schläge, die wie bei Manuel damals in blauen Flecken resultierten, führten laut Nowacki zu einer Bewertung mit dem Schweregrad von 2 bis 3 auf der Skala. Werde ein Kind etwa mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt, führe das zu einer 5.

Nowacki ordnete ihre Teilnehmer mithilfe der Skala ein, um zu sehen, wie sich die Traumatisierungen auf ihre Fähigkeit, selbst ihre Rolle als Vater einzunehmen, ausgewirkt haben.

"Es ist völlig klar", sagt Nowacki, "je mehr ungünstige Erfahrungen die Väter hatten, umso höher ist ihre psychische Belastung auch heute." Und umso weniger Kontakt hätten sie zu ihren Kindern. Zumal auch die Kinder stärker belastet wären, ein höheres Maß an Auffälligkeiten zeigten.

Von den Kindern der 41 Prozent Väter, die keinen Kontakt mehr zu ihrem Nachwuchs haben, sind 18 Prozent in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht. Nowacki kann nicht sagen, wie viele dieser Väter ihre Kinder geschlagen haben. Aus Angaben der freien Träger aber weiß sie, dass es in den meisten Fällen um mangelnde Ressourcen, Überforderung oder Drogenmissbrauch ging.

Mit 128 Teilnehmern sei ihre Studie zu klein, um repräsentative statistische Aussagen zu ermöglichen. Größere Studien, etwa aus den USA, ergäben, dass etwa ein Drittel der Personen mit Gewalterfahrungen diese an ihre Kinder weitergibt.

"Es ist wichtig zu sehen", sagt Nowacki, "dass es keine automatische Weitergabe der Gewalt gibt." Die Mehrheit der Menschen, die selbst Gewalt erlebt haben, würde eben nicht selbst schlagen.

Schon seit Längerem wissen Forscher, dass es wichtige Einflüsse gibt, die helfen, den Kreislauf zu durchbrechen. Die Psychologen nennen sie "Schutzfaktoren". Einen der wichtigsten konnte Nowacki bei einem ihrer Studienteilnehmer sehen.

Andreas, dessen Name geändert ist, forscht als Mitarbeiter an einer Universität und lebt gemeinsam mit seiner Frau und einem kleinen Kind. Aufgewachsen ist Andreas mit mehreren Geschwistern im Ruhrgebiet, die Mutter drogenabhängig, psychisch krank, den Vater lernte er nie kennen. Mit 13 schickte das Jugendamt ihn ins Kinderheim.

"Dort hat er durchweg gute Erfahrungen gemacht", sagt Nowacki. Er habe Anschluss und Bestärkung gefunden und einen Erzieher, der ihm stets Mut machte und sagte: "Ich weiß, aus dir wird was."

Verlässliche soziale Kontakte zu erfahren sei ein wichtiger Schutzfaktor für die Kinder, sagt Nowacki. Dessen positiver Effekt sei bei Männern sogar noch stärker als bei Frauen.

"Die Gruppe derjenigen, die viele Unterbringungen in ihrer Kindheit erlebt haben, ist psychisch viel stärker belastet", erzählt sie. Wer in ihrer Studie in mehr als drei verschiedenen Pflegefamilien oder Heimen aufgewachsen sei, habe deutlich mehr Probleme.

Um den Kreislauf von Gewalt und Misshandlung zu durchbrechen, rät Nowacki, Kinder schon früh so gut wie möglich vor diesen Belastungen zu schützen. Stattdessen sollten die Mädchen und Jungs erfahren, dass es Menschen gibt, die zuverlässig für sie da sind, zu denen sie gute, stabile Beziehungen aufbauen können, ob im Heim, in der Pflegefamilie oder in einer Nachmittagsbetreuung nach der Schule.

Einen weiteren wichtigen Schutzfaktor erlebt Manuel gerade in seiner Familie: das Aufgehobensein in einer guten Partnerschaft. "Bei allem Hin und Her", sagt Martina Furlan vom Kinderschutzbund, "ist die Beziehung zwischen den beiden sehr gut. Sie unterstützen sich gegenseitig."

Auch Katja Nowacki sieht in ihrer Studie, dass Männer, die auf eine sensible Partnerin treffen, sehr positive, korrektive Erfahrungen machen. Sie können einen Teil ihrer Vergangenheit mithilfe der Partnerin hinter sich lassen.

Zwar blickt sie in ihrer Studie auf die Väter, dennoch steht für Nowacki das Kindeswohl an erster Stelle. "Wir müssen sehen, dass es immer wieder Eltern gibt, die eine Gefahr für ihre Kinder darstellen." Dann gelte es, zu handeln und die Kinder zu schützen.

