Im neuen SPIEGEL: Krankenhaus-Qualität; Untergang der "Bounty"; Ägypten unter Mursi

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Mascolo

Liebe Leserin,
liebe Leser,

wer zum Arzt muss, der sollte sich gründlich überlegen, wem er sich anvertraut. Denn Medizin ist mitnichten überall gleich gut; die Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken sind mitunter erheblich. Bisher konnte der Patient den Pfuscher kaum vom Könner unterscheiden - die Arztsuche ähnelte einem Lotteriespiel. Doch in dieser Ausgabe berichten wir über eine neue Offenheit in deutschen Kliniken. In freiwilligen Initiativen erfassen Ärzte, wie gut oder schlecht sie tatsächlich sind, und vergleichen diese Ergebnisse. So lernen die schlechten von den guten Medizinern - mit dem Ergebnis, dass alle besser werden. Es ist eine Revolution, deren Gewinner der Patient sein wird.

Die "Bounty" ist, neben der "Titanic", vermutlich das bekannteste Schiff der Welt, die Meuterei auf dem Segler wurde mehrere Male verfilmt. Für die Version mit Marlon Brando 1962 ließ Hollywood das Schiff nachbauen, fast eineinhalbmal so groß wie das Original. Als ich vom Ende der "Bounty" hörte, hielt ich den Untergang zunächst für den Fehler eines irrsinnigen Kapitäns: Statt den Wirbelsturm "Sandy" im Hafen abzuwarten, war er mit Schiff und Mannschaft aufs Meer hinausgefahren. Samiha Shafy und Marc Hujer haben drei Wochen lang recherchiert, sie haben mit Überlebenden und Angehörigen gesprochen - und mit erfahrenen Seglern. Seemännisch, so deren Fazit, ist die Entscheidung des Kapitäns mindestens vertretbar. Auf dem Ozean gab es die Chance, den Sturm zu überstehen, an Land bestand das Risiko, dass das Schiff im Hafen zerschmettert worden wäre. Wieso es am Ende unterging? Offenbar waren die Pumpen zu schwach, um das einströmende Wasser wieder aus dem Rumpf zu bekommen - irgendwann war die Wucht des hin und her wogenden Wassers so gewaltig, dass sie das Schiff einfach umwarf.

Im Februar 2011 verfolgte der Westen voller Sympathie den Weg Ägyptens zur Demokratie; mit Neugier und wachsendem Befremden beobachten wir nun, was Mohammed Mursi, Ägyptens neuer Präsident, mit seiner Macht anstellt. Am vergangenen Donnerstag ließ sich Muslimbruder Mursi überraschend so viele Rechte zusichern, dass man von einer echten Gewaltenteilung wohl nicht mehr sprechen kann. Eine "Verhöhnung der Revolution", so nennt das der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei im SPIEGEL-Interview. Wenn die gemäßigten Kräfte keine Stimme mehr haben, sagt ElBaradei, "dann droht in Ägypten ein Bürgerkrieg". Meine Kollegen Daniel Steinvorth und Volkhard Windfuhr trafen bei ihrer Reise durch das neue Ägypten einen Journalisten, der die Bruderschaft nach 23 Jahren verlassen hatte. Er halte die Muslimbrüder für die Totengräber der Demokratie, sagt der Journalist - für das Schlimmste, was Ägypten passieren konnte. Windfuhr, SPIEGEL-Korrespondent in Kairo, lebt, mit Unterbrechungen, seit 1955 in Ägypten, er traf Nasser ebenso zum Gespräch wie Sadat und Mubarak. "Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere war ihr persönliches Hauptanliegen Ägypten", sagt Windfuhr. Mursi, mit dem er vor der Revolution in der Bruderschaftszentrale sprach, sei es dagegen zuallererst um die "Rückführung des Volkes auf die echten Werte der Religion" gegangen. "Für die Religion aber sind die jungen Ägypter nicht auf die Straße gegangen", sagt Steinvorth, "sie wollten Demokratie und Freiheit, keine neue Diktatur der Muslimbrüder."

Hier kommen Sie zur Digitalausgabe des neuen SPIEGEL.

Viel Spaß bei der SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen

Georg Mascolo

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