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Im neuen SPIEGEL: Deutsche Rüstungsexporte; in der WG von Pussy Riot; Rausch auf dem Kunstmarkt; Nofretete

Von Chefredakteur Georg Mascolo

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Liebe Leserin,
lieber Leser,

wenn der Bundessicherheitsrat, das geheimste Gremium der Bundesregierung, zusammentritt, stellt Angela Merkel gern eine Frage: Wer denn da schon wieder mit dem SPIEGEL gesprochen habe. Alle Beratungen des Gremiums sind als streng geheim eingestuft. Die Kanzlerin ist sauer darüber, dass der SPIEGEL in den vergangenen Monaten immer wieder Details geplanter Rüstungsdeals öffentlich machte - seien es "Leopard"-Panzer für Saudi-Arabien oder Katar, Fregatten für Algerien oder U-Boote für Israel und Ägypten. Die neue deutsche Rüstungspolitik sieht Waffenexporte vor, die früher tabu waren; für Merkel sind auch autoritäre Staaten Partner, wenn sie sich im Sinne Deutschlands engagieren. "Die Kanzlerin ist bereit, hochumstrittenen Rüstungsgeschäften ihren Segen zu geben", sagt SPIEGEL-Redakteur Holger Stark. "Sie scheut aber die öffentliche Debatte darüber." Jetzt hat die Kanzlerin wieder Grund, sich zu ärgern: In der Titelgeschichte beschreibt ein Team von Redakteuren zwei brisante Deals, mit denen sich der Bundessicherheitsrat am vergangenen Montag beschäftigte: die Ausfuhr von Panzerabwehrwaffen nach Israel und einen weiteren Wunsch der saudischen Scheichs nach Radpanzern.

Matthias Schepp, Moskauer Büroleiter des SPIEGEL und seit zwanzig Jahren Auslandskorrespondent, machte am vergangenen Donnerstag eine neue Erfahrung. Nachdem er und der Fotograf Denis Synjakow eine der noch nicht verhafteten Aktivistinnen der zu Weltruhm gelangten russischen Protestgruppe Pussy Riot aufgespürt hatten, stand Schepp Schmiere, als Synjakow in Sichtweite des Kreml ein Porträt der Frau schoss. "Als Wachpersonal anrückte, haben wir dann alle zusammen schnell das Weite gesucht", sagt Schepp. Es war das erste Mal, dass sich eine der Frauen, die seit der Verhaftung ihrer Mitstreiterinnen im Untergrund lebten, zu einem Treffen mit Journalisten bereitfand. Die SPIEGEL-Leute waren auch die ersten Pressevertreter, denen Pussy Riot Zugang zu einer Wohnung gewährte, in der sich die freigelassene Jekaterina Samuzewitsch und Sympathisanten der Gruppe immer wieder aufhalten. "Pussy Riot steht in Russland von allen Seiten unter Druck", sagt Schepp. "Fürs Erste hat Putin gewonnen."

Der Kulturteil des SPIEGEL ist dem Kunstmarkt gewidmet, der ausgerechnet in diesen Krisenzeiten einen nie dagewesenen Boom erlebt. Am kommenden Mittwoch eröffnet in Florida die Art Basel Miami Beach, eine der wichtigsten Messen für Gegenwartskunst, es werden Rekordumsätze erwartet. Während früher galt, dass es dem Kunstmarkt dann gutgeht, wenn auch die Wirtschaft floriert, so scheint dies heute ins Gegenteil verkehrt. "Das Geschäft mit der Kunst blüht gerade wegen der Verunsicherung über die Zukunft, Anlegern erscheint sie als verlockender Wert", sagt SPIEGEL-Redakteurin Ulrike Knöfel, die in Paris den einflussreichen österreichischen Galeristen Thaddaeus Ropac traf, der gerade eine neue Dependance einweihte. Den Kampf der Milliardäre um die besten Stücke in Miami beschreibt der US-Schriftsteller Tom Wolfe in einem Kapitel seines neuen Romans "Back to Blood", das der SPIEGEL als Vorabdruck publiziert.

Vor genau 100 Jahren entdeckte Ludwig Borchardt, der Schatzjäger des Deutschen Reichs, die Büste der Nofretete - ein Urbild der Schönheit und vielleicht die größte Kostbarkeit, die uns das Altertum vermacht hat. Ägypter haben das Gesicht der rätselvollen Pharaonin seither immer wieder zurückgefordert. SPIEGEL-Redakteur Matthias Schulz hat ein Dokument eines Augenzeugen ausgewertet, das beschreibt, wie die Fundteilung damals in Ägypten ablief. Borchardt, so schließt Schulz, ging ausgebufft, wenn nicht sogar listig zu Werke, um die Kostbarkeit für Berlin zu retten. Dabei hat er womöglich juristisch eine rote Linie überschritten. Im Neuen Museum in Berlin eröffnet am 7. Dezember die Ausstellung "100 Jahre Fund der Nofretete".

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Georg Mascolo

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