AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 18/2017

Grüne in der Krise Operation Robert

Miese Umfragen, ratlose Funktionäre: Bei den Grünen wächst die Angst, aus dem Bundestag zu fliegen. Muss ein neuer Spitzenkandidat her, um die Partei zu retten?

Grünenpolitiker Habeck: "Ich höre immer, alles sei scheiße"
Imke Lass/Laif

Grünenpolitiker Habeck: "Ich höre immer, alles sei scheiße"

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Wenigstens er kann noch lachen. Robert Habeck steht an diesem windigen Aprilmontag in einem Hausflur in Kiel und spricht mit einem Studenten, 21 Jahre, rote Haare, roter Ziegenbart. Er wisse nicht so recht, wen er wählen solle bei der Landtagswahl in zwei Wochen. "Ich habe da so ein, zwei Sachen, die mich stören bei den Grünen", sagt er.

Habeck, lässig an den Türrahmen gelehnt, pariert: "Eigentlich hör ich immer, bei den Grünen sei alles scheiße. Da ist es doch schon toll, wenn es nur ein, zwei Sachen sind." Dann lacht er laut.

Es gibt im Moment nicht so viele Grüne, die noch einen Sinn für Selbstironie haben. Habeck, Vizeministerpräsident von Schleswig-Holstein, gehört dazu. Es läuft gut für ihn; vom Rest der Partei kann man das nicht behaupten.

Die Grünen im Norden liegen in jüngsten Umfragen stabil bei zwölf Prozent. Wenn nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, können sie weiter mitregieren. Im Bund dagegen gehen die Zahlen seit Monaten nach unten. Selbst das Undenkbare scheint möglich: dass die Partei bei der Bundestagswahl unter die Fünfprozenthürde rutschen könnte.

Die grünen Funktionäre in Berlin schwanken zwischen Ratlosigkeit und Panik. Bei jedem Treffen geht es mittlerweile um die schlechten Werte, man spricht sich Mut zu. "Therapiesitzungen" heißen solche Runden inzwischen bei einigen. "Die Grünen haben gerade eine schwere Phase", gesteht Fraktionschef Anton Hofreiter. Und die Abgeordnete Annalena Baerbock berichtet: "Bei einigen Grünen setzt sich ein gefährliches Gefühl durch: Sie denken, wir können gerade machen, was wir wollen, trotzdem fallen die Umfragewerte." Dabei müsse man jetzt erst recht deutlich machen, wofür die Partei stehe, Klimaschutz, gute Kitas und Schulen und eine offene Gesellschaft etwa.

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Grünen-Spitzenduo Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir
AFP

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Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 18/2017
Der große SPIEGEL-Vergleich: Deutschlands ungerechte Schulen


insgesamt 16 Beiträge
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ulrich_loose 01.05.2017
1. Auch ein Neuer
hilft nicht weiter, denn der ist auch nur "Wir Grüne".... Der Rest des linksgrünen Personals bleibt ja erhalten und ganz sicher auch die grüne Linksjugend. Wenn "Der Robert" etwas bewirken sollte, dann nur in Form des Einlullens der Wähler ohne auch nur irgendetwas zu ändern.
arago 01.05.2017
2. Mit 75 Stimmen Vorsprung
so tun, als können man das mit ein paar salbungsvollen Worten so abtun, geht gar nicht. Die unterlegene Hälfte der Wählenden ist jedenfalls frustiert - keine gute Basis für einen erfolgreichen Wahlkampf. Wenn es auch die Grünenmitglieder mit hauchdünner Mehrheit etwas anders sehen, die Zeit für Cem Özdemir mit seinen aufgesetzten Tieftonreden als Spitzenkandidat ist vorbei. Er könnte sich vielleicht noch im zweiten Glied halten. Herr Habeck macht jedenfalls den Eindruck, endlich mal ein volksnaher Kandidat zu sein, ungeschliffen und echt!
taglöhner 01.05.2017
3. Hmmmmm, ganz schwer, mal überlegen....
Mehr von dem, was die Grünen machen, wo sie gut ankommen et vice versa vielleicht?
sonntag500 01.05.2017
4. Wie eine Fußballmanschaft, ...
... die dem Tempo nicht standhalten kann und sich verzettelt, die in die Zweite Liga absteigt, um sich neu zu besinnen. Aber die Eliten der Grünen halten an ihren Pfründe fest. Ein Untergang, wie uns die Piraten vormachen, ist so nicht zu vermeiden. Ich persönlich weine dieser Vorschriften machenden Gruppierung keine Träne nach.
sojetztja 01.05.2017
5.
Da muss man doch nicht so viel ruminterpretieren, denke ich. Unsere Gesellschaft ist im Wandel und man traut den Grünen nicht zu, in den Konflikten, die zwangsläufig auf uns zukommen werden, pragmatische Lösungen zu finden. Die Grünen gelten - zurecht, wie ich persönlich finde - als zu ideologisch, zu realitätsfern, zu sozialromantisch. Neue Wähler bekommt man so nicht. Und die Stammwähler der letzten Jahre? Seit die traditionelll besserverdienenden Grünenwähler in ihren Neubausiedlungen und In-Stadtteilen merken, dass grüne Politik, wenn man sie ernst nimmt, auch an ihren Interessen kratzt, sind sie etwas verschreckt... So nach dem Motto: "Flüchtlinge - ja,klar. Aber doch nicht in meiner Straße!" - "PKWs aus der Innenstadt - Ja klar. Aber doch nicht mein SUV!" - "Andere Kulturen verstehen? Ja, klar. Aber doch nicht diese Erdogananhänger und Steinzeitislamisten!" - "Schulreformen? Ja, klar. Aber mein Ben-Leander soll nicht mit den Schmuddelkindern in eine Klasse!" und so weiter.
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