Wenn man aber die begründete Hoffnung hege, dass Eltern willens sind, die Umstände oder sich selbst zu verändern, könne man mit Hilfen ansetzen. Solche Stellen, an denen Neues keimen könnte, hat Nowacki erkannt.

In ihrer Studie beobachtete sie Väter jüngerer Kinder beim gemeinsamen Spiel. Sie sah, dass eigentlich alle Teilnehmer gut mit den Kindern spielten. Dass aber diejenigen, die Gewalt oder Vernachlässigung erlebt hatten, Defizite zeigten. "In der Feinabstimmung kamen sie nicht so gut zurecht. Sie bauten weniger Vertrautheit im Spiel auf, gaben weniger Struktur vor", erzählt Nowacki. "Sie waren häufig hilflos und sagten: ,Das mache ich eher selten.'" Trotzdem berichteten auch diese Väter später, dass sie sich gern mit ihren Kindern beschäftigten. "Auch sie wollen der Norm dessen entsprechen, was heute als guter Vater gilt."

Um die Qualität des Umgangs mit Sohn oder Tochter zu verbessern, wünscht sich Nowacki für diese Väter mehr Begleitung. Die meisten Elternprogramme richteten sich zwar an Mütter wie Väter, wären didaktisch aber eher auf die Frauen zugeschnitten.

Nowacki hat lange als Sozialarbeiterin gearbeitet. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer viele Väter in konfliktreichen Familien greifbar sind, sich über Gespräche und Erklärungen kaum erreichen lassen. "Wenn ich aber zwei Eltern in einer Familie habe, die beide ihre Belastungen mit sich herumtragen, lohnt es sich zu gucken, dass jeder, Mutter wie Vater, das beiträgt, was möglich ist."

Nowacki glaubt, dass den Männern schon praktische Tipps wunderbar helfen könnten: wie sie mit dem Kind spielen, planen, bauen. Ohne dabei die Eltern in eine Konkurrenz drängen zu wollen. "Weder Mütter noch Väter sollen benachteiligt werden."

Gegen Mittag verabschiedet sich Martina Furlan von Manuel und seiner Familie. Auf dem Weg zum Auto sagt sie: "Auch wenn das viele meinen: In unserer Arbeit hat sich nicht alles verschlechtert."

Was ist besser?

"Die körperliche Gewalt ist weniger geworden", sagt Furlan. "Die Erkenntnis, dass Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben, hat sich mehr oder weniger durchgesetzt." Es sei schlicht nicht mehr gesellschaftsfähig zu sagen, dass der Nachwuchs eine Tracht Prügel verdient habe.

Furlan glaubt, dass die Mehrheit der Eltern die Kinder nicht vernachlässige, weil sie das wollten, sondern weil sie überfordert seien. "Das wird es immer geben", sagt Furlan, "Überforderung wird man nie abschaffen können." Doch jede Generation von Eltern gehe wieder neu an den Start und wolle das Beste für ihr Kind. Davon sei sie überzeugt.

Tatsächlich?

"Ja", sagt Furlan, "dieser Wunsch ist da. Der steckt in jedem Knopfloch. Darauf müssen wir aufbauen."



