Im neuen SPIEGEL: Der Ikea-Konzern, Drohnenpiloten im Training, Spätfolgen des Winnenden-Amoklaufs, Ehrung für SPIEGEL-Redakteure

Von Chefredakteur Georg Mascolo

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Mascolo

Liebe Leserin,
liebe Leser,

es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, der noch nie bei Ikea eingekauft hat. Der Konzern verspricht den Menschen "ein besseres Leben", wenn sie sich mit Möbeln von Ikea einrichten. Dabei steckt das Unternehmen voller Widersprüche. Es predigt Individualität und verkauft Masse. Es schreibt sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen und rodet Wälder. Es beruft sich auf den schwedischen Wohlfahrtsstaat, trägt aber kaum etwas zu dessen Finanzierung bei - die Konzernzentrale liegt in den steuergünstigen Niederlanden. Für die SPIEGEL-Titelgeschichte reisten meine Kollegen Susanne Amann, Markus Brauck und Janko Tietz ins belgische Antwerpen, in die Niederlande, nach London, wo Ikea einen eigenen Stadtteil baut, und ins schwedische Älmhult. Dort drehte Konzernchef Mikael Ohlsson den Spieß um und befragte die SPIEGEL-Leute. Ob Ikea mit seiner Strategie glaubwürdig sei, wollte er wissen. "Die übertriebene Wohlfühl-Lyrik", so die ehrliche Antwort, könne "die dunklen Seiten des Unternehmens kaum kaschieren".

Gleich zwei Reportagen im aktuellen SPIEGEL handeln von Menschen in einer Extremsituation, nämlich im Angesicht von Gewalt und Tod. Die beiden Geschichten nähern sich dem Thema auf sehr unterschiedlichen Wegen: Meine Kollegin Simone Kaiser porträtiert einen Polizisten, der am Vormittag des 11. März 2009 in Winnenden zum Einsatz gerufen wurde - ein Amokläufer hatte in der Albertville-Realschule zehn Menschen erschossen und war nun auf der Flucht durch die Stadt. Nachts musste der Polizist zur Leichenschau. Seine Aufgabe: die Schusswunden der Schüler einzeln zu dokumentieren. Bis heute träumt der Mann von den Toten, ein normales Leben ist ihm kaum noch möglich. So wurde auch er zum Opfer. Das Gegenteil der unkontrollierbaren Gewalt des Amokläufers, den kalt berechneten Tod, per Joystick und am Monitor ins Ziel gelenkt, beschreibt SPIEGEL-Redakteurin Nicola Abé. Sie besuchte eine Trainingsanlage für amerikanische Drohnenpiloten. Hier lernen sie das Fluggerät zu steuern, das in tausenden Kilometern Entfernung über afghanischen Häusern kreist und mutmaßliche Feinde beobachtet. Und tötet. In dem Simulator in New Mexico durfte auch Abé Platz nehmen, sie steuerte eine virtuelle Drohne über virtuellem Feindesland. Virtuelles Schießen war ihr allerdings nicht erlaubt. Später sprach Abé einen ehemaligen Drohnenpiloten. Der hatte jahrelang aus der Entfernung überwacht und geschossen, nun aber den Dienst quittiert: Er bekommt die Monitorbilder der Toten nicht mehr aus dem Kopf.

So viel Selbstlob darf sein: Mehr als tausend Bewerbungen um den Deutschen Reporterpreis 2012 hatte es gegeben, vergangene Woche gewannen SPIEGEL-Leute gleich in vier von neun Kategorien. Den Hauptpreis für die beste Reportage erhielt Takis Würger für seinen Beitrag über deutsche Scharfschützen in Afghanistan. Würger war drei Wochen lang "embedded" mit der Truppe unterwegs gewesen. Das beste Interview 2012 führten laut Jury Lothar Gorris und Sven Röbel - sie hatten den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi zum Reden bringen können. Den Preis für den besten Essay erhielt Dirk Kurbjuweit für "Die halbe Kanzlerin" über Angela Merkel; er teilt sich den Preis mit Sabine Rennefanz von der "Berliner Zeitung". Für die beste Web-Reportage wurden Amrai Coen und Bernhard Riedmann ausgezeichnet. Sie hatten berichtet, wie lesbische Frauen in Südafrika von Männern vergewaltigt werden - die Täter halten das für eine Umerziehungsmaßnahme.

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Georg Mascolo

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