F wie flirrend
Daniel Kehlmann: "F". Roman. Rowohlt; 384 Seiten; 22,95 Euro.
Ein Wort mit F? Suchen Sie sich eins aus: Familie, Finanzkrise, Fälschung, Fake, Fatum. Um all diese Themen geht es in Daniel Kehlmanns neuem Erfolgsbuch "F". Dass das "F" auf dem Buchcover unscharf verrutscht ist, liegt aber nicht am fehlenden Fokus des Romans. Es korrespondiert mit der flirrenden Atmosphäre, die Kehlmann immer wieder heraufbeschwört, wenn in den Alltag seiner Protagonisten unsichtbare Mächte einzugreifen scheinen oder ihnen die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Das beginnt mit dem Besuch beim Hypnotiseur, an dessen Kunst der ziemlich mittelmäßige Familienvater Arthur Friedland nicht glaubt. Dennoch wirft er danach sein ganzes Leben um und lässt seine drei Söhne im Stich - war da Übersinnliches im Spiel oder nur das Unterbewusstsein?
Aus den verstörten Jungs werden drei sehr unterschiedliche, allerdings gleichermaßen orientierungslose Männer, mit denen Kehlmann (fast) die ganze heutige Welt fasst: Aus Martin, dem ältesten, wird ein fresssüchtiger Pfarrer, der nicht an Gott glaubt, aber umso überzeugender vom Mysterium des Glaubens sprechen kann. Genauso überzeugend wie sein tabletten- und sexsüchtiger Bruder Eric, wenn er seinen Kunden die Kräfte des Finanzmarktes erklärt, die er selbst nicht durchschaut. Der dritte ist Iwan, ein Maler, der den Glauben an die Kunst verloren hat, seit er ein erfolgreicher Fälscher ist. Alle drei verwickelt Kehlmann in seiner raffinierten, elegant konstruierten Erzählung in eine Messerattacke auf offener Straße und lässt einen der Brüder dabei sterben. Im Universum der Literatur hat nur einer die Macht über das Schicksal: der Autor.
KulturSPIEGEL 10/2013
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