AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 11/2017

Hotel Mama Wenn Eltern klammern

Wenn erwachsene Kinder nicht ausziehen wollen, liegt das nicht nur an ihrer Unselbstständigkeit und der Bequemlichkeit im Hotel Mama: Manche Eltern versuchen regelrecht, die Trennung zu verhindern.

Szene aus "Der Nesthocker"
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Szene aus "Der Nesthocker"

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Ein Traum, ein Albtraum von Familie: Mama, Papa und das Wunschkind - so süß, dass die Eltern ihm bald nach der Geburt ins Ohr raunen, es könne ewig bei ihnen bleiben. Und dann droht genau das: Der Sohn, inzwischen Doktorand der Sinologie, wohnt mit 28 Jahren immer noch zu Hause. Als er schließlich widerstrebend auszieht, kehrt er wenig später zurück - ein Nervenbündel, gescheitert am wahren Leben ohne Mama und Papa.

"Der Nesthocker" heißt die Kinokomödie, die vor 16 Jahren mit den Mitteln der Komik jene Frage stellte, die längst auch Therapeuten, Entwicklungspsychologen und Erziehungswissenschaftler ernsthaft beschäftigt. Was bloß hält so viele junge Erwachsene im elterlichen Haushalt - obwohl sie doch schon lange eigenständig leben könnten? Das Thema sei ein Dauerbrenner ihrer Generation, meint auch die 21-jährige Marie Unverzagt, die am Ende einer fast zwei Jahre andauernden Weltreise wieder bei ihrer Mutter eingezogen ist. "Vielen meiner Freundinnen fällt es ebenfalls extrem schwer zu gehen."

2,73 Millionen der 20- bis 39-Jährigen in Deutschland sind Statistiken zufolge Nesthocker, auch jede fünfte Studentin und jeder vierte Student. Die jungen Männer sind ohnehin sesshafter; sogar unter den 40-Jährigen finden sich, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, vier Prozent, die noch bei den Eltern leben - im Vergleich zu einem Prozent Frauen. Steigende Mieten, lange Ausbildungszeiten und unsichere Berufseinstiege erschweren die eigene Haushaltsgründung; der Übergang ins Erwachsenendasein dauert länger als in früheren Generationen. Seit 1980 hat sich die Zahl der zu Hause lebenden volljährigen Kinder unter 25 verdoppelt. Doch das Stereotyp des komfortverliebten Dauergastes im Hotel Mama wankt. Es sind genauso die Eltern, die schlecht allein leben können - so lassen sich die Einschätzungen vieler Experten zugespitzt zusammenfassen. Zahlreiche Mütter und Väter wollen ihre Kinder so lange wie möglich bei sich wissen. Was sind ihre Motive?

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Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Heft 11/2017
Erdogans Deutschland - Geschichte einer Spaltung

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
alternativloser_user 14.03.2017
1. ...
Nach Schule, Ausbildung, Studium folgt meist erstmal ein (mehrmals) befristeter und nicht so gut bezahlter Vertrag. Oder Zeitarbeit oder direkt erstmal Arbeitslosigkeit. Ist doch klar, dass bei sowas für viele die finanzielle Belastung einer eigenen Wohnung zu hoch ist und die Leute erstmal bei den Eltern wohnen bleiben. Denn selbst wenn es beruflich ganz schlecht läuft hat man so immer ein Dach überm Kopf und landet nicht auf der Straße oder im Schuldensumpf. Den Leuten fehlt die finanzielle Sicherheit die die vorherigen Generationen hatten, also sucht man Sicherheit im Elternhaus. Die gleiche Problematik trifft übrigens auch auf junge Familien zu, nur dass es dort halt dazu führt, dass immer weniger Kinder in die Welt gesetzt werden. Das ganze ist ein hausgemachtes gesellschaftliches Problem, begründet in der modernen Arbeitswelt.
falco1001 14.03.2017
2. Subjektive Ursachen überwiegen bei weitem
Im Gegensatz zu #1 meine ich, dass Arbeitslosigkeit oder schlecht bezahlte Zeitarbeit kein guter Grund ist, als 30jahriges "Kind" zu Hause zu wohnen. Man hat zB den ersten Lebensabschnitt nicht gemeistert und typischerweise auch keinen Partner (ich habe noch nicht gehört, dass Paare freiwillig länger bei Eltern wohnen), und nun kommt Mama, erklärt dem vergötterten Sohnemann, dass die Welt zu dumm ist, seine Talente zu erkennen und lebt ihr Helfersyndrom aus. Paradox: der Helfer als Egoist, der - meist unbewusst - seine Helferbedürfnisse befriedigt und die Unselbständigkeit des anderen billigend in Kauf nimmt und sogar fördert. Solche Situationen gilt es zu erkennen.
jujo 14.03.2017
3. ...
Menschen die ich kenne und deren nähere Lebens- und Familienverhältnisse mir vertraut sind. Darunter ist mir nicht einer bekannt, wo geklammert wird oder der erwachsene Nachwuchs nicht ausziehen will. Diese ganze Thematik betrifft m.E. nur eine nicht relevante Randgruppe.
quark2@mailinator.com 15.03.2017
4.
Mal ne dumme Frage - warum wird hier immer so getan, als wäre das ein unhaltbarer Zustand, gegen den man was tun müsse und wo es quasi Schuldige gibt ? Wir sind hier nun derart tolerant geworden, was andere Gebiete des Zusammenlebens angeht, aber hier maßen wir uns an zu definieren, was richtig ist ? Laßt die Leute doch leben, wie sie wollen. Wenn sich eine Symbiose zwischen den Generationen ergibt, ist das deren eigene Sache. Ich bin in sehr jungen Jahren raus in die Welt, habe viele Jahre sonstwo verbracht und komme nun langsam wieder zurück, aber ich entscheide selbst, wann ich wo sein will. Und sollte ich mich entscheiden, zu meinen Eltern zu ziehen, ist das nur unsere Sache. Da hat aus meiner Sicht niemand die Nase zu rümpfen.
joerge11 15.03.2017
5. Familie ist am wichtigsten
Wie wäre es, wenn Frau Katja Thimm mal in Thailand eine Aufgabe für den Spiegel übernähme und nach 5 Jahren zurückkäme ? Sie würde lächeln, lächeln über das, was sie hier geschrieben/abgeschrieben hat. Wer wie ich drei Jahre in Thailand gelebt - und ein wenig das so leichte Thai sprechen, lesen und schreiben zu lernen versucht hat, der sieht, wie einseitig und rückständig unser gesellschaftliches Leben geworden ist. Es gibt kein Erziehungssystem weltweit, welches auch nur annähernd an das thailändische heranreicht. Schon für das älteste Kind, das von den jüngeren Geschwistern lebenslang als Vorstandsvorsitzende anerkannt wird, haben die Thailänder ein eigenes Wort. Und nach Möglichkeit sucht der dortige Vater nach einem größeren Haus, damit darin die Familien seiner Kinder und Enkel glücklich leben können. Bei uns gibt es das noch in manchen Familien auf dem Lande und in Gemeinschaften von Zugezogenen, leider allmählich abnehmend. Ansonsten leben wir im Westen in einem mehr egoistischen Feld der Abgrenzung und sehen die amerikanische Lebensführung als nachahmendswert an.
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