AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 19/2017

BMW-Chef Krüger Auto-Boss mit Auftrittsschwäche

Bei seinem ersten Auftritt als BMW-Chef klappte Harald Krüger zusammen: der Kreislauf, die Nervosität. Seither begleitet ihn die Angst vor dem Versagen. Nun steht die Hauptversammlung an, und wieder sind alle Augen auf ihn gerichtet.

Unternehmenschef Krüger
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Unternehmenschef Krüger

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Harald Krüger hat Methoden entwickelt, um dem Stress des Managerlebens zu entkommen. Sobald er sich zu seinem Chauffeur in den Dienstwagen setzt, schaltet der BMW-Chef Entspannungsmusik ein und taucht für etwa zehn Minuten in eine Traumwelt ab. Ein Mentaltrainer hat ihn in die Geheimnisse der Meditation eingeweiht.

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Heft 19/2017
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Auch in seinem Büro, im 22. Stock der Münchner BMW-Zentrale, nimmt sich Krüger, 51, kurze Auszeiten. Er schließt dann die Tür, stellt das Telefon um und begibt sich an sein Stehpult. Darauf liegen ein Blatt Papier, ein Stift und ein rosarotes Stoffschwein, das seine Kinder ihm geschenkt haben. Durch das Fenster blickt er auf die Silhouette Münchens, bei schönem Wetter sieht er auch die Alpen. Krüger lässt dann die Gedanken kreisen und notiert, was ihm dabei in den Sinn kommt. "Wenn Sie als Vorstandschef Entscheidungen treffen wollen", sagt er, "brauchen Sie auch mal geistige Freiräume."

Es war ein Erlebnis im Jahr 2015, das Krüger verändert hat.

Bei seiner ersten großen Pressekonferenz als BMW-Chef brach er auf der Bühne zusammen, vor laufenden Kameras und Hunderten Journalisten. Eine Mischung aus Nervosität und Kreislaufschwäche ließ ihn kollabieren. Seither wird Krüger bei jedem größeren Auftritt von argwöhnischen Blicken begleitet - und von seiner eigenen Angst, der Vorfall könnte sich wiederholen.

Bei einem späteren Messeauftritt im Jahr 2016 traf Krüger Vorsorge. Er ließ einen Tresen auf der Bühne postieren und stellte sich dahinter, nur für den Fall, dass seine Knie wieder weich würden.

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Dieses Jahr im März, beim Genfer Autosalon, schickte Krüger dann lieber seine Vertriebschefs vor. Er selbst begnügte sich mit einem kurzen Statement. Eigentlich ist sein Englisch tadellos, trotzdem verhaspelte er sich. Statt "Strategy" sagte Krüger mehrfach "Stragedy". Das klang wie eine kreative Wortschöpfung aus "Strategie" und "Tragödie".

Intern ist Krügers Auftrittsschwäche längst ein Thema. Viele BMWler, darunter auch Manager und Aufsichtsräte, sind besorgt. Sie erwarten von einem BMW-Chef eine überzeugende Präsenz nach außen - und klare Ansagen nach innen. Die Arbeit eines Vorstandschefs, betont ein Mitglied des oberen Führungszirkels, bestehe zu 70 Prozent aus öffentlichem Auftritt.

Das gilt besonders für die Autoindustrie, die von Selbstdarstellern dominiert wird, Typen wie Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Tesla-Gründer Elon Musk. Zetsche zertrümmerte zu seiner Zeit als Chrysler-Chef auf offener Bühne eine Glasscheibe mit einer E-Gitarre. Musk posierte kürzlich mit neuer Freundin, an seiner Wange waren Lippenstiftreste zu erkennen. Das Foto war der Renner in den sozialen Medien.

Zufall oder nicht: Ausgerechnet die von Musk und Zetsche geführten Unternehmen bereiten BMW derzeit die größten Schwierigkeiten. Tesla gilt als Innovationsführer bei den Elektroautos, Mercedes hat BMW im vergangenen Jahr von Platz eins der meistverkauften Premiummarken verdrängt.

