30.09.2013

Von Keller, Maren

Das schwere Los des Schwerelosen

John Boyne: "Die unglaublichen Abenteuer des Barnaby Brocket". Kinderbuch. Aus dem Englischen von Adelheid Zöfel. Fischer KJB; 288 Seiten; 14,99 Euro.

Spätestens seit den Dursleys aus "Harry Potter" ist das Bedürfnis, eine ganz und gar normale Familie zu sein, ein etabliertes Motiv in der Literatur. Und spätestens seit dem Holocaust-Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist der Ire John Boyne einer der bekanntesten Autoren der Kinder- und Jugendbuchliteratur.

Nun hat sich John Boyne, 42, in herzerwärmender Weise dieses Motivs angenommen und eine Geschichte geschrieben über eine unauffällige Frau namens Eleanor, die sich Hals über Kopf in ihren langweiligen Kollegen Alistair verliebt, als sie sieht, dass er als Einziger in ihrem ganzen Anwaltsbüro einen tadellos aufgeräumten Schreibtisch hat. Es hätte das perfekte Vorstadtglück werden können. Aber ausgerechnet Alistair und Eleanor Brocket, die mit beiden Beinen so fest auf dem Boden der Tatsachen stehen, wie es nur geht, bekommen ein Kind mit einem ganz und gar unnormalen Makel: Der kleine Barnaby Brocket schwebt.

Zunächst nagelt Alistair Matratzen an die Decke, und Eleanor bindet Barnaby nachmittags an der Wäscheleine im Garten an. Doch als Barnabys Fähigkeit bekannt wird und er droht, den ganzen guten Ruf der Familie Brocket zu ruinieren, fassen seine Eltern einen folgenschweren Entschluss: Sie setzen ihn aus. Beziehungsweise: Sie lassen ihn einfach davonschweben. Was letztlich natürlich ein Glück ist für den kleinen Barnaby (und auch für den Leser), weil er so allerhand Abenteuer erleben kann, die ihn lehren, dass es vollkommen in Ordnung ist, anders zu sein. Und das kann man Kindern nicht oft genug erzählen. Und auch als Erwachsener kann man sich nicht oft genug daran erinnern.


KulturSPIEGEL 10/2013
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