AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 10/2017

Ein Bürgermeisterkandidat bringt sein Dorf gegen sich auf Aus Satire wurde Ernst

Henricus Pillardy wollte Hessens jüngster Bürgermeister werden. Und ein bisschen Spaß haben. Nun steht der 22-Jährige wegen Wählertäuschung vor Gericht. Was ist geschehen?

Henricus Pil­lar­dy
Maik Großekathöfer / DER SPIEGEL

Henricus Pil­lar­dy

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Im März soll Henricus Pillardy wieder im Amtsgericht zu Korbach erscheinen, und dann wird entschieden, ob er ins Gefängnis muss. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft. Pillardy, 22 Jahre alt und Student der Philosophie, verzichtet auf einen Anwalt, er verteidigt sich selbst. Er sagt, er habe nichts getan, was dem Recht widerspreche. Zur Last gelegt werden ihm Volksverhetzung, Wählertäuschung, Urkundenfälschung.

Dabei wollte Pillardy doch nur Hessens jüngster Bürgermeister werden. Und ein bisschen Spaß haben.

Pillardy ist in Ehringen aufgewachsen, einem Dorf mit gut 700 Einwohnern in der Nähe von Kassel. Es gibt dort eine evangelische Kirche aus rotem Stein und ein Fachwerkhaus mit der Inschrift: "Gott gab die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt." Er trägt die Haare etwas länger und eigentlich immer einen Hut. Das Leben auf dem Land war nichts für ihn. Er ging nicht zur freiwilligen Feuerwehr, nicht zum Posaunenchor, nicht in den Gesangsverein. Dafür las er schon als Jugendlicher Adorno, Horkheimer und Nietzsche. Er sagt: "Die waren in ihrem philosophischen Schaffen genauso isoliert wie ich." Man könnte Pillardy als etwas altklug verstehen.

Er fragte sich, warum die Leute seit 18 Jahren immer denselben Mann zum Bürgermeister wählen. "Das ist ein umgänglicher Herr, der aber nichts anderes tut, als bei der Eröffnung des Rewe oder beim Karneval ein paar Hände zu schütteln", sagt Pillardy bei einer Tasse Earl Grey. Er fand, es sei an der Zeit, ihn herauszufordern.

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insgesamt 17 Beiträge
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stefan7777 09.03.2017
1. Markus Söder
Ganz der junge Söder würde ich sagen. Der ist auch vor 15 Jahren auf dem Fahrrad mit Anhänger in Nürnberg zur Hauptverkehrszeit auf einer vierspurigen Straße rum getingelt um Wahlkampf zu machen... äh um aufzufallen.
anschlha69 09.03.2017
2. Ich bin ganz sicher kein Söder-Fan...
...und noch viel weiter von der CSU entfernt. Aber ich glaube wir tun Herrn Söder unrecht den jungen Mann aus Nordhessen auch nur ansatzweise mit Söder zu vergleichen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.
anschlha69 09.03.2017
3. selbst der schlechteste satiriker hat noch respekt vor seinen mitmenschen.
und genau den hat er nicht.
hal5000 09.03.2017
4.
Dieser Junge ist ganz offensichtlich kein Satiriker, sondern ein bestenfalls intellektuell durchschnittlich ausgestatteter Möchtegern-Intellektueller. Ein Hut als Showelement, das Lesen (aber möglicherweise nicht Verstehen) von philosophischen Werken, Überheblichkeit und eine gewisse Hybris und Egozentrik machen eben noch lange keine Persönlichkeit aus. Für mich ein, mindestens bezüglich Reife, Intellekt und Kenntnis der eigenen Sprache (s. "dass / das") etwas zurückgebliebenes Produkt der heutigen schulischen und gesellschaftlichen Prägung, der plötzlich feststellen muss, dass im echten Leben aus Handlungen Konsequenzen erwachsen und dass die eigene Sicht der Dinge nicht immer die richtige sein muss. Tja, die Realität ist eben nicht der Sandkasten oder die Waldorfschule, in dem / der noch jeder dumme Furz des Kleinen bejubelt und von einer wohlmeinenden Mami zum Jasminaroma erklärt wurde.
lawyer78 09.03.2017
5. Grafologe?
Ich hoffe sehr, dass das Gericht statt eines "Grafologen" einen forensischen Schriftsachverständigen für die Prüfung der Echtheit der Unterschriften bestellt hat. Der Autor möge mal den Unterschied recherchieren...
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