Vor Krügers Amtsantritt war BMW der Vorreiter für Elektromobilität. Danach verzettelte sich das Unternehmen in einer monatelangen Strategiedebatte. Mittlerweile steht zwar der neue Plan, er verspricht eine groß angelegte Elektrooffensive. 2021 soll ein neues Flaggschiffmodell auf den Markt kommen. Noch aber hat BMW keinen Tesla-Killer im Angebot.

Wie groß die Nervosität bei diesem Thema ist, zeigte sich vergangene Woche beim "Bayern Digital Kongress" in München. Die simple Frage eines Zuschauers brachte Krüger aus dem Konzept. "Herr Krüger, warum setzen Sie so kleine Akkus in Ihre Autos ein? Warum nehmen Sie sich nicht ein Beispiel an Tesla oder Opel?" Der BMW-Chef reagierte, als stünde er vor einem Tribunal. Mit ernstem Blick und Grabesstimme sagte er nur: "Ich glaube, das beantworte ich nicht."

Was genau sagt ein solches Auftreten über den BMW-Chef aus? Dass er als Manager zu schwach ist, wie viele im Konzern bei solchen Gelegenheiten anfangen zu raunen? Dass ihm das Rampensau-Gen fehlt, der absolute Wille, an der Spitze zu stehen?

Im Unternehmen hat Krüger Anhänger, die ihn dafür schätzen, dass er sich nicht in den Vordergrund drängt. "Das Zelebrieren der Macht liegt ihm nicht", sagt einer seiner engsten Mitarbeiter. Genau das scheint ein Merkmal zu sein, das sich wie ein roter Faden durch Krügers Leben zieht: dass er nie durch sein Auftreten aufgefallen ist. Sondern wenn, dann durch seine Leistung.

Krüger wuchs in Braunschweig auf, die Familie lebte in einem Bungalow mit Gartenstück im Stadtteil Kanzlerfeld. Die Straßen tragen dort Namen wie Paracelsus, Ohm oder Heisenberg. Krügers Mutter war Lehrerin, sein Vater promovierter Physiker. Er sei "zu preußischer Disziplin" erzogen worden, sagt Krüger.

Als Jugendlicher war er eher Popper als Punk, er trug Seitenscheitel, elegante Hosen und Lederschuhe, auch sein Verhalten war meist tadellos.

Im Sport war Krüger in fast allen Disziplinen ein Einser-Mann: Im 1000-Meter-Lauf, im Weitsprung, im Hürdenlauf - und sogar beim Reckturnen. Sein Sportlehrer Ulrich Bode kann sich nur an einen Vorfall erinnern, bei dem Krüger die Leistung verweigerte: Zum Vorturnen am Barren trat er gar nicht erst an, lieber kassierte er eine glatte Sechs.

Auch im Fußballverein galt Krüger als Ausnahmetalent. Er konnte fast jede Position spielen: vorn und hinten, links und rechts. Teamkollegen beschreiben Krüger als ruhigen, kollegialen Mitspieler, der sich der Mannschaft weitgehend unterordnete. Bei Angriffen sei er immer mit nach vorn gelaufen, habe sich aber nie beschwert, wenn er den Ball nicht bekam. Krüger bestätigt diese Darstellung.

Er betont jedoch, dass er auch selbst viele Chancen verwandelt habe.

Krüger spielte so gut, dass ihm fast der Sprung in die Erstligamannschaft von Eintracht Braunschweig geglückt wäre. Nach einer Ellbogenverletzung entschied er sich aber gegen die Profikarriere, ein Maschinenbaustudium erschien ihm aussichtsreicher. Außerdem wollte Krüger unbedingt raus aus Braunschweig.

Nach einer Zwischenstation an der Universität in Aachen studierte er acht Monate lang an der Ohio State University. Sein US-Professor hielt in einem Empfehlungsschreiben fest, Krüger habe "außergewöhnlich viel und hart gearbeitet".

Eine Charakterisierung, die sich in allem zeigt, was Krüger tut: ein Musterschüler, gut in dem, was er macht. Fleißig, ehrgeizig, mit hohem Arbeitsethos.

Aber kein Überflieger.

1992 begann er als Trainee bei BMW. Seine damaligen Vorgesetzten sagen, Krüger sei ein "ruhiger Typ" gewesen, "der gute Arbeit gemacht hat".

BMW-Rivale Zetsche: Die Autoindustrie wird von Selbstdarstellern dominiert
Bongarts/ Getty Images

BMW-Rivale Zetsche: Die Autoindustrie wird von Selbstdarstellern dominiert

Später hat er das BMW-Werk in den USA mitaufgebaut, leitete dann eine Motorenfabrik in Großbritannien. Als Personalvorstand war er zeitweise für 125.000 Mitarbeiter zuständig. Den Chefposten hat man ihm dann anvertraut, weil er mit Menschen genauso gut umgehen kann wie mit Maschinen. Was bei Führungskräften nicht immer der Fall ist.

Mit dem Aufstieg kam allerdings auch die Auftrittsangst. Krügers ehemaliger Sportlehrer Bode glaubt, eine Erklärung dafür zu haben: "Es bedeutet einen hohen psychischen Druck, in der Öffentlichkeit zu stehen und für so viele Leute verantwortlich zu sein."

Als Bode im Herbst 2015 von Krügers Zusammenbruch erfuhr, besorgte er sich die E-Mail-Adresse seines früheren Schülers. "Mensch, Harald", schrieb er ihm sinngemäß, "sieh zu, dass du wieder auf die Beine kommst." Krüger benötige zur Stressbewältigung ein systematisches Sportprogramm. Der BMW-Chef hat auf den Ratschlag nie geantwortet. Aber er hat ihn beherzigt.

Mittlerweile geht Krüger regelmäßig joggen. Am Wochenende zieht es ihn in die Berge, gemeinsam mit seiner Frau und den drei Kindern. Das alles ist Teil seines Entspannungsprogramms. Krüger nennt es "Ablasten".

Auch an seinem Profil hat Krüger gearbeitet. Er will sich nicht mehr verstellen, mehr er selbst sein. Frontale Bühnenauftritte hat er reduziert. Stattdessen will der BMW-Chef im Dialog überzeugen. Das gelingt ihm bisweilen sogar ganz gut.

Mitte März ist Krüger zu Besuch bei US-Präsident Donald Trump. Gemeinsam mit anderen Wirtschaftsführern darf er die Kanzlerin begleiten. Die Stimmung ist angespannt: Trump hatte BMW zuvor explizit beschuldigt, den US-Markt mit billig produzierten Autos aus Mexiko zu beliefern. Seine Drohung, hohe Strafzölle zu verhängen, verunsicherte die gesamte deutsche Industrie.

BMW-Rivale Musk
Polaris/ Laif

BMW-Rivale Musk

Im Weißen Haus sollen sich die Manager reihum vorstellen, wie Erstklässler im Sitzkreis. Trump macht dazu ein Gesicht, als wollte er Strafarbeiten verteilen. Die Vorträge von Siemens-Chef Joe Kaeser und Schaeffler-Manager Klaus Rosenfeld quittiert er mit einem kurzen Kopfnicken. Als Krüger an der Reihe ist, hellt sich die Miene des US-Präsidenten jedoch auf.

Krügers Augen sind nur auf Trump gerichtet, sein Gesichtsausdruck hat etwas Treuherziges. "Wir bei BMW nennen die Vereinigten Staaten von Amerika unser zweites Zuhause", sagt er. Der Autohersteller habe bereits 9000 Jobs geschaffen und 200 Millionen Dollar in Ausbildung investiert. Weitere 200 Millionen seien eingeplant.

"Ich habe Ihr Werk in South Carolina gesehen", erwidert Trump, "es ist unglaublich." Dankend nimmt er Krügers Einladung entgegen, im Juni zur Jubiläumsfeier der Autofabrik zu kommen.

Zu den Eigenschaften des BMW-Chefs zählt, dass er mit unterschiedlichen Charakteren klarkommt. Auch mit jenen, die seinem eigenen diametral widersprechen. Das erleichtert auch die Kommunikation mit Konkurrenten, Krüger steht in engem Austausch mit Apple-Chef Tim Cook. Immer wieder loteten die beiden Konzernchefs Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit aus.

Auch in der BMW-Belegschaft kommt Krügers Charmeoffensive an. Mitarbeiter, die eine gute Idee haben, dürfen sie auch mal im Vorstand präsentieren. Wer direkt mit dem BMW-Chef zu tun hatte, bekommt daraufhin ein abendliches Dankesschreiben per E-Mail: "Ich bin mit Ihrer Arbeit sehr zufrieden."

Das ist kein Zufall, sondern Haltung. Die Zeit der Egomanen und Alleinherrscher in den Konzernzentralen sei vorbei, ist Krügers Überzeugung. "Bei BMW sollten die Menschen und die Marke im Vordergrund stehen", sagt Krüger, "und nicht das Individuum an der Spitze." Er hält das für die Voraussetzung, um gute Leute zu bekommen, diese wollten Freiräume, um etwas bewegen zu können. "Eine Angstkultur wäre dafür der falsche Ansatz."

Es sind ungewöhnliche Worte in einer Branche, die bisher überwiegend Alphatiere wie die ehemaligen VW-Chefs Ferdinand Piëch und Martin Winterkorn akzeptiert hat.

Wie sich der BMW-Chef die neue Firmenkultur vorstellt, demonstriert er auf einer Tagung im bayerischen Maisach. Hier schleust BMW insgesamt 14.000 Führungskräfte aus aller Welt durch ein Schulungszentrum.

An einem Freitag Ende März spricht Krüger vor 170 Werksmeistern. In den Wochen zuvor hatte er seine Mitarbeiter bereits aufgefordert, "auch radikale Ideen auf den Tisch zu legen".

Wer von Krüger eine Ruckrede erwartet hatte, wird in Maisach jedoch enttäuscht. Der BMW-Chef beschränkt sich auf einen Kurzauftritt von 90 Sekunden. Nach ein paar Floskeln ("Wir sind auf gutem Weg, die Nummer eins zu werden und zu bleiben") verlässt er das Podium schon wieder. Seine Bitte an die Mitarbeiter: "Lassen Sie sich durch mich nicht stören."

Die Bühne überlässt er lieber anderen: Nachwuchskräften wie Nicole Müller, einer Managerin aus der Abteilung Kundenbeziehungen. Ihre Rede klingt wie ein Weckruf an einen Haufen verschlafener Industriemechaniker. "Wir bei BMW wollen nicht irgendwann als Hersteller oder gar Blechbieger für Apple und Google enden."

Krüger sitzt im Publikum und hört zu.

Später nimmt der BMW-Chef an einem Experiment teil. In Kleingruppen soll jeder Mitarbeiter bewerten, wie groß er den Veränderungsbedarf bei BMW einschätzt. Die Skala reicht von gering (1) bis gewaltig (10).

An Krügers Tisch zögern die BMWler, ein Urteil zu fällen. Ein Werksmitarbeiter aus Dingolfing wählt die Stufe fünf, ein anderer drei. Krüger gibt als Letzter seine Entscheidung bekannt: neun. Das heißt: Fast alles bei BMW müsse sich verändern.

Aber was soll das konkret bedeuten? Und was will Krüger damit sagen?

Wenn er von der Notwendigkeit des Wandels überzeugt ist, dann wäre es seine Aufgabe als BMW-Chef, diesen voranzutreiben, aus sich herauszugehen, seine Mitarbeiter mitzureißen. Man kann auf Augenhöhe mit seinen Mitarbeitern umgehen, die Entscheidungen muss aber am Ende der Mann oder die Frau an der Spitze treffen. Daran muss Krüger sich allerdings noch gewöhnen.

Kritiker halten ihm vor, er agiere auch im Vorstand zu passiv. In den Sitzungen, geprägt von hitzigen Debatten, führten oft andere das Wort. Krüger beschränke sich dabei zu stark aufs Moderieren.

In Boomzeiten, in denen das Geschäft quasi von selbst läuft, kann das funktionieren. Aber BMW steht, wie die gesamte Automobilindustrie, vor gewaltigen Herausforderungen.

Vergangenes Jahr verkaufte der Konzern 2,4 Millionen Autos und erwirtschaftete fast zehn Milliarden Euro Gewinn. Beides ist BMW-Rekord. Dennoch sind einige von der Entwicklung enttäuscht. Auch Krügers Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Norbert Reithofer.

Zu Jahresbeginn überraschte Reithofer die Führungskräfte mit einer ungewöhnlich kritischen Rede (SPIEGEL 11/2017). "Ausgerechnet im Jubiläumsjahr", schimpfte Reithofer, habe sich BMW überholen lassen. Der Premiumhersteller sei dabei, "die Deutungshoheit in unserer Industrie an Mercedes zu verlieren". Mit Platz zwei sei er aber nicht zufrieden, so der Aufsichtsratschef. "Und so, wie ich diese Führungsmannschaft kenne: Sie sind es auch nicht."

Krüger kannte die Rede vorab. Er hat sie sogar persönlich abgesegnet, obwohl die Kritik sich auch gegen ihn richtete.

Aber er hat seine Lehren daraus gezogen, er weiß, dass er so wie bisher nicht weitermachen kann. Dass er mehr liefern muss als nett zu sein. Dass Entscheidungsstärke von ihm erwartet wird.

Neuerdings klingt Krügers Rhetorik auffallend kämpferisch, er spricht über "Angriffe", die er auf die Konkurrenz plane, und "Machtworte", die er im Führungskreis sprechen will. "Ich fordere und verlange", sagt Krüger, "dass Inhalte auch konsequent umgesetzt werden." Mit dieser Haltung geht der BMW-Chef mittlerweile auch in Vorstandssitzungen.

Gegen einigen Widerstand hat er durchgesetzt, dass der Geländewagen X3 auch als Elektroversion auf den Markt kommt. Mehrere BMW-Entwickler waren dagegen, sie warnten vor hohen Kosten und vagen Erfolgsaussichten.

Auch personell hat Krüger einiges verändert, er hat den Vorstand und die Ebenen darunter umgebaut - das gibt Sicherheit. Auf mittlere Sicht könnten sich die aufgerückten Manager jedoch zu seinen schärfsten Rivalen entwickeln.

Insbesondere Produktionsvorstand Oliver Zipse und Einkaufschef Markus Duesmann genießen Ansehen im Unternehmen, auch bei Krügers Kritikern. Beide Neuvorstände haben Chefpotenzial. Allerdings fehlt ihnen noch die nötige Erfahrung.

Für Krüger bedeutet das: Momentan hat BMW keine Alternative zum amtierenden Vorstandschef. Das verschafft ihm Zeit. Zeit, die er nutzen muss. Er weiß, dass Macht vergänglich ist.

Auf Krügers Nachttisch lag bis vor Kurzem Christoph Ransmayrs Roman "Cox oder Der Lauf der Zeit". Darin geht es um einen Uhrmacher, der Unmögliches vollbringen soll: Der Kaiser von China bestellt bei ihm eine Uhr, die unendlich lange laufen soll. Auf diese Weise hofft der Kaiser, das Geheimnis ewigen Lebens zu ergründen. Die Moral der Geschichte ist, dass niemand den Lauf der Dinge bestimmen kann, auch ein mächtiger Herrscher nicht.

Krüger war beeindruckt. Trotzdem hat er beschlossen, sein Schicksal so weit zu beeinflussen, wie es geht. Ab jetzt ist jeder Auftritt ein Test. Ein besonders wichtiger steht ihm am Donnerstag bevor.

Auf seinem Stehpult im 22. Stock liegt wieder viel Arbeit. Krügers Assistentin reicht ihm einen Stapel Papier, Unterlagen für die Hauptversammlung. Am 11. Mai wird der BMW-Chef vor Hunderte Aktionäre in der Münchner Olympiahalle treten müssen. Es ist eine dieser Showveranstaltungen, die ihn besonders nervös machen. Investoren und Analysten werden nicht nur auf Krügers Worte achten, sondern auch auf die Art, wie er sie vermittelt.

In den nächsten Tagen will Krüger seine Rede sorgfältig üben und so strukturieren, dass sie ihm möglichst leicht über die Lippen geht.

Er müsse einen "inneren roten Faden" finden, sagt er.



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Spiegelleserin57 09.05.2017
1. Hier sieht man deutlich wie hoch der Druck auf solche Leute ist!
Was heißt zu weich?? Die Frage sollte anders lauten!!!! Wie kann es soweit kommen dass Führungskräften solche Belastungen kaum noch aushalten können? Wer übt solchen massiven Druck aus? Der Aufsichtsrat oder die Aktionäre die immer mehr Renditen sehen wollen als der Markt hergibt. Sie sind nämlich die eigentlichen Verursacher für diesen Druck der dann natürlich auch allle ! Mitarbeiter weitergegeben wird was zu Dumpingloehnen führt, und letztendlich auch die Arbeitslosigkeit hervorruft. Man sollte endlich mal das Kind beim Namen nennen! Das die Spitzenmanager dann auch extrem hohe Gehälter verlangen ist bei diesen Belastungen​ sogar verständlich! Das man persönliche Gründe bei diesem Mann sucht ist in keiner Weise nachvollziehbar und auch wie beschrieben sehr fraglich!
provinzler68 09.05.2017
2. Siegeszug der Schüchternen
http://www.spiegel.de/karriere/karrieretypen-warum-introvertierte-jetzt-gefragter-sind-als-extrovertierte-a-1142725.html Vielleicht gilt das ja auch für die Spitze großer DAX-Konzerne.
marcus_tullius 09.05.2017
3. Selbsterkenntnis zum Glück
Er wäre vielleicht in jeder Firma der ideale zweite Mann, der nach innen wirkt, nicht nach außen. Gut für die Firma, gut für seine Mitarbeiter, für die Untergebenen und für seinen Chef. Vor allem aber gut für den Mann selbst. Nicht jeder ist der geborene Oberboss. Eines der wichtigsten Dinge im Leben ist zu erkennen, wo die eigenen Talente liegen. Und wo nicht.
axel_roland 09.05.2017
4. Elon Musk ein Selbstdarsteller?
Der Autor hat offenbar noch nie eine Pressekonferenz des Tesla-Gründers gesehen. Elon Musk ist ein sympathisches Wunderkund, aber sicherlich kein Selbstdarsteller. Er mag im Gegensatz zum BMW Manager deutlich selbstbewusster sein, fängt aber praktisch jeden Satz mit einem stotterähnlichen Verhaspler an. Musk ist nun wirklich Welten von Steve Jobs und co. entfernt. Ansonsten kann ich die Unruhe im Konzern verstehen. Bei den Gehältern muss man erwarten, dass ein Manager eben auch stressfrei präsentieren kann. Das kann nicht jeder, das ist ja auch gar nicht schlimm, aber dann muss er eben einen anderen Job machen, bei dem ein Großteil eben nicht aus der öffentlichen Repräsentation des Unternehmens besteht.
kritischergeist 09.05.2017
5. Artikel nahe am Mobbing
Die Qualität eines Managers misst sich nicht daran wie gut er eine Show abziehen kann. Blender haben wir genug in unserer Wirtschaft. Gerade die Bescheidenen und Stillen leisten oft mehr als diejenigen die sich zwar gut präsentieren, aber kein gutes Händchen bei wichtigen Unternehmensentscheidungen haben. Ich betrachte diesen Artikel daher als grenzwertig, ganz nahe am Mobbing. Leider beurteilen Journalisten diejenigen über die sie schreiben zumeist nach ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit. Was sie wirklich leisten setzt intensive Recherche und auch Branchenkenntnisse bis zur Technik voraus und dazu hat kaum einer die Zeit. An ihren Taten sollt ihr sie beurteilen nicht an ihrem Auftreten, liebe Journalisten.
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