AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 25/2016

Musterschüler Julian Draxler Der Sohnemann

Julian Draxler ist der Prototyp einer neuen Spielergeneration. Er ist fit, fokussiert und freundlich. Aber gewinnt man mit Musterschülern auch Titel?

Von und


Julian Draxler
Dennis Williamson/DER SPIEGEL

Julian Draxler

Er kann den Pfiff seines Vaters aus jedem Stadionlärm heraushören, egal wie groß das Stadion ist, in dem er spielt, egal wie laut die Fans singen. Julian Draxler kennt den Klang dieses Pfiffs von der E-Jugend an. Er spielte damals zum ersten Mal vor mehr als 3000 Zuschauern, im Alter von acht Jahren, in einer Halle in Ulm. Seitdem ist sein Vater davon überzeugt, dass es gut ist, wenn "der Jule" vor jedem Spiel genau weiß, wo "Mama und Papa" im Stadion sitzen.

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Heft 25/2016
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Es sind noch 15 Minuten bis zum ersten Spiel der Deutschen bei der Europameisterschaft gegen die Ukraine in Lille, als Julian Draxler das Aufwärmen beendet und sich auf den Weg zurück in die Kabine macht. Er hat keine Eile. Er wartet auf den Pfiff seines Vaters.

An diesem Abend ist es sehr laut im Stadion, aber nach dem dritten Pfiff wendet Draxler den Kopf und winkt seinen Eltern vom Rasen aus kurz zu. Er weiß jetzt, dass sie da oben sitzen, in Reihe 33, direkt neben den Eltern von Mario Götze.

Julian Draxler ist 22 Jahre alt, "blutjung", wie sein Vater sagt. Ist er also zu jung?

Er spielte mit 17 zum ersten Mal in der Bundesliga, in seinem ersten Profijahr gewann er den DFB-Pokal mit Schalke 04. Der Mittelfeldspieler gilt noch immer als eines der größten Talente in Deutschland, vor einem Jahr zahlte der VfL Wolfsburg 36 Millionen Euro für ihn.

Draxler bringt es inzwischen auf 21 Einsätze in der Nationalmannschaft. Und nach der Verletzung von Marco Reus ist er bei dieser Europameisterschaft sogar mehr oder weniger zum Stammspieler aufgerückt. Er stand beim 2:0 gegen die Ukraine und beim 0:0 gegen Polen in der Startelf. Im letzten Gruppenspiel gegen Nordirland ließ Löw Draxler auf der Bank, probierte es mit Mario Götze auf der linken Außenbahn. Mit mäßigem Erfolg. Im Achtelfinale gegen die Slowakei durfte Draxler wieder von Beginn an ran. Er spielte groß auf, bereitete das 2:0 von Mario Gomez vor und erzielte den Treffer zum 3:0-Endstand mit einem sehenswerten Drehschuss unter die Latte.

Die EM könnte ein ganz großes Turnier für ihn werden, so jedenfalls hoffen seine Berater. Das Turnier, bei dem das ewige Talent endlich erwachsen wird, zu einer echten Spielerpersönlichkeit reift.

Aber wie wird man erwachsen, wenn man nie ein richtiger Jugendlicher war?

Julian Draxler gehört zu einer neuen Spielergeneration, die Fußball auf der Fußballschule gelernt hat, nicht auf dem Bolzplatz wie etwa der fünf Jahre ältere Jérôme Boateng. Sie werden dort nicht nur zu guten Spielern erzogen, zu brillanten Technikern, zu Tor- und Passmaschinen, sondern zu Fußballern, die als Vorbilder taugen, die Benimmregeln beherrschen, die höflich bleiben, auch wenn jemand unhöflich wird. Sie werden so schon als Kinder zu kleinen Erwachsenen erzogen, zu Sohnemännern. "Aushalten" nennt Draxler das, was ihnen dort beigebracht wird. Wer die Nerven verliert, fliegt.

Es ist eine Generation, die sich schon mit Anfang zwanzig erwachsen fühlt, aber auftritt wie Mustersöhne. Die Fußballschulen erziehen sie auch zur Unselbstständigkeit. Sie werden bemuttert, damit sie sich ausschließlich um Schule und Sport kümmern können. Die Wäsche wird ihnen gewaschen, die Schuhe geputzt, Termine bei Autohäusern und Ämtern erledigen Vereinsmitglieder oder Berater für sie. Draxler war minderjährig und konnte noch nicht allein fahren, da stellte ihm Schalke 04 schon einen VW Touareg vor die Tür.