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600watt 16.02.2017
1. diese ständige werbung für
aber den letzten lesbaren satz: "Was war geschehen? Hat Manuel zugeschlagen? Geht es für seine Söhne so weiter wie damals für ihn?" so zu formulieren liest sich wie ein billiger fortsetzungsroman inklusive billigem cliffhanger. komischer stil.
m.m.s. 16.02.2017
2. Jugendamt und Alleinerziehung
Dieser Artikel belegt wieder an Einzelfällen, was das Aufwachsen von vor allem Jungens bei einer Alleinerziehenden oder in Jugendamtseinrichtungen bedeutet. Was er weiters unterstützt, ist die Erkenntnis über die heutige Rechtslage, die eine Zerrüttung der Familie hervorruft oder fördert, und dann zu Jungens führt die ohne Väter aufwachsen. Es ist auch bekannt, dass eine psychologische Intervention wenig bewirkt, wenn die Ursache nicht beseitigt wird. Wie löblich es auch ist, den Vätern psychologisch zu helfen, wenn die Grundlagen in der Realität nicht geordnet werden, dann ist die psychologische Intervention im Großen und Ganzen auf verlorenem Posten.
killing joke 16.02.2017
3. Missbrauch durch Mütter
Wie immer bei dem Thema folgt die Erzählung noch dem "Mutter-Mythos", der in der Gesellschaft weit verbreitet ist d.h. mißbrauch ist immer nur körperlicher Mißbrauch und der findet zu 90% durch gewalttätige Männer statt. Dass Frauen ihre Triebe genauso rücksichtslos an ihren Kindern abreagieren können wie Männer lässt das Bild der heiligen alleinerziehenden Opfermutti immer noch nicht zu. Dabei sind sie es, die überwiegend dafür verantwortlich sind, dass die Kinder ohne Vater aufwachsen müssen, da "die Beziehung scheitert" wie es so schon im hedonistischen unverbindlichen Beliebigkeits-Neusprech heißt.
Pride & Joy 16.02.2017
4. Gewalt in der Kindheit
Es geht im vorliegenden Artikel darum, dass erlebte Gewalt in der Kindheit an andere weitergegeben werden kann, wenn diese nicht verarbeitet werden konnte. Dies ist nicht immer der Fall, die meisten Gewaltopfer erlenen später die Zusammenhänge zu differenzieren und können ihr Handeln auch kotrollieren. Wer heute noch eine Familie als den Ort an dem Kinder in Wertschätzung und Geborgenheit aufwachsen können begreift, wird zu dem Schluß kommen müssen, dass Missbrauchsopfer gar keine echten Familien hatten, die sie beschützen und begleiten konnten, sondern Familien in denen ein Wirgefühl und ein Verantwortungsbewusstsein gar nicht vorhanden waren. Wer aber *die Familie* immer noch als *den Ort der Geborgenheit* begreift, also ihr einen Stellenwert beimisst, der ihr gar nicht zusteht, handelt einzig und allein in der egoistischen Absicht den Druck auf Alleinerziehende, auszuüben. Dass Alleinerziehende sich einreden lassen, dass sie diese Aufgabe nur mit Hilfe eines Partners absolvieren können, ist bekannt. So fällt es den Betroffenen oft besonders schwer sich vom Tätermilieu zu distanzieren und die richtige Entscheidung für sich und ihre Kinder zu treffen. Ich kann deshalb nur den Betroffenen raten, auf die eigenen Fähigkeiten und Werte zu bauen und den einmal richtig getroffenen Entschluß nicht zu revidieren.
m.m.s. 16.02.2017
5.
Zitat von killing jokeWie immer bei dem Thema folgt die Erzählung noch dem "Mutter-Mythos", der in der Gesellschaft weit verbreitet ist d.h. mißbrauch ist immer nur körperlicher Mißbrauch und der findet zu 90% durch gewalttätige Männer statt. Dass Frauen ihre Triebe genauso rücksichtslos an ihren Kindern abreagieren können wie Männer lässt das Bild der heiligen alleinerziehenden Opfermutti immer noch nicht zu. Dabei sind sie es, die überwiegend dafür verantwortlich sind, dass die Kinder ohne Vater aufwachsen müssen, da "die Beziehung scheitert" wie es so schon im hedonistischen unverbindlichen Beliebigkeits-Neusprech heißt.
Zwar hätte ich das nicht so krass formuliert, aber im Grunde muß ich Ihnen zustimmen. Prof. Katja Nowacki sollte sich als nächster Schritt der psychischen Kindesmisshandlung (internationale Terminologie: emotional child abuse) forschend widmen, die in Deutschland selbst in Fachkreisen fast unbekannt ist. Dazu gibt es umfangreiche Literatur und Erkenntnisse, die allerdings bevorzugt vom psychologisch ungeschulten Jugendamt ignoriert wird. Dies trifft aber genauso auf Kinderpsychologen und Kinder- und Jugendpsychiater zu. Insbesondere Jungens werden damit komplett und lebenslang geschädigt, die Therapie ist extrem langwierig, schwierig und kostspielig und es gibt keine Therapiestandards, da alles am individuellen Kind speziell entwickelt werden muss. Um die Literatur zu verstehen braucht es viel Geistesgröße, Leidensbereitschaft und Durchhaltevermögen - das würde etwas Positives hervorbringen. Diese Bereitschaft fehlt der kurzsichtigen Zeit heutzutage, und insbesondere den Jugendämtern die damit überfordert sind, und damit schlimme Situationen als eingebauten Betriebsfehler fast immer nur verschlimmbessern können. An dem letzteren ist dann wieder die Gesetzgebung als Ursache auszumachen, denn Jugendämter sind letztendlich lediglich ausführende Verwaltungsbehörden.
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