In einem solchen Umfeld ist es schwer, wirklich erwachsen zu werden.

Die zentrale Frage dieser EM ist: Können die Deutschen ohne die alten Persönlichkeiten auskommen, mit denen sie vor zwei Jahren noch Weltmeister wurden? Ohne Philipp Lahm? Ohne Miroslav Klose? Ohne Per Mertesacker? Können die Jungen, Spieler wie Mario Götze, Leroy Sané, Joshua Kimmich und Julian Draxler, die Kinder der Fußballinternate, eine neue goldene Generation begründen?

Zweimal hat es Julian Draxler schon versucht, zweimal vergebens. 2012 nahm ihn Jogi Löw erst gar nicht mit zur EM, 2014 nominierte er ihn zwar für den Kader, ließ ihn aber nur wenige Minuten spielen. Beim 7:1 gegen Brasilien, als das Spiel ohnehin schon lange entschieden war. Draxler war klar, dass sich etwas ändern musste. Und so fasste er im vergangenen Sommer den Entschluss, Schalke 04 zu verlassen, seinen Heimatverein, bei dem er seit der E-Jugend gespielt hatte.

Es gab zwei ernsthafte Interessenten, Juventus Turin und Wolfsburg. Einen Moment lang sah Draxler sich schon in Italien. Lena Terlau, seine Freundin, suchte bereits nach Direktflügen von Düsseldorf nach Turin, die es aber nicht gab. Doch dann warnten Draxlers Berater ihn vor dem Risiko, bei Juve unterzugehen. Schließlich entschied er sich gegen den Glamour, gegen das große Risiko und ging nach Wolfsburg. Seiner Freundin schenkte er eine Bahncard.

Draxler mit Freundin Lena
M.i.S./DPA

Draxler mit Freundin Lena

"Wie alt bist du?", fragt ihn der Fotograf, der ihn für den SPIEGEL porträtieren soll.

"22", sagt Julian Draxler.

"Wie alt fühlst du dich?"

"Wie 29", sagt er.

Ein paar Tage bevor Draxler zur EM aufbricht, sitzt er in seinem Haus, das viel zu groß für ihn ist, zwei Etagen, geschätzte 300 Quadratmeter. Er wohnt zum ersten Mal allein, aber er lebt nicht wirklich dort.

"Was soll ich euch zeigen?", fragt er. Er hat eine Garage für seinen VW Touareg, die er so gut wie nie nutzt, und einen riesigen Garten, der wie ein leeres Gehege aussieht, eine eingezäunte Rasenfläche ohne ein einziges Beet. Er sagt, er gehe nie in den Garten. Dann könnten ihn ja alle Nachbarn sehen. Er ziehe sich gern zurück, er fühle sich da wohler, sicherer. "Aber okay", sagt er, "wenn ihr den Garten sehen wollt, dann gehen wir halt mal raus."

Der ewige Wunsch nach Sicherheit steht ihm manchmal im Weg, seine Risikoscheu. Es ist ein Problem, das sein Vater auch beim Fußballspielen beobachtet: "In der Jugend hatte Julian immer zwei defensive Mittelfeldspieler hinter sich, so hatte er alle Freiheiten, die er für sein Spiel braucht. Dann konnte er immer kreativ sein und explodieren." Als Profi dagegen wurde sein Sohn häufig auf Linksaußen statt im Zentrum des Spiels eingesetzt. Jetzt wurden die Wege für ihn länger, jede Offensivaktion bedeutete auch ein großes Risiko.

Es ist bis heute sein Problem, und vielleicht auch einer der Gründe, dass er für die Nationalmannschaft bis jetzt nur sehr gute, aber keine überragenden Spiele gezeigt hat. Ihm fehlt noch die Balance zwischen Angriff und Abwehr. Auch dadurch hapert es in der Mannschaft von Jogi Löw, die Deckung bleibt trotz Boateng bisher die größte Schwäche bei dieser EM. Draxler kann froh sein, dass ihm Jonas Hector, der neue Linksverteidiger des DFB-Teams, den Rücken freihält. So kann er sich wieder mehr trauen, Dribblings und Weitschüsse versuchen, Ausflüge in den gegnerischen Strafraum wagen.

Dass er das kann, hat er in der vergangenen Saison häufig gezeigt. Der VfL Wolfsburg ist für ihn ein guter "Übergangsverein". Der Klub ist perfekt organisiert, und als er ankam, war alles aufregend neu. Er liebte die kurzen Wege, die perfekten Trainingsbedingungen, die medizinische Abteilung, die Allergietests durchführte und entdeckte, dass er eine Ananas-Unverträglichkeit hat. Er hat danach seine Ernährung umgestellt, fühlte sich besser und hat nun weniger Pickel.

Er war jetzt auch zum ersten Mal einfach weg von zu Hause, befreit von dem ewigen Erwartungsdruck seines Heimatvereins, der in ihm einen Schalker Messias sah, aber auch weg von seinen Eltern, die es manchmal zu gut mit ihm meinten. Er wollte nicht mehr jeden Abend bei seiner Mutter essen. Er wollte auch einmal verschlafen dürfen und nicht von seinen Eltern geweckt werden, die Angst hatten, er könnte das Training verpassen. Vor allem aber wollte er die ewigen Debatten mit seinem Vater loswerden, vor und nach seinen Spielen, die Klagen über die verpassten Chancen, die misslungenen Pässe, die Ratschläge, was er besser machen könne. Manchmal, erinnert er sich, saß sein Vater nach einem verlorenen Spiel zu Hause stundenlang stumm am Tisch. Mit seiner schlechten Laune konnte er einen ganzen Abend verderben.

Es ist Donnerstag, zwei Tage vor dem letzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart, in dem es für Wolfsburg um gar nichts mehr geht. Draxler sitzt in der Trattoria Tarallo in Wolfsburg. Er bestellt einen Lugana, seinen Lieblingsweißwein. Lena, seine Freundin, will wissen, ob er auch ein Glas trinkt.

"Wenn heute Dienstag wäre", sagt Draxler, "würde ich ein Glas trinken. Aber heute ist Donnerstag." Zwei Tage vor dem Spiel, das ist ihm zu viel Risiko.

Draxler bei der Ballannahme im Spiel gegen Real Madrid
REUTERS

Draxler bei der Ballannahme im Spiel gegen Real Madrid

Es lief in Wolfsburg nicht alles so, wie er es sich vorgestellt hatte. Er spielte gut, aber die Mannschaft spielte eine verkorkste Saison. Im April, zwei Monate vor der EM, verletzte er sich im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid, und das Bangen begann, ob er rechtzeitig für die Europameisterschaft fit sein würde. Der Reiz des Neuanfangs hatte sich in diesem Moment längst verbraucht.

Wolfsburg kommt ihm heute furchtbar klein vor. Er trifft immer die gleichen Leute in der Fußgängerzone oder beim Mittagessen im Restaurant Vapiano, in das irgendwie alle gehen. Er hat auch sonst nicht viel entdecken können in der Stadt. Es gibt eine Minigolfanlage, aber die war geschlossen, als Draxler spielen wollte, und ein Kino, das meist schon um 21 Uhr seine letzte Vorstellung hat. Wenn man Draxler heute fragt, was er an Wolfsburg mag, sagt er: die kurze Bahnfahrt nach Berlin.

Er hat sich inzwischen einen eigenen Stab aufgebaut, der ihn unabhängiger machen soll von dem Verein. Er bezahlt einen Physiotherapeuten, der mehrmals die Woche aus Essen anreist, und beschäftigt seinen Koch, der auf Abruf alles für ihn macht, Frühstück, Mittagessen, Abendessen, sogar selbst gemachte Proteinriegel für zwischendurch. Alles Bio, alles gesund. Es gehört zu dem neuen Leben, das er sich aufgebaut hat, auch wenn es gar nicht so anders ist als das alte Leben, die Fußballschule.

Draxler hat zum Probeessen nach Hause eingeladen. Es gibt ein Dreigängemenü, das sein Koch mit einem "Ginkgo-Maracuja-Eistee" eröffnet. Vor jedem Gang stellt sich der Koch neben ihn und erklärt, was auf den Tellern liegt: Zur Vorspeise gibt es "gebratene Scampi auf Wildkräuterpesto, dazu Ochsenherztomate, Basilikumrisotto, Wildkräutersalat mit Limonendressing und gepuffter Amaranth". Zum Hauptgang "Lachs auf Kürbispüree, Wurzelwerk, mit Kürbis-Pastinaken gefüllte Ravioli und Gemüsesommerrolle", zum Dessert "geeiste Zitronencreme auf Schokoladenerde an Erdbeersalat, Joghurtmousse, Nusspraline und Heidelbeerquark". Dreimal ein ordentliches Sammelsurium an Gerichten auf einem Teller vereint. Draxler hört geduldig zu, aber die Details interessieren ihn nicht. Es reicht, dass er weiß, dass alles gesund ist.

Am liebsten, sagt er, mag er ohnehin Griesbrei.

In diesen Tagen lebte er vor allem von der Vorfreude auf die EM. Draxler weiß, dass dieses Turnier seinen Durchbruch bedeuten kann, der Lohn für die jahrelangen Entbehrungen. Nach Wolfsburg braucht er endlich wieder eine größere Bühne, um zeigen zu können, was er kann.

Bei der EM ist alles groß, nichts verschwindet einfach so wie in Wolfsburg. Man kann mit einem Tor im richtigen Moment zu einem Nationalhelden werden, so wie Mario Götze vor zwei Jahren bei der WM in Brasilien. Wenn alles gut läuft, kann auch Julian Draxler groß herauskommen. Aber das Beispiel Götze ist eine Warnung für ihn, denn es zeigt, dass die Spieler seiner Generation austauschbarer geworden sind. Ein Tor kann sie zu Helden machen. Ohne Tor aber sind sie nichts.

Zwei Tage vor dem ersten Spiel gegen die Ukraine betritt Julian Draxler das Medienzelt im Quartier der Nationalmannschaft in Évian, um eine Pressekonferenz zu geben. Er setzt sich aufs Podium neben André Schürrle, einen Mannschaftskollegen aus Wolfsburg. Draxler verschränkt seine Arme. Die Journalisten fragen: Wie sieht es in euch persönlich aus? Wer wird Kapitän? Welche Rolle kann "Basti" einnehmen? Wenn es knifflig wird, schaut Draxler zuerst Schürrle an, der vor ihm antworten soll, dann setzt er sein breites Lächeln auf, das er auf Fotos von sich nie mag, weil es ihn jünger aussehen lässt, als er sich fühlt, und hofft darauf, dass er nichts sagen muss.

Am Ende der Pressekonferenz hat er sehr viel gelächelt und wenig gesagt.

Draxler beim Abschluss
Peter Schatz

Draxler beim Abschluss

Mit Spielern wie Draxler gehen den Medien die Nachrichten aus. Sie sind einfach zu glatt. Draxler hat gelernt, dass er trotz seiner Millionen bescheiden bleiben muss. Er betont, dass er sich Luxus nur sehr dosiert gönne. Mal eine schöne Reise, eine schöne Uhr, schicke Klamotten. Sonst aber hat er keine teuren Hobbys, keine schnellen Autos, keine wechselnden Frauen. Seine Freundin Lena kennt er seit dem Gymnasium, sie studiert heute BWL in Düsseldorf, eine Frau, von der Julians Vater anerkennend sagt, sie habe "den Jule schon gekannt, als er nichts war". Es passt zu Julian Draxler, dass in seinem Regal nur zwei Bücher stehen: die Bibel und der Ratgeber "Finanzplanung für Fußballprofis".

Es ist nicht so, dass seine Familie aus seinem Leben verschwunden wäre. Im Gegenteil. Sein Bruder, der jetzt noch einen Vollzeitjob bei einer großen Firma hat, soll sich künftig um seine Finanzen kümmern. Sein Eltern verwalten weiterhin sein Konto, und sie hüten sein Haus in Gelsenkirchen. Die Mutter lüftet, der Vater mäht den Rasen. Es gibt zwar noch immer gelegentlich Streit. Sein Vater regt sich auf, wenn er manchmal ein bisschen mehr Geld ausgibt als normale Menschen. Wenn er sich etwa für 1000 Euro einen Pulli kauft. Oder wenn er 2500 Euro für einen Partyabend ausgibt. Oder wenn er vier Fernseher für sein Haus in Wolfsburg kauft, jeweils einen für Wohnzimmer, Schlafzimmer und die zwei Gästezimmer. Es sind Kosten, die nicht unbedingt sein müssen. Aber für einen Fußballspieler, der Millionär ist, sind das dann doch eher bescheidene Ausgaben.

Er kann seinem Vater die gelegentlichen Mahnungen mittlerweile nachsehen. Mit der Entfernung wächst die Gelassenheit.

Wenn er jetzt über seinen Vater redet, dann sind das auch vor allem hübsche Geschichten, die er gern erzählt, die Story von einem fußballverrückten, aber drolligen Vater, der ein bisschen nervt, es aber eigentlich nur gut mit ihm meint.

Julian und sein Bruder Patrick erzählen sich gern Anekdoten über den Vater, so wie sich andere Leute Witze erzählen. Die Geschichte mit Lena zum Beispiel, seiner Freundin, die vor einem wichtigen Fußballspiel bei ihm übernachtete, was im Hause Draxler eigentlich verboten war. Sie erzählen, wie Julian am nächsten Tag eine erste schlechte Halbzeit und eine bessere zweite spielte und wie dann der Vater zu Lena sagte: "Wenn der Jule in der zweiten Halbzeit so gespielt hätte wie in der ersten, hätte ich dir den Hals umgedreht." Dann lachen sie herzlich darüber.

Es sind genau diese Geschichten, die erzählt werden müssen, und es ist ein gutes Zeichen, dass Draxler sie weglachen kann. Es befreit ihn, und das ist gerade jetzt wichtig, zur Europameisterschaft. Die deutsche Mannschaft braucht Talente wie ihn, die endlich Verantwortung übernehmen. Es kann manchmal dauern, bis sie dazu in der Lage sind. Auch bei Toni Kroos hat das gedauert. Auch er war lange nur ein ewiges Talent, der Nachwuchsstar von Hansa Rostock, der übergangsweise bei Bayer Leverkusen spielte, bevor er bei Bayern München zum Star wurde und dann zu Real Madrid wechselte. Er war einmal einer wie Draxler, heute ist er vielleicht Deutschlands wichtigster Mann bei der EM, ein Spielmacher.

Kurz bevor die Europameisterschaft beginnt, ist Julian Draxler noch einmal in Gelsenkirchen, zum Testspiel der Deutschen gegen Ungarn. Er ist einer der Besten im Team, von Beginn an dabei, er schießt sogar ein reguläres Tor, das aber nicht gegeben wird. Eine gelungene Generalprobe für die EM.

Draxler mit Trainer Löw
DPA

Draxler mit Trainer Löw

Nach dem Spiel hat sein Vater in der VIP-Lounge der Veltins-Arena Platz genommen, gegenüber sitzt seine Frau, rechts neben ihm Lena. Freunde und Bekannte kommen vorbei, Olaf Thon und die Götzes, und gratulieren dem Vater zur Leistung seines Sohnes. Alle warten jetzt auf Draxler, den ehemaligen Schalker Jungen, seinen Sohn. Aber es dauert, er ist noch in der Kabine und duscht.

Sein Vater geht noch einmal ans Büfett und holt sich ein Bier und eine Portion Stangenspargel, nachdem er schon zwei Currywürste gegessen hatte. Er muss die Zeit totschlagen, solange Julian duscht.

Als er zurückkommt, hat Lena eine SMS bekommen. Julian hat fertig geduscht. "Ich muss jetzt los", sagt Lena, packt ihre Handtasche und steht auf. Und weil zunächst niemand etwas sagt, fügt sie hinzu: "Er hat noch zwei Koffer dabei, die er nicht hier hochtragen will."

Einen Moment schaut Hans-Jürgen Draxler sie an, als wolle er sichergehen, dass er das Signal richtig versteht. Dann wendet er sich an den Rest der Runde. Er räuspert sich, wie jemand, der etwas sehr Wichtiges, Grundsätzliches sagen will. "Der Jule", sagt er, "kommt heute nicht mehr."

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uhrentoaster 02.07.2016
1. Angepasst
Draxler gehört zur Generation der angepassten Mitläufer und Ja-Sager. Nur weil er EINMAL ein gutes Spiel in der Nationalelf gemacht hat, wird er in den Himmel gelobt. Denkt mal langfristiger